Eierplätzchen

Hier kann man schön draußen sitzen – als Eskimo. Aber drinnen ist es auch gemütlich, wenn es nicht zu voll (und damit zu laut) ist. Guter Kuchen!

Den Namen des ovalen Platzes „Eierplätzchen“, an dem das Café liegt, findet man in keinem Stadtplan, denn er ist keine offizielle Bezeichnung. Gibt man ihn aber in Google Maps ein, wird er angezeigt, und auch jeder Taxifahrer weiß sofort, wo man ihn findet, wenn man danach fragt.

Schnee im Dschungel

Das ist selten in dieser Stadt: Permanenter Schneefall, aber ganz kleine Flocken, so daß sich keine dicke Schneedecke bildet. Aber zum Ausrutschen mit dem Rad reicht es, wenn einem ein Taxi die Vorfahrt nimmt und man überraschend bremsen muß. Mein rechtes Knie schillert in allen Farben. Der Taxifahrer sah mich fallen, aber er hatte es eilig, das muß man verstehen.

Taxifahrer sind Krieger der Großstadt, immer bewaffnet mit ihrem Gefährt und oft bereit, das Risiko einer Konfrontation einzugehen. Alle anderen Verkehrsteilnehmer sind natürliche Gegner, Knallköpfe, die das behindern, womit der Taxifahrer schließlich seinen Lebensunterhalt verdient!

Habsburgerring

„Hereinspaziert! Bei uns ist jeder Arsch willkommen, genau wie bei Facebook!“, scheint uns dieses Schaufenster zu sagen. Nun kann ich mir vorstellen, daß es auch bei Facebook viele Arschgesichter gibt ( – alle Leser dieser Zeilen sind ausdrücklich nicht gemeint!), aber daß man in diesem Fotogeschäft so selbstverständlich davon ausgeht, finde ich verblüffend. Aber gut – sollte ich jemals den Wunsch verspüren, ein Foto meines Hinterns haben zu wollen, weiß ich, wo ich hingehen muß. Ob sich das allerdings als Profilbild eignet, entscheide ich dann.

Kirche St. Severin

„Gott sitzt auf Frauen …“, habe ich erst gelesen und sogleich das Bild vor dem inneren Auge gehabt, wie ein alter Mann mit zotteligem Bart bei Frauen auf dem Schoß sitzt, und mich gefragt, für welches Vergehen Frauen diese gemeine Strafe zu erdulden haben. Aber er sitzt nicht, er setzt, soll heißen: Frauen, ihr seid dran. Das hat sich allerdings noch nicht bis in die Führungsetagen der internationalen Wirtschaft herumgesprochen, was wohl daran liegt, daß Gottes Wort hier nicht so viel Bedeutung hat, denn das schadet den Geschäften. Wenn also Gottes Wort je nach Ermessen Bedeutung hat, ist es soviel wert wie jedes andere, und daß Frauen jetzt alles richten werden, sollen oder dürfen, ist so unwahrscheinlich wie die Annahme, die Folterqualen eines Menschen seien ein Segen für alle anderen.

Auf dem Neumarkt

Da-da-daaa … Gerade sind die einen Festivitäten vorbei, schon sind die guten Vorsätze fürs neue Jahr wieder vergessen, oder aufgschoben: Die Session in diesem Jahr ist kurz, die tollen Tage beginnen schon am 7. Februar, da muß man sich beeilen, sich das richtige Quantum an Bier und Bratwurst einzuverleiben. Nee, was’n Streß!

Chlodwigplatz

Ich eß ja keine Grillhähnchen mehr, obwohl sie mir früher immer mal ganz gut geschmeckt haben. Daß die Tiere innerhalb kürzester Zeit auf das erforderliche Gewicht in industriellen Anlagen auf abscheuliche Art hochgemästet werden, hat sich ja mittlerweile herumgesprochen, und das ist eigentlich schon Grund genug, die Finger davon zu lassen. Was es aber vollends unappetitlich macht, ist der Grillvorgang: Unten in der Fettauffangpfanne liegen die fertig gegrillten Kadaver, während sich oben an der Grillstange neue Hähnchen drehen – und nach unten tropfen, genau auf die fertigen Exemplare. Selbst, wenn keine Salmonellen drin sind, appetitlich ist anders.

