Weißenburgstr./Dürener Str.

Im „hillijen“ Köln nicht anders als im ganzen katholischen Rheinland ist es beliebt, sein Haus unter das Patronat eines oder einer Heiligen zu stellen. Besonders gern wird diese Frau mit Kind genommen, das Gründungspersonal eines ‚Global Players‘, wie man heute sagt, die zu dem Zeitpunkt vor gut 2000 Jahren noch nicht wußten, wozu man ihren Namen mißbrauchen würde. Der vermeintliche Schutz eines Hauses ist ja aber eine eher harmlose Nutzung.

Es geht auch anders: Wer sagt, daß es immer Heilige sein müssen?

Im Hauptbahnhof

Nach der bahnbrechenden Bezeichnung „WC Center“ im Deutzer Bahnhof kann man im Hauptbahnhof natürlich nicht nachstehen: „McClean“ heißt das stille Örtchen hier, und für 7 Euro kann man sogar duschen. Pinkeln kostet aufgrund der besseren Lage 1 Euro – das kennt man, ein Hamburger bei der anderen Mc-Firma kostet genau so viel. Böse Zungen behaupten, in beiden Geschäften gehe um das selbe Erzeugnis … das ist aber sehr unappetitlich, und außerdem auch ungerecht: In Dung stecken sehr viele wertvolle Mineralien.

Kyffhäuser Str.

Wieder mal ein Beispiel aus der Reihe „Lustige Schaufenster“. Wofür wird hier geworben? Pistolen? Deutschland rüstet auf, der Krieg, der bisher so hübsch weit weg stattfindet, schwappt ins eigene Land, der Innenminister und seine Kollegen aus den Bundesländern nennen das „Terror“. Das macht man so, die Amerikaner haben das vorgemacht: Erst marschiert man bis an die Zähne bewaffnet in Länder ein, weil dort angeblich Terroristen sind, und wenn sich herausstellt, die sind da gar nicht, na ja, dann sind eben all die anderen in dem Land Terroristen, schließlich schießen die auf einen. Und nun muß sich jeder Bürger bewaffnen, wie damals im Wilden Westen?

Nein, eigentlich kaum vorstellbar.

Die, die da im Schaufenster aufeinander schießen, sind ja unsichtbar, wahrscheinlich ist das nur ein Bild für die unsichtbare Gefahr im Verborgenen: Aus dem Internet! Dem Telefon!!

„Weißt Du, ich schicke Bombe zu deutsche Bundeskanzlerin.“ „Ach – super! Wann denn?“ „Ich glaube, morgen, ich muß noch Packpapier besorgen, weißt Du, Geschäft hat geschlossen heute.“

Ein solches Terroristengespräch am Telefon würden unsere Geheimdienste natürlich gern mithören, das ist doch nachvollziehbar, deshalb müssen alle Telefongespräche aufgezeichnet und alle Emails gespeichert werden, damit man wenigstens hinterher, nach der Explosion, weiß, wer es wahrscheinlich gewesen ist – vorausgesetzt natürlich, die haben das Gespräch in Deutschland geführt, bevor sie in den Jemen reisen, um den Plan da in die Tat umzusetzen.
Was ist eigentlich, wenn jemand einen Brief schreibt, so wie früher auf Papier: „Lieber Ali, ich hoffe, es geh Dir gut. Hier ist schönes Wetter. Kannst Du mir vielleicht einen Zünder besorgen? Den Sprengstoff habe ich schon von Hassan. Dir ganz liebe Grüße, und der Oma auch, und ein schönes Wochenende, Dein Mustafa.“ Also, sowas wüßte man doch auch gerne vorher. Da reißt man am besten in der Post alle Briefe auf und scannt sie ein, bevor sie an den Empfänger gehen.
Obwohl, das macht natürlich verdammt viel Arbeit, und dann ist da ja noch das lästige Briefgeheimnis – besser ist, dem Empfänger eine Email zu senden, daß da ein Brief für ihn angekommen ist, und der muß ihn dann persönlich vor den Augen eines Postbeamten öffnen und laut vorlesen. Das wird dann aufgenommen und mindestens ein halbes Jahr gespeichert. Ja – so geht’s, mit solchen Maßnahmen ist der Krieg so gut wie gewonnen.

PS: Angeblich werden in dem Laden Goldschmiedearbeiten hergestellt und Brillendesign entworfen … hallo??! Da stimmt doch was nicht. Herr de Maizière, übernehmen Sie!

