Rheinpark

In letzter Zeit studiere ich den Lokalteil unserer Tageszeitung (Kölner Stadtanzeiger) ganz genau, wichtige Ereignisse möchte ich ja auf keinen Fall verpassen, damit ich euch davon erzählen kann. Gestern las ich einen Artikel über eine Veranstaltung im Rheinpark: „Home & Garden“: „Die Besucher dürfen sich im Themengarten mit kleinen Formé-Kiefern aus Asien mit Whirlpool, Außenküche und einer kuscheligen Schattenecke mit Sonnenschirm wohlfühlen“, steht in dem investigativen Artikel. Ich also nichts wie hin – aber oh je: Keine Sonne, und von den 10 Euro Eintritt war in dem Artikel auch nicht die Rede.

„Bei einer Kochshow im Gourmet-Zelt gibt es italienische Vorspeisen, Wein, Lobster und Mango mit frischem Pfeffer.“ Wein für Katzen? Da stimmt doch was nicht. Ob die Journalistin wirklich hier war? Oder hat sie aus den Marketinginfos des Veranstalters abgeschrieben? Gut, ich bin nur Zaungast, vielleicht wird noch woanders gekocht.

„Ein massiver, hochwertiger Stuhl, der an einen Thron für die Gartenkönigin erinnert, kostet 545 Euro. Antik anmutende Brunnen und Bronzefiguren präsentiert ein belgischer Aussteller, die Brunnen stammen allerdings aus England.“ Sieht man alles nicht durch den Zaun, tja, das eben sind die Highlights, für die man dann doch vielleicht die 10 Euro hätte zahlen sollen. So muß ich mich begnügen mit den überaus interessanten Informationen, daß der Händler nicht etwa aus Holland oder Luxemburg, sondern aus Belgien kommt! Wow! Und die Brunnen aus England! Kaum zu fassen.

„Die Bänke, Tische und Schaukeln aus der Werkstatt von Klaus Wolsing sind Unikate: ‚Das findet man in keinem Baumarkt‘.“ Das Zitat bringe ich nur, weil ich just an den Baumarkt denken mußte, weiß auch nicht, warum. „Blühende Kirsch- und Magnolienbäume und Tausende Tulpen im Rheinpark sorgen für ein sinnliches Erlebnis“, schreibt die Journalistin und vergißt auch hier zu erwähnen, daß die Sinnlichkeit leider auch eingezäunt ist. Dabei bin ich sicher, daß ich die eigentlich öffentlichen Anlagen schon einmal mitbezahlt habe. Schade, „Tausende turbulent-tosende Tulpen“, die da bestimmt zu Dutzenden stehen, hätte ich jetzt wirklich gern gesehen.

0 Antworten zu “Rheinpark

  1. Ja, da soll einer mal sagen, dass sich die KStA-Lektüre nicht lohne. Über die Autorin des Artikels stolperte ich schon anlässlich einer redaktionellen Produktionformation über das Hineinschwappen von gesüßten Tees in moderne Großstadtquartiere.

    Da möchte man gleich Spott hinterherschwappen lassen, doch Gemach!

    Eine weitere Onlinerecherche fördert zutage, dass die junge Dame vor Jahren in einem historischen Seminar als Experin für „Erfundene Autoritäten“ in der mittelalterlichen Philosophie tätig war.

    Ob dieser Erkenntnis zagt nun hoffentlich jeder Spötter, denn: Wie gering ist doch die Autorität des mittelalterichen Quellenerfinders im Vergleich zur Pressemitteilung eines Eventveranstalters!

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  2. Wunderbar, daß ich da nicht hinmuß.
    Sprach’s und lümmelte sich auf’s Gartenkissen (40 Euro im Baumarkt) mit Buch (12 Euro Jahresgebühr in der Bücherei) und Hunden (je 150 Euro im Tierheim).
    Nein, Wein mögen die auch nicht, aber Kuchen, den ich versemmelt habe (kein Backpulver hinzugefügt). Merken: immer schön mit Backpulver, dann klappt’s auch mit dem Lobster!

    PS: Tausend turbulent triefende Tigerstreifen-Tulpen trotzen tatsächlich tapfer tierisch tosenden Tornados.

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  3. Radelnd Richtung Rheingarten, riechen riesige rote Rosen richtig romantisch!

    Doch, Du mußt da unbedingt hin! Für Gartenbesitzer wird die Veranstaltung doch extra gemacht, da kannst Du dich nicht verweigern. Denk auch an die Journalistin, die einen weiteren Höhepunkt ihres Schreibens verbuchen kann: „Unter den Zelten, die aus China stammen – die Zeltstangen kommen allerdings aus Polen -, finden sich auch illustre Gäste aus Mecklenburg-Vorpommern ein, allerdings gebürtig in Berlin.“

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  4. Vielen Dank für den Tipp, den Namen sollte man sich merken. Sie mag gedacht haben: Wenn sich im Mittelalter sogar Autoritäten erfinden können, dann kann es ja wohl in der Neuzeit nicht falsch sein, wenn Journalisten dasselbe tun. Und so braucht man sich nicht zu wundern, was man heutzutage so alles zu lesen bekommt in den Zeitungen und Zeitschriften.

