Möbelgeschäfte

Gestern ging die „imm cologne“, die internationale Möbelmesse, zu Ende. Ich hatte die Hoffnung, die Möbelgeschäfte am Ring würden anläßlich dieses Termins irgendwas Besonderes ausstellen, aber Fehlanzeige. Patchwork, also das flickenhafte Durcheinander, soll ja tooootal in sein, habe ich neulich gehört. Tja, wenn einem nichts Neues einfällt, greift man halt zum Alten, vielleicht läßt es sich ja nochmal aufwärmen. Ebenso fad ist auch die Provokation in der Deko: „Blasphemische“ Abendmahlsdarstellungen gibt es inzwischen wie Sand am Meer, da regt sich selbst im katholischen Köln keiner mehr auf.

Ich habe gelesen, daß jeder Deutsche im Schnitt 400 Euro im Jahr für Möbel ausgibt. Von diesen Stühlen kann man sich also zwei Stück kaufen. Glücklicherweise kann man die nächstes Jahr auch wieder rausschmeißen, denn dann stehen ja neue 400 Euro zur Verfügung.

Dieser Sessel ist zwar um 360 Euro heruntergesetzt, muß aber immer noch mit knapp 1000 Euro zweieinhalb Jahre halten, vorausgesetzt, man kauft sich nichts anderes dazu, einen Tisch oder eine Kommode.

Gut, immer noch besser, als dieses Interieur, für das man weit über drei Jahre absitzen muß. Ich glaube, dieses Jahr verzichte ich lieber auf Möbel und geh stattdessen gut Essen. Jemand anderes darf gerne meine Durchschnitts-400-Euro auf sich verbuchen und kann sich dann schneller oder teuerere neue Möbel kaufen.

Wer mehr über die Möbelmesse erfahren möchte, dem empfehle ich die sehenswerten Einträge meiner Blogreundin Karin Henjes.

Eierplätzchen

Hier kann man schön draußen sitzen – als Eskimo. Aber drinnen ist es auch gemütlich, wenn es nicht zu voll (und damit zu laut) ist. Guter Kuchen!

Den Namen des ovalen Platzes „Eierplätzchen“, an dem das Café liegt, findet man in keinem Stadtplan, denn er ist keine offizielle Bezeichnung. Gibt man ihn aber in Google Maps ein, wird er angezeigt, und auch jeder Taxifahrer weiß sofort, wo man ihn findet, wenn man danach fragt.

Schnee im Dschungel

Das ist selten in dieser Stadt: Permanenter Schneefall, aber ganz kleine Flocken, so daß sich keine dicke Schneedecke bildet. Aber zum Ausrutschen mit dem Rad reicht es, wenn einem ein Taxi die Vorfahrt nimmt und man überraschend bremsen muß. Mein rechtes Knie schillert in allen Farben. Der Taxifahrer sah mich fallen, aber er hatte es eilig, das muß man verstehen.

Taxifahrer sind Krieger der Großstadt, immer bewaffnet mit ihrem Gefährt und oft bereit, das Risiko einer Konfrontation einzugehen. Alle anderen Verkehrsteilnehmer sind natürliche Gegner, Knallköpfe, die das behindern, womit der Taxifahrer schließlich seinen Lebensunterhalt verdient!

Habsburgerring

„Hereinspaziert! Bei uns ist jeder Arsch willkommen, genau wie bei Facebook!“, scheint uns dieses Schaufenster zu sagen. Nun kann ich mir vorstellen, daß es auch bei Facebook viele Arschgesichter gibt ( – alle Leser dieser Zeilen sind ausdrücklich nicht gemeint!), aber daß man in diesem Fotogeschäft so selbstverständlich davon ausgeht, finde ich verblüffend. Aber gut – sollte ich jemals den Wunsch verspüren, ein Foto meines Hinterns haben zu wollen, weiß ich, wo ich hingehen muß. Ob sich das allerdings als Profilbild eignet, entscheide ich dann.

