Schloßpark Stammheim

Der Schloßpark Stammheim, aus dem ich schon oft berichtet habe, ist wie jedes Jahr zu Pfingsten mit neuen Skulpturen bestückt worden. Als rasender Reporter war ich natürlich schon da. Bitteschön: „Ausblick“ heißt das 3,30 Meter hohe Werk von Johann Lengauer.

Kunsthistoriker lernen in ihrer Ausbildung „vergleichendes Sehen“: Erst, indem man mehrere Werke der selben Epoche miteinander vergleicht, kann man sich einem Urteil annähern darüber, welches Werk nun gelungen ist und welches eher nicht. Für zeitgenössische Kunst ist das allerdings extrem schwierig, erstens, weil einem als Betrachter der zeitliche Abstand fehlt, zweitens lassen sich aktuelle Kunstwerke in ihrer Vielfalt nicht so gut miteinander vergleichen wie z.B. Bilder des niederländischen Barock.

Also noch ein Kunstwerk: „Rettungsschirm“ heißt es und ist von Er_ich.es (=Ulrich Höller). Von weiter weg …

… wirkt es besser, finde ich.

In der Südstadt

Sommer in der Stadt macht Spaß – wenn man Zeit hat, sich irgendwo hinzusetzen, einen kühlen Saft zu trinken und das Treiben zu beobachten, ob nun vor der Traditionskneipe …

… oder dem In-Lokal, das es inzwischen aber auch schon seit über 20 Jahren gibt.

Oder man schlendert einfach ein bißchen durch die Severinstr. und schaut sich die Auslagen der zahlreichen kleinen Geschäfte an. Wenn man Zeit hat. Wenn nicht, hat man es eilig, und die vielen Müßiggänger versperren einem den Weg, ebenso wie die vielen Tische und Stühle, die die Bürgersteige noch schmaler machen. Na bravo! Ist das nervig! Aber jetzt ist ja Wochenende, und wir haben Zeit. Allerliebst, das alles.

Im Grüngürtel

Wer kennt das Gefühl nicht: Irgenwie hängt man in der Luft. Aber oft ist da auch eine lange Strecke zu bewältigen. Macht nichts – üben üben üben. Und irgendwann weiß man nicht mehr, was für Schwierigkeiten man eigentlich gehabt hat und ist wieder in der Balance.

Aachener Weiher

Was da so schön silbrig glänzt im Gegenlicht, ist nicht etwa die durch Wind gekräuselte Wasseroberfläche des Aachener Weihers im Kölner Grüngurtel, nein, die Oberfläche wird von unten „aufgerauht“ – durch Algen. Das weckt böse Erinnerungen an 2010, als das Gewässer kippte, zig Fische, Enten und Schwäne vergifteten sich und starben an Botulinumtoxin, einem Nervengift, das sich im vermodernden Grund des Weihers gebildet hatte.

Im Grünflächenamt war man lange Zeit ratlos, schließlich ist der Weiher erst knapp 90 Jahre alt, wie soll man da Erfahrungen sammeln, und dann kam auch noch das Wochenende dazwischen, da konnte man nichts machen. Nachdem die meisten Tiere tot und die Aufregung groß war, installierte man zwei Fontänen, da irgendjemand herausgefunden hatte, daß Bewegung und Filterung gut gegen Verschmutzung ist, und im letzten Jahr hat man einen Algenmäher beauftrag, das Gewässer mit einer Spezialmaschine zu säubern. Aber jetzt steht Pfingsten vor der Tür, die Urlaubszeit beginnt – oh je, mir schwant Böses. Ob ich mal anrufen sollte beim Grünflächenamt?

Kartäuserwall / Cäcilienkloster

Der Gegensatz von Alt und Neu in der Stadtarchitektur: Stadtplanung, das sieht man leider immer wieder, ist hier nicht so sehr eine Sache der bewußten Lebensraumgestaltung, sondern eine des reinen Kommerzes. Die Gebäude gehören natürlich irgendjemandem, der auf dem Standpunkt steht: Ich habe das Geld und die amtliche Genehmigung, also kann ich sie so aussehen lassen, wie es mir paßt. Aber wem gehört der öffentliche Raum? Der Raum, den alle Stadtbewohner zwangläufig durchqueren und in dem sie sich aufhalten, der Raum, dessen Aufteilung und Sichtachsen von Gebäuden bestimmt und zerstört werden, die jemand aus Raffgier gebaut hat?

Engel vorm Dom

Der eine Engel signalisiert, man solle ihn anrufen – würde ich ja gern machen, wenn ich mal in Not bin, aber wie ist die Nummer? Wenn man „Engel“ bei der Telefonauskunft eingibt im Ort Himmelreich, bekommt man ein paar Treffer: Das Himmelreich ist offenbar ein Stadtteil von Wilhelmshaven. Das ist kaum zu glauben, wenn man diese Stadt schon mal besucht hat – die Wilhelmshavener mögen mir verzeihen, aber ich habe bisher kaum eine häßlichere Stadt gesehen, rein äußerlich jetzt, und das will was heißen, wenn man in Köln wohnt. Aber auf die inneren Werte kommt es schließlich an, ich bin sicher, auch in Wilhelmshaven gibt es ein paar versteckte gemütliche Orte. Diesen schönen Cafégarten in Köln z.B. findet auch kein Tourist, es sei denn, er besucht zufällig das Filmhaus in der Maybachstr. – im Himmelreich kann es auch nicht viel anders aussehen.

