Schaafenstr.

Wenn sich das durchsetzt, der Pony bis zur Nasenspitze, erschwert man zwar einerseits die automatische biometrische Gesichtserkennung in Überwachungsvideos, auf der anderen Seite wird aber auch die Unfallstatistik sprunghaft ansteigen. Ich rate eher ab (es sieht auch nicht besonders gut aus).

Angesichts der Haarfarben möchte man die ironisch gemeinte Frage stellen: Ja, ist denn schon wieder Karneval? Die Ironie bleibt einem allerdings im Halse stecken, denn die Antwort lautet: Ja, bald. Eine Kölsch-Brauerei hatte die bahnbrechende Idee, man könne doch eigentlich auch im Sommer mal Karneval feiern, das sieht doch so schön aus, wenn beim Karneval in Rio all die nackten Frauenkörper die fröhlichen Menschen bei Sonnenschein feiern. Schnell fanden sich begeisterte Mitstreiter, die die Möglichkeit sehen, auch in der Sommerzeit noch einmal absahnen zu können (Karnevalkünstler – sofern man davon sprechen kann – leben oft das ganze Jahr über von ihren Einnahmen in den Wintermonaten): Nun wird am 29. August ab 14 Uhr auf öffentlichen Plätzen und in 80 Kneipen (die alle das Kölsch der erwähnten Brauerei ausschenken) unter der Begleitung von 20 Bands und Einzelinterpreten kostümiert gefeiert, also gesoffen, was das Zeug hält. Das Festkomitee – also die „Siegelbewahrer“ des offiziellen Karnevals – sind gar nicht begeistert, nach ihrer Ansicht kann und soll man einen Brauch nicht willkürlich verändern, doch ich befürchte, sollte sich die Veranstaltung als Erfolg erweisen (und davon gehe ich aus), werden noch mehr Kneipen mitverdienen wollen, und irgendwann haben wir einen weiteren Rosenmontagszug im Sommer.

Ich habe übrigens beschlossen, drei Mal im Jahr Geburtstag zu feiern. Spart schon mal schön für die Geschenke, die Termine gebe ich demnächst bekannt.

StadtBauKultur

Nun mal ein wenig Angeberei in eigener Sache: Vor ein paar Tagen erhielt ich ein Anfrage der Internetseite StadtBauKultur, ob man dort ein Foto von mir verwenden dürfe für einen Artikel zu den Metallzacken über den Lichtschächten am Chlodwigplatz. Bei einer ersten schnellen Prüfung entdeckte ich folgendes: „StadtBauKultur NRW ist ein gemeinnütziger Verein und Teil der Landesinitiative StadtBauKultur NRW 2020 … [und] wird durch das Land Nordrhein-Westfalen finanziert …“.
Wes‘ Brot ich eß, des‘ Lied ich sing, fiel mir sogleich ein, und da ich mich ungern für Propandazwecke der Landesregierung NRW mißbrauchen lassen wollte, mußte ich die Seite noch tiefer überprüfen. Ich habe es nicht bereut, im Gegenteil: Nach den Inhalten zu urteilen, ist der Verein unabhängig und kritisch, und ich werde dank der vielen interessanten Informationen viel mehr von der Seite profitieren (für das Blog), als der Verein von mir durch das Foto.

Außerdem werde ich jetzt natürlich berühmt. Fotoagenturen werden auf mich aufmerksam, es werden Anfragen hageln nach weiteren Fotos, deren Benutzung ich mir dann natürlich bezahlen lasse, ich bekomme Aufträge, natürlich auch ins Ausland, kann meinen Lohnjob aufgeben, arbeite als unabhängiger Fotograf, jette in der Welt herum, Einzelausstellungen, Buchveröffentlichungen, Galas zu meinen Ehren, ich werde kaum noch Zeit zum Bloggen haben … Moment mal – soll ich mir den Streß wirklich antun? Ich glaube, ich warte erstmal mit der Kündigung.

