Zurück in Köln

Ist ja toll – kaum zurück aus dem Urlaub, bietet sich einem ein solches Bild.

Inwischen hat es sich wieder gebessert, an diesem Wochenende konnte man sogar wieder draußen feiern. In der Innenstadt wurde ein Teil der Ringe abgesperrt, um zur Begleitung der weltgrößten Messe für Computerspiele („gamescom“) Festivitäten anzubieten. Die Party erschien mir allerdings ziemlich mau: 1 Crèpe-Stand habe ich gesehen, 1 für Reibekuchen und ein paar Colawagen. Auf zwei Bühnen spielten Bands. „Tut was für unser Ego, wie heißen wir?“ schrie der Sänger das Publikum dreimal an, und das war auch notwendig, wegen der Musik hätte man sich den Namen nicht gemerkt. Die Bühne stand übrigens kurz hinter dem riesigen Bildschirm, weshalb man sie nicht sehen konnte, machte aber nichts, auf der Bühne und dem Bildschirm waren eh die selben Musikerdarsteller.

Einen sehr schönen Kommentar zur „gamescom“ hat der Künstler Rakaposhii auf einem überlebensgroßen Klebegraffito gemalt: Kinder wollen spielen, aber in den Spielen von heute geht es nur noch um Kampf und darum, mit Gewalt die Nr. 1 zu sein und immer ein Gewinner.

Samstag in der Altstadt

„Ballermann am Rhein“ titelte neulich die hiesige Tageszeitung. Ich habe es überprüft, und tatsächlich, es stimmt: Samstagabend in der Altstadt, es wimmelt von Touristen – und Junggesellengruppen, bzw. Junggesellinnengruppen. Um die Letztgenannten geht es: Meist uniformierte junge Leute (gleichfarbige T-Shirts mit Aufdrucken wie: „XY heiratet – wir saufen!“, oder drollige Hüte) begleiten jeweils einen oder eine, der/die demnächst heiraten will. Die Noch-Junggesellen müssen irgendwas machen, meistens tragen sie einen Bauchladen mit Kleinigkeiten (Kau- und andere Gummies, Taschentücher und Tampons, Zigaretten etc.) zum Verkauf und belästigen damit andere Passanten. Einige haben auch ein Megaphon, und wenn sich jemand bereit zeigt, dafür zu zahlen, singen sie ein Lied. Mir bot mal eine junge Frau an, ich sollte mir für ein paar Euro ein Stück aus ihrer Leggins herausschneiden, die Schere hatte sie dabei. Ich habe dankend abgelehnt.

In der halben Stunde, die ich durch die Altstadt streifte, begegneten mir ständig solche Gruppen, ich brauchte nicht lange zu suchen, die Anzahl war im zweistelligen Bereich.

Zum Teil haben sie schon eine mehrstündige Bahnfahrt hinter sich und währenddessen bereits ordentlich getankt. In der Stadt geht’s weiter, einer der Begleiter trägt die Schnapsflaschen, ein anderer das Bier. Wenn sie dann keine Lust mehr haben, die anderen Leute mit ihren Anliegen zu nerven, fallen sie in die Kneipen ein, um weiter zu saufen, und da sie ja schon den ganzen Tag dabei sind, hat das oft unangenehme Begleiterscheinungen: Sie sind laut, pöbelig, verzehren nicht viel, und das, was sie zu sich nehmen, ist nicht selten der Tropfen zuviel: „Und da wird dann über die Möbel gekotzt“, sagt ein Wirt in dem erwähnten Artikel. Das alles führt dazu, daß die anderen Gäste ausbleiben – und damit auch das Geld, das sie normalerweise ausgeben. Dazu kommt, daß die JungesellInnengruppen meistens keine Hotelzimmer buchen, da wird gefeiert (=gesoffen), so lange es geht, und mit dem ersten Zug in der Früh fährt man wieder nach Hause. Bei warmem Wetter schläft man vielleicht ein paar Stunden im Rheinpark.
Wenn es ums Geld geht, hört der Spaß natürlich auf: Einige Wirte haben bereits grundsätzlich Lokalverbot für diese Gruppen ausgesprochen, und Politiker bemerken ein „Imageproblem“. Kann ich verstehen: Die Altstadt ist dafür da, den Touristen das Geld aus der Tasche zu ziehen – wie soll das gehen, wenn die eine Hälfte die Getränke selbst mitbringt oder am Kiosk kauft und im Park übernachtet und die andere Hälfte angewidert fortbleibt angesichts der Ballermannatmosphäre?