MaxCologne, Deutz

Ah – viele neue Wohnungen entstehen hier in zentraler Lage, der Wohnungsmarkt wird entlastet, die Mieten werden billiger, ein würdevolles Wohnen in der Stadt wird für alle möglich …

… träum weiter, Videbitis! Was hier schon von Anfang an war und in aufgemotzter Form wieder wird: Büroräume. Mitten in der Stadt, am Fluß gelegen, deshalb lohnt sich die Kernsanierung. Große Firmen, sogenannte „Global Player“, die nichts herstellen außer Geld und ihre Zirkulation, protzen wenigsten mit ihrer Niederlassung und einem Blick auf den Dom, wenn sie außer Zahlen sonst schon nichts vorzuweisen haben (das habe ich mir nicht ausgedacht, das sagte neulich so ähnlich der Leiter eines solchen Dienstleistungsbetriebes, allerdings benutzte er nicht das Wort „protzen“).

Im Hochhaus auf 22 Etagen, im niedrigeren auf 11, kann der Interessent bis zu insgesamt 45.000 m² mieten, 1.900 m² pro Etage. 2012 soll es fertig sein.

So sah das alte Lufthansagebäude früher aus. 1969 direkt gegenüber der Kölner Altstadt gebaut, war es in meinen Augen schon immer ein Schandfleck, ein Negativbeispiel par excellence für verfehlte Stadtarchitektur. Ich befürchte, das wird sich auch in Zukunft nicht ändern:


Bild: Hochtief/Worring, ksta

Café Stövchen, Ursulakloster

Ich weiß gar nicht, ob das Café Stövchen ein Geheimtipp ist – obwohl nur fünf Geh-Minuten vom Hauptbahnhof entfernt, liegt es etwas versteckt. Ich bin nicht so oft da, weil es nicht in meiner Gegend liegt, aber einen Besuch ist es unbedingt wert.

Kleine hausgemachte Speisen zu günstigen Preisen in einer so gemütlichen Atmosphäre, wie ich es schon lange nicht mehr erlebt habe, und damit die Qualität nicht leidet, gibt es neben dem üblichen Kölsch auch richtiges Bier. Allerdings darf geraucht werden, und das ist ja nicht mehr jedermanns Sache. Samstags ist übrigens geschlossen – sage ich nur, damit keiner vor verschlossenen Türen steht.

Das direkt am Dom gelegene Cafè Reichard dagegen hat täglich geöffnet, dafür abends nicht, wenn die Touristen was anderes im Kopf haben als Kaffee und Kuchen – der hier übrigens ausgezeichnet ist, aber erstens ist er recht kostspielig, zweitens bekommt man oft keinen Platz, und drittens ist die Atmosphäre hektisch. Nein, ich geh jetzt öfter mal ins Stövchen.

Filmpalast am Hohenzollernring

Seit über einem halben Jahr ist er nun schon geschlossen, was damit wird, weiß man nicht: Der Ufa-Palast, 1931 nach Plänen des Architekten Riphahn (der auch die Oper und die Messe entworfen hat) erbaut, war lange Zeit das größte Kino Deutschlands. In den 70er Jahren folgte man der Mode und teilte den Innenraum in 13 Säle, die meisten davon Schachtelkinos. Das kleinste hatte gerade 16 Sitze und eine Leinwand von der Größe eines Badetuches – ich habe vermieden, da hin zu gehen, fernsehen kann ich auch zu Hause. Vor acht Jahren hatte die Cinestar-Gruppe den Komplex übernommen und plante, in diesem Jahr zu sanieren, allerdings nur bei einer Mietminderung, von der der Vermieter aber nichts wissen wollte. Durch die Schließung dieses Hauses, nach dem Cinedom das zweitgrößte der Stadt, gibt es nur noch ein Multiplex, in dem Blockbuster gespielt werden. Die sogenannten Arthouse-Kinos sind in der Überzahl – das dürfte in Deutschland einzigartig sein, im Cinedom reibt man sich vermutlich die Hände. Bleibt nur zu hoffen, daß die Arthouse-Kinos nicht in Versuchung kommen, auch Blockbuster anzubieten, das wäre ganz schlecht für die „kleinen“ Filme, denen die Abspielstätten verloren gingen.

PS: Wer wissen will, was gestern in der Karnevalshochburg Köln los war: Der mutige Blogfreund ich-bin-es war da und hat ein paar Eindrücke eingefangen.

Karnevalkomasaufen

Ich glaube, da hat sich einer verschrieben. Oder? Muß es nicht heißen:
„Mehr Spach ohne Glach, Becher icht dach!“?
Da hat wohl jemand zu tief ins Kölschglas geguckt und seine unzerbrechlich wahre Liebe darin gefunden – kein gutes Vorbild, wenn jetzt die Mitarbeiter des Oberbürgermeisteramtes ihre Zuneigung zum Alkohol offenbaren.

