Neumarkt

Über den Neumarkt, Kölns zentralen Platz, habe ich hier schon mal berichtet. Daß der Platz eine riesige Verkehrsinsel ist, auf der nicht eine Bank steht (von der Straßenbahnhaltestelle mal abgesehen), ist eine Schande, daß aber sämtliche Bäume gefällt werden sollen, wenn man den Verkehr auf eine Seite des Platzes konzentriert, halte ich für ziemlich krank, selbst, wenn man dann neue, junge Bäume pflanzen will.

Und hier noch ein Nachtrag zum Litfaßsäulenbericht von neulich: Eine Kölschbrauerei versucht, interaktiv zu sein. Susi, Mausi, Poldi, Niekoll und Kevin, alle sollen ihre Namen eintragen. „Isch liibe Gaffel un dat Schantall. K.“, darf ein eingeborener Bürger darauf schreiben, gern auch anonym und ganz in der Tradition von „Blootworsch, Kölsch un lecker Mädsche“.
Ich liebe ja belgische Fritten mit Mayonnaise. Eine Freundin liebt Meerschweinchen (allerdings unfrittiert). Interessiert das jemanden? Gut, dann schreibe ich das auch auf die Litfaßsäule.

0 Antworten zu “Neumarkt

  1. Also ich find die interaktive Liftfaßsäule gut. Ist doch mal was anderes und erfüllt ihren Werbezweck wahrscheinlich besser als langweilige 08/15-Plakatierungen. Aber ich lese ja auch gern Klowände. Zudem bin ich ein treuer Fan des Wiener Zetteldichters (www.hoffnung.at), auch wenn ich seinem Mangel an Bodenhaftung und seinenm Hang zu Übertreibungen kritisch gegenüberstehe.

    Und unterdrücke seit zwanzig Jahren mehrmals täglich erfolgreich den Impuls, irgendwo „Mira war hier“ hinzukritzeln. Schade eigentlich. Würde den Rest der Welt doch sicher interessieren, wo ich überall langgehe. Wenn ich irgendwann mal sehr, sehr alt und dement bin (bitte wenn schon letzteres, dann nur in Kombination mit ersterem), werde ich mich bestimmt nicht mehr an diese ganzen Sachverhalte mit Sachbeschädigung und Verschmutzung des öffentlichen Raumes erinnern. Und dann werde ich mit Edding bewaffnet durch die Stadt streifen, Hakenkreuze mit Peace-Zeichen und Blümchen übermalen oder „Gott ist tot, es lebe der Pastafarinismus“ oder „Oma Mira war hier“ überall hinkritzeln.

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  2. Also ich liebe deine vorzüglichen Bildreportagen aus Köln, den findigen Blick, die Aufmerksamkeit, mit der du durch deine Wahlheimat streifst, wobei deutlich wird, dass auch ein bisschen Liebe zur Stadt mitschwingt, wenn du auch an witziger Kritik nicht sparst. Die Stadt Köln wiederum kann sich glücklich schätzen, einen derart aufmerksamen Chronisten zu haben.

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  3. Ich sehe, allzuviel hat sich an dem Neumarkt (noch) nicht verändert. Dunkel habe ich ihn noch in Erinnerung. Lang ist’s her.
    Das mit der Litfaßsäule gefällt mir außerordentlich gut. Wie Mira ja schon schrieb: Der Werbeeffekt ist nicht zu unterschätzen. Da wird ja nicht nur gekritzelt, sondern auch hingeguckt, was da so alles steht. Auch Gaffel. An das habe ich aber keine gute Erinnerung… 😉

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  4. In der Regel wird der öffentliche Raum ja viel mehr durch die Architektur verschmutzt als von hingekritzelten Namen.
    Wenn du dann dement bist, kann Dein Impuls von Vorteil sein: „Hier kauft Oma Mira Gemüse“, steht dann an Deinem Bioladen und Du weißt wieder, was Du da wolltest. Natürlich müßtest Du Dich wenigstens daran erinnern, daß Du das bist.
    Neulich habe ich gelesen, wenn man wissen will, wo man wann war in der letzten Zeit, braucht man bloß seinen Handy-Anbieter zu fragen, der hat das alles gespeichert.

