Heinrich-Böll-Platz

Das Wetter ist schlecht, der Himmel grau, der Winter länger, als erwartet – da gehen mir so langsam aktuelle Fotos aus, demnächst zeige ich euch olle Kamellen aus dem letzten Sommer. Aber diese Kirche (wie heißt die nochmal …) hatte wir noch nicht, oder? Jedenfalls stehe ich hier auf dem Heinrich-Böll-Platz, unter dem sich die Philharmonie befindet, was wir hier schon mal gesehen haben. Und das Gebäude im Vordergrund ist das Museum Ludwig mit seinem Café. Wenn man darin sitzt und hinausguckt, sieht das so aus.

Hohe Str.

Die Hohe Straße (Betonung auf Hohe), die die meisten Besucher Kölns als erstes betreten, sobald sie den Dom passiert haben, ist eine der ältesten Straßen der Stadt. Sie war bereits Teil der römischen Heeresstraße entlang des Rheins von Bonn nach Norden Richtung Xanten vor 2000 Jahren. Gut, streng genommen liegt die ursprüngliche Straße 5,5 Meter tiefer unter der jetzigen Oberfläche, hat sich halt jede Menge Schutt angesammelt wärend der Jahrtausende, aber der Verlauf ist immer noch der selbe. Im Mittelalter war sie die einzige Steinstraße der Stadt, was darauf hinweist, daß hier die eher wohlhabenden Bürger wohnten.

In der frühen Neuzeit, also seit ca. 1500, stand wahrscheinlich auch hier der Müll knöcheltief in den Straßen, da die Bewohner alles, was sie nicht mehr brauchten, aus dem Fenster warfen. Ihren Namen bekam die Hohe Straße erst durch die Franzosen Anfang des 19. Jahrhunderts: Rue Haute nannten sie sie, wahrscheinlich, weil es von ihr zum parallel verlaufenden Rhein abwärts geht. Im 2. WK wurde die Bebauung fast komplett zerstört. Die Stadtplaner hatten danach keinen großen Sinn für einheitliche Neubebauung, was der Straße bis heute ihr häßliches Gesicht verleiht. 1967 war sie eine der ersten Fußgängerzonen Deutschlands, pro Stunde laufen (angeblich) ca. 10.000 Menschen hindurch (gemessen an einem Samstag 2011 zwischen 13 und 14 Uhr).

Dem Besucher, der mit der Bahn kommt und nicht nur touristische Highlights abklappern, sondern einen Eindruck von der Stadt bekommen möchte, empfehle ich genau das: Man geht am Dom los und dann für eine bis anderthalb Stunden immer geradeaus. Wenn man die hektische Hohe Straße hinter sich hat, geht es weiter über die Hohe Pforte und Waidmarkt zur Severinstr., an der auch das eingestürzte Stadtarchiv stand, die aber im weiteren Verlauf das lebendige, vielfältige Zentrum des Severinsviertel bildet. Wenn man die Severinstorburg am Chlodwigplatz durchschritten hat, geht es weiter auf der Bonner Str. in der Südstadt, Cafés, Kneipen, türkische Imbisse, Italiener etc. bestimmen hier das Bild. Je weiter man läuft, desto unwirtlicher wird es, schließlich landet man am Verteilerkreis, wo die Autobahn 555 Richtung Bonn beginnt, deswegen biegt man besser vorher, am Anfang der Bonner Str., in eine der kleinen abzweigenden Straßen ein, hier lernt man die Stadt von einer ihrer schöneren Seite kennen.

Das folgende Foto der Hohe Straße habe ich bereits 1895 geknipst. (Quelle: Mit der Maus über das Bild gehen)

Hohe-Straße-Köln-1895

Mindestlohn?

