Dom, innen

Als ich neulich Abend zufällig am Dom vorbeispazierte, waren wider Erwarten alle Türen offen und Rauch schien herauszuquellen, während immer mehr Menschen hineinströmten.

Weihrauch, alles voll! Der Atheist steht und staunt. Ob das gesund ist? Rauchen in Kneipen und anderen öffentlichen Räumen ist ja eigentlich verboten, aber gut, wenn man aus seiner Kneipe einen Club macht, kommen ja nur Clubmitglieder hinein, und die dürfen so viel quarzen, wie sie wollen.

Und der Club-Charakter ist ja bei den Kirchen von vornherein gegeben: Man zahlt ganz ordentlich, dafür hat man Anspruch auf gewisse Dienstleistungen, wie z.B. anscheinend diese Pilger gern mal einen Extra-Gottesdienst im Dom haben wollten. Bitte mit viel Rauch? Kein Problem!

So langsam leert es sich, die Party ist vorbei, ich war zu spät dran und habe kaum etwas mitgekriegt.

Das ist liegengeblieben vom Proviant … leere Flaschen, kennt man ja von anderen Feten, daß die Leute ihren Müll nicht mitnehmen. Und was den Kohlkopf betrifft: „Bring noch was Krautsalat mit, du weißt schon, Weißkohl“, wurde vermutlich einem am Telefon gesagt. Tja. Shit happens.

Hohenstaufenring

Nein, das ist nicht die Werkstatt von Gunther von Hagens, sondern ein Schaufenster eines Geschäfts, das irgendwas mit „Creativ“ im Namen führt. Die Aufforderung „Mach was aus deinem Typ, zeig Eigeninitiative!“ habe ich jetzt nicht gelesen, aber wenn die FDP hier ihren Stand aufbauen würde, hätte sie Anschauungsmaterial für ihre Politik gleich nebenan, Leistung soll sich schließlich lohnen, egal, auf welchem Gebiet, und Bürger abzuziehen ist ein lukratives Geschäft, wer wüßte das besser als die Unternehmerfreunde von Schwarz/Gelb.
Auch die Polizei hat ihre Einstellungskriterien gelockert, das aber schon seit längerem, wie der erfolgreiche Einsatz in Stuttgart gezeigt hat.

PS: Übermorgen ist Halloween. Daß die Beschlüsse der Bundesregierung von gestern, die vier Stromwuchererriesen zu pampern bei gleichzeitigen drastischen Kürzungen von Sozialleistungen, nur ein Gruselscherz seien, ist ein unhaltbares Gerücht.

Halle 11 im Rheinauhafen

So sah es vor zweieinhalb Jahren in einem der alten Lagerhäuser noch aus (zu sehen ist oben Halle 12, wie mir ein freundlicher Anwohner erklärte).

Heute ist hier ein riesiges Einrichtungshaus: Edle Möbel und alles, was man so braucht fürs Wohnen.

Ich hatte ja keine Ahnung, was man haben muß, um seine Wohnung zeitgemäß einzurichten.

So ein Neonbudda ist bestimmt total trendy, hat aber keinen Schlitz, anders als die asiatisch anmutenden Figuren: Sparschweine (der Ausdruck kommt mir grad komisch vor). Eher was fürs Kinderzimmer.

Das hier ist auch Kitsch schon eher was für gehobene Ansprüche, der „Denker“ von Rodin ist ja nichts dagegen.

Oder doch lieber gleich einen richtigen Flieger? Oder sind wir schon wieder in der Jugendabteilung? Ich kenn mich nicht mehr aus.

Was Nützliches für die Küche, ein Messerhalter für extravagante Gemüter, es gehört eben etwas Mut dazu, aus der Masse herauszustechen.

Eine weitere Mutprobe.

Dieser Laden ist ein reines Kuriositäten-Kabinett, ich kann den Besuch besonders am Wochenende sehr empfehlen, da darf man nur kucken und nichts kaufen, also drängt einen auch keiner.

Die rekonstruierte Architektur der Lagerhalle am Rhein ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

Ausflug ins Naafbachtal

„Mama, warum fotografiert der denn unsere Gießkanne?“ „Das sind Städter, mein Kind, die kennen sowas nicht.“

Man steigt in die S-Bahn Richtung Overath, fährt eine halbe Stunde, läßt sich von einer lieben Freundin abholen, noch eine viertel Stunde im Auto, und schon ist man im wunderschönen Naafbachtal.