Im Volksgarten

Das Foto oben zeigt ein relativ neues Phänomen, das, wie so oft, aus Amerika kommt und sich langsam weltweit verbreitet … aber was? Alle Parkwege sind jetzt krumm? Hand-in-Hand-gehen erlebt eine Renaissance? Alle Bäume sind jetzt dauerhaft grün?
Alles Quatsch, schaut genauer hin: Es sind die Schuhe, die am oberen Bildrand im Baum hängen. Über die Bedeutung gibt es mehrere Mythen: Drogenhändler sollen so ihren Verkaufsort markieren – und damit das jeder potentielle Kunde weiß, setzen sie eine Annonce in die Zeitung, oder wie? Eine andere Geschichte besagt, daß der Brauch auf ein jung verheiratetes Paar zurück geht, das sich in der Hochzeitsnacht gestritten hat. Er warf schließlich ihre Schuhe in einen Baum, damit sie nicht abhauen konnte. Darauf vertrugen sie sich wieder und zeugten ein Kind. Wieso habe ich das Gefühl, daß die Basis dieser Beziehung nicht sehr tragfähig ist? Jedenfalls: Hochgeworfene Schuhe sind ein Glückssymbol, denn ob sie es bereut hat, daß sie nicht barfuß gegangen ist, weiß man ja nicht.
Eine dritte Lesart: Schuhe, die an Bäumen und Hochleitungen oder Laternen hängen, sind Kunst, eine Art von Streetart. Und angelehnt an den Begriff Graffiti gibt es auch schon eine Bezeichnung dafür: „Shoefiti“ (kein Scherz).

Appellhofplatz

Ich bin geneigt, diese Außengastronomie für die ungemütlichste, farbloseste und unwirtlichste von ganz Köln zu halten. Daß das dazugehörige Café ausgerechnet „Talltree“ heißt, hielt ich bisher für einen schlechten Witz, für eine Verhöhnung der Besucher angesichts der Baumarktbäumchen, die da stehen. Inzwischen habe ich aber gelernt, das „Talltree“ eine Kette ist, so wie die anderen Caféketten, die mit ihren geflavourten Getränken die Kaffeehauskultur in Verruf bringen (Kaffee mit Vanillesirup – uah!). Immerhin: „Talltree“ verarbeitet Fairtrade-Produkte aus biologischem Anbau. Vielleicht sollte ich meine Vorurteile einfach mal vergessen … ach nee, das Auge trinkt mit: Die Selbstbedienung schreckt mich nicht, aber das Café liegt im „Hinterhof“ des Vierscheibenhauses des WDR, da gibt es gar nicht weit weg wirklich schönere.

Hohe Str., Ecke Schildergasse

Togo ist ein kleines Land in Westafrika und in Deutschland in letzter Zeit dadurch besonders aufgefallen, daß es überall Kaffee aus diesem Land zu kaufen gibt. Und nun hat mitten in der Stadt an der meistfrequentierten Stelle der Kölner Konsummeile auch noch ein Spezialitätengeschäft aus diesem Land aufgemacht? Weit gefehlt! „Coffee/Cafe togo“ ist ein Pappbecher mit Deckel, in dem eine braune Flüssigkeit schwimmt, die mehr oder weniger nach Kaffee schmeckt, und er ist deswegen „to go“, weil man ihn im Gehen trinken soll oder kann, damit man keine Zeit verliert, die Millionen wollen schließlich irgendwie verdient werden, und wer weiß, wieviel Gewinn einem schon wieder durch die Lappen gegangen ist, während man müßig in einem Café sitzt.

„Rewe to go“ ist nun kein Supermarkt, den man im Vorbeigehen kaufen kann, sondern ein – aufgepaßt – „Convenience Shop“, bitte nicht verwechseln mit einer „Public Convenience“, das ist eine öffentliche Bedürfnisanstalt (und liegt somit am anderen Ende der Verwertungskette). Im Shop gibt es nur „Convenience-Produkte“, ungefähr 1000 verschiedene, also natürlich Getränke aller Art, auch Gebäck, Süßigkeiten, kleine abgepackte Salate mit Dressing im Extradöschen, Sandwiches, aber auch Suppen, Nudelgerichte und Eintöpfe, die man sich direkt im Shop in einer Mikrowelle heiß machen kann. Toll! Und alles „to go“. Während man sich eine Miniportion heiße Nudeln Bolognese mit einer Plastikgabel in den Mund schiebt, ist man schon wieder auf dem Weg in sein Büro, wirft unterwegs noch schnell einen Blick in die neusten Auslagen von H&M und C&A und Kack & Fuck und freut sich über die eingesparte Zeit, hurra. Lebensqualität „to run away“ – die Afrikaner können wirklich nichts dafür.