Gewandt, elastisch, gelenkig, geschmeidig, beweglich, wendig, flink, leichtfüßig, behände, agil, biegsam, dehnbar, anpassungsfähig, formbar, empfänglich, undogmatisch, beeinflussbar, nachgiebig, aufnahmefähig – all das soll man sein, wenn man flexibel ist, natürlich rund um die Uhr einsetzbar, Wochenendarbeit kein Problem, 1-tägige Kündigungsfrist, 30 Stunden/Woche auf 400 Euro-Basis/Monat, den Rest stockt Hartz IV auf, wenn es denn unbedingt sein muß. Die Kollegen freuen sich schon auf Sie!

Ihre FDP, die „Partei der Leistungsgerechtigkeit“

Willkommen, neue Studierende!

Überall in der Stadt wird man derzeit aufgefordert, jungen Studierenden ein Zuhause zu ermöglichen. Das kann doch nicht so schwer sein, man stellt einfach irgendwo einen Pappkarton auf und läßt sie da schlafen. Dafür kassiert man dann 300 bis 400 Euro pro Monat. Und wenn sie schmutzen oder laut sind, schmeißt man sie eben wieder raus.

Auf die 4.600 zur Verfügung stehenden Kleinstwohnungen in Stundentenwohnheimen kommen jedes Jahr knapp 10.000 Bewerber, und in diesem Jahr rechnet man sogar mit einem Zuwachs von 25 Prozent, denn im Sommer stürmen die doppelten Abiturjahrgänge an die Unis, also die letzten Abiturienten, die nach der 13. Klasse abgehen plus die ersten, die schon mit der 12. Klasse „reif“ sind. Schon im September des letzten Jahres sprach Oberbürgermeister Roters von einer nötigen „Wohnraumoffensive“. Ob damit lediglich dieser Appell an die Bevölkerung gemeint ist – keine Ahnung. Stadt, Land, Bund, Studentenwerk – alle schieben sich gegenseitig die Schuld zu, daß nichts Richtiges passiert ist. Immerhin soll das Land nun 50 Mio. Euro locker gemacht haben für zusätzliche Studentenwohnheime – was meint ihr, ob die bis zum Sommer fertig werden?

Währenddessen steigen auf dem Wohnungsmarkt die Preise. Wo es früher oft noch hieß: „Keine Wohngemeinschaften!“, weil man sich keine Politchaoten ins Haus holen wollte, die nie den Flur fegen, ist diese Wohnform für viele Vermieter heute eher reizvoll als die Vorstellung von jungen Familien mit ihren schreienden Kindern: Dabei wird die Wohnung allerdings nicht mehr komplett an eine WG vermietet, sondern jedes Zimmer einzeln, die Wohngemeinschaft ensteht so eher aus Zufall – und erwirtschaftet viel mehr Mieteinnahmen, da jeder Bewohner einzeln abkassiert wird.

Hohe Str.

Rindfleisch ist in letzter Zeit ja arg in Verruf geraten. Das merkt auch die Gastronomie. Die Gäste wollen eben nicht ein Stück noch blutiges Black Beauty auf dem Teller vorfinden, jedenfalls nicht, wenn sie es gar nicht bestellt haben. Also bleiben sie zur Sicherheit weg. Dieses Steakhaus hat sofort reagiert: Noch am Tisch schneiden die Kellner sich die Steaks aus dem Leib, unter notarieller Aufsicht wird es zur Küche getragen und dort zubereitet. Wenn man Glück hat, ist ein Kellner noch während der eigenen Anwesenheit verbraucht, so daß man sich ein Horn als Trophäe mit nach Hause nehmen kann. Und das Trinkgeld hat man dann auch gespart.

Ausflug nach Berlin (Nachtrag)

Was meint ihr, wie alt ist diese junge Frau? Um die 20, würde ich schätzen.

Auf ihrem Schoß hält sie allerdings einen jungen Mann, ihren soeben hingerichteten, ca. 30-jährigen Sohn.

Und tatsächlich verursachte diese Diskrepanz zur Zeit der Entstehung der Pietà (=Beweinung Christi) einen kleinen Skandal, den Michelangelo, der Bildhauer, aber dadurch entkräften konnte, daß Maria doch eine zeitlose jungfräuliche Mutter Gottes sei. Wie nicht anders zu erwarten, sind die katholischen Würdenträger darauf reingefallen, wohl auch, weil sie eigentlich sehr beeindruckt waren von dieser überlebensgroßen Figurengruppe (wenn die Marienfigur aufstehen würde, wäre sie über zwei Meter groß).

