Hohe Str.

In Köln gibt es ca. 130 Spielhallen mit 2160 Geräten, 1800 Geräte stehen zusätzlich in Gaststätten. Der Spielverlust der Spieler beträgt allein in Köln schätzungsweise 60.250.000,00 Euro im Jahr (2010) – da lohnt es sich, fast rund um die Uhr geöffnet zu haben und den Spielern ausgiebig Gelegenheit zu geben, ihre Existenz zu verzocken. Das spült natürlich jede Menge Gewerbe- und Vergnügungssteuer in die öffentlichen Haushalte, die nicht gegengerechnet werden gegen die Kosten, die Spielsucht erzeugt – wie will man das Elend, das der finanzielle Ruin einer Familie erzeugt, auch in Euro umrechnen? Und damit das Interesse an einer Änderung der Verhältnisse auch gering bleibt, hat der führende Spielhallenkonzern, die Gauselmann AG, in den letzten 20 Jahren über eine Millionen Euro an Politiker der SPD, CDU/CSU, FDP und Grüne gespendet – in kleinen Scheinen, versteht sich, damit die Spenden nicht in den Rechenschaftsberichten der Parteien auftauchen.

Hahnenstr.

Nochmal ein Schaufenster: Zur Sicherheit hängt in diesem Lampengeschäft ein Zettel, daß dies Werke des Künstlers Stephan Gentsch sind. Denn Kunst kann schön sein, muß ja aber nicht. Wer also zu Hause merkt, daß das nicht so recht zum Ikea-Mobiliar oder Gelsenkirchener Barock paßt, kann sich wenigstens dem Gedanken hingeben, er sei im Besitz eines Kunstwerks, auch wenn es in der Rumpelkammer steht.

Am Neumarkt / Hohenstaufenring

Wenn man Äpfel über den Winter bringen will, sollte man sie möglichst so lagern, daß sie sich nicht berühren. Aber ob das Bett der richtige Ort dafür ist? Oder was gibt es sonst für eine Verbindung Bett/Äpfel? Ich hab’s: Ohne Äpfel gäbe es uns nicht. Hätten Adam und Eva nicht vom Apfel der Erkenntnis gegessen, säßen sie immer noch allein im Paradies, hätten keine Ahnung, was sie mit ihrer jeweiligen körperlichen Ausstattung anfangen sollten und würden sich langweilen. Kurz gesagt: Ohne Äpfel kein Sex. Das Bett wäre allenfalls ein Ort zum Schlafen. Äpfel im Bett sind also eine mehr oder weniger subtile Aufforderung zum … äh, ja.

Mich in ein Gesicht zu setzen, und sei es auch von hinten, würde mir allerdings im Traume nicht einfallen.

PS: Vom 18.01 – 23.01. findet in Köln die Möbelmesse „imm cologne“ statt. Die Möbelhäuser buhlen entsprechend um Aufmerksamkeit.

Hochwasser

„Das Team der Hochwasserschutzzentrale wünscht Ihnen eine tolle Woche.“ ist auf ihrer Seite zu lesen. Das ist nett. Der Pegel des Rheins steigt stündlich ca. 3 cm, im Moment steht er bei 8,75 Meter, und voraussichtlich soll Dienstag mit 9 Metern der Höchststand erreicht sein. In ca. 24 Stunden à 3 cm, plus 8,75 m … euch auch tolle Tage, liebe Leute von der Hochwasserschutzzentrale. Wieviele Kölsch waren es denn gestern abend?
Die Promenade ist bereits abgesperrt, aber zu schlimmeren Überschwemmungen wird es wohl nicht kommen.

Die am Kai des Rheinauhafens liegenden Schiffe, von denen man sonst allenfalls die Takelage sieht, rücken den Anwohnern noch dichter auf die Pelle. Wer hier wohnt, hat tief in die Tasche gegriffen, um einen freien Blick auf den Rhein in exklusiver Lage zu genießen. Dummerweise ankern hier bereits seit 1898 Schiffe, und bis die angelegt und alles vetäut haben, produzieren sie jede Menge Lärm und Dieselabgase. Verständlicherweise paßt das den betuchten Anwohnern nicht – also setzt man sich zusammen und bespricht, wie das Problem zu lösen ist … so würden das jedenfalls vernünftige Menschen machen. Was passierte hier? Die Anwohner bewarfen die Schiffe nachts mit Tomaten, rohen Eiern und Gurken, und es soll auch schon mal ein Schuß aus einem Luftgewehr zu hören gewesen sein, Lösungswege der gehobenen Klasse. Danke für das Beispiel, wenn das nächste Mal ein Brummi an meinem Haus vorbeifährt, weiß ich, was ich zu tun habe.