Im Mediapark

Zuerst ein Zitat aus Wikipedia: „Ein Logo ist ein grafisches Zeichen (Signet), das ein bestimmtes Subjekt repräsentiert – z. B. … eine Organisation … Es kann als reine Bildmarke … gestaltet sein und ist der wesentliche Bestandteil des visuellen Erscheinungsbildes (Corporate Design) sowie Träger der Identität (Corporate Identity) des Rechteinhabers.“

Beim Logo oben frage ich mich, was es bedeutet: Zwei spitze Türme, das ist leicht: Der Dom, aha, wir sind in Köln. Wandert der Blick weiter nach unten, sehen wir … ja, was? Geht es nur mir so? Um welche „Gefäße“ geht es hier? Ist nur mein Blick so sexualisiert (Assoziationskette: Dom, Geistliche, Hauptstadt der Schwulen), oder was seht ihr da?

Weyerstr.

Samstag Morgen um 05.30 Uhr – was meinen die jetzt damit? Von Freitag auf Samstag, oder von Samstag auf Sonntag? Und muß man schon so aussehen, wenn man in die Disko „Privilege“ hinein will, oder darf man sich dieses Aussehen auch während der Anwesenheit erarbeiten? Wieviel Chrystal Meth ist dafür nötig? Gibt’s auch genug XTC, damit ich überhaupt so lange wachbleiben und die monotone Musik aushalten kann? Und ist es nicht eine gemeine Geschlechterdiskrimierung, daß Männer zwischen 23.00 und 0.00 Uhr auch Eintritt zahlen müssen, während die Frauen so ‚reinkönnen? Heißt das, daß Frauen eigentlich keine Lust haben, in euren Schuppen zu gehen, weil da nur Idioten herumhängen? Fragen über Fragen – und ich befürchte: Keine Antworten.

Markusplatz

Der Markusplatz in Venedig ist so berühmt, daß sich die ansässigen Cafés alles erlauben können, z.B. kostet ein Espresso unter Umständen 12 Euro (inkl. 6 Euro „Supplemento Musica“ für live spielende Musiker, Stand 2013). Das kann einem auf dem Kölner Markusplatz nicht passieren, da gibt es nämlich gar kein Café, er ist eine Sackgasse mit Wohnhäusern. Kanäle mit Gondeln habe ich leider auch nicht gesehen.

Aber ganz in der Nähe gibt es ein Restaurant mit dem sprechenden Namen „Happy Happi“ – sowas hat nicht jeder! Was es da an Trinki-trinki gibt, weiß ich allerdings nicht, auch nicht, was einem serviert wird, wenn man einen Teller Schmackofatz bestellt.

Aprilwetter

Neulich war ich erstmalig versucht, vielleicht doch ein Smartphone anzuschaffen: Frisch gezapftes Bier als App, wie die Tageszeitung verspricht, dazu kann ich einfach nicht nein sagen. Aber es war natürlich wieder mal alles gelogen (wäre ja auch zu schön gewesen): Man kann sich eine Liste der Biergärten in der Umgebung als App herunterladen, oder ansehen, oder was auch immer man damit macht. Braucht kein Mensch …

… jedenfalls nicht, solange das Wetter nicht mitspielt. Schal und Handschuhe haben noch lange nicht ausgedient …

… und immer einen Schirm dabeizuhaben kann auch nicht schaden.

Alte Wallgasse, Blick auf die Ehrenstr.

Da unten, an der Schnittstelle von fünf Straßen, war früher eine Tankstelle, ich konnte die Anlage noch sehen, als ich vor nun genau 30 Jahren nach Köln zog (ich finde einfach kein Foto davon im Netz). Nun ist da ein trendiger Italiener. Aber das wollte ich gar nicht erzählen …

… auch nicht von der gewagten Dachgeschoßkonstruktion (von dekonstruktivistischer Architektur habe ich hier schon mal erzählt) …

… sondern aufmerksam machen auf die Figur des Streetartisten Marc Jenkins, dessen Homepage zu besuchen ich empfehlen kann.