Michelangelo war gerade Mitte 20, als er sie um 1500 aus einem Block schlug. Da man nicht glauben konnte, daß ein so junger Mann ein solches Werk schaffen kann, signierte er es nachträglich, was die Anziehungskraft auf Pilger noch vergrößerte. Die „Römische Pietà„, wie sie genannt wird (Michelangelo begann später noch andere Pietàs), ist im Petersdom zu besichtigen, allerdings nur hinter Panzerglas, weil ein Verwirrter 1972 mit einem Hammer ein paar „Korrekturen“ angebracht hat.

Dieses Exemplar ist ein Abguß einer Kopie, die im Vatikanischen Museum steht. 1977 ist er entstanden, das Material ist eine Mischung aus gemahlenem Carraramarmor und Polyesterharz.

In dieser Kirche ist die Pietà „versteckt“: Wenn man die Straße „Unter den Linden“ Richtung Alexanderplatz läuft, sieht man auf der rechten Seite die St.-Hedwigs-Kathedrale, gar nicht zu verfehlen. Unten ist ein Kapellenkranz, und in einer dieser Kapellen steht sie.

Irgendwo habe ich gelesen, daß es nicht mehr viele Abgüsse geben soll, aber ich habe die Quelle verloren. Nachbildungen in anderen Größen gibt es natürlich massenhaft.

Ausflug nach Berlin (4)

Berlin hat nicht nur mehrere Opern, unzählige Theater, Museen und Galerien, sondern auch, verglichen mit anderen deutschen Städten, die höchste Dichte an Außenkunst.

Graffiti-Kunst, oder Streetart, wie man heute etwas verallgemeinender sagt, ist in den Augen der Einen sinnlose, vandalisierende Schmiererei, die die Städte verschandelt, in den Augen der Anderen Kunst, deren regelmäßige Entfernung durch die Ordnungskräfte eine Kulturzerstörung ist.

Natürlich ist das Kunst, was hier entsteht, völlig unabhängig davon, wie man sie beurteilt, allerdings eine, deren relativ kurze Dauer dem Werk von vornherein innewohnt, denn die Künstler wissen, daß ihre Kunst meistens illegal ist, man könnte sogar sagen: Die Illegalität und die oft nur kurzfristige Verweildauer sind (meistens) Bestandteile dieser Kunst.

Und deswegen haben die Künstler auch oft kein Problem damit, wenn ihre Werke selbst da, wo das Sprayen geduldet ist, nach einiger Zeit von anderen Künstler übermalt werden, wie hier am Anne-Frank-Zentrum.

Das heißt natürlich nicht, daß es nicht viele Werke gibt, denen man eine lange Dauer wünscht.

Wer noch mehr Streeart sehen möchte, schaut einfach in mein Streetart-Blog.

Ende.

Ausflug nach Berlin (3)

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Auch in Berlin wird fleißig gebaut, nicht nur in Hamburg, Köln und Stuttgart. Weil der Flughafen ja relativ weit draußen ist und der Besucher gar nichts mitkriegt von den regen Bautätigkeiten, hat man an strategisch wichtigen Punkten im Zentrum auch Baustellen errichtet. Gut, die Gebäude braucht man eigentlich nicht, aber das weiß der Gast ja nicht. Hier, auf dem Alexanderplatz zwischen Bahnhof und Fernsehturm, ist Platz, auf dem nichts steht, unerhört. Da in unmittelbarer Nähe schon ein paar tausend Geschäfte sind, kann man gut noch ein paar dazu bauen.

Im KaDeWe war man auch kreativ: Das Brandenburger Tor aus 50 kg feinstem Lübecker Marzipan. Mmh – da läuft einem das Wasser im Munde zusammen – und das ist ja auch der Zweck der Übung.

