Deutzer Werft

Wenn man in einer Großstat wohnt, beschleicht einen irgendwann zwangsläufig das Gefühl, daß wir von Außerirdischen beherrscht werden: Wesen, die keine Ahnung von menschlichen Belangen und Notwendigkeiten oder Wünschen haben, sitzen im Stadtrat, beschließen abstruse Sachen und beauftragen Wesen ihresgleichen, sie durchzuführen. Dieser Käfig soll ein Spielplatz sein! Durchaus kein Einzelfall, ich habe eine ganze Reihe ähnlicher gesehen.

Ein bißchen Sand, vermutlich, damit man die Hundekacke nicht gleich sieht. Vor einer kleinen Betonwand steht ein merkwürdiges Gebilde, das auch als moderne Kunst durchgehen könnte, soll aber wohl ein Klettergerüst darstellen. Wer sich sowas ausdenkt, kann doch selbst niemals Kind gewesen sein. Ich stelle mir das so vor: Auf dem Planeten Adult 50 werden seit Tausenden von Jahren immer die selben Stammzellen geklont und bebrütet. Heraus kommt ein fertiger „Erwachsener“, dem man die nötigsten Informationen ins Gehirn impft, bevor man mit ihm eine der Schaltstellen der Behörden besetzt, die unsere Gesellschaften organisieren. Total absurd, denken jetzt vielleicht einige, aber schaut und hört mal genau hin, wenn die Tagesschau läuft – so unwahrscheinlich ist das gar nicht.

0 Antworten zu “Deutzer Werft

  1. Wenn ich ehrlich bin, ich habe da noch NIE ein Kind drin gesehen. Nicht mal Buddelspuren gibt es im Sand. Und gegenüber im Rheinauhafen verhält es sich ganz ähnlich.
    Die Kids spielen viel lieber ein Stück weiter unter der Brücke mit Steinen und Stöcken am Rhein.

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  2. Sehr guter Text!
    Ich fürchte beinah, du hast recht….
    Das Gefühl wie es war, Kind zu sein, vergessen zu haben ist vermutlich das Schlimmste, das einem Menschen passieren kann, scheint aber allgemein als Voraussetzung zu dienen, um erfolgreich zu sein und irgendwo was bestimmen zu können.

    Ich hätte gerade irgendwie Lust auf so einem Spielplatz eine Ausstellung zu machen mit Bildern von Kindern, wie sie wirklich spielen. Lebensgroße Fotos, um Leuten klar zu machen, was Kinder brauchen.

    Das ein Kind so spielen kann wie meines ist leider eine extreme Ausnahme und weit weg von jeglicher Kindheits-Realität in den Städten. Im Grunde viel alarmierender als wir uns das jemals bewußt machen.

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  3. Am Rande saßen nebeneinander zwei jüngere Frauen, eine hatte ihr Hündchen auf dem Schoß, und telefonierten – ob miteinander, weiß ich nicht.

    Ganz genau, im Rheinauhafen, die habe ich auch gesehen und war völlig fassungslos.

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  4. Ja, was für ein Unterschied. Nun kann natürlich nicht jeder in einer solchen Kinder-paradiesischen Umgebung aufwachsen wie Deine Tochter, aber gerade deswegen sollte man doch noch mehr Anstrengungen unternehmen, wenigstens halbwegs kindgerechte Spielplätze zu bauen. Aber weil die Stadt vermutlich Angst hat, man könne sie verklagen, wenn sich ein Kind einen Splitter reißt, bauen sie so einen Mist dahin. Eigentlich könnten sie es auch gleich lassen, aber das ist schlecht für die Statistik.

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  5. Klar, öffentlich Feuer machen, geht nicht, aber zwischen Kind mit selbstgebauter Hütte und Feuer und diesem Auslauf mit Modern Art Object ist ja noch ne ganze Bandbreite.
    Haufen Sand, Haufen Erde, Wasserstelle, diverse Schalen, Pötte, Pfannen, Stöcke, Zweige, Heu, Stroh, Holzklötze, da können Kinder stundenlang spielen.
    Oder: Mini Bauernhöfe in der Stadt mit Streichelzoos und kleinen Gärtchen für die Kinder, beaufsichtigt von Arbeitslosen oder Rentnern. Ginge alles. Man denke an Berlin, im Görlitzer Park gab es das mal (gibt es noch?).

    Das perverse an dem Teil oben ist auch, daß man sich so richtig vorstellen kann, wie irgendein Idiot sagt: „Ah ja, sehr freundlich und ansprechend gestaltet in der blauen Farbe!“

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  6. Ich glaube, öffentliche Spielplätze sind sowieso nicht das Non plus ultra, sondern eher was zum Herzeigen für die Stadtplaner. Ich kenne in Berlin auch Abenteuerspielplätze, die wesentlich einladender wirken als der von Dir gezeigte. Leer sind sie trotzdem. Unbeaufsichtigt lassen Eltern in der Großstadt ihre Kinder nicht gerne draußen spielen, und auf der Bank am Spielplatz zu sitzen, haben sie auch keine Lust. Beides kann ich verstehen. Übrigens riskieren die Erbauer/Betreiber von Spielplätzen ja tatsächlich eine Anzeige, wenn ein Kind sich auf einem Spielplatz verletzt. Wenn es dort spielt, wo das Spielen nicht vorgesehen ist, tragen die Eltern die Verantwortung. Resultat: Man schleppt die Kinder zur Belustigung lieber durch Einkaufs-Zentren, hat sie im Blick und kann dabei gleich shoppen. Traurig, traurig…

    Für Streichel-Zoos bin ich übrigens gar nicht (auch nicht für den im Zoo). Die Tiere bekommen dort ganz schnell Stress-Symptome. Kinder sollen lernen, Tiere zu lieben, aber Tierliebe ist was anderes, als Tiere dauernd anzufassen und zu füttern.

    Wirklich Sinn machen betreute Abenteuerspielplätze, wo gehämmert, gesägt und gebaut werden kann und auch mal ein Lagerfeuer gemacht wird, und gute Spielplätze auf dem Gelände von Kinderbetreuungseinrichtungen, und da werden sie auch von den Kindern genutzt.

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  7. Auf dem Rathenauplatz in Köln ist es geschickt gelöst: In unmittelbarer Nähe des traditionellen Spielplatzes ist ein Bier- und Kaffee-und-Kuchengarten, so können die Kinder unter Aufsicht spielen, während die Eltern sich gut verköstigt unterhalten können.
    Betreute Abenteuerspielplätze kosten Geld, das aber keiner hat, die meisten Eltern nicht und die Stadt auch nicht. Aber aus dieser Not sowas wie oben dahinzusetzen, ist völlig gedankenlos und rausgeworfenes Geld. Und, wie gesagt, leider kein Einzelfall.

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  8. Einen gut funktionierenden betreuten Abenteuerspielplatz habe ich in Berlin tatsächlich auch nur ein Mal aus der Nähe beobachten können. Die ganze Siedlung gehörte (oder gehört noch) der Kirche, und der Spielplatz wurde (oder wird noch, ich komme da noicht mehr längs) auch von dort betreut – teilweise wohl durch Ehrenamtliche. In der gegenwärtigen Misere muss man wirklich mehr über das Ehrenamt nachdenken, und das Schwinden der Kirchen kann auch den hartgesottensten Atheisten unter diesem Aspekt nur bedenklich stimmen. Ich bin ganz bewusst nicht ausgetreten, obwohl ich mit dem Kerngeschäft von Kirchen wenig bis nichts anfangen kann.

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