Brüsseler Str.

Schon x-mal bin ich an ihm vorbei gelaufen, und immer wieder ertappe ich mich dabei, daß ich kurz zögere. Dabei weiß ich inzwischen ganz genau: Der geht da nicht weg. Der wartet auch nicht darauf, jemandem in dem Hotel, in dessen Entree er sitzt, die letzte Ölung zu geben, oder Brautleuten Instruktionen zum Ablauf ihrer Trauung. Der sitzt da vermutlich aus historischen Gründen: Seit Ende des 19. Jahrhundert war hier ein Kloster der Barmherzigen Brüder zu Montabaur, und die Mönche machten ihrem Namen alle Ehre: Mittellose Kranke wurden unentgeltlich gepflegt, bis sie wieder gesund waren, und wer Hunger hatte, aber kein Geld, bekam dort immer eine warme Mahlzeit. In den 70er Jahren wurde das Gebäude verkauft, und das Hotel Hopper, das nun hier eins ihrer drei Häuser betreibt, hat offenbar einen etwas schrägen Humor: „Jetzt werden hier wieder Menschen beherbergt und verpflegt. Jedoch freuen sich die heutigen Brüder über entsprechende Enschädigung“, steht auf der Homepage – ein Einzelzimmer kostet pro Übernachtung zwischen 80 und 95 Euro. Und der Beistand ist auch nicht mehr derselbe: Viel sprechen tut er nicht, der Deko-Geistliche. Aber dafür macht er auch sonst keinen Unsinn.

0 Antworten zu “Brüsseler Str.

  1. Eben, genau, wo findet man das heutzutage noch – einen Geistlichen, der wohltuend nie redet, meine ich natürlich. 😉
    Nee, im Ernst, das Hotel ist, verglichen mit anderen in der Gegend, gar nicht besonders teuer. Daß sie sich allerdings mit den Barmherzigen Brüdern vergleichen …

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