Wahlzeit

In Amerika und anderswo ist es verpönt, sich auf eine freie Stelle mit Foto zu bewerben, in Deutschland dagegen hängen die BewerberInnen die Straßen damit voll. Leute, die ich teilweise bisher noch nie gesehen habe und nach nächstem Sonntag vermutlich auch nie wieder sehen werde, buhlen mit ihrem Lächeln um meine Sympathie und Zustimmung für eine Einstellung in einem Betrieb, und ich soll nun nach Aussehen entscheiden – oder was?

Ehrlich gesagt fühle ich mich nicht wohl dabei, daß ich den Röttgen nun deswegen nicht wählen soll, weil er aussieht wie einer, der sich bereits in der 11. Klasse lächerlich gemacht hat damit, daß er wichtig einen mit Zahlenschlössern gesicherten Aktenkoffer trug, in dem er aber nichts weiter aufbewahrte als seine Wurststulle. Da gibt es doch nun wirklich bessere Gründe, z.B. den, daß es ihm mehr um die eigene Karriere geht als um das Land. Gut, damit ist er ja nicht allein, der 97,9%-Wichtigtuer aus der 9. Klasse von der FDP hat ganz sicher auch andere Pläne, als in der außerparlamentarischen Opposition zu versauern – ich wette 10:1, daß der geistige Mofa-Fahrer Ambitionen auf den Parteivorsitz hat.

Nach welchen Kriterien sollen die Bewerber also ausgewählt werden? Wer die hübscheste Mundpartie hat? Solange der Mund geschlossen bleibt …
Wem die Entscheidung schwer fällt, kann ein paar Meinungen beim Wahl-O-Mat eingeben, und schon wird ihm/ihr gesagt, wer die passenden Versprechungen macht. Aber nicht ärgern, wenn die Piraten dabei herauskommen, wie es einer Freundin von mir zu ihrem Entsetzen passiert ist. Dabei ist das doch nicht die schlechteste Wahl.

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0 Antworten zu “Wahlzeit

  1. ich habe gestern an einem treffen mit den hiesigen piraten teilgenommen.
    man trifft menschen aus der mitte der gesellschaft an.
    mit den piraten, die nicht die schlechteste wahl sind, bringt man das parteiengefüge ein wenig in bewegung.

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  2. Also, der pink geschminkte Mund in der Mitte ist ja ganz hübsch; wenn ich nicht wüsste zu welcher Person/Partei der gehört…… |-|

    Mein persönliches Wahlkampferlebnis von eben:
    Ich laufe mit krankem (bellend hustendem) Kind durch die Stadt Richtung Arzt, zusätzlich bepackt mit 2 großen schweren Einkaufstaschen, als ich an diesen Ständen vorbei muss.
    Die CDU will dem Kind unbedingt nen Luftballon aufzwingen, daß Kind läuft allerdings gerade hustend rot an! Mir will man „Informationen zum Wahlgeschehen“ (Altpapier in Zeitungsgröße!) aufnötigen.
    Die SPD will mir unbedingt nen Flyer aufzwingen, und will ihn mir sogar in die Tasche stecken, mit den Worten: „Können Sie ihrem Kind mal was schönes vor lesen!“
    Die LINKE tritt dezent mit einer roten Rose an mich heran, tritt nach einem Blick in meine Augen aber ebenso dezent wieder zurück.

    (Ich HASSE ES, wenn ich mit Kind und voll bepackt unterwegs bin, und dann noch angelabert werde, um mir NOCH MEHR auf zu halsen!)

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  3. Oh je – nicht umsonst heißt es Wahlkampf, da wird mit Luftballons und Altpapier gefochten, bis man sein Kreuz aus lauter Erschöpfung irgendwo hinmalt. Früher gab’s wenigstens mal einen Kugelschreiber.

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  4. Wenn das Kind sich nicht gerade sterbenselend gefühlt hätte, hätte der nette Mann wahrscheinlich empört zu hören bekommen, daß das Kind bereits selbst ALLES lesen kann. Vielleicht auch noch, daß es Politik bereits in den Grundzügen verstanden hat und nachvollziehen kann.
    Und dem Menschen von der CDU wünsche ich ehrlich, daß er die Husten Emissionen vom Kind schön tief eingeatmet hat. Seit dem Arztbesuch stehen wir nämlich unter Quarantäne! :>

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  5. Das gab es doch schon mal in einem Loriot-Sketch. Da hatten alle Parteien denselben Typen, der geworben hat, einmal mit finsterem Gesicht, einmal mit süßlichem Lächeln.

    Auch gut war die Verarsche in einem Didi Hallervorden Film, wo ein Automechaniker für einen Wahlexperten gehalten wird, der dann Sachen sagt wie „Wir müssen mehr Dampf machen“ und „Wir müssen die Schrauben anziehen“, was dann als geniale Wahlsprüche genommen und gedruckt wird.

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  6. Den Loriot-Sketch kenn ich gar nicht, oder ich kann mich nicht daran erinnern. Manchmal seh ich zufällig Wahlwerbung auf WDR3 – unglaublich, wie altbacken das wirkt, wenn man es nicht besser wüßte, könnte man die Originalwerbung schon für Satire halten.

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  7. Ok, ich dachte, du meintest was anderes. Hihi, früher war das bei uns auch das dritte.
    Wieso laufen denn da altmodische Wahlsendungen? (Ich steh grad auf dem Schlauch) Ich würde rasend gerne mal alte Wahlsendungen sehen, d.h. halt, ich glaube früher als wir Kinder waren, gab es das überhaupt nicht oder?

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  8. Die Wahlsendungen sind natürlich neu, wirken aber so, als hätte man sie in den 70ern gedreht: Strahlende Gesichter, schneidige Politiker umgeben von fröhlichen Bürgern, oder hemdsärmelig in wichtigen Diskussionen mit anderen Fachleuten, und ab und zu wird mal ein Kind in die Luft geworfen. Und zwischendurch wird in die Kamera gesagt, wie doof die anderen sind. Doch, ich glaube, Wahlwerbung im TV gab’s schon immer, oder? Mal recherchieren.

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  9. Schau, von 1953:

    Von da kann man sich weiterklicken. Es gibt auch eine ZDF/3Sat-Reihe mit Ausschnitten (auch auf youtube, gib „Qual der Wahl“ ein), da allerdings leider nur verstümmelte Ausschnitte mit gutgemeinten, aber sehr störenden und überflüssigen Kommentaren.

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