Bahnhofsvorplatz

Nachdem die verkehrsgefährdenden Bierbikes inzwischen glücklicherweise verboten sind, kann man nun ein sogenanntes „Cobi“ mieten – ein „Conference Bike“, das so konstruiert ist, daß sieben Fahrer im Kreis sitzen und treten müssen, während einer von ihnen lenkt. Der Vorteil für die anderen Verkehrsteilnehmer: Es ist keine Bierzapf- und Musikanlage vorhanden. Schlappe 99 Euro kostet das Gefährt für die erste Stunde, für 30 Euro mehr kann man es zwei Stunden behalten, und will man noch einen albern kostümierten Lenker dazu, muß man pro Stunde nochmal 30 Euro drauflegen.

In den Colonaden

Schneiden, härten, bemalen, bekleben, airbrushen, gelen, piercen, acrylieren – ich hoffe, ich habe nichts vergessen. Über 60 Euro kann man hier für seine Finger- und Fußnägel ausgeben, je nachdem, wieviele Straßsteinchen man sich darauf kleben läßt.

Richard-Wagner-Str., Ecke Habsburgerring

Zum Friseur bitte nach rechts, nur ein paar Meter – so war es jedenfalls mal. Die Schrift ist typisch 50er Jahre, oder gab es die schon früher? Den Salon gibt es schon lange nicht mehr, der Schriftzug hat hinter den Reklametafeln eines anderen Geschäfts „überlebt“:

Hier war lange Zeit eine Buchhandlung, die nun leider geschlossen hat, eine Filiale der Firma „VUB printmedia“, die noch ein weiteres Geschäft in Nähe der Uni hat. Es gab viel Fachliteratur, aber auch das normale Programm, Romane, CDs usw. Das hat sich wohl nicht mehr gelohnt, nicht weit weg sind die großen Buchhandelshäuser am Neumarkt, und die Konkurrenz im Internet ist langfristig kaum zu schlagen. Und genau dahin ist die Firma „VUB“ nun unterwegs: „…ermöglichen wir die Implementierung von Prozessketten für die weltweite Medienbeschaffung und deren Management. Unsere Lösung wird in ERP- und E-Procurement-Systeme sowie Workflows integriert“, steht auf ihrer Homepage. Versteh ich nicht: Wenn ich Medien brauche, muß ich doch nicht zusätzlich noch eine Firma beauftragen, die sie mir besorgt … aber irgendwie muß es ja funktionieren, sonst könnten sie sich kaum halten. Wie auch immer: Was wird jetzt aus dem Laden? Bitte bitte keine weitere Bäckereikettenfiliale! Dann schon lieber ein Friseur. Oder noch besser: Ein Café.

Wahlzeit

In Amerika und anderswo ist es verpönt, sich auf eine freie Stelle mit Foto zu bewerben, in Deutschland dagegen hängen die BewerberInnen die Straßen damit voll. Leute, die ich teilweise bisher noch nie gesehen habe und nach nächstem Sonntag vermutlich auch nie wieder sehen werde, buhlen mit ihrem Lächeln um meine Sympathie und Zustimmung für eine Einstellung in einem Betrieb, und ich soll nun nach Aussehen entscheiden – oder was?

Ehrlich gesagt fühle ich mich nicht wohl dabei, daß ich den Röttgen nun deswegen nicht wählen soll, weil er aussieht wie einer, der sich bereits in der 11. Klasse lächerlich gemacht hat damit, daß er wichtig einen mit Zahlenschlössern gesicherten Aktenkoffer trug, in dem er aber nichts weiter aufbewahrte als seine Wurststulle. Da gibt es doch nun wirklich bessere Gründe, z.B. den, daß es ihm mehr um die eigene Karriere geht als um das Land. Gut, damit ist er ja nicht allein, der 97,9%-Wichtigtuer aus der 9. Klasse von der FDP hat ganz sicher auch andere Pläne, als in der außerparlamentarischen Opposition zu versauern – ich wette 10:1, daß der geistige Mofa-Fahrer Ambitionen auf den Parteivorsitz hat.

Nach welchen Kriterien sollen die Bewerber also ausgewählt werden? Wer die hübscheste Mundpartie hat? Solange der Mund geschlossen bleibt …
Wem die Entscheidung schwer fällt, kann ein paar Meinungen beim Wahl-O-Mat eingeben, und schon wird ihm/ihr gesagt, wer die passenden Versprechungen macht. Aber nicht ärgern, wenn die Piraten dabei herauskommen, wie es einer Freundin von mir zu ihrem Entsetzen passiert ist. Dabei ist das doch nicht die schlechteste Wahl.