Hohe Str., Ecke Schildergasse

Togo ist ein kleines Land in Westafrika und in Deutschland in letzter Zeit dadurch besonders aufgefallen, daß es überall Kaffee aus diesem Land zu kaufen gibt. Und nun hat mitten in der Stadt an der meistfrequentierten Stelle der Kölner Konsummeile auch noch ein Spezialitätengeschäft aus diesem Land aufgemacht? Weit gefehlt! „Coffee/Cafe togo“ ist ein Pappbecher mit Deckel, in dem eine braune Flüssigkeit schwimmt, die mehr oder weniger nach Kaffee schmeckt, und er ist deswegen „to go“, weil man ihn im Gehen trinken soll oder kann, damit man keine Zeit verliert, die Millionen wollen schließlich irgendwie verdient werden, und wer weiß, wieviel Gewinn einem schon wieder durch die Lappen gegangen ist, während man müßig in einem Café sitzt.

„Rewe to go“ ist nun kein Supermarkt, den man im Vorbeigehen kaufen kann, sondern ein – aufgepaßt – „Convenience Shop“, bitte nicht verwechseln mit einer „Public Convenience“, das ist eine öffentliche Bedürfnisanstalt (und liegt somit am anderen Ende der Verwertungskette). Im Shop gibt es nur „Convenience-Produkte“, ungefähr 1000 verschiedene, also natürlich Getränke aller Art, auch Gebäck, Süßigkeiten, kleine abgepackte Salate mit Dressing im Extradöschen, Sandwiches, aber auch Suppen, Nudelgerichte und Eintöpfe, die man sich direkt im Shop in einer Mikrowelle heiß machen kann. Toll! Und alles „to go“. Während man sich eine Miniportion heiße Nudeln Bolognese mit einer Plastikgabel in den Mund schiebt, ist man schon wieder auf dem Weg in sein Büro, wirft unterwegs noch schnell einen Blick in die neusten Auslagen von H&M und C&A und Kack & Fuck und freut sich über die eingesparte Zeit, hurra. Lebensqualität „to run away“ – die Afrikaner können wirklich nichts dafür.

Kunst in Bonn

In den Ausstellungsräumen der „Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland“ herrscht strengstes Fotografieverbot, das von wirklich vielen Aufpassern überwacht wird, keine Chance. Aber durch die Dreieckluke ins Foyer fotografieren, das durfte man immerhin.

Im Foyer ist neben Kinderbespaßung, Kassen, Garderobe und Buchladen auch das Cafè – sehr wuselig und laut, jedenfalls am Wochende. Zufällig war gestern das Museumsmeilenfest, alle Austellungen hatten freien Eintritt – Glück gehabt, wir hatten vorher keine Ahnung. Aber so war es vermutlich noch voller als sonst.

Das Beispiel habe ich aus dem Netz geliehen – mit Bildern des deutschen Impressionisten Max Liebermann hat man eine sehr schöne Ausstellung zusammengestellt, die genau die richtige Größe hat.

Die zweite Ausstellung galt dem ZERO-Künstler Heinz Mack, wer Lust hat, schaut hier.

Die Museumsmeile ist gewaltig – gegenüber der Halle steht das Kunstmuseum Bonn, dazwischen erstreckt sich der Museumsplatz, auf dem im Sommer Veranstaltungen stattfinden.

Man war nach dem 2. Weltkrieg der Meinung, daß auch die Bundesrepublik ein repräsentatives Gebäude braucht, um die Errungenschaften der deutschen Kultur entsprechend darzustellen. In den 80er Jahren war es endlich so weit, und gerade noch rechtzeitig vor der Wende wurde der Grundstein in der damaligen Hauptstadt gelegt. Natürlich kann man sich fragen, ob die monumentalen Ausmaße angemessen sind, aber Helmut Kohl liebte es groß, wie man ja auch am Bundeskanzleramt sehen kann. Die 16 Säulen im Hintergrund stehen übrigens symbolisch für die Bundesländer.

Wer bei schönem Wetter in Bonn ist, sollte es nicht versäumen, den Biergarten am Alten Zoll zu besuchen, vom Museum eine halbe Stunde Fußmarsch entfernt. Direkt am Rhein sitzt man unter einer riesigen Platane im Schatten – ah, so soll Sommer sein. Die Salate sind allerdings bescheiden, aber die Pizza sah ganz gut aus.

In der Stadt

Der eingewanderte Bürger fährt vor Schreck zusammen, Schweißperlen bilden sich auf der Stirn: Ist es schon wieder so weit? Jeckenalarm, Flucht, Bahnhof … ach so, der Herzschlag beruhigt sich wieder, sind ja noch 10 Monate, Zeit genug, das Exil zu planen.

Dagegen lehnt der eingeborene Rheinländer sein schweres Haupt müde an die Scheibe – noch 10 Monate, wie soll man das bloß aushalten. Aber Karten kann man schon kaufen, super, nix wie hin!