In der Stadt

Der eingewanderte Bürger fährt vor Schreck zusammen, Schweißperlen bilden sich auf der Stirn: Ist es schon wieder so weit? Jeckenalarm, Flucht, Bahnhof … ach so, der Herzschlag beruhigt sich wieder, sind ja noch 10 Monate, Zeit genug, das Exil zu planen.

Dagegen lehnt der eingeborene Rheinländer sein schweres Haupt müde an die Scheibe – noch 10 Monate, wie soll man das bloß aushalten. Aber Karten kann man schon kaufen, super, nix wie hin!

Am Ring

„Welche Deppen kaufen sich eigentlich solch ein Auto?“, frage ich mich jedesmal, wenn ich eine Stretchlimousine sehe. Das ist natürlich gar kein schöner Zug an mir, wildfremde Menschen als Deppen zu bezeichnen. Aber die Autos sind bestimmt sehr teuer in der Anschaffung, im Verbrauch sowieso, innen sieht es aus wie in einem Puff, und seine Möbel kann man auch nicht damit transportieren. Und wie man einen Parkplatz finden will, wenn man abends damit von der Arbeit nach Hause kommt, ist mir völlig schleierhaft. Gut, das nächste Vorurteil, was mir dazu einfällt, ist: Wer das fährt, braucht nicht zu arbeiten und hat einen eigenen Stellplatz auf seinem Villengrundstück. Aber auch diese Leute wollen mal zum Shoppen oder Angeben in die City, und selbst, wenn sie da einen Platz finden, müssen sie sechs Parkuhren gleichzeitig füttern.

Des Rätsels Lösung: Stretchlimousinen sind in der Mehrzahl Mietautos, die man zu bestimmten Anlässen mitsamt Chauffeur buchen kann. Zwischen 80 und 280 Euro pro Stunde (sic!) muß man dafür aufbringen, wobei man wohl getrost davon ausgehen kann, daß bei den unteren Preisen noch jede Menge Zusatzkosten versteckt sind (Anfahrt, Benzin etc.). Und schon hat sich meine Meinung, die ich anfangs äußerte, gewandelt: Nicht die Halter der Stretchlimousinen sind die Deppen …

Am Weiher

Der Aachener Weiher liegt gleich bei mir um die Ecke, wenn ich also mal kurz spazieren gehen will, umrunde ich ihn ein paar mal, und schau, ob jemand im Biergarten sitzt, den ich kenne, damit ich ihm Gesellschaft leisten kann. Leider passiert das so gut wie nie, ohne Verabredung trifft man sich nicht in der großen Stadt, außer, man hat gerade keine Zeit. Dafür entdecke ich manchmal seltene Tiere, wie diesen Horusaugenvogel aus der Gattung der Kugelvögel. Ich weiß gar nicht, ob der fliegen kann, jedenfalls ist es ein ungeheuers Glück, einem solchen Vogel in die Augen sehen zu dürfen, denn dann ist man in der nächsten Zeit geschützt vor bösen Blicken seiner Mitmenschen, kann ja nicht schaden. Der Horusaugenvogel ist ein wahrhaft magisches Tier, denn als er sich umdreht, verwandelt er sich plötzlich in einen Graureiher, der gerade einen Fisch gefangen hat. Phänomenal!

Haus Belvedere

Als beim Wiener Kongreß 1815 Europas Grenzen neu gezogen wurden, beschloß man, endlich mit den Zöllen auf dem Rhein aufzuhören. Bis dahin wurden überall da, wo es den Anliegern gerade paßte, von den Handelsschiffern Gebühren eingetrieben. In Köln gab es sogar seit ca. 600 Jahren das sogenannte Stapelrecht, d.h., alle Händler, die die Stadt passieren wollten, mußten in Köln anlegen und ihre Ware zum Verkauf aufstapeln, ob sie nun wollten oder nicht. Nun sollte Schluß damit sein, und alle machten mit – bis auf die Niederländer. Blöd – immer noch kein freier Zugang zur Nordsee.