Der Hintergrund: In drei Tagen geht das Grauen der Karneval wieder los, und das bedeutet: Am 11.11. und in der Zeit von Weiberfastnacht bis Karnevalsdienstag im nächsten Jahr ist in der Altstadt und im Studentenviertel hemmungsloses Saufen angesagt. Und weil dazu zu gehören scheint, daß man die leeren Flaschen und Gläser auf der Straße zerdeppert, herrscht in diesen Gegenden in der Zeit Glasverbot, die Getränke dürfen nur aus Plastikbehältnissen oder Dosen konsumiert werden. Man hat das schon einmal durchgeführt und gute Erfahrungen damit gemacht, die Schnittverletzungen sind stark zurückgegangen, die Schäden an Fahrzeugen sogar völlig. Die Kioskbesitzer, die ihren Hauptjahresumsatz in dieser Zeit machen, sind natürlich nicht begeistert, obwohl sie ausnahmsweise eine Schankerlaubnis erhalten, aber das macht eben mehr Arbeit. Im Moment hat jemand eine einstweilige Verfügung gegen das Verbot erwirkt, man weiß also noch nicht genau, was nun wird. Da habe ich einen guten Vorschlag an die Stadt: Verhindert das alljährlich sich wiederholende öffentliche Massenbesäufnis, dann hat man nicht nur kein Problem mit dem Glas, auch Lärm- und Urinierbelästingungen blieben uns erspart. Wäre das nicht noch becher?

Sehen lernen am Offenbachplatz (und anderswo)

Manchmal, wenn ich moderne Kunst sehe, denke ich: Himmel! – das ist ja wohl an Banalität kaum zu überbieten! So auch bei diesem Holzrahmen, aber zu Unrecht: Das ist gar kein Kunstwerk, sondern Volksbildung: Seit 2008 reisen diese Rahmen durch Städte in Nordrhein-Westfalen, um die Stadtbewohner für ihre Lebensumwelt empfänglich zu machen.

„Die Kampagne will die Öffentlichkeit für die gebaute Umwelt sensibilisieren und die Bevölkerung stärker für die Belange der Baukultur gewinnen.“, steht auf der Homepage von „Sehenlernen“. Die Leute sollen aber nicht nur durch den Rahmen sehen, einen Ausschnitt wahrnehmen und die Supererleuchtung haben, die ihnen ohne Rahmen verwehrt geblieben wäre. Nein, um die jeweilige Ausstellung herum werden Seminare, Vorträge und Stadtführungen organisiert, an denen die Bürger kostenlos teilnehmen können. Das ist gar nicht schlecht gedacht, Aufklärung im besten Sinne. Ob die Leute auch Zeit dafür haben, steht auf einem anderen Blatt.

Auf dem Offenbachplatz zwischen den umstrittenen Theater- und Opernbauten stand das Hauptstück der Installation, es erinnert an eine alte Kamera. Es ist sogar begehbar …

… und im Dunkeln beleuchtet. Wenn man hineingeht, kann man hinausgucken und sich gegenseitig fotografieren. Hübsch.

Kölner Frittenbude, Am Leystapel

Dieses Bild zeigt, was es nicht mehr zeigen kann, nämlich das: Die Frittenbude aus dem Kölner „Tatort“. In jeder Sendung stehen die beiden Kommissare an der mobilen Bude und ernähren sich ungesund vor der Dom-Silhouette. In Wirklichkeit steht der Imbiß nicht an dem Platz, sondern – bis vor Kurzem – in der Nähe des Rheinauhafens. Ein Publikumsmagnet, sowohl für Kölner als auch für Touristen – später kann man seinen Enkeln erzählen, daß man hier auch schon eine Currywurst mit Fritten rot/weiß gegessen hat, wenn man die x-te Wiederholung eines Köln-Tatorts im Fernsehen sieht. Seit ein paar Monaten steht nun dieses Häuschen hier, der Wagen ist weg – beim städtischen Denkmalamt war man der Meinung, daß so ein Jahrmarktswagen schlecht paßt zur aufgemotzen Architektur des nahen Rheinauhafens mit Quadratmeterpreisen bis zu 8.000 Euro. Die Gentrifizierung nimmt komische Formen an.

Die Currywurst in dem neuen Gebäude schmeckt allerdings genau so schlecht wie vorher die in der Bude – wenigstens etwas, was gleich geblieben ist.

Edit 18.11.13: Der neue feste Standplatz ist nun hier.