
Och nö! – muß das sein? Gerade will ich in meinen Hot Dog beißen, den es billig in einem schwedischen Möbelhaus gibt, da stellt sich diese Gestalt an meinen Tisch: Halb nackt, ein Hut aus Zweigen, der Oberkörper mit kleinen schorfigen Wunden übersät. Wieso muß ausgerechnet mir das passieren? Gibt’s hier kein Sicherheitpersonal? Alle anderen kucken natürlich angelegentlich in andere Richtungen. Immerhin, angetrunken scheint er nicht zu sein, aber der Geruch … „Ein Tempel der Händler“, sagt er und schüttelt den Kopf. „Jep“, antworte ich eilfertig – solchen Leuten widerspricht man möglichst nicht, und bloß nicht nachfragen, was er meint, das fehlte noch, daß ich mich hier mit einem Irren … obwohl, eigentlich macht er einen relativ klaren Eindruck. „Frierst du gar nicht?“, frage ich – und ärgere mich sofort über mich selbst, wie komme ich dazu, den zu duzen, auch Penner haben das Recht …
Keine Antwort, stattdessen starrt er auf meinen Hot Dog. Ach nee, das nun wirklich nicht, das ist meiner, ich habe dafür angestanden, mit Nachdruck habe ich mir einen Platz an der Soßen- und Gürkchenscheibenbar erkämpft, das Würstchen im Brötchen kunstvoll gleichmäßig belegt … na schön. Ich kann mir ja noch eins holen. „Möchten Sie vielleicht …?“ Ich halte ihm den Hot Dog hin, aber er will ihn nicht. Stattdessen lächelt er mich an – Moment, ich glaube, der grinst, also das ist doch … Er schaut an mir vorbei – ah, da kommen endlich zwei Sanitäter zielgerichtet auf uns zu, der eine versucht, eine Zwangsjacke hinterm Rücken zu verstecken. Ich höre noch eine „Frohes Fest!“, dreh‘ mich wieder um – er ist weg, wie vom Erdboden verschluckt. Okay … erleichtert widme ich mich meinem Hot Dog. Ehrlich gesagt: Das ist eher die Simulation von etwas Eßbarem, die Trägersubstanz, also Würstchen und Brötchen, schmeckt nach nichts, Geschmack wird nur vom Essig der eingelegten Gürkchenscheiben erzeugt. Ach, was soll’s – einmal im Jahr kann man das ertragen.