
Aha. Man kann sie auch zu einem Salat anrichten. Ist das dann ein Ameisensalat?

Jedenfalls gehen sie manchmal komische Verbindungen ein, die Buchstaben. Ein Getränkemarkt, in dem der Durst lacht? Müßte es nicht heißen: „Hier fürchtet sich der Durst!“? Oder gibt es hier nur Cola, von der man noch mehr Durst bekommt, so daß er immer fröhlicher wird angesichts der Dummheit der Trinkenden, und sich auf die Schenkel klopft?

Hier, vor der Humboldt-Universität, versorgt sich der gemeine Student mit Lektüre – kein Wunder, daß das mit den Buchstaben so eine Sache ist.

Im Foyer der Uni ist eine Kunstinstallation zu sehen, ich habe sie fotografiert. Bitteschön, was sagt ihr dazu? Was? Man sieht gar nichts? Doch doch … paßt auf, es handelt sich um folgendes:
1953 ließ die Sozialistische Einheitspartei der DDR (SED) das Zitat von Karl Marx dort anbringen. Nach der Einverleibung der DDR in die BRD war natürlich alles pfui, was die SED je getan hat, deshalb wollte man den Schriftzug wieder abmontieren, unabhängig von seinem Inhalt. Dagegen gab es Proteste, und so streitet man bis heute, als wenn es nichts anderes zu tun gäbe. Um mal ein bißchen Luft herauszulassen aus der aufgeblasenen Diskussion, schrieb die Uni einen künstlerischen Wettbewerb aus, man wollte das Zitat „künstlerisch kontextualisieren“. Das, was man oben sieht, ist ein Beitrag der Künstlerin Ceal Floyer und besteht in der x-fachen Anbringung des Schildchens „Vorsicht Stufe“.
Aaah ja. Gut. Fein fein. So so. Jo, ist doch ganz schön, wie die glänzen. Oder nicht? Wie oft ist man schon mal gestolpert auf einer Treppe … also bitte: Danke dafür. Auf der Homepage der Universität weiß man ganz genau, wie man das Werk zu beurteilen hat und poliert wahrscheinlich schon den Preispokal (es folgt ein Originalzitat):
„Ihre Installation Vorsicht Stufe! im Foyer der Humboldt-Universität versucht erst gar nicht, sich in einer Debatte zu positionieren, in der man mit jeder Antwort in ein Minenfeld tritt. Trotzdem wirkt das Werk nicht wie eine Flucht vor einer Stellungnahme, sondern drückt Esprit und Selbstbewusstsein aus. Es lässt eine ganze Fülle an Deutungen zu. Das ist wichtig an einem Transitort, den Hunderte sehr verschiedene Menschen täglich mehrfach betreten. Noch wichtiger aber ist, dass Floyers Arbeit nicht dominant einfordert, interpretiert zu werden. Durch ihre leise Bildsprache ist die Installation zugleich ein Gegenentwurf zu der intendierten Autorität des Marxzitats. Floyers Arbeit ist damit auch ein Protest gegen propagandistische Vereinfachung.
Die Installation überzeugt nicht nur auf theoretischer Ebene, sondern ist auch physisch unmittelbar präsent. Obwohl klar als künstlerische Intervention erkennbar, fügt sie sich optimal in den architektonischen Kontext ein. Denn den Kontext, erklärte Floyer einst einem Kunstmagazin, betrachtet sie als eigenständiges Medium in seinem eigenen Recht.“

Wir wollen jetzt auch selbst mal was schreiben, vielleicht eine Postkarte an die Lieben zu Hause? Oder könnte man das mißinterpretieren? Ein Gegenentwurf zu einem Gegenentwurf zu einer intendierten Autorität? Eine mangelnde Fülle an Deutungsmöglichkeiten mit einer dominanten Interpretationsforderung, eine Affirmation, ja, Antizipation vereinfachter Propaganda? Oder öffnen wir ein Minenfeld, und wenn man da hineintritt, hat man das Zeug am Schuh kleben, bzw. eine Debatte an der Backe, die gar nicht intendiert war? (ich denke besonders an Onkel Günther, der die mittlere Karte als Kritik verstehen könnte)

Die Wissenschaft – ein weites Feld. Wenden wir uns den Erscheinungen des Alltags zu: Kann mir mal jemand sagen, wieso bereits seit Jahren an der U-Bahnhaltestelle Unter den Linden/Ecke Friedrichstr. herumgebaut wird? Oder bleibt das jetzt so, eine ewige Baustelle? Kann man sich ja drauf einrichten, und die Baufirma freut’s. Der Reiter rechts ist übrigens „der alte Fritz“, den ihr jetzt alle aus den letzten beiden Einträgen kennt. Wahrscheinlich ist er auf dem Weg zu seinem Kartoffelfeld, das er oben vor der Museumsinsel angelegt hat. Kennt ihr die Geschichte? Friedrich II. erkannte den Wert der Kartoffel für die Ernährung des Volkes, aber die tumben Bauern wollten nicht so recht mitziehen und weiter nur Getreide anbauen. Also ließ Friedrich ein großes Kartoffelfeld anlegen und es Tag und Nacht bewachen, und tatsächlich, die Bauern fielen auf die List herein: Wenn etwas so gut bewacht wird, muß es wertvoll sein, also stiegen sie im Dunkeln über die Zäune und stahlen das kostbare Gut. Und so wurde die Kartoffel in Deutschland zum Nahrungsmittel Nr. 1.

Der Mensch lebt allerdings nicht von Kartoffeln allein, das Würstchen empfiehlt sich.

So langsam kriegen wir auch Hunger. Vorbei an der Staatsoper, die unsere Aufmerksamkeit mit freundlicher Werbung weckt („hey, super, komm, da müssen wir unbedingt hin, eine Frau in rotem Kleid schreit uns wütend an, wie geil ist das denn“) …

… und auch vorbei am Engel im Historischen Museum (dahinten linst uns Friedrich schon wieder an, er ist allgegenwärtig, wenn man ihn erstmal bemerkt hat) …

… landen wir im Café eben dieses Hauses, wo sich junge Leute mit nicht so viel Geld gegenseitig füttern. Brav.

Ich bin gerne hier.
Fortsetzung folgt.