Antwerpener Str.

Es gibt in Köln spezielle Geschäfte für Pristerwäsche, Talare etc., aber das Geschäft, für das dieser Herr Werbung macht, ist es nicht. Es ist auch kein Laden für die Gothic-Szene, da besteht ja eine gewisse Verwandtschaft. Es ist ein ganz normales Bekleidungsgeschäft, wenn man sich so umkuckt … tja, ich bin ratlos. Das ist wahrscheinlich das wahre Alter: Nicht die Jahre, die man zählt, sondern das Unverständnis gegenüber Erscheinungen, die ganz normal zu sein scheinen, offenbaren die Zeit, die man bereits hinter sich gelassen hat.

Kaiser-Wilhelm-Ring / Brabanter Str.

Letzte Woche war die 22. Internationale Möbel-Messe in Köln. Ich bin die zahlreichen Möbelhäuser an den Ringen abgelaufen in der Erwartung, ich würde noch mehr lustig-absurd gestaltete Schaufenster – wie neulich das Apfelbett – entdecken, aber bis auf die mäßig originellen Teppichmonster vom Designer Jan Kath war nichts Besonderes zu sehen. Okay, macht nichts, gebe ich also in Zukunft meine Millionen bei Franta im belgischen Viertel aus, meine Villa hat noch ein Zimmer frei, und so ein überlebensgroßer Oscar fehlt mir noch in meiner Sammlung überflüssiger Dinge.

Hohenzollernring

Das WDR-Radio hat kürzlich eine Umfrage veranstaltet, „50 Dinge, die ein Nordrhein-Westfale in seinem Leben getan haben muss“. Blutwurst essen ist gottseidank nicht dabei. Fast alles, was auf der Liste steht, könnte ich bedenkenlos machen, nur eins nicht: Einmal Schützenkönig sein. Auf Platz 9 steht: „Eine gemischte Tüte am Büdchen kaufen.“ Kein Problem, wird sofort erledigt.

Ruhender Verkehr

… heißt diese Plastik des Künstlers Wolf Vostell aus dem Jahre 1969: Ein ursprünglich fahrtüchtiger, einbetonierter Opel Kapitän, der auf dem Mittelstreifen des vierspurigen Hohenzollernrings steht. Wie man sehen kann, darf man auch darauf herumturnen.

Hier ist ein kleiner Film über die Entstehung des Kunstwerks zu sehen. Vostell sagte später in einem Interview zu seiner Zeit in Köln: „Es sind Dinge passiert in einer Zeit, als ein außergewöhnlicher Freiheitsbegriff für die Künstler politisch wirksam war. Es gab eine große Bereitschaft und Neugier bei den Medien, und sie unterstützten uns auch. Es war Aufbruchsstimmung: die Vorzeit der Studentenrebellion, die ich für eine der besten Sachen im Nachkriegsdeutschland halte. Das ist der Humus, auf dem in den sechziger Jahren alles wachsen und später gedeihen konnte.“(Kunstforum 117,1992)

Historisch betrachtet steht die Aktionskunst (auch Fluxus und Happening) in der Tradition der DADA-Künstler um 1920: Zum Teil völlig sinnfrei, zum Teil mit politischem und gesellschaftskritischem Hintergrund versuchten Künstler wie z.B. Vostell, Beuys und Paik, den traditionellen Kunstbegriff infrage zu stellen. Spaß an der Provokation war natürlich immer dabei, aber man täuscht sich, wenn man glaubt, die Kunst würde sich darin erschöpfen.

Teil der Plastik ist eigentlich, daß sie einen Parkplatz besetzt, ursprünglich geplant vor dem damaligen Wallraf-Richartz-Museum. Das ging der Stadtverwaltung nun aber doch zu weit: Kunst schön und gut, aber nur, wenn sie nicht wehtut. Also steht der „Ruhende Verkehr“ seit 1989 an einer Stelle, wo man ihn getrost vergessen kann. Und genau aus diesem Grund, um das Kunstwerk zumindest zeitweise wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken, haben letztes Jahr drei Architekten (im Rahmen von ‚plan 10‚) einen sogenannten „Verstärker“ installiert: Eine Garage, wie sinnig.

Was jetzt allerdings diesen älteren Herren dazu veranlaßt, Kunststückchen auf dem Verstärkerkunstwerk aufzuführen, entzieht sich meiner Kenntnis. Wahrscheinlich völlig gagadada.