    Den Zetteldichter muß ich mir mal genauer anschauen, danke für den Tipp.

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  5. Genau, wir schreiben darauf: Wir lieben die Wahrheit … und die Wahrheit ist: Freiwillig trinken wir kein Gaffel, jedenfalls nicht, wenn wir dafür bezahlen müssen und es Alternativen gibt.

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  6. Brilliante Idee, ich schaffe mir damit meine eigenen Wegweiser. Telefonate mit dem Handyanbieter sind mir jetzt schon zu mühsam. Wenn ich dann schon so alt bin, verschwende ich sicherlich nicht meine kostbare Restzeit mit sowas. Obwohl wir dann wahrscheinlich sowieso alle längst Ortungschips implantiert haben, damit Big Brother besser watchen kann. Spart auch beim Callcenter-Agent vom Handyanbieter Nerven.

    Hast Du denn nun eigentlich was draufgeschrieben auf die Säule? Ideen haben sich in den Kommentaren genug gefunden. Ich liebe Pommes mit Mayo, solange ich kein Gaffel dazu trinken muß, wäre doch ein originelles Statement. Und das mit dem Chronisten sollte wirklich mal publik gemacht werden, vielleicht wirst Du Ehrenbürger oder so ;).

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  7. Warum nicht gleich ein implantiertes Navi? „Bei der nächsten Gelegenheit rechts, Mira,“ säuselt eine Stimme in Dein Ohr, und wenn Du nach links gehst wegen der Demenz oder aus Eigenwilligkeit, wird ein kleiner Stromschlag gesendet, damit Du wieder auf Spur läufst.

    So eine Beschriftung muß gut geplant sein. Vielleicht werde ich auch noch Karnevalsehrenprinz. Hier ein Entwurf:

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  8. Ich weiß ja nicht, welchen status gaffel kölsch bei den kölnern hat, aber die idee an sich finde ich eigentlich ziemlich nett, muss ich gestehen.

    das mit dem neumarkt allerdings dafür um so unnetter!!!!

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  9. Gaffel-Kölsch ist nichts Besonderes, ganz anders als Früh, Päffgen oder Malzmühlen-Kölsch, jedenfalls soweit ich das beurteilen kann. Wegen Gaffel würde man nicht extra irgendwo hingehen, das trinkt man nur und mit Gleichmut, wenn es nichts anderes gibt.

    Die Möglichkeit, da was hinzuschreiben, wird kaum wahrgenommen, entweder die Leute sehen es gar nicht, oder sie haben keine Lust: Eine Werbeagentur hält einen Reifen in die Luft und sagt: Hopp, Verbraucher, spring durch. Will man das wirklich? Man müßte etwas ganz Eigenes aus so einer Säule machen, sie komplett umgestalten, beschweren kann sich keiner, schließlich wurde man ja dazu aufgefordert. Aber das ist dann wieder zu mühsam. 😉

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  10. Neulich stand in der Tagespresse eine kuriose Geschichte: Da hat einer mit einem Luftgewehr aus seiner Wohnung auf Leute geschossen, die Verletzung war minimal, aber gefährlich ist es natürlich trotzdem. Die Fahndung der Polizei führte zu keinen Ergebnissen. Ein paar Tage später meldete sich ein junger Mann, auf ihn sei auch geschossen worden, an fast der selben Stelle. Großes Polizeiaufgebot, der junge Mann wurde psychologisch und auch sonst in jeder Hinsicht betreut, sein Hemd zeigte eindeutige Geschoßspuren. Nun stellt sich heraus: Das zweite Opfer ist der Täter, zu Hause hatte er selbst auf sein Hemd geschossen, es angezogen und die Polizei gerufen. Jetzt rate, wie dieser Schwachkopf heißt.

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