Kirche St. Severin

„Gott sitzt auf Frauen …“, habe ich erst gelesen und sogleich das Bild vor dem inneren Auge gehabt, wie ein alter Mann mit zotteligem Bart bei Frauen auf dem Schoß sitzt, und mich gefragt, für welches Vergehen Frauen diese gemeine Strafe zu erdulden haben. Aber er sitzt nicht, er setzt, soll heißen: Frauen, ihr seid dran. Das hat sich allerdings noch nicht bis in die Führungsetagen der internationalen Wirtschaft herumgesprochen, was wohl daran liegt, daß Gottes Wort hier nicht so viel Bedeutung hat, denn das schadet den Geschäften. Wenn also Gottes Wort je nach Ermessen Bedeutung hat, ist es soviel wert wie jedes andere, und daß Frauen jetzt alles richten werden, sollen oder dürfen, ist so unwahrscheinlich wie die Annahme, die Folterqualen eines Menschen seien ein Segen für alle anderen.

Auf dem Neumarkt

Da-da-daaa … Gerade sind die einen Festivitäten vorbei, schon sind die guten Vorsätze fürs neue Jahr wieder vergessen, oder aufgschoben: Die Session in diesem Jahr ist kurz, die tollen Tage beginnen schon am 7. Februar, da muß man sich beeilen, sich das richtige Quantum an Bier und Bratwurst einzuverleiben. Nee, was’n Streß!

Chlodwigplatz

Ich eß ja keine Grillhähnchen mehr, obwohl sie mir früher immer mal ganz gut geschmeckt haben. Daß die Tiere innerhalb kürzester Zeit auf das erforderliche Gewicht in industriellen Anlagen auf abscheuliche Art hochgemästet werden, hat sich ja mittlerweile herumgesprochen, und das ist eigentlich schon Grund genug, die Finger davon zu lassen. Was es aber vollends unappetitlich macht, ist der Grillvorgang: Unten in der Fettauffangpfanne liegen die fertig gegrillten Kadaver, während sich oben an der Grillstange neue Hähnchen drehen – und nach unten tropfen, genau auf die fertigen Exemplare. Selbst, wenn keine Salmonellen drin sind, appetitlich ist anders.

In diesem „Wienerwald“ läuft man aber keine Gefahr, sich zu vergiften: Der Grill ist „Defekt“. Wieso hat ein „Wienerwald“ geöffnet, wenn es keine „Hendl“ gibt? Für Currywurst mit Pommes rot/weiß, das gibt es ja sonst auch so selten.

2013

Am Neujahrstag sind alle Kirchen bis spät geöffnet, und viele Leute scheinen zu glauben, mit einer Kerzenspende das kommende Jahr positiv beeinflussen zu können. Reiner Aberglaube natürlich, Bleigießen, Kaffeesatzlesen, ich habe sowas natürlich nicht nötig.

Bei mir macht das meine Wohnung. Was soll das wohl bedeuten: Ich putzte gerade mein Bad silvestergästerein (man will ja zumindest hygienisch keinen schlechten Eindruck hinterlassen), da rummste es laut einen Meter hinter meinem Rücken. Das Regal über der Badezimmertür mit den schweren Bänden einer Kunstzeitschrift war heruntergekommen und hatte meinen alten Abfalleimer erschlagen (rechts im Bild), der dort stand, weil ich mir seit ca. einem halben Jahr über seine weitere Verwendung noch nicht im Klaren war. Wenn das mein Kopf gewesen wäre … (über dessen Verwendung ich auch oft nicht genau … egal, das ist ein anderes Thema). Was will mir die Vorsehung damit sagen? Befreie dich von altem Ballast? Meide dein Badezimmer, wo es geht, und pfeife auf die Gäste? Interessant auch, wie die Zeistschriftenbände gefallen sind, wie ein Weg, den ich gehen soll, in diesem Fall ins Schlafzimmer … das ist natürlich nur ein Bild, eine Metapher, das Schicksal will mir mitteilen, daß ich viiiiiel Ruhe brauche und mich bloß nicht überanstrengen darf. Ja, doch, damit kann ich was anfangen. Und vielleicht, daß ich Regale besser andübeln sollte, aber kann die Vorsehung so profan sein?

Hier noch ein Rat aus dem Schaufenster eines Frisörs, den ich gerne weitergebe.

Frohes neues Jahr!