Mal eine Frage: Wofür genau soll jetzt das Anti-Aging-Mittel da sein? Für blendend weiße Knochen?

Da sage nochmal einer, die Jugend von heute hätte nur Blödsinn im Kopf, Ballerspiele und sowas. Das ist doch sehr poetisch, bravo!

Auch im Wald kann man mal Geld brauchen (in Wirklichkeit steht der Automat in einem Ubahntunnel, schön gesehen und fotografiert von meiner Begleiterin).

… wenn nämlich um die Ecke frische Quarkkeulchen angeboten werden. Fettig, aber sehr lecker.

Kneipenstimmung in Kreuzberg – es darf sogar geraucht werden. In NRW will man das Rauchverbot jetzt richtig streng durchsetzen. Hier stehen in vielen Kneipen die Aschenbecher immer noch auf den Tischen.

Fortsetzung folgt.

Ausflug nach Berlin (2)

Ein Bilderrätsel: Was ist das?
Kleiner Tipp: Über 1 Kilo Blattgold auf 35 Tonnen Bronze.

Viel Himmel zum Abheben, aber natürlich kann sie letztlich nur fallen, und das ist sie ja aus deutscher Sicht glücklicherweise auch: Viktoria, die Siegesgöttin.

Hier nun das ganze Denkmal: Die Siegessäule (oder „Goldelse“, wie der Volksmund sagt), 1873 zur Feier der deutschen Siege unter Bismarck und seiner Generäle Roon und Moltke, die am Rande auch noch als überdimensionierte „Helden“ herumstehen, errichtet, Siege in Kriegen gegen Dänemark, dann Österreich und schließlich Frankreich im Jahr 1871. Aus dieser Perspektive scheint die Siegesgöttin schon den Gruß zu entbieten, den man aus nationalsozialistischer Zeit kennt, tatsächlich hält sie aber einen Lorbeerkranz in der ausgestreckten Hand.

So, da gehen wir jetzt hoch.

Man muß nicht den vielbefahrenen sechsspurigen Ring überqueren, um zum Monument zu kommen, sondern geht durch einen Tunnel. Nachdem man 3 Euro Eintritt bezahlt hat, wird man durch eine Ausstellung mit Darstellungen von Nationaldenkmälern und -gebäuden geführt. Mir ist alles Nationale zuwider, dieses großkotzige Gehabe, deswegen reagiere ich eher mit Mißmut (das Nationalgefühl zeigt sich heutzutage, wenn Lena einen Gesangswettbewerb gewinnt, Joachim Löws Truppe Bälle im gegnerischen Tor versenkt oder „wir“ Papst werden, bzw. abdanken. Damals fand man es ehrenhaft, zu einer Nation zu gehören, die fremde Länder besetzt und ihre Bevölkerung dezimiert und ausrottet – es gibt keinen Grund, besonders stolz darauf zu sein, weder auf das eine, noch auf das andere).

Zu Anfang ist der Aufstieg noch recht gemütlich …

… das ändert sich aber sehr schnell, es ist so eng und steil, daß kaum zwei Leute aneinander vorbei kommen.

Und das ändert sich auch nicht, wenn man oben ankommt: Die umlaufende Aussichtsplattform ist nicht nur sehr schmal, sondern auch noch leicht abschüssig, und der Gedanke, wie es wohl wäre, wenn man da kein Gitter angebracht hätte, verursacht augenblicklich weiche Knie.

Aber man hat einen schön weiten Blick *schluck*. Ich, äh … geh dann mal wieder runter.

Fortsetzung folgt.

Ausflug nach Berlin (1)

Auf dem (oder sagt man im?) Prenzlauer Berg haben wir keine Schwaben gesehen, auch Thierse nicht, überhaupt waren nur wenige Menschen unterwegs, aber war ja auch Sonntagnachmittag und kalt. Aber eine Kirche stand da herum, also nichts wie rein.

Innen ist die Zionskirche seltsam unrenoviert. Daß die DDR kein Interesse an Sakralbauten hatte, ist ja bekannