Richard-Wagner-Str., Ecke Habsburgerring

Zum Friseur bitte nach rechts, nur ein paar Meter – so war es jedenfalls mal. Die Schrift ist typisch 50er Jahre, oder gab es die schon früher? Den Salon gibt es schon lange nicht mehr, der Schriftzug hat hinter den Reklametafeln eines anderen Geschäfts „überlebt“:

Hier war lange Zeit eine Buchhandlung, die nun leider geschlossen hat, eine Filiale der Firma „VUB printmedia“, die noch ein weiteres Geschäft in Nähe der Uni hat. Es gab viel Fachliteratur, aber auch das normale Programm, Romane, CDs usw. Das hat sich wohl nicht mehr gelohnt, nicht weit weg sind die großen Buchhandelshäuser am Neumarkt, und die Konkurrenz im Internet ist langfristig kaum zu schlagen. Und genau dahin ist die Firma „VUB“ nun unterwegs: „…ermöglichen wir die Implementierung von Prozessketten für die weltweite Medienbeschaffung und deren Management. Unsere Lösung wird in ERP- und E-Procurement-Systeme sowie Workflows integriert“, steht auf ihrer Homepage. Versteh ich nicht: Wenn ich Medien brauche, muß ich doch nicht zusätzlich noch eine Firma beauftragen, die sie mir besorgt … aber irgendwie muß es ja funktionieren, sonst könnten sie sich kaum halten. Wie auch immer: Was wird jetzt aus dem Laden? Bitte bitte keine weitere Bäckereikettenfiliale! Dann schon lieber ein Friseur. Oder noch besser: Ein Café.

Wahlzeit

In Amerika und anderswo ist es verpönt, sich auf eine freie Stelle mit Foto zu bewerben, in Deutschland dagegen hängen die BewerberInnen die Straßen damit voll. Leute, die ich teilweise bisher noch nie gesehen habe und nach nächstem Sonntag vermutlich auch nie wieder sehen werde, buhlen mit ihrem Lächeln um meine Sympathie und Zustimmung für eine Einstellung in einem Betrieb, und ich soll nun nach Aussehen entscheiden – oder was?

Ehrlich gesagt fühle ich mich nicht wohl dabei, daß ich den Röttgen nun deswegen nicht wählen soll, weil er aussieht wie einer, der sich bereits in der 11. Klasse lächerlich gemacht hat damit, daß er wichtig einen mit Zahlenschlössern gesicherten Aktenkoffer trug, in dem er aber nichts weiter aufbewahrte als seine Wurststulle. Da gibt es doch nun wirklich bessere Gründe, z.B. den, daß es ihm mehr um die eigene Karriere geht als um das Land. Gut, damit ist er ja nicht allein, der 97,9%-Wichtigtuer aus der 9. Klasse von der FDP hat ganz sicher auch andere Pläne, als in der außerparlamentarischen Opposition zu versauern – ich wette 10:1, daß der geistige Mofa-Fahrer Ambitionen auf den Parteivorsitz hat.

Nach welchen Kriterien sollen die Bewerber also ausgewählt werden? Wer die hübscheste Mundpartie hat? Solange der Mund geschlossen bleibt …
Wem die Entscheidung schwer fällt, kann ein paar Meinungen beim Wahl-O-Mat eingeben, und schon wird ihm/ihr gesagt, wer die passenden Versprechungen macht. Aber nicht ärgern, wenn die Piraten dabei herauskommen, wie es einer Freundin von mir zu ihrem Entsetzen passiert ist. Dabei ist das doch nicht die schlechteste Wahl.

Exkurs: Energiesparlampen

Keine Panik! Giftige Energiesparlampen kann man ganz einfach wieder austauschen: Entweder man bestellt im Internet herkömmliche Glühbirnen (der Handel damit ist allerdings verboten), oder man benutzt wie ich harmlose LED-Lampen. Die giftigen Energiesparlampen gehöre auf den Sondermüll, ich kann nur hoffen, daß man dort richtig damit umgeht.

Luxemburger Str.

