Vorm Hyatt

Zweier-Selfie mit malerischem Hintergrund: Im Rücken steht der Dom. Früher hat man jemanden gefragt, ob er einen mal fotografieren kann, heute hat man eine Selfie-Stange, an deren Ende man ein Smartphone oder eine kleine Kamera anbringen kann. In einigen Museen sind diese Fotografierhilfen inzwischen verboten: Nicht nur, daß man andere Besucher damit verletzen kann, wenn man versucht, das Gewicht in der Balance zu halten, es ist auch nicht ausgeschlossen, daß das Gestänge einen van Gogh der Länge nach aufschlitzt, nachdem es eine antike Büste vom Sockel gefegt hat – für ein Selfie!

Tanzbrunnen

Nicht viel los an der Frittenbude während des Blumenmarktes am Tanzbrunnen.

Gut, vielleicht liegt es auch daran, daß es schon tiefer Nachmittag ist, als wir eintrudeln, die meisten Leute sind alle schon wieder weg, nur die Standbetreiber harren noch aus.

Da sitzen noch ein paar Besucher und erfreuen sich an den Tanzdarbietungen zu einem Potpourri von Kölschschlagern (Potpourri heißt wörtlich übersetzt „verfaulter Topf“, und genau so hört sich das an).

Aber – das Wetter ist schön, die Stimmung relaxt, und wenn wir wollen, können wir eine bunte Basttasche kaufen, das ist doch nett.

Wer keinen Garten hat, braucht sich nicht mit Blumen abzuschleppen, und genießt die Spätsommersonne am Rhein.

Das Drama, das da erahnbar wird, ist gar kein Gewitter, sondern ein Kamerafilter, der genau so heißt: Drama. Am unteren Bildrand übrigens das Wahrzeichen Kölns, das man aus vielen Teilen der Stadt sehen kann: Der Baukran.

Hallo! – da hat sich inzwischen Kundschaft eingefunden, Abendbrotzeit, die Tochter hat Hunger. Zwei Fritten müßten reichen, dann ist der Magen voll.

Deutzer Werft

Auf dem Frühlingsfest gab es eine Geisterbahn, die war so gruselig, daß selbst der Tyrannosaurus Rex mit entsetztem Gesicht das Weite suchte. Jedenfalls sieht es so aus.

Draußen ist es allerdings genauso schrecklich: Viele drängelnde Menschen in einem Meer von sich gegenseitig überbietenden Geräuschen, womit ich nicht nur die kreischenden Karrussels und Kinder meine, sondern auch den Krach, der sich als Musik bezeichnet, während man an einer lauwarmen Bratwurst mümmelt oder sich an kandierten Nüssen die Zähne ausbeißt. So stelle ich mir die Hölle vor, oder zumindest eins ihrer Zimmer – es gibt ja auch Menschen, die das paradiesisch finden, die kommen da natürlich nicht rein, die kommen zur Strafe in eine Bibliothek – ohne Handy!

Alfred-Schütte-Allee

Herbstzeit – Drachenzeit.

Lange Zeit habe ich im rechtrheinischen Deutz gewohnt, hatte keinen Garten und Balkon, aber direkt den Fluß vor der Nase, ein paar Schritte, und schon konnte ich über die ausgedehnten Wiesen, wenn sie nicht wie hier überflutet waren, kilometerweit bis in die südlichste Spitze von Köln spazierengehen. Ein bißchen vermisse ich das.

Aber schön zu sehen, daß man sich auch hier brav an mein Dekret hält.

Deutzer Bahnhof

Das Geschäft mit dem Geschäft scheint sich zu lohnen: Vor nicht allzu langer Zeit war hier noch ein WC-Center. As ich die Kamera absetzte, standen zwei wohlbeleibte Bahnpolizisten neben mir und fragten sich offensichtlich, was ich da mache. „Ich … äh, liebe öffentliche Toiletten“ – habe ich sicherheitshalber nicht gesagt. Sie erzählten mir, daß die neue Firma wegen eines besseren Angebots den Zuschlag erhalten habe. Das wundert mich nicht, denn was vorher noch 60 Cent kostete, daür muß man nun 1 Euro bezahlen. Dafür erhält man einen Gutschein in Höhe von 50 Cent für eins der Junk-food-Geschäfte im Bahnhof. Wenn man sich da dann den Bauch vollgeschlagen hat, muß man nochmal aufs Klo – und erhält einen weiteren Gutschein. Man muß also nochwas essen, woraufhin … usw. Ein Perpetuum mobile der Gewinnmaximierung, geschickt.

Kopfzerbrechen bereitet mir nur der Name der gastlichen Stätte: „Bahn-und-frisch-WC“? Wo ist da der Sinn? Vielleicht als Verb, „to rail“ bedeutet „fluchen“: Wenn man mal wieder wegen der üblichen Verspätungen seinen Anschlußzug verpaßt hat, geht man aufs „Fluchen-und-frisch-WC“, schimpft in seiner Zelle wie ein Rohrspatz, schon fühlt man sich besser. Und pinkeln darf man auch noch.

Impressionen

Der Yuppie-Strand an des Rheins Brandung: Verwaist. Unbenutzt stehen die Surfbretter im Sand und träumen vom Pazific.

Auch der Biergarten ist leer, selbst Personal lungert hier nicht mehr herum.

Muß das sein? – abends ist es jetzt wieder dunkel. Keine Frage, ihr habt es vielleicht auch schon bemerkt: Der Sommer ist vorbei.

Macht nichts, der Herbst ist auch schön, solange es nicht tagein, tagaus regnet. Die Kultursaison hat wieder angefangen, Zeit, mal wieder ins Theater oder ins Museum zu gehen. Sissi? Läuft hier als Musical, aber ohne mich. Köbes Underground ist die Hausband der Stunksitzung, wirklich lustig, aber sie erinnern mich an etwas, woran ich lieber nicht denken möchte, die übelste Herbsterscheinung, die ich kenne, die, die am 11.11. beginnt. Könnte Obama hier nicht auch mal was tun? Eine internationale Ächtung von Kamelle und Strüßjer – Putin hätte bestimmt nichts dagegen, wenn er erfährt, daß die Jungfrau ein Mann mit Zopfperücke ist.