
In Köln hat man den Eindruck, die Welt ist Karneval, kaum ein Schaufenster, das nicht entsprechend dekoriert ist. Die Mariechenschar oben bevölkert die Auslagen einer Konditorei, sie stehen jeweils auf kleinen Schachteln, in denen mutmaßlich irgendwas Süßes ist.

Die Bäckereiketten haben natürlich auch aufgerüstet, industriell hergestellte Berliner, die hier traditionell zur Karnevalszeit gegessen werden, sind, mit Eierlikör gefüllt, im Dutzend billiger zu haben.

Sogar die kleine Reinigung um die Ecke will nicht hintanstehen – der Werbeeffekt, den das haben soll, ist mir allerdings schleierhaft: „Ich bring meine Hemden jetzt nur noch zu Reinigung Schmitz, da steht ’ne Flasche Schampus und ein abgefüllter Clown im Schaufenster.“ Oder wie?

Wer noch nichts anzuziehen hat – nun wird’s aber Zeit! Ob man allerdings als Domina-Politesse so gut ankommt – gut, das kommt natürlich ganz darauf an, was man vorhat.

Traditionell geht es natürlich auch. Und zu vorgerückter Stunde soll ja der ein oder andere eigentlich seriöse Herr liebevoll eingesetzten Handschellen nicht abgeneigt sein, besonders bürgerliche Kreise halten das für verrucht (habe ich mal gehört).

Das ist wahrscheinlich das beste Kostüm: Jedes Jahr muß der Karneval unter einem bestimmten Motto stehen, keine Ahnung warum, jedenfalls heißt es diesmal: „In Kölle jebützt!“ – übersetzt: In Köln geküßt. Wahllos. Von jedem oder jeder, der oder die gerade Lust dazu hat! Und als Pirat kann man unauffällig die passende distanzhaltende Waffe mit sich führen.

Und jedes Jahr wieder wird dieses ernste Thema propagiert: Kein Alkoholausschank an Kinder und Jugendliche. Leider ein frommer Wunsch, denn was helfen alle Ermahnungen, wenn die „Langen“ sich tagsüber ohne jede Scham volllaufen lassen. Und wenn die Getränke den Körper dann auf dem selben Weg wieder verlassen wie sie eingeführt wurden, dann sind die „Bütze“ besonders willkommen.