Am Ring

„Welche Deppen kaufen sich eigentlich solch ein Auto?“, frage ich mich jedesmal, wenn ich eine Stretchlimousine sehe. Das ist natürlich gar kein schöner Zug an mir, wildfremde Menschen als Deppen zu bezeichnen. Aber die Autos sind bestimmt sehr teuer in der Anschaffung, im Verbrauch sowieso, innen sieht es aus wie in einem Puff, und seine Möbel kann man auch nicht damit transportieren. Und wie man einen Parkplatz finden will, wenn man abends damit von der Arbeit nach Hause kommt, ist mir völlig schleierhaft. Gut, das nächste Vorurteil, was mir dazu einfällt, ist: Wer das fährt, braucht nicht zu arbeiten und hat einen eigenen Stellplatz auf seinem Villengrundstück. Aber auch diese Leute wollen mal zum Shoppen oder Angeben in die City, und selbst, wenn sie da einen Platz finden, müssen sie sechs Parkuhren gleichzeitig füttern.

Des Rätsels Lösung: Stretchlimousinen sind in der Mehrzahl Mietautos, die man zu bestimmten Anlässen mitsamt Chauffeur buchen kann. Zwischen 80 und 280 Euro pro Stunde (sic!) muß man dafür aufbringen, wobei man wohl getrost davon ausgehen kann, daß bei den unteren Preisen noch jede Menge Zusatzkosten versteckt sind (Anfahrt, Benzin etc.). Und schon hat sich meine Meinung, die ich anfangs äußerte, gewandelt: Nicht die Halter der Stretchlimousinen sind die Deppen …

Am Weiher

Der Aachener Weiher liegt gleich bei mir um die Ecke, wenn ich also mal kurz spazieren gehen will, umrunde ich ihn ein paar mal, und schau, ob jemand im Biergarten sitzt, den ich kenne, damit ich ihm Gesellschaft leisten kann. Leider passiert das so gut wie nie, ohne Verabredung trifft man sich nicht in der großen Stadt, außer, man hat gerade keine Zeit. Dafür entdecke ich manchmal seltene Tiere, wie diesen Horusaugenvogel aus der Gattung der Kugelvögel. Ich weiß gar nicht, ob der fliegen kann, jedenfalls ist es ein ungeheuers Glück, einem solchen Vogel in die Augen sehen zu dürfen, denn dann ist man in der nächsten Zeit geschützt vor bösen Blicken seiner Mitmenschen, kann ja nicht schaden. Der Horusaugenvogel ist ein wahrhaft magisches Tier, denn als er sich umdreht, verwandelt er sich plötzlich in einen Graureiher, der gerade einen Fisch gefangen hat. Phänomenal!

Haus Belvedere

Als beim Wiener Kongreß 1815 Europas Grenzen neu gezogen wurden, beschloß man, endlich mit den Zöllen auf dem Rhein aufzuhören. Bis dahin wurden überall da, wo es den Anliegern gerade paßte, von den Handelsschiffern Gebühren eingetrieben. In Köln gab es sogar seit ca. 600 Jahren das sogenannte Stapelrecht, d.h., alle Händler, die die Stadt passieren wollten, mußten in Köln anlegen und ihre Ware zum Verkauf aufstapeln, ob sie nun wollten oder nicht. Nun sollte Schluß damit sein, und alle machten mit – bis auf die Niederländer. Blöd – immer noch kein freier Zugang zur Nordsee.

Das ärgerte Kölner Kaufleute so sehr, daß sie sich um 1830 folgenden Ausweg überlegten: Sie planten einen „eisernen Rhein“, eine Eisenbahn von Köln über Aachen bis nach Antwerpen. Das war ein ziemlich kühnes Unterfangen, denn die erste öffentliche Eisenbahn war gerade erst „erfunden“ worden. 1839 war es dann so weit: Der erste Teilabschnitt zwischen Köln und Müngersdorf war fertig. Gut, Müngersdorf ist nicht Antwerpen, sondern liegt 6,7 km von der Kölner Innenstadt entfernt, aber immerhin, ein kleiner Bahnhof mit Gastronomie war vorhanden, und so hatten die Kölner ein neues Ausflugsziel, zu erreichen mit einem Wunderwerk.

Der Bahnhof, auf einer Anhöhe erbaut, wurde wegen der schönen Aussicht auf den Dom und die Stadt „Haus Belvedere“ genannt (Beweisfoto durch eine Fensterscheibe im 1. Stock). Um 1870, die Züge brausten längst zwischen den großen Städten hin und her, wurde der kleine Bahnhof stillgelegt und gelangte so in den Besitz der Stadt, die das Gebäude vermietete. Im Jahr 2009 ist nun der letzte Mieter gestorben. Das Haus, im klassizistischen Landhausstil erbaut, ist der älteste noch erhaltene Bahnhof im deutschsprachigen Raum, also eine historische Kostbarkeit, und steht samt des inzwischen völlig verwilderten Gartens unter Denkmalschutz.