In diesem „Wienerwald“ läuft man aber keine Gefahr, sich zu vergiften: Der Grill ist „Defekt“. Wieso hat ein „Wienerwald“ geöffnet, wenn es keine „Hendl“ gibt? Für Currywurst mit Pommes rot/weiß, das gibt es ja sonst auch so selten.

2013

Am Neujahrstag sind alle Kirchen bis spät geöffnet, und viele Leute scheinen zu glauben, mit einer Kerzenspende das kommende Jahr positiv beeinflussen zu können. Reiner Aberglaube natürlich, Bleigießen, Kaffeesatzlesen, ich habe sowas natürlich nicht nötig.

Bei mir macht das meine Wohnung. Was soll das wohl bedeuten: Ich putzte gerade mein Bad silvestergästerein (man will ja zumindest hygienisch keinen schlechten Eindruck hinterlassen), da rummste es laut einen Meter hinter meinem Rücken. Das Regal über der Badezimmertür mit den schweren Bänden einer Kunstzeitschrift war heruntergekommen und hatte meinen alten Abfalleimer erschlagen (rechts im Bild), der dort stand, weil ich mir seit ca. einem halben Jahr über seine weitere Verwendung noch nicht im Klaren war. Wenn das mein Kopf gewesen wäre … (über dessen Verwendung ich auch oft nicht genau … egal, das ist ein anderes Thema). Was will mir die Vorsehung damit sagen? Befreie dich von altem Ballast? Meide dein Badezimmer, wo es geht, und pfeife auf die Gäste? Interessant auch, wie die Zeistschriftenbände gefallen sind, wie ein Weg, den ich gehen soll, in diesem Fall ins Schlafzimmer … das ist natürlich nur ein Bild, eine Metapher, das Schicksal will mir mitteilen, daß ich viiiiiel Ruhe brauche und mich bloß nicht überanstrengen darf. Ja, doch, damit kann ich was anfangen. Und vielleicht, daß ich Regale besser andübeln sollte, aber kann die Vorsehung so profan sein?

Hier noch ein Rat aus dem Schaufenster eines Frisörs, den ich gerne weitergebe.

Frohes neues Jahr!

Butzweilerhof

Och nö! – muß das sein? Gerade will ich in meinen Hot Dog beißen, den es billig in einem schwedischen Möbelhaus gibt, da stellt sich diese Gestalt an meinen Tisch: Halb nackt, ein Hut aus Zweigen, der Oberkörper mit kleinen schorfigen Wunden übersät. Wieso muß ausgerechnet mir das passieren? Gibt’s hier kein Sicherheitpersonal? Alle anderen kucken natürlich angelegentlich in andere Richtungen. Immerhin, angetrunken scheint er nicht zu sein, aber der Geruch … „Ein Tempel der Händler“, sagt er und schüttelt den Kopf. „Jep“, antworte ich eilfertig – solchen Leuten widerspricht man möglichst nicht, und bloß nicht nachfragen, was er meint, das fehlte noch, daß ich mich hier mit einem Irren … obwohl, eigentlich macht er einen relativ klaren Eindruck. „Frierst du gar nicht?“, frage ich – und ärgere mich sofort über mich selbst, wie komme ich dazu, den zu duzen, auch Penner haben das Recht …

Keine Antwort, stattdessen starrt er auf meinen Hot Dog. Ach nee, das nun wirklich nicht, das ist meiner, ich habe dafür angestanden, mit Nachdruck habe ich mir einen Platz an der Soßen- und Gürkchenscheibenbar erkämpft, das Würstchen im Brötchen kunstvoll gleichmäßig belegt … na schön. Ich kann mir ja noch eins holen. „Möchten Sie vielleicht …?“ Ich halte ihm den Hot Dog hin, aber er will ihn nicht. Stattdessen lächelt er mich an – Moment, ich glaube, der grinst, also das ist doch … Er schaut an mir vorbei – ah, da kommen endlich zwei Sanitäter zielgerichtet auf uns zu, der eine versucht, eine Zwangsjacke hinterm Rücken zu verstecken. Ich höre noch eine „Frohes Fest!“, dreh‘ mich wieder um – er ist weg, wie vom Erdboden verschluckt. Okay … erleichtert widme ich mich meinem Hot Dog. Ehrlich gesagt: Das ist eher die Simulation von etwas Eßbarem, die Trägersubstanz, also Würstchen und Brötchen, schmeckt nach nichts, Geschmack wird nur vom Essig der eingelegten Gürkchenscheiben erzeugt. Ach, was soll’s – einmal im Jahr kann man das ertragen.