Barbarossaplatz / Zülpicher Platz

Die Strickguerilla hat wieder zugeschlagen. Die Ampel wird zwar nicht grün, wenn man auf den Knopf drückt, aber das ist bei den anderen Ampeldrückern ja auch so, wenn man die betätigt, erscheint über der roten Ampel ein Schriftzug: Bitte warten. Ach was! Rot bedeutet also warten?!

Na – das paßt doch ganz gut zu Halloween …

… gleich neben einer Kirche, dem Ort des gesellschaftlich geförderten Obskurantismus („Obskurantismus (lat.), Gegensatz zu Aufklärung (s. d.), sowohl die Hinneigung zur geistigen Dämmerung als das System, alle Aufklärung von andern abzuhalten. Die Anhänger des O. heißen Obskuranten (Finsterlinge).“ Meyers Konversationslexikon, 1888).

Neusser Str.

Dieses Haus findet zum ersten Mal Erwähnung in einem Adressbuch von 1881, wurde also bereits vor der Eingemeindung des heutigen Stadtteils Nippes im Jahr 1888 gebaut. Peter Wirtz übernahm die Gaststätte 1905, der Name wurde bis heute beibehalten.
Das müssen standhafte Besitzer gewesen sein nach dem 2. Weltkrieg, man hat ihnen doch bestimmt viel Geld geboten für das Grundstück, um lückenlos solche Scheußlichkeiten bauen zu können wie in der Nachbarschaft, die heute leider vielfach das Bild der Stadt prägen.

Deutzer Bahnhof

Das Geschäft mit dem Geschäft scheint sich zu lohnen: Vor nicht allzu langer Zeit war hier noch ein WC-Center. As ich die Kamera absetzte, standen zwei wohlbeleibte Bahnpolizisten neben mir und fragten sich offensichtlich, was ich da mache. „Ich … äh, liebe öffentliche Toiletten“ – habe ich sicherheitshalber nicht gesagt. Sie erzählten mir, daß die neue Firma wegen eines besseren Angebots den Zuschlag erhalten habe. Das wundert mich nicht, denn was vorher noch 60 Cent kostete, daür muß man nun 1 Euro bezahlen. Dafür erhält man einen Gutschein in Höhe von 50 Cent für eins der Junk-food-Geschäfte im Bahnhof. Wenn man sich da dann den Bauch vollgeschlagen hat, muß man nochmal aufs Klo – und erhält einen weiteren Gutschein. Man muß also nochwas essen, woraufhin … usw. Ein Perpetuum mobile der Gewinnmaximierung, geschickt.

Kopfzerbrechen bereitet mir nur der Name der gastlichen Stätte: „Bahn-und-frisch-WC“? Wo ist da der Sinn? Vielleicht als Verb, „to rail“ bedeutet „fluchen“: Wenn man mal wieder wegen der üblichen Verspätungen seinen Anschlußzug verpaßt hat, geht man aufs „Fluchen-und-frisch-WC“, schimpft in seiner Zelle wie ein Rohrspatz, schon fühlt man sich besser. Und pinkeln darf man auch noch.

Am Aachener Weiher

Gar keine Liebe? Na, das stimmt ja nun auch nicht. Ob da jemand unglücklich verliebt ist?

Der Park als Galerie, warum nicht. Zuerst dachte ich, jemand hätte seine alte Zimmerdekoration weggeworfen, aber stimmt nicht, in der Nähe hängt noch ein Bild:

Ich les mal vor:

Einsamkeit
Ich wünsche nicht zu
wissen, mit wem ich mich
in Konflikt befinde. Ich verlange
nicht danach, die peripheren
Konflikte meines Lebens zu
kennen. Ich möchte nur wissen,
warum Konflikt überhaupt
existieren sollte.“

Herbstimpressionen

Eindeutig Herbst, aber noch so warm, daß man in kurzen Hosen im Park spielen kann.

Ich gehe ja wochentags nicht oft durch die Stadt und ihre Parks. Heute, bei meinem Genesungsspaziergang durch den Grüngürtel, hörte ich, daß das permanente Grundrauschen vom Autoverkehr noch viel lauter ist als am Wochenende. Wer genau hinschaut, sieht die Autoschlangen zwischen den Baumstämmen.

Mensch, Tier, Natur – daneben eine Arbeitsmaschine, die von kleinen Organismen am Laufen gehalten wird. Wer hat die da hingestellt? Können nur Außerirdische sein, oder?

Am „kitti chai“ in der Ehrenstr. sitzen noch viele bis in den Abend hinein im T-Shirt. Das thailändische Essen da ist übrigens gut und günstig, alles frisch gemacht, zu Preisen zwischen 6 – 9 Euro bekommt man eine volle Mahlzeit, die relativ gesund ist, viel besser, als in den vielen Burger-Läden drumherum. Innen ist es allerdings so laut wie in einer Disko – okay, ich übertreibe, aber sehr laut, und wenn man wieder auf der Straße steht, hat man nicht nur taube Ohren, sondern nimmt den Geruch der offenen Küche in seinen Klamotten mit nach Hause.

Ein paar schöne warme Tage kommen noch. Ich freu mich darauf.

Niehler Kirchweg

Da haben wir das schönste Wochenende des diesjährigen Herbstes – und was passiert? Ich liege erkältungskrank im Bett. Oh no!