„Schon gehört? Osterspey macht dicht!“ „Was?! Um Gottes Willen, das geht doch nicht!!“ Diese Sätze hat man wahrscheinlich in den letzten Wochen öfter im Viertel gehört. Das Café gibt es bereits seit 1919 und hatte einen sehr guten Ruf, was sich nicht zuletzt darin ausdrückte, daß man zum Wochenende nur mit viel Glück einen Sitzplatz ergattern konnte, und selbst für „Kuchen zum Rausholen“ sollte man nicht zu spät erscheinen. Zur allgemeinen Erleichterung hat ein Mitglied der Familie Hirsch übernommen, die mehrere Cafés in Köln betreibt und einen ausgezeichneten Ruf hat.

Ich war gestern am späten Nachmittag da, die besten Sachen waren natürlich schon weg, aber das Stück Schwarzwälder Kirsch war lecker. Meine Begleiterin erzählte, daß heißer Kakao, den man normalerweise in Cafés („95 Prozent!“) bekommt, in der Regel nach heißem gesüßtem Wasser schmeckt – hier nicht, hier schmeckt er so, wie man es erwarten kann.

Das Foto unten ist aus Rücksicht auf die Gäste, die gerade eben noch da waren, kurz vor Ladenschluß aufgenommen worden.

Gegensätze

Laut einer Meldung der Presseagentur dpa-AFX haben die Deutschen ein Privatnettovermögen (Geld, ohne Immobilien und Sachwerte) von 4,93 Billionen Euro (4.930.000.000.000,00).

Seit 1998 sind die Anzahl der „Tafeln“ zur Abgabe von gespendeten Lebensmitteln an Bedürftige von 100 auf ca. 890 im Jahr 2011 gestiegen.

1. Mai

Männer – paßt auf, was ihr tut! Leben kann lebensgefährlich sein, vor allem bei Tätigkeiten, von denen ihr nichts versteht.

Der 1. Mai ist ja bekannt dafür, daß Männer an diesem freien Tag nichts mit sich anzufangen wissen und so zu Aufgaben greifen, die sie nicht bewältigen können. Das scheint man jedenfalls beim „Express“ zu denken, der Kölner Konkurrenz der Blöd-Zeitung. Einem Gerücht zufolge soll dem zuständigen Redakteur eben dort, auf dem stillen Örtchen, die Idee zu dieser Hauptschlagzeile gekommen sein, denn dort liegen stapelweise Exemplare herum und warten auf ihre eigentliche Bestimmung.

Egal – wir gehen Eisessen.

Rheinpark

In letzter Zeit studiere ich den Lokalteil unserer Tageszeitung (Kölner Stadtanzeiger) ganz genau, wichtige Ereignisse möchte ich ja auf keinen Fall verpassen, damit ich euch davon erzählen kann. Gestern las ich einen Artikel über eine Veranstaltung im Rheinpark: „Home & Garden“: „Die Besucher dürfen sich im Themengarten mit kleinen Formé-Kiefern aus Asien mit Whirlpool, Außenküche und einer kuscheligen Schattenecke mit Sonnenschirm wohlfühlen“, steht in dem investigativen Artikel. Ich also nichts wie hin – aber oh je: Keine Sonne, und von den 10 Euro Eintritt war in dem Artikel auch nicht die Rede.

„Bei einer Kochshow im Gourmet-Zelt gibt es italienische Vorspeisen, Wein, Lobster und Mango mit frischem Pfeffer.“ Wein für Katzen? Da stimmt doch was nicht. Ob die Journalistin wirklich hier war? Oder hat sie aus den Marketinginfos des Veranstalters abgeschrieben? Gut, ich bin nur Zaungast, vielleicht wird noch woanders gekocht.

„Ein massiver, hochwertiger Stuhl, der an einen Thron für die Gartenkönigin erinnert, kostet 545 Euro. Antik anmutende Brunnen und Bronzefiguren präsentiert ein belgischer Aussteller, die Brunnen stammen allerdings aus England.“ Sieht man alles nicht durch den Zaun, tja, das eben sind die Highlights, für die man dann doch vielleicht die 10 Euro hätte zahlen sollen. So muß ich mich begnügen mit den überaus interessanten Informationen, daß der Händler nicht etwa aus Holland oder Luxemburg, sondern aus Belgien kommt! Wow! Und die Brunnen aus England! Kaum zu fassen.

