Kyffhäuser Str.

Von diesen Autos gibt es nicht mehr viele, zu schade. Wenn ich mir in jungen Jahren ein Auto gekauft hätte, das wäre es gewesen: Ein Renault 4, oder kurz: R4. In den 70ern und 80ern war es neben der Ente von Citroen besonders bei Jüngeren sehr beliebt: Es paßten viele Leute hinein, im Urlaub konnte man darin einigermaßen gemütlich schlafen, wenn man den Rücksitz ausbaute, und seine Umzüge konnte man auch damit erledigen. Auf der Autobahn erreichte man manchmal Geschwindigkeiten von bis zu stolzen 120 km/h, wow! – das ging ab … und reichte völlig aus.

Von 1961 bis 1992 hat man 8 Millionen Stück davon verkauft, dann wurde die Produktion eingestellt.

Aachener Weiher

Neulich hatte ich ja von der Liste der 50 Dinge erzählt, die man als Nordrhein-Westfale getan haben sollte. Ich habe Nr. 51 gefunden: Bei Gewitter unter den großen Schirmen des Biergartens am Aachener Weiher Fritten essen. Das läßt sich allerdings schlecht planen, und wenn man es könnte, wär’s nicht so reizvoll. Glück gehabt.

Zülpicher Str.

Laut einer repräsentativen Umfrage ißt jeder zweite Deutsche ab 14 mindestens einmal im Jahr einen Döner, die meisten sogar mehr. 200 bis 300 Tonnen kommen so zusammen und erwirtschaften ein Umsatz von geschätzten 2,3 Milliarden Euro. Laut einer Verordnung darf ein Dönerspieß bis zu 60% aus Hackfleisch bestehen und unterliegt somit der Hackfleischverordnung, und das heißt: Ein begonnener Spieß muß an einem Tag aufgebraucht werden, bleibt ein Rest, muß er entsorgt werden, andernfalls wird Gammelfleisch verkauft, in dem die Salmonellen Partys feiern. Allein deshalb sollte man sich immer einen Dönerladen aussuchen, in dem viel los ist. Außerdem sind viele Gäste natürlich ein Indiz für Qualität, vorausgesetzt, der Laden liegt nicht in einem Tourismusgebiet.
Ein Döner ist übrigens keine Zwischenmahlzeit: Mit durchschnittlich 615 Kilokalorien (20% Fett sind zugelassen) deckt er ungefähr ein Drittel des Tagesbedarfs eines Erwachsenen.

Brüsseler Str.

Schon x-mal bin ich an ihm vorbei gelaufen, und immer wieder ertappe ich mich dabei, daß ich kurz zögere. Dabei weiß ich inzwischen ganz genau: Der geht da nicht weg. Der wartet auch nicht darauf, jemandem in dem Hotel, in dessen Entree er sitzt, die letzte Ölung zu geben, oder Brautleuten Instruktionen zum Ablauf ihrer Trauung. Der sitzt da vermutlich aus historischen Gründen: Seit Ende des 19. Jahrhundert war hier ein Kloster der Barmherzigen Brüder zu Montabaur, und die Mönche machten ihrem Namen alle Ehre: Mittellose Kranke wurden unentgeltlich gepflegt, bis sie wieder gesund waren, und wer Hunger hatte, aber kein Geld, bekam dort immer eine warme Mahlzeit. In den 70er Jahren wurde das Gebäude verkauft, und das Hotel Hopper, das nun hier eins ihrer drei Häuser betreibt, hat offenbar einen etwas schrägen Humor: „Jetzt werden hier wieder Menschen beherbergt und verpflegt. Jedoch freuen sich die heutigen Brüder über entsprechende Enschädigung“, steht auf der Homepage – ein Einzelzimmer kostet pro Übernachtung zwischen 80 und 95 Euro. Und der Beistand ist auch nicht mehr derselbe: Viel sprechen tut er nicht, der Deko-Geistliche. Aber dafür macht er auch sonst keinen Unsinn.

Stadt im Schnee

Mist – wo ist man Fahrrad? Egal, es ist eh zu gefährlich zum Fahren.

Mein Fahrzeug scheint nicht das einzige zu sein, daß Schwierigkeiten mit dem Vorwärtskommen hat. Im Hauptbahnhof fährt kaum ein Zug pünktlich.

Und auch das Laufen ist mehr ein Rutschen, anstrengend. Aber was soll’s, wenn man nur langsam vorankommt, hat man um so mehr Zeit, sich über die Stromverschwendung zu wundern.

In der Fußgängerzone sitzt tatsächlich jemand bei ca. null Grad am Klavier und spielt Musik von Richard Clayderman. Verrückt!

Nicht so voll wie sonst am Wochenende, der Weihnachtsmarkt. In den letzten Jahren waren jeweils 10 Millionen Menschen in Köln, um die Märkte zu besuchen, sogar aus England sind sie angereist. Ich nehme an, in diesem Jahr werden es weniger.