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  5. Bisweilen bewahren biestige bourgoise Bassetts bei Berliner Busfahrern beneidenswert burschikose Bauernschläue!

    Übrigens ist dir aufgefallen, wie die Form der Gartenzelte das Unrecht verlassener Jurten im Umfeld Ulan Bators geradezu in den Himmel schreit?! Allein diese politische Aussage finde ich so stark, daß sie mir die 10 Euro Eintritt wert wäre!
    Wer weiß, ob nicht auch die Teakbänke was Hintergründiges zu sagen haben.
    Und ich meine: antik anmutende Brunnen! Also bei mir klingelt es da sofort! Der Aufschrei des Proletariats, geknechtet als ewige Gärtner, deren Stimme wie in tiefen Brunnenschächten verhallt, antik, gar altertümlich, doch brandaktuell fordern diese Stimmen Gehör, weit schallend über die Rheinwiesen…

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  6. Bald brettern Berliner Busfahrer bis Bonn – bei Bier, Bulletten und Bienenstich. Bemerkenswert!

    Jurten im Umfeld Ulan Bators, verlassen! – das ich da nicht drauf gekommen bin! Katzen müssen schon gepfefferte Mangofrüchte essen, dieses Elend! Aber bei den Brunnen täuscht Du Dich, die sind eine Allegorie auf das psychonalytisch-feministischen Urgwölbe, aus dem wir alle kommen, der antik anmutende Brunnen ist die sprudelnde Quelle, ja, was sag ich, das Ur-Meer allen menschlichen Seins, wenn nicht sogar die alles umfangende und alles gebärende Ur-Mutter! Allerdings aus England.

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  7. Ja, England! Wo die Mutter aller Königinnen die Teetasse (Symbol für ein verschlungenes Abhängigkeitsverhältnis Mensch-Gottheit) schwenkt!
    Und der Lobster spricht auch Bände: Hummer ist der beste Koch! Das wußte schon der Volksmund zu berichten.
    Apropos Mund, Brunnen sind Münder der Unterwelt und da kommt doch noch das Proletariat ins Spiel: Unterwelt, Unterschicht! Ich rieche den Duft der Revolution!
    Vive la kiefer formé! Krawehl Krawehl!

    PS: Ich mag jetzt gerade mal an meinen Eintrag vom 19.7.2011 erinnern:

    Oder die poetischen Beschreibungen der Gartenkataloge.
    „Fonteney Tische: Sie führen Familie und Freunde zusammen und tragen für uns die Last der Genüsse.“
    „Patio-Stühle wirken durch ihre Erdtöne und ihre eckige Form warm und puristisch zugleich.“
    „In England, dem Mutterland der Gartenrevolution….“
    „Die grünen Schutzgeister: Abdeckhauben. Die Hauben verhüllen die Möbel bis Morgentau, Sommerschauer oder Winter sich verzogen haben, um sie sogleich für den Gartentag freizugeben.“
    „Wenn die Sonne durchs Blätterdach schimmert und nichts unwiderstehlicher ist, als die Augen zu schließen, nehmen die komfortablen Teakliegen unsere Seele in Empfang- und die Welt ist Lichtjahre entfernt.“

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  8. Die Engländer vermutlich nicht – die haben zwar komisches Essen, aber soo geschmacklos, den Garten mit antikisierten Brunnen zu verschandeln, sind sie dann doch nicht. Deshalb lohnt es sich ja, die hierher zu verschiffen, in England kauft die keiner. 😉

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  9. Der Volksmund hat ja immer so recht: Wo Prahlhans Küchenmeister ist, pfeift der Überfluß aus allen Löchern. Feinschmecker-Service für Samtpfoten, die sich im Whirlpool aalen, während sie auf den Lobster-Boten warten, dem sie per App die Bestellung durchgegeben haben: Auch das ist die Last der Genüsse. Man hat’s schon schwer in einer Welt jenseits des Baumarktes. Zum Glück gibt es „Schutzgeister: Abdeckhauben“! – kann man nur hoffen, daß sie alle darunter verschwinden. Eine große Abdeckhaube für die ganze Veranstaltung, bitte, am besten als Tarnumhang. Daß die Teakliegen die Seelen in Empfang nehmen, glaube ich gern: Auch der Teufel braucht Brennholz (ha! – was hier die ganze Zeit so proletarisch-revolutionär riecht, das bin ich!).

    Besorgt blicken Bonner Bürger bei Bertie-Bodo-Brüderschaft: Berliner Billig-Bils statt Bönnsch! Besonders bedauerliche Bredouille!

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  10. „Barbar!“ brüllt Bodo bleich. „Bin babyzahm“, beschwichtigt Bertie bescheiden. „Bist besoffen!“ behauptet Bodos Besserehälfte Beate bissig. „Blödes Biest!“ bellt Berties Beziehung Bille, betrachtet barbusige Bonnerin betroffen.
    Plötzlich Prügelei! Pausenloses packen, prügeln, packen! Peinlich!

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