Schon Anfang der 30er Jahre entwickelte man Pläne, hier zur Wasserversorgung von Köln und Bonn eine Talsperre zu errichten, anderes war dann aber wichtiger. Gut vierzig Jahre später war es dann so weit: Die zuständigen öffentlichen Stellen kauften viel Land auf und machten sich schon mal daran, alten Baubestand abzureißen: Viele Wassermühlen und andere historischen Gebäude wurden den Bulldozern zum Fraß übergeben. Bald bildete sich Bürgerprotest, Bürgerinitiativen und das Erstarken von Umweltbewußtsein und der Erfolg der Grünen verhinderten die weitere Durchführung.

Ganz vom Tisch ist die Gefahr aber noch nicht: Im Landesentwicklungsplan des Landes NRW ist das Naafbachtal immer noch als mögliches Talsperrengebiet verzeichnet. Das hat aber auch sein Gutes: Um mögliche Entschädigungszahlungen klein zu halten, gilt schon seit Langem ein striktes Bauverbot. Inzwischen sind viele Gebäude unter Denkmalschutz gestellt und die ganze Gegend als FFH-Gebiet deklariert worden.

Ist es wirklich erst zwei Wochen her, daß wir nach einem Spaziergang im Garten diesen ausgezeichneten „Sylter Apfelkuchen“ gegessen haben? Das zufriedene Lächeln im Antlitz des Buddhas, dessen Lotusblütenlampe übrigens mit einem Sonnenkollektor betrieben wird, war gar nichts gegen das, was ich im Gesicht hatte.

Ein kleines Paradies, so kommt es jedenfalls uns Besuchern vor, und ich hoffe, es bleibt noch lange bestehen – das Pferd macht sich jedenfalls erstmal keine Sorgen.

Am Neumarkt

Erichs Lampenladen am Neumarkt? Könnte man meinen, besonders, wenn man hört, daß es hier ab und zu Bestrebungen gibt, Kapital zu sozialisieren: Gleich zweimal wurde die Hauptstelle der Kreissparkasse Köln in den letzten Monaten überfallen, soviel ich weiß, sind die Täter noch flüchtig.

Der Kölnisch-Wasser-Brunnen im Vordergrund wirkt fast etwas verloren in der 1.800 m² großen Halle.

„Veranschaulicht werden grundlegende Prinzipien der am Wohl der Kölner Region orientierten Tätigkeit der Kreissparkasse Köln. Jung und Alt legen ihr Erspartes in einen Bienenkorb, das traditionelle Sinnbild der Sparsamkeit … Das aus vielen Einzelposten kommende Geld fließt in eine breite Schale, das Kapitalsammelbecken, um von dort die im Sockel des Brunnens dargestellten Berufsgruppen des Handels, des Handwerks, des Gewerbes und der Landwirtschaft, d. h. die Säulen der regionalen Wirtschaft, mit Darlehen und Krediten zu versorgen,“ steht in einer Broschüre.

Die Bank, dein Freund und Helfer. Hier fließt tatsächlich nur Wasser aus dem öffentlichen Netz, ein kleiner Seitenhahn soll Duftwasser geben.

An der Rechtschule

Aufruhr am Dom: Mehrere Feuerwehrzüge fahren lärmend auf die Domplatte. Muß hier vielleicht mit Wasserwerfern eine Kinderdemonstration aufgelöst werden? Ach nee, dafür ist ja die Polizei zuständig … brennt der Dom? Der neue Brunnen?

Der rasende Reporter recherchiert – im Domhotel war man allerdings zu keiner Stellungnahme bereit und lächelte nur geheimnisvoll.

Und da sind die Übeltäter (gemeint sind nicht die Herren mit den Schirmmützen): In diesem Café auf der Rückseite des Blocks hat es Feueralarm gegeben, vielleicht hat sich jemand aus Gewohnheit eine Zigarette angesteckt. Aha. Und wieso stehen die Feuerwehrautos dann auf der anderen Seite? Wir vermuten: Auf der Domplatte ist einfach mehr Platz. Außerdem ist da mehr Publikum. Wie auch immer: Hier hätten wir eh keine Kaffee getrunken …

… denn zweihundert Meter weiter findet man in aller Ruhe im Café des Museums für Angewandte Kunst einen Platz.

Sehr schön – der Milchkaffee war zwar etwas schwach auf der Brust, aber heiß, und der Nußkuchen war eine volle Mahlzeit. Wirklich nette Atmosphäre hier.

Und ein Aquarium haben sie auch. Toll!

Amsterdamer Str.

