Tätäää!

In Köln hat man den Eindruck, die Welt ist Karneval, kaum ein Schaufenster, das nicht entsprechend dekoriert ist. Die Mariechenschar oben bevölkert die Auslagen einer Konditorei, sie stehen jeweils auf kleinen Schachteln, in denen mutmaßlich irgendwas Süßes ist.

Die Bäckereiketten haben natürlich auch aufgerüstet, industriell hergestellte Berliner, die hier traditionell zur Karnevalszeit gegessen werden, sind, mit Eierlikör gefüllt, im Dutzend billiger zu haben.

Sogar die kleine Reinigung um die Ecke will nicht hintanstehen – der Werbeeffekt, den das haben soll, ist mir allerdings schleierhaft: „Ich bring meine Hemden jetzt nur noch zu Reinigung Schmitz, da steht ’ne Flasche Schampus und ein abgefüllter Clown im Schaufenster.“ Oder wie?

Wer noch nichts anzuziehen hat – nun wird’s aber Zeit! Ob man allerdings als Domina-Politesse so gut ankommt – gut, das kommt natürlich ganz darauf an, was man vorhat.

Traditionell geht es natürlich auch. Und zu vorgerückter Stunde soll ja der ein oder andere eigentlich seriöse Herr liebevoll eingesetzten Handschellen nicht abgeneigt sein, besonders bürgerliche Kreise halten das für verrucht (habe ich mal gehört).

Das ist wahrscheinlich das beste Kostüm: Jedes Jahr muß der Karneval unter einem bestimmten Motto stehen, keine Ahnung warum, jedenfalls heißt es diesmal: „In Kölle jebützt!“ – übersetzt: In Köln geküßt. Wahllos. Von jedem oder jeder, der oder die gerade Lust dazu hat! Und als Pirat kann man unauffällig die passende distanzhaltende Waffe mit sich führen.

Und jedes Jahr wieder wird dieses ernste Thema propagiert: Kein Alkoholausschank an Kinder und Jugendliche. Leider ein frommer Wunsch, denn was helfen alle Ermahnungen, wenn die „Langen“ sich tagsüber ohne jede Scham volllaufen lassen. Und wenn die Getränke den Körper dann auf dem selben Weg wieder verlassen wie sie eingeführt wurden, dann sind die „Bütze“ besonders willkommen.

0 Antworten zu “Tätäää!

  1. Was?! Keine alkoholaromatisierten nassen Küsse von igendwem? Kein Interesse am Odem ausgeschiedener Körperflüssigkeiten an jeder zweiten Ecke? Angegrapschtwerden im Gedränge vielleicht? Nein? Du bist auch mit gar nichts zu locken. 😉

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  2. Tja, so ist das an Karneval. Alkohol – auch ohne Ausweis. Es sei denn: Ich bin dabei. Ich reden dann so leise laut über Ordnungsamt und Co., sodass auch der Türke um die Ecke die Ausweise sehen will 🙄 :.

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  3. also, die süßen mariechen find ich ganz herzallerliebst, und bei diesen verwegenen piratenkostümen könnte man fast auf die idee kommen, selber mal wieder auf karneval zu gehen. der ist hier in nordbayern natürlich absolut lächerlich. deshalbe fahren ein paar freunde von mir jetzt demnächst wieder nach kölle … ihr habt’s einfach raus in der hinsicht. oder? als was gehst du denn (bitte sag jetzt nicht, dass du gar nicht gehst … das geht doch bei euch gar nicht, oder?)

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  4. Als ich aus Norddeutschland nach Köln gezogen war, habe ich mir den Karneval in den ersten Jahren mit einer Mischung aus Unverständnis und Faszination angesehen, aber dann ging er mir zunehmend auf die Nerven, denn viele verstehen ihn hier als eine Gelegenheit, mal richtig die Sau rauszulassen – sprich: Sich zu besaufen und Rücksichtslosigkeit als Tugend zu erheben. Ein paar Jahre lang habe ich mich dann auf alternativen Karnevalsveranstaltungen herumgetrieben (z.B. Stunksitzung), die aber inzwischen in dir normalen Festivitäten integriert wurden. Die letzten Jahre bin ich immer geflüchtet – nach Berlin, wo Freunde von mir wohnen. Ur-Kölner erleben das oft natürlich ganz anders, wahrscheinlich muß man das im Blut haben. Und wenn man von außerhalb kommt für ein, zwei Tage, dann kann das schon ein Erlebnis sein, kann ich durchaus nachvollziehen.

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  5. Ok, ganz offensichtlich bin ich wohl doch kein Ur-Kölner und im Blut habe ich das schon mal gar nicht…..:roll:
    Oder liegt es nur daran, daß ich alkoholaromatisierten Küssen nicht ab kann?
    Oder vielleicht an der Tatsache, daß ich selbst mit 2 Kindern an der Hand und nem GöGa neben mir immer wieder feucht fröhlich angegraben werde?

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  6. Aah ja – Du läßt Dir also ganz gern mal die Handschellen anlegen und Dich ein bißchen auspeitschen, aber es kommt darauf an, von wem – oder wie ist das zu verstehen? Das läßt ja tief blicken … aber gut, jeder wie er’s mag . :>> Da fällt mir ein, ich habe mal einen sehr guten, spannenden Roman gelesen, da machte ein Paar in einem einsamen Wochenendhaus auch Sexspielchen mit Handschellen, plötzlich bekam er einen Herzinfarkt, verstarb – und sie hing mit beiden Händen gefesselt am Bettrahmen und kam an den Schlüssel nicht heran. Also – paß auf!

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  7. Ich sehe, Du hast weitreichende Erfahrungen. Vielleicht solltest Du Dir ein möglichst abschreckendes Kostüm zulegen. Eine sehr hübsche ehemalige Kollegin von mir hat sich mal als Mann kostümiert, mit Bart und so, das sah so täuschend echt aus, daß sie keiner mehr angegraben hat. Das war ihr dann allerdings auch nicht recht. 😉

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