Kölner Frittenbude, Am Leystapel

Dieses Bild zeigt, was es nicht mehr zeigen kann, nämlich das: Die Frittenbude aus dem Kölner „Tatort“. In jeder Sendung stehen die beiden Kommissare an der mobilen Bude und ernähren sich ungesund vor der Dom-Silhouette. In Wirklichkeit steht der Imbiß nicht an dem Platz, sondern – bis vor Kurzem – in der Nähe des Rheinauhafens. Ein Publikumsmagnet, sowohl für Kölner als auch für Touristen – später kann man seinen Enkeln erzählen, daß man hier auch schon eine Currywurst mit Fritten rot/weiß gegessen hat, wenn man die x-te Wiederholung eines Köln-Tatorts im Fernsehen sieht. Seit ein paar Monaten steht nun dieses Häuschen hier, der Wagen ist weg – beim städtischen Denkmalamt war man der Meinung, daß so ein Jahrmarktswagen schlecht paßt zur aufgemotzen Architektur des nahen Rheinauhafens mit Quadratmeterpreisen bis zu 8.000 Euro. Die Gentrifizierung nimmt komische Formen an.

Die Currywurst in dem neuen Gebäude schmeckt allerdings genau so schlecht wie vorher die in der Bude – wenigstens etwas, was gleich geblieben ist.

Edit 18.11.13: Der neue feste Standplatz ist nun hier.

Hohenstaufenring

Nein, das ist nicht die Werkstatt von Gunther von Hagens, sondern ein Schaufenster eines Geschäfts, das irgendwas mit „Creativ“ im Namen führt. Die Aufforderung „Mach was aus deinem Typ, zeig Eigeninitiative!“ habe ich jetzt nicht gelesen, aber wenn die FDP hier ihren Stand aufbauen würde, hätte sie Anschauungsmaterial für ihre Politik gleich nebenan, Leistung soll sich schließlich lohnen, egal, auf welchem Gebiet, und Bürger abzuziehen ist ein lukratives Geschäft, wer wüßte das besser als die Unternehmerfreunde von Schwarz/Gelb.
Auch die Polizei hat ihre Einstellungskriterien gelockert, das aber schon seit längerem, wie der erfolgreiche Einsatz in Stuttgart gezeigt hat.

PS: Übermorgen ist Halloween. Daß die Beschlüsse der Bundesregierung von gestern, die vier Stromwuchererriesen zu pampern bei gleichzeitigen drastischen Kürzungen von Sozialleistungen, nur ein Gruselscherz seien, ist ein unhaltbares Gerücht.

Halle 11 im Rheinauhafen

So sah es vor zweieinhalb Jahren in einem der alten Lagerhäuser noch aus (zu sehen ist oben Halle 12, wie mir ein freundlicher Anwohner erklärte).

Heute ist hier ein riesiges Einrichtungshaus: Edle Möbel und alles, was man so braucht fürs Wohnen.

Ich hatte ja keine Ahnung, was man haben muß, um seine Wohnung zeitgemäß einzurichten.

So ein Neonbudda ist bestimmt total trendy, hat aber keinen Schlitz, anders als die asiatisch anmutenden Figuren: Sparschweine (der Ausdruck kommt mir grad komisch vor). Eher was fürs Kinderzimmer.

Das hier ist auch Kitsch schon eher was für gehobene Ansprüche, der „Denker“ von Rodin ist ja nichts dagegen.

Oder doch lieber gleich einen richtigen Flieger? Oder sind wir schon wieder in der Jugendabteilung? Ich kenn mich nicht mehr aus.

Was Nützliches für die Küche, ein Messerhalter für extravagante Gemüter, es gehört eben etwas Mut dazu, aus der Masse herauszustechen.

Eine weitere Mutprobe.

Dieser Laden ist ein reines Kuriositäten-Kabinett, ich kann den Besuch besonders am Wochenende sehr empfehlen, da darf man nur kucken und nichts kaufen, also drängt einen auch keiner.

Die rekonstruierte Architektur der Lagerhalle am Rhein ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

Schaafenstr.

Hermann Hesse prägte in seinem Roman „Das Glasperlenspiel“ den Begriff des „feuilletonistischen Zeitalters“ – die Kultur ist geprägt durch schier endloses Gequatsche, jeder hat eine Meinung zu irgendwas, wahllos werden den Zuhörern und -sehern Informationen eingetrichtert, daß sie uns aus den Poren wieder herauszukommen scheinen, man weiß gar nicht, wo man die parolenhaft vorgetragenen Neuigkeiten noch unterbringen soll. Wenn man Glück hat, gibt es einen Kommentar, der ungefähr das ausdrückt, was man fühlt, aber gleich geht’s weiter, Aufstände, Bankencrash, Unwetter, Kriege, Arbeitslosigkeit – ist aber alles gar nicht so schlimm, in den Talkshows beruhigt die Ministerin die Massen, allen gehe es gut, jaja, man habe das so beschlossen im Kabinett. Und nun zum Wetter.

Kreuzworträtsel, anderes Wort für „unangenehme Situation“, 5 Buchstaben: Armut.