Gereonsdriesch

Von einer Tränke (=Driesch) ist hier im Schatten der romanischen Kirche St. Gereon nichts mehr zu sehen, stattdessen ein großer Kopf, bei dem man den Eindruck hat, er sei beim Transport vom Lastwagen gefallen – ein ungewöhnliches Denkmal, aber es fällt auf. Der Heilige Gereon war der Anführer der Thebäischen Legion in römischen Diensten, deren Angehörigen sich im zweiten Jahrhundert lieber hinrichten ließen, als ihrerseits Christen zu töten, stattdessen reizten sie den römischen Kaiser zusätzlich mit einem Bekenntnis zum Christentum. Ihre Leichen, so die Legende, wurden hier in einen Brunnen geworfen. Der Name Gereon wurde aber erst ca. 500 Jahre später bekannt, wahrscheinlich hatte jemand die Idee, einfach mal bei Wikipedia nachzuschauen. Wieder 300 Jahre später, 1067, hatte der damalige Erzbischof eine Traumvision: Er solle nach den Gebeinen der Märtyrer graben. Geträumt, getan: Man fand in Kirchennähe einen Haufen von Knochen, die fortan als Reliquien verehrt wurden – Reliquienverehrung ist vor allem eine lukrative Angelegenheit, sie ziehen Pilger in die Stadt und man kann Handel mit ihnen treiben. Heute weiß man, daß irgendwann nach dem 6. Jahrhundert ein Friedhof an dieser Stelle war, der später in Vergessenheit geriet.

0 Antworten zu “Gereonsdriesch

  1. Eine Hinrichtung… und jetzt liegt da ein Kopf.
    Aha. 😉
    Tatsächlich eine ungewöhnliche… aber in meinen Augen feine Art eines Denkmals.
    Zu dem „Reliquien-Beschiss“ sage ich als Ungläubiger mal lieber nichts.

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  2. Dschä, so viele Reliquien und kein Wallfahrtsort. Da hat der richtige Tourismusmanager gefehlt, so ein Alfons, wie es ihn in Santiago de Compostela gegeben hat.
    Schade drum, da wär doch mehr draus zu machen gewesen, als nur so ein rollender Kopf, zumal es doch einen Brunnen gegeben hat und somit geweihtes Wasser.
    Mach was dran.
    🙂

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  3. Das habe ich in Netz gefunden: „Insgesamt wird somit durch Zahl und Vielfalt der Kölner Pilgerzeichen bestätigt, daß diese Stadt einer der frühen großen Pilgerorte in Europa war. Dabei hatte sie eher den Charakter einer Durchgangs- und Fernwallfahrt zu weiteren Zielen wie Rom oder Santiago.“ Das gilt besonders für die Zeit nach Beginn des Dombaus für die Knochen der Heiligen Drei Könige, bzw. die man dafür hält. Das ging ein paar hundert Jahre gut, aber dann verlor die Stadt an Bedeutung (übrigens besonders wegen der natürlichen Verbreiterung der Antwerpener Schelde) und wurde zu einem stinkenden Dreckspfuhl, in dem der Dreck knöcheltief auf den Straßen lag. Möchte man da hin pilgern?

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