„Die Bänke, Tische und Schaukeln aus der Werkstatt von Klaus Wolsing sind Unikate: ‚Das findet man in keinem Baumarkt‘.“ Das Zitat bringe ich nur, weil ich just an den Baumarkt denken mußte, weiß auch nicht, warum. „Blühende Kirsch- und Magnolienbäume und Tausende Tulpen im Rheinpark sorgen für ein sinnliches Erlebnis“, schreibt die Journalistin und vergißt auch hier zu erwähnen, daß die Sinnlichkeit leider auch eingezäunt ist. Dabei bin ich sicher, daß ich die eigentlich öffentlichen Anlagen schon einmal mitbezahlt habe. Schade, „Tausende turbulent-tosende Tulpen“, die da bestimmt zu Dutzenden stehen, hätte ich jetzt wirklich gern gesehen.

Kalker Hauptstr.

Als ich 1985 nach Köln zog, mußte ich schnell eine Unterkunft finden, hatte aber nur wenig Geld. Also landete ich in Kalk, einem rechtsrheinischen Viertel, das damals einen Ausländeranteil von über 50 Prozent hatte. Das hat mich nicht gestört, soll nur verdeutlichen, wie unbeliebt dieser Stadtteil war, was vielleicht zu einem nicht geringen Teil einer großen chemischen Fabrik zu verdanken war, die bestialisch stank. Wenn da der Wind ungünstig stand, puh!, und gesund war es sicher auch nicht.

1993 wurde die Fabrik endlich geschlossen, und nachdem man alle Gebäude entfernt und den hochgradig vergifteten Boden abgetragen hatte, begann man mit der Planung einer neuen Bebauung des riesigen Geländes. Natürlich wurden alle Bürger eingeladen, sich Gedanken zu machen, für eine lebenswerte urbane Umwelt … wer das jetzt wirklich glaubt, hat sich eine beneidenswerte Portion Naivität bewahrt. An die eine Ecke setzte man erstmal das neue Polizeipräsidium hin, ein paar Jahre später entstanden an der nächsten Ecke, in Richtung der Haupteinkaufsstraße von Kalk, die „Köln Arcaden“ …

… ein Einkaufszentrum mit über 130 Geschäften, über die sich besonders die lang ansässigen Einzelhändler gefreut haben dürften. Zum Wochenende gehen die Öffnungszeiten sogar bis 22 Uhr.

Die Essener Immobilienfirma „mfi“ betreibt in Deutschland 24 solcher Zentren, bevorzugt immer irgenwas mit „Arcaden“ im Namen, und ist dafür bekannt, sich besonders für die Kunst am Bau einzusetzen – ja, man weiß, was man der Bevölkerung schuldig ist. Diese Spirale (das kugelartige Gebilde unten gehört auch noch dazu) von dem Künstler Fre Ilgen heißt nun ausgerechnet „Suffragette City“ – der Künstler dazu wörtlich: Ein „Symbol für die fröhliche, lebendige Atmosphäre in der Ladenstrasse.“

Ja, so stellt man sich die emanzipierte Frau von heute vor: Nach der Arbeit (einer muß ja das Geld verdienen) erst zur Maniküre und zum Frisör, dann in einem der zahllosen Bekleidungskettenfilialen hübsch einkleiden, dann ab in den Supermarkt, bloß die Getränke nicht vergessen, und husch husch nach Hause, wo die Familie schon hungrig aufs Abendessen wartet. Jawohl, die Frauen von heute sollen endlich selbst bestimmen, welchen Lebensweg sie einschlagen wollen, ganz nach dem Motto unserer Frauenministerin: „Danke, emanzipiert sind wir selber“ – in Suffragette City!

Am Hinterausgang sieht man oft Karrieristinnen, die zahllos in den Geschäften Waren auspacken, pausieren. Völlig selbstbestimmt natürlich! Also das Luftschnappen jetzt.

Fortsetzung folgt.

Sülzer Aquarienweg

Dieses Bild mit Sonne wäre wahrscheinlich viel schöner. Die Kirschblüten sind in Japan ein Symbol für den beginnenden Frühling. Gut zu wissen, aber den Schal laß ich besser noch nicht zu Hause.

Eisessen ist allerdings keine Frage der Temperatur, das kann man immer.