Hier hatten wir schon mal zwei seiner Figuren (2013 habe ich sie schon einmal gezeigt).

Universitätsstr.

Das ist eine Litfaßsäule …

… und das ist keine Litfaßsäule (mehr), fotografiert aus der gleichen Perspektive, ein Tag später …

… und das ist auch keine Litfaßsäule, wiederum ein paar Tage später fotografiert, sondern eine City-Light-Säule, von innen beleuchtet, es soll sogar welche geben, die sich drehen können. Das Problem: Eine solche Werbefläche kann man nur als Ganzes mieten, alternative Kulturträger, aber auch städtische Museen und Theater, die mit den Litfaßsäulen eine bezahlbare Möglichkeit hatten, für sich zu werben, schauen nun in die (beleuchtete) Röhre.
Es heißt, von 671 Litfaßsäulen sollen 600 verschwinden, stattdessen stellt man 300 von den neuen Säulen auf. Das zuständige Fachamt der Kölner Stadtverwaltung hält dagegen: Von den 671 Betonsäulen sollen sogar 500 bestehen bleiben. Was stimmt nun? Vielleicht sollte man mal die Firma Ströer fragen, die hat den neuen Werbenutzungsvertrag mit der Stadt ausgehandelt.
Die neuen Säulen sind häßlich und aufdringlich, haben aber ein Gutes: Bei den Firmen, die hier werben, werde ich in Zukunft garantiert nichts einkaufen.

Neulich gegenüber

Bitteschön! – so arbeitet die Feuerwehr: Umsichtig, trainiert, einsatzbereit. Nur, damit kein Verdacht aufkommt, ich würde die Mitbürger, die für unsere Sicherheit sorgen, in ein schlechtes Licht rücken wollen.
So was Ähnliches ist mir auch schon passiert: Eine Freundin dachte, weil sie mich telefonisch nicht erreichte und ich auf die Türklingel nicht reagierte, ich läge röchelnd oder schon verstorben in meiner Wohnung. Also rief sie einen Polizeibeamten, der nach kurzem Zögern die Feuerwehr alamierte, die mit einem Leiterwagen die Straße absperrte und durch mein offenes Schlafzimmerfenster in meine Wohnung kam. Ich lag derweil fröhlich bei lauter Musik auf meinem Wohnzimmersofa, ein Buch vor der Nase, und staunte nicht schlecht, als plötzlich zwei Feuerwehrleute die Tür öffneten. Es stellte sich heraus, daß das Telefonkabel defekt war. Der Polizist erklärte das Vorgehen damals, daß nicht soviel Schaden entstehen würde, wenn man durch ein (in meinem Fall ja sogar offenes) Fenster einsteigt, als die Haustür aufzubrechen.
Was da bei mir gegenüber passiert ist, weiß ich nicht, aber es wird nichts Schlimmes gewesen sein, keiner der Anwesenden war hektisch, die Sanitäter waren sehr schnell wieder verschwunden, ohne jemanden hinauszutragen, und selbst das Fenster ließ sich von innen offenbar mühelos wieder schließen.

Bahnhofsvorplatz

Als ich als Kind Matchbox-Autos sammelte, ging ich davon aus, daß mein Polizeiauto selbstverständlich das schnellste ist (schneller als der Jaguar meines älteren Bruders, dem ich mich daher ganz gelassen überlegen fühlte): Wenn die Gauner und Kriminellen besser ausgerüstet sind als die Sicherheitsorgane eines Landes, besser aussehen und stärker und körperlich fitter sind – ja, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, daß die keine Angst vor Strafe haben. Das konnte einfach nicht sein.
Tja, älter werden heißt, Illusionen zu verlieren.