Eine Betriebsweihnachtsfeier

… kann manchmal sehr öde sein: Der Chef kommt nur, wenn er eine Weihnachtsgeschichte vorlesen darf, was man ihm natürlich nicht verwehren kann. Bevor man also zugreifen darf zum Glühwein aus dem Tetrapack von Aldi und den Keksen von einem anderen Supermarkt, muß man sich eine rührselige Geschichte anhören, mit der Heinz Rühmann und andere vor gefühlten einhundert Jahren ebenfalls schon genervt haben. Immerhin hatten die eine Sprecherausbildung. Danach darf der Sohn irgendeiner Sekretären auf der Hammond-Orgel Odufröhliche spielen. Wenn man keine Kollegen dabei hat, die auch Spaß am Lästern haben, ist sowas grauenhaft.

Aber es geht auch anders: KollegInnen einer Abteilung treffen sich, jeder hat was Leckeres mitgebracht. Man sitzt an einem Tisch, Prosecco sorgt für angeregte lustige Gespräche und man probiert sich durch alle Speisen, die alle – keiner wollte sich lumpen lassen – ausgezeichnet sind. So war es bei mir am letzten Samstag.

Zwei Tage später waren von neun Leuten sieben krank, alle Magen-Darm. Die Attentäter konnten noch nicht ermittelt werden. In den Fokus der argwöhnischen Aufmerksamkeit gerieten natürlich sofort die beiden Nicht-Erkrankten, aber als alter Krimi-Fan kann ich versichern: Die Verdächtigsten sind garantiert unschuldig. Der Fall bleibt ungelöst. Ob allerdings im nächsten Jahr wieder so eine Feier stattfindet? Man wird sehen. Abwarten, was zwischendurch passiert.

Passend zu dieser schönen Geschichte aus der Reihe „Besinnliches zur Adventszeit“ ein Winterfoto von meinem Hinterhof.

Anna-Schneider-Steig

Schnappschüsse am selben Ort: Arbeit und Vergnügen an einem Sonntagnachmittag. Aber was ist was? Während die einen sich an einer ritualisierten Form des Feierns abarbeiten müssen, spielt der andere mit dem Wasserschlauch und kriegt noch Geld dafür. Alles eine Frage der Perspektive.

Kyffhäuser Str.

Wieder mal ein Beispiel aus der Reihe „Lustige Schaufenster“. Wofür wird hier geworben? Pistolen? Deutschland rüstet auf, der Krieg, der bisher so hübsch weit weg stattfindet, schwappt ins eigene Land, der Innenminister und seine Kollegen aus den Bundesländern nennen das „Terror“. Das macht man so, die Amerikaner haben das vorgemacht: Erst marschiert man bis an die Zähne bewaffnet in Länder ein, weil dort angeblich Terroristen sind, und wenn sich herausstellt, die sind da gar nicht, na ja, dann sind eben all die anderen in dem Land Terroristen, schließlich schießen die auf einen. Und nun muß sich jeder Bürger bewaffnen, wie damals im Wilden Westen?

Nein, eigentlich kaum vorstellbar.

Die, die da im Schaufenster aufeinander schießen, sind ja unsichtbar, wahrscheinlich ist das nur ein Bild für die unsichtbare Gefahr im Verborgenen: Aus dem Internet! Dem Telefon!!

„Weißt Du, ich schicke Bombe zu deutsche Bundeskanzlerin.“ „Ach – super! Wann denn?“ „Ich glaube, morgen, ich muß noch Packpapier besorgen, weißt Du, Geschäft hat geschlossen heute.“

Ein solches Terroristengespräch am Telefon würden unsere Geheimdienste natürlich gern mithören, das ist doch nachvollziehbar, deshalb müssen alle Telefongespräche aufgezeichnet und alle Emails gespeichert werden, damit man wenigstens hinterher, nach der Explosion, weiß, wer es wahrscheinlich gewesen ist – vorausgesetzt natürlich, die haben das Gespräch in Deutschland geführt, bevor sie in den Jemen reisen, um den Plan da in die Tat umzusetzen.
Was ist eigentlich, wenn jemand einen Brief schreibt, so wie früher auf Papier: „Lieber Ali, ich hoffe, es geh Dir gut. Hier ist schönes Wetter. Kannst Du mir vielleicht einen Zünder besorgen? Den Sprengstoff habe ich schon von Hassan. Dir ganz liebe Grüße, und der Oma auch, und ein schönes Wochenende, Dein Mustafa.“ Also, sowas wüßte man doch auch gerne vorher. Da reißt man am besten in der Post alle Briefe auf und scannt sie ein, bevor sie an den Empfänger gehen.
Obwohl, das macht natürlich verdammt viel Arbeit, und dann ist da ja noch das lästige Briefgeheimnis – besser ist, dem Empfänger eine Email zu senden, daß da ein Brief für ihn angekommen ist, und der muß ihn dann persönlich vor den Augen eines Postbeamten öffnen und laut vorlesen. Das wird dann aufgenommen und mindestens ein halbes Jahr gespeichert. Ja – so geht’s, mit solchen Maßnahmen ist der Krieg so gut wie gewonnen.

PS: Angeblich werden in dem Laden Goldschmiedearbeiten hergestellt und Brillendesign entworfen … hallo??! Da stimmt doch was nicht. Herr de Maizière, übernehmen Sie!