Ja, was wächst denn da? Was? Domspitzen? Quatsch, die meine ich nicht … Wein! Mitten in der Stadt. 720 Rebstöcke, 140 verschiedene Sorten, stehen da auf einem nach Süden geneigten Dach. Wie ergiebig das ist und ob das Getränk nach dem Keltern besser schmeckt als „Bahndamm-Südseite“, weiß ich nicht, aber darauf kommt es wahrscheinlich gar nicht an: Das Dach gehört zum Weinmuseum, von dessen Existenz ich bisher keine Ahnung hatte. Scheint ganz interessant zu sein, glaubt man der Homepage, viel Wissenswertes ums Thema wird vermittelt. Leider ist es in der kalten Jahreshälfte geschlossen.

Heinrich-Böll-Platz

Der Heinrich-Böll-Platz, zentral gelegen zwischen Dom, Hauptbahnhof, Museum Ludwig, Hohenzollernbrücke und Rhein, hat ein merkwürdiges Schicksal: Man darf ihn oft nicht betreten, besonders nicht dann, wenn viele Spaziergänger unterwegs sind, also am Wochenende. Denn der Platz ist die andere Seite …

… der Decke der Philharmonie. Ein typischer Fall von Fehlplanung, möchte ich behaupten.

Das Ganze muß natürlich kontrolliert werden: Ringsum stehen diese Schilder und sechs Aufpasser, die einen mit bösem Blick zurückpfeifen, wenn man auch nur einen falschen Tritt macht.

Interessant in diesem Zusammenhang ist, daß der Tunnel der neue Ubahn, die kein Mensch braucht und deren Bau höchstwahrscheinlich das Stadtarchiv zum Einsturz brachte, zwei Meter unter dem Konzertsaal entlangführt. In Zahlen: 200 Zentimeter! Es ist nicht ganz abwegig, daß während der Aufführungen keine Bahnen fahren dürfen, wenn die Dämmung nicht ausreichend ist. Na bravo! Glück im Unglück: Durch den Pfusch am Bau des Abschnitts am früheren Historischen Archiv verzögert sich die Fertigstellung voraussichtlich bis 2018. Bis dahin braucht man also weiterhin nur auf der einen Seite abzusperren und kann in Ruhe Konzerte hören.

Fort X im Hilde-Domin-Park

Als die Preußen 1815 die Regierungsgeschäfte Kölns übernahmen, war man sich natürlich nicht sicher, ob die wilden Franzosen auch ohne Napoleon nicht eines Tages wieder Eroberungsgelüste entwickeln würden. Also mußte ein Festungsring her. Rund um die Stadt wurden 14 Forts und zusätzlich kleinere Gebäude zur Gefahrenabwehr gebaut. Nachdem dann gut hundert Jahre später die Deutschen ihrerseits an einem brutalen Versuch der Landbesetzung gescheitert waren, forderte der Versailler Vertrag die Schleifung sämtlicher Anlagen. Das war eine kostspielige Angelegenheit, und so ließ man, mit Hinweis auf die historische Bedeutung, ein paar der Forts stehen.

Der Park inner- und außerhalb der Mauern von Fort X wurde 2008 nach der Dichterin Hilde Domin benannt, die ganz in der Nähe geborden wurde und aufwuchs, und dient heute friedlicheren Zwecken: Ein großer Kinderspielplatz lädt die Kinder des Viertels ein, deren Eltern in der Zwischenzeit einen Biergarten besuchen können, in dem auch Veranstaltungen laufen, und zu bestimmten Zeiten gibt es sogar eine Open-Air-Kinoleinwand. Leider ist im Oktober schon alles abgebaut.

Eine leicht versteckte Attraktion hebt dieses Fort von allen anderen ähnlichen Stätten ab: Durch einen kleinen Seiteneingang gelangt man zum hochgelegenen …

… Rosengarten. Man kann sich auf einer der vielen Bänke von der Sonne bescheinen lassen und staunen. Ich habe keine Ahnung von Pflanzen, hätte aber gedacht, die Zeit für Blumen (außer für Herbstpflanzen) sei bereits vorbei. Aber hier ist noch alles in voller Blüte.

So ist es zusätzlich einleuchtend, den Platz nach Hilde Domin zu benennen, denn ihr berühmtestes Gedicht heißt: Nur eine Rose als Stütze. Ich bin sicher, sie hätte sich darüber gefreut, daß ein Kriegsschauplatz, der zu einem Rosengarten geworden ist, ihren Namen trägt.