Aber die Stadt hat kein Geld, um dringend nötige Sanierungsarbeiten anzuordnen und möchte das Haus gern verkaufen. Dagegen ist allerdings der „Förderverein Haus Belvedere“, dessen Mitglieder eine öffentliche Nutzung des historischen Gebäudes anstreben, etwa für kulturelle Veranstaltungen und als „Ort der Begegnung, der Kommunikation, der Feste und Feiern“, wie es auf der Homepage heißt.

Ich finde auch, das sollte man unbedingt machen, statt es irgendeiner Firma zu überlassen, die ihre Büros hier einrichtet und das ganze Gelände komplett für die Öffentlichkeit abschottet. Andererseits liegt das Gebäude etwas zu abseits, um es ständig geöffnet zu halten, etwa mit einem Café oder Ausstellungsräumen. Daher kann ich durchaus verstehen, daß man im Liegenschaftsamt der Stadt nicht besonders froh ist über diese Immobilie. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Schöne lichte Räume, als ich hier war, wurden gerade historische Musikautomaten ausgestellt. Man weiß nicht, wer genau der Architekt des Hauses war, vermutet aber, es sei jemand aus dem Umkreis des berühmten Architekten Schinkel. Und weil das Vermuten so viel Spaß macht, vermutet man weiter, daß eben jener höchst bedeutende Karl Friedrich Schinkel, jawohl! – er selbst!! – einen Blick auf die Pläne geworfen haben soll! Jedenfalls im Vorbeigehen. Jedenfalls weiß man, daß er irgendwann in den 30ern in Köln war!! Bei so viel Bedeutung wird einem ganz schwindelig, oder?

Neumarkt

Über den Neumarkt, Kölns zentralen Platz, habe ich hier schon mal berichtet. Daß der Platz eine riesige Verkehrsinsel ist, auf der nicht eine Bank steht (von der Straßenbahnhaltestelle mal abgesehen), ist eine Schande, daß aber sämtliche Bäume gefällt werden sollen, wenn man den Verkehr auf eine Seite des Platzes konzentriert, halte ich für ziemlich krank, selbst, wenn man dann neue, junge Bäume pflanzen will.

Und hier noch ein Nachtrag zum Litfaßsäulenbericht von neulich: Eine Kölschbrauerei versucht, interaktiv zu sein. Susi, Mausi, Poldi, Niekoll und Kevin, alle sollen ihre Namen eintragen. „Isch liibe Gaffel un dat Schantall. K.“, darf ein eingeborener Bürger darauf schreiben, gern auch anonym und ganz in der Tradition von „Blootworsch, Kölsch un lecker Mädsche“.
Ich liebe ja belgische Fritten mit Mayonnaise. Eine Freundin liebt Meerschweinchen (allerdings unfrittiert). Interessiert das jemanden? Gut, dann schreibe ich das auch auf die Litfaßsäule.

Universitätsstr.

Was steht da auf den kleinen Schild? Muß was wichtiges sein, ein roter Kreis. Wir klettern vom Bürgersteig aus auf das kleine Mäuerchen und gehen ganz dicht dran:

Na toll, herzlichen Dank für die Warnung. Glücklicherweise scheint gerade die Sonne. Wem es bei Gewitter doch die Birne wegpustet – nicht verzagen, ein passender Wegweiser zeigt die rettende Richtung.

Ehrenstr.

„Kauf Dich glücklich“ – sinnigerweise hat man vor den Laden gleich das gestellt, was dabei herauskommt: Müll.

Jahrelang war hier früher eine Puppenklinik, in deren Geschäftsräumen man auch das hier kaufen und ansehen konnte. Jetzt werden hier Schuhe, trendige Taschen und teure Klamotten angeboten – wie in zig anderen Läden, die sich in unmittelbarer Nähe befinden. Die Puppenklinik ist umgezogen in eine Gegend, wo man die Miete noch bezahlen kann. Schade.

Breite Str.

Wo viele Menschen leben, da gibt es natürlich auch viele merkwürdige Leute. Neulich in der Straßenbahn saß hinter mir ein noch ganz junger Mann, der heftig und mit steigender Lautstärke mit jemandem diskutierte, der nicht da war. Inzwischen denke ich meist bei vermeintlich Selbstgespräche führenden Mitbürgern, daß sie telefonieren, war hier aber nicht so. Manchmal läuft einem ein laut schimpfender Mann über den Weg, oder eine furchtbar wütende Frauen schreit den Himmel an, während sie ihre Einkäufe nach Hause trägt, etc.

An das Fußgängerzonenplakat oben hat jemand einen DIN-A4-Zettel mit kryptischen Informationen geklebt. Kann sich jemand einen Reim darauf machen?