Das ärgerte Kölner Kaufleute so sehr, daß sie sich um 1830 folgenden Ausweg überlegten: Sie planten einen „eisernen Rhein“, eine Eisenbahn von Köln über Aachen bis nach Antwerpen. Das war ein ziemlich kühnes Unterfangen, denn die erste öffentliche Eisenbahn war gerade erst „erfunden“ worden. 1839 war es dann so weit: Der erste Teilabschnitt zwischen Köln und Müngersdorf war fertig. Gut, Müngersdorf ist nicht Antwerpen, sondern liegt 6,7 km von der Kölner Innenstadt entfernt, aber immerhin, ein kleiner Bahnhof mit Gastronomie war vorhanden, und so hatten die Kölner ein neues Ausflugsziel, zu erreichen mit einem Wunderwerk.

Der Bahnhof, auf einer Anhöhe erbaut, wurde wegen der schönen Aussicht auf den Dom und die Stadt „Haus Belvedere“ genannt (Beweisfoto durch eine Fensterscheibe im 1. Stock). Um 1870, die Züge brausten längst zwischen den großen Städten hin und her, wurde der kleine Bahnhof stillgelegt und gelangte so in den Besitz der Stadt, die das Gebäude vermietete. Im Jahr 2009 ist nun der letzte Mieter gestorben. Das Haus, im klassizistischen Landhausstil erbaut, ist der älteste noch erhaltene Bahnhof im deutschsprachigen Raum, also eine historische Kostbarkeit, und steht samt des inzwischen völlig verwilderten Gartens unter Denkmalschutz.

Aber die Stadt hat kein Geld, um dringend nötige Sanierungsarbeiten anzuordnen und möchte das Haus gern verkaufen. Dagegen ist allerdings der „Förderverein Haus Belvedere“, dessen Mitglieder eine öffentliche Nutzung des historischen Gebäudes anstreben, etwa für kulturelle Veranstaltungen und als „Ort der Begegnung, der Kommunikation, der Feste und Feiern“, wie es auf der Homepage heißt.

Ich finde auch, das sollte man unbedingt machen, statt es irgendeiner Firma zu überlassen, die ihre Büros hier einrichtet und das ganze Gelände komplett für die Öffentlichkeit abschottet. Andererseits liegt das Gebäude etwas zu abseits, um es ständig geöffnet zu halten, etwa mit einem Café oder Ausstellungsräumen. Daher kann ich durchaus verstehen, daß man im Liegenschaftsamt der Stadt nicht besonders froh ist über diese Immobilie. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Schöne lichte Räume, als ich hier war, wurden gerade historische Musikautomaten ausgestellt. Man weiß nicht, wer genau der Architekt des Hauses war, vermutet aber, es sei jemand aus dem Umkreis des berühmten Architekten Schinkel. Und weil das Vermuten so viel Spaß macht, vermutet man weiter, daß eben jener höchst bedeutende Karl Friedrich Schinkel, jawohl! – er selbst!! – einen Blick auf die Pläne geworfen haben soll! Jedenfalls im Vorbeigehen. Jedenfalls weiß man, daß er irgendwann in den 30ern in Köln war!! Bei so viel Bedeutung wird einem ganz schwindelig, oder?

Neumarkt

Über den Neumarkt, Kölns zentralen Platz, habe ich hier schon mal berichtet. Daß der Platz eine riesige Verkehrsinsel ist, auf der nicht eine Bank steht (von der Straßenbahnhaltestelle mal abgesehen), ist eine Schande, daß aber sämtliche Bäume gefällt werden sollen, wenn man den Verkehr auf eine Seite des Platzes konzentriert, halte ich für ziemlich krank, selbst, wenn man dann neue, junge Bäume pflanzen will.

Und hier noch ein Nachtrag zum Litfaßsäulenbericht von neulich: Eine Kölschbrauerei versucht, interaktiv zu sein. Susi, Mausi, Poldi, Niekoll und Kevin, alle sollen ihre Namen eintragen. „Isch liibe Gaffel un dat Schantall. K.“, darf ein eingeborener Bürger darauf schreiben, gern auch anonym und ganz in der Tradition von „Blootworsch, Kölsch un lecker Mädsche“.
Ich liebe ja belgische Fritten mit Mayonnaise. Eine Freundin liebt Meerschweinchen (allerdings unfrittiert). Interessiert das jemanden? Gut, dann schreibe ich das auch auf die Litfaßsäule.