Nicht schön, aber was soll man machen. Nur den Kopf nicht hängen lassen, wenn ich Glück habe, bin ich mit den nun gut trainierten Widerstandskräften bestens auf einen kalten Winter eingestellt.

Breite Str.

So schnell geht das: Erst im August des letzten Jahres ist der ProMarkt mit viel Pomp in die neuen Räume der Ladenstadt „Opernpassage“ gezogen, nun wird das Geschäft schon wieder aufgegeben. Der Handelskonzern Rewe, dem die Elektrofachhandelskette gehört, möchte sie offensichtlich gern loswerden: Von den ursprünglich 70 Märkten sind mindestens 27 an Konkurrenten verkauft worden, in den meisten anderen findet zur Zeit ein Räumungsverkauf statt, und der Internethandel wurde eingestellt. Viel wurde da wohl sowieso nicht verkauft, den als Grund für die Aufgabe wurde die Konkurrenz im Internet genannt. Vermutlich hat da wieder jemand im Management den Internethandel unterschätzt, sowas passiert ja auch in anderen Branchen: Musik, Bücher, Kleidung usw. Darunter zu leiden haben allerdings nicht die, die die neuen Geschäftsfelder verpennt haben, sondern die Angestellten, die jetzt ihre Jobs verlieren.

Hohenzollernring

Ein typischer Fall von Schmarotzermarketing: Da wird der öffentlichen Skulptur „Ruhender Verkehr“ von Wolf Vostell aus dem Jahr 1969 (hier habe ich davon erzählt) eine passgenaue Reklameplane übergezogen, um für ein neues Auto zu werben. Einfallsreich und pfiffig, mag man denken, aber wo kommen wir hin, wenn das Schule macht, Originalkunstwerke für kommerzielle Werbung zu verändern? Man stelle sich vor, man läuft nichtsahnend durch den Louvre und wird plötzlich mit einer Zahnpastareklame konfrontiert:

Neusser Str./Ring

Wenn in Köln die Plastikbecher fallen, ist Herbst, und die Kollegen vom Abfallwirtschaftsbetrieb legen selbst am Sonntag Sonderschichten ein.

Gestern war Kölnmarathon, wie jedes Jahr Anfang Oktober. Das zauberte uns ein Lächeln ins Gesicht, da braucht es eigentlich keine Aufforderung, denn die Stadt ist für Autos zum größten Teil lahmgelegt.

Große Leuchten – kleine Leuchten

Altstadt, das klingt nach Fachwerkhäusern, engen Gassen, schummerigen Plätzen, gemütlich und urig, mag man sich gedacht haben, als man beschloß, diese neuen Laternen im Look des 19. Jahrhunderts aufzustellen, und wenn man sich Altstädte wie die in Rothenburg ob der Tauber oder Quedlinburg vorstellt, stimmt das ja auch. Die Kölner Altstadt ist allerdings im 2. WK zu 90% zerstört und hinterher größtenteils modern wieder aufgebaut worden, diese historisierende Laternenform (immerhin ausgestattet mit modernster LED-Technik) paßt nicht so richtig in die Umgebung.

Das meint jedenfalls der Architekt Joachim Schürmann, der nicht nur den Wiederaufbau der romanischen Kirche Groß St. Martin, sondern in den 80er Jahren auch weite Teile der Umgebung geplant hat: Die Laternen entsetzten ihn bei einem Altstadtspaziergang nicht nur wegen ihrer Form und ihrer geringen Größe, sondern auch wegen der Farbe. „Seine“ Laternen, von denen die Stadt nun bereits viele abgesägt hat, ohne ihn als gestalterischen Urheber hinzuzuziehen, waren hoch, schlank, unauffällig und dezent dunkelgrün.

Nach einer Beschwerde bei der Stadt wußte man da gar nichts von der blauen Farbe und beschuldigte die ausführedne Firma Rhein-Energie (die zugleich der örtliche Stromversorger ist). Dort wiederum bestritt man, etwas anderes gemacht zu haben, als die Stadt beauftragt hatte. Des Rätsels Lösung: Bei einer Ortsbegehung von Stadtentwicklungsausschuss, Gestaltungsbeirat und Bezirksvertretung auf dem Eisenmarkt, wo eine solche Laterne schon länger steht, dachte man, sie sei anthrazit, in Wirklichkeit war sie aber nur verschmutzt und das Preußischblau war nachgedunkelt … und vielleicht war es ja auch nachts und die Laterne funktionierte nicht richtig, jedenfalls fiel hier der Entschluß, Laternen dieses Typs und dieser Farbe massenhaft aufzustellen.

Der Architekt macht dagegen nun sein Urheberrecht geltend, die Stadt hat die „Erneuerung“ gestoppt und untersucht, ob das überhaupt noch rechtlich relevant ist. Inzwischen ist bekannt geworden, wie die Laternenfirma das Produkt bewirbt: „Diese Form der historischen Aufsatzleuchte hat ihren Ursprung in der Gasbeleuchtung und wird häufig auch als Düsseldorfer Form bezeichnet“. Düsseldorf! Den Kölner Eingeborenen sträuben sich die Nackenhaare.
Die Wagen der neuen Ubahn unter der Altstadt sollen übrigens mit Pferden durch den Tunnel gezogen werden. Aber ich glaube, das ist nur ein Gerücht.