Aussichten

Wenn die Weihnachtszeit endlich erreicht ist, hat das nur Vorteile: Die kitschige Beleuchtung wird nun bald wieder ausgestellt.

Die vermaledeiten Heizpilze können eingemottet werden, weil die Leute ihren Glühwein wieder inhäusig trinken – wenn sie überhaupt noch welchen trinken, eigentlich kann man ja froh sein, das man den guten Roten endlich wieder so zu sich nehmen kann, wie es sich gehört: Ungezuckert und leicht gekühlt.

StudentInnen können wieder einen würdevolleren Job annehmen.

Und die Musik, die in aller Öffentlichkeit Passanten belästigt, wird endlich endlich abneh … bald vom Karneval beherrscht. Oh Graus!

Ehrenstr./Brüsseler Str.

Graffiti sind in der Großstadt immer noch ein großes Thema: Als Teil der Jugendkultur greifen Firmen diese Kunst auf, um ihre Sachen zu verkaufen. In Berlin veranstaltet Adidas Stadtführungen zu Streetart und installiert im Netz einen „Urban art guide“ – das Muster kennt man spätestens seit der Entwicklung der Pop-Musik und allem, was damit zusammenhängt: Subkulturelle Erscheinungen werden von der Wirtschaft aufgegriffen, um Geld damit zu verdienen.

Die Gefahr, daß Graffiti-Kunst komplett kommerzialisiert wird, ist allerdings relativ gering. Wenn sie nämlich ohne Erlaubnis angebracht wird, fühlen sich Hauseigentümer in ihrem Recht auf Privateigentum verletzt und reagieren sauer. Aber: Jedes Haus gehört irgendjemandem, die Stadtbewohner sind aber zumeist Mieter. Wem gehört die Stadt: Denen, die die Häuser besitzen, oder denen, die in ihr wohnen? Sind Mieter nur Gäste in ihrer Stadt? Ist Öffentlichkeit und Umwelt in Privatbesitz? Die Häuser, so die Argumentation vieler Streetartisten, mögen in privatem Besitz sein, die öffentliche Umwelt aber, die sie erzeugen, gehört uns genauso. Also gestalten wir sie mit.
Leider nicht immer mit glücklicher Hand, ich kann den Zorn, der sich in dem kleinen Plakat äußert, verstehen, denn es hängt hier:

Nur, weil einer einen Stift halten kann, macht ihn das noch nicht zum Künstler. „Kuck mal, ich kann einen Buchstaben schreiben!“ – oder was soll uns das sagen? Anders natürlich das Klebegraffito unten rechts: Die künstlerische Umsetzung eines Zeitphänomens.

Wer noch mehr küstlerische Graffiti sehen will, empfehle ich mein anderes Blog.

Venloer Str.

Polizei! CIA! FBI! Ich hab ihn, da isser: Der angekündigte Taliban auf dem Weihnachtsmarkt! Schnell schnell! Ergreift ihn, bevor er seinen Koffer abstellt!

Ich habe ihn gleich erkannt, schließlich hat nicht jeder einen schwarzen Balken vor den Augen. Falls man mir die Ehrenbürgerwürde antragen möchte: Bitte. Ich steh im Telefonbuch.

Was?! Das ist gar nicht … sondern der ehrenwerte Herr Mokthar aus Hennef, der auf dem Weihnachtsmarkt am Stadtgarten einen Stand betreibt und dort Olivenholzartikel und Parfüm anbietet? Aber … aber … na gut. Nichts für ungut. Aber ich bleibe wachsam. Dahinten hat sich noch jemand merkwürdig verhalten: Der hatte eine rote Zipfelmütze auf dem Kopf!

Weißenburgstr./Dürener Str.

Im „hillijen“ Köln nicht anders als im ganzen katholischen Rheinland ist es beliebt, sein Haus unter das Patronat eines oder einer Heiligen zu stellen. Besonders gern wird diese Frau mit Kind genommen, das Gründungspersonal eines ‚Global Players‘, wie man heute sagt, die zu dem Zeitpunkt vor gut 2000 Jahren noch nicht wußten, wozu man ihren Namen mißbrauchen würde. Der vermeintliche Schutz eines Hauses ist ja aber eine eher harmlose Nutzung.

Es geht auch anders: Wer sagt, daß es immer Heilige sein müssen?