Warnstreik

Ich bin nicht nur Angestellter des Landes NRW, sondern auch Mitglied bei der Gewerkschaft Ver.di, die heute zu einem Warnstreik aufgerufen hat. Normalerweise mache ich dabei nicht mit, da ich (glaube ich) das einzige Gewerkschaftsmitglied in unserem Teilbetrieb bin, der Laden also wunderbar weiterfunktioniert, ob ich nun da bin oder nicht.

Diesmal war es aber etwas anderes: Die Arbeitgeberseite hat ohne jedes weitere Angebot als erstes verlangt, daß die Betriebsrente, die sowieso nicht sehr hoch ist, um 20% gekürzt werden muß. Angesichts der ständig sinkenden regulären Renten für die zukünftigen Rentenempfänger halte ich das für unverschämt und auch kurzsichtig, man vergrößert die Altersarmut immer mehr, die dann durch die Öffentliche Hand aufgefangen werden muß – völlig idiotisch!

Ich plädiere allerdings dafür, die nächsten Tarifauseinandersetzungen in den Sommer zu verlegen. Gut, erst ist man beschäftigt, man schreibt sich in die Streikliste ein, versorgt sich mit Brötchen und Kaffee und guckt, ob man jemanden kennt. Aber dann steht man herum und wartet. Sobald die Kälte die Beine hinaufkriecht, beginnt die Kundgebung: Gewerkschaftsfunktionäre senden eine Stunde lang Grußbotschaften an Freunde und Betriebe und Drohungen an den „Feind“, dann geht’s endlich los: Eine ca. zweistündige Demonstration durch die Kölner Innenstadt, „alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will“. Die Autofahrer übten sich in Geduld.

Dieser Kollege scheint ein alter Hase zu sein, und nächstes Mal weiß ich nun auch Bescheid: Es ist erstaunlich, mit welcher Inbrunst erwachsene Menschen bereit sind, stundenlang in Trillerpfeifen und Tröten zu blasen. Das hört sich so an:

In den ’80ern haben wir auf den Demos „Was sollen wir trinken, sieben Tage lang“ von den Bots gesungen, das hat mir besser gefallen. Als ich wieder zu Hause war, habe ich mich gefühlt, als hätte ich den ganzen Tag gearbeitet.

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0 Antworten zu “Warnstreik

  1. du hast meine volle unterstützung!

    einerseits, andererseits sind zu wenig arbeitnehmerinnen gewerkschaftlich organisiert.
    in niedersachsen haben am vergangenen freitag auch beschäftigte des öd für mehr lohn gestreikt, sogar bei mir im städtchen waren kanpp 300 streikende unterwegs auf der straße. der streik betraf öffentliche kitas, die erzieherInnen verdienen viel zu wenig für ihre verantwortungsvolle arbeit.

    dass das land nrw euch die betriebliche rentversorgung gleich um 20 prozent kürzen will, finde ich unerträglich. du hast ganz recht, im alter wartet dann die armut auch dich und andere.

    hier kommt musik für dich: https://www.youtube.com/watch?v=XrC8UCRhHgg

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  2. zumindest an bestehende Vereinbarungen über Renten darf man nciht ran

    Für die Zukunft kann man immer neu überlegen.. die Jungen haben noch ein halbes Leben Zeit sich selbst eine Altersversorgung zu schaffen.
    Da die Eigeninitiative zu fordern, ist sicher nciht schlecht… mit entsprechendem Ausgleich, bzw Unterstützung bei den aktuellen Bezügen

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  3. Bin nicht sicher, ob nicht doch die Trillerpfeifen besser sind als die Bots. 😉
    („Alle die noch nicht nach Deospray stinken, sollen aufstehen…“)

    (Gleich noch ne Demo hinterher: „Wir streiken für ein leiseres Köln!“)

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  4. Stimmt, vielen Lohnarbeitenden scheint nicht klar zu sein, daß sie ohne Gewerkschaften immer noch einen 12-Stunden-Tag in einer Sechs-Tage-Woche hätten.

    Es ist wirklich ein Skandal, wie schlecht ErzieherInnen bezahlt werden. Und LehrerInnen, die eine Ost-Ausbildung haben, werden bei gleicher Arbeit immer noch schlechter eingruppiert als ihre Kollegen, auch im Westen, und das bereits seit 25 Jahren.

    Nicht nur in NRW, in allen Bundesländern sollen den Landesangestellten die Betriebsrente gekürzt werden.

    Hey, danke, da kommen nostalgische Gefühle auf *summ summ*.

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  5. „Die Arbeitgeber fordern von den Gewerkschaften, einer Absenkung der künftig zugesagten Leistungen zuzustimmen. Das betrifft alle Beschäftigten, die heute noch nicht in Rente sind.“
    Zitat: https://www.gew.de/Zum_Verhandlungsstand_in_Sachen_VBL.html

    Ich halte es für ganz schlecht, schrittweise eine Rente in Eigenregie einzuführen, obwohl Arbeitgeber das natürlich supergut fänden, da ihr Beitrag immer kleiner wird oder gar ganz wegfällt. Gerade so finanziell unsichere Zeiten wie jetzt zeigen ja sehr deutlich, daß viele Leute mit ihrer Altersvorsorge auf die Nase gefallen sind, Lebensversicherungen etc. werfen längst nicht das ab, was sie einst versprachen. Dazu leben immer mehr Menschen in unsicheren Arbeitsverhältnissen, mit Erwerbslücken und Teilzeitjobs – all das macht die Renten klein, neben den regelmäßigen jährlichen Kürzungen (im Moment liegt das Netto-Rentenniveau bei 48 %, 1990 lag es noch bei 55,1 % und wird wahrscheinlich bis 2028 auf 44,4 % fallen). Auf uns rollt eine riesige Welle von Altersarmut zu.

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  6. Es entsteht ein Zusammengehörigkeitsgefühl, weil man mit vielen anderen Sachen macht, die eigentlich verboten sind: Mitten auf der Staße laufen, Autos, Busse und Straßenbahnen behindern, und das alles während Deiner Arbeitszeit. Dazu kommt das gute Gefühl, für eine gerechte Sache auf der richtigen Seite zu „kämpfen“ – Krieg den Palästen, Friede den Hütten. In den 80ern kannte ich eine Frau, die fand das so toll, daß sie möglichst jedes Wochenende zu irgendeiner Demo fuhr.

    Auf den Lärm könnte ich allerdings gut verzichten.

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  7. Um den Dom herum stehen ein paar Häuser schon seit vier Jahren leer, weil man sie eigentlich abreißen will, aber als Spekulationsobjekte eignen sie sich vermutlich auch gut: Mal wieder Zeit für Hausbesetzungen, oder?

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  8. Bei meinem Freund ist es ähnlich wie bei dir: öffentlicher Dienst, Angestellter des Bundeslandes, Mitglied in der ver.di. Streiken geht er an sich auch nicht, weil er irgendwie schon komplett zufrieden ist (more or less jedenfalls) und es ihm teilweise eeecht zu kalt ist.

    Aber Streiks sind gut und wichtig. Gerade bei solchen Themen. Ich finde es gut, dass du mitgezogen hast :yes:

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  9. da gebe ich dir vollkommen recht.

    Es ist schwer zu entscheiden, wer es denn besser kann, langfristig für die Zukunft zu sorgen, die Gesetzlichen oder die Privaten

    Wessen Geld da dann angelegt wird, ist eine andere Frage, das muss ja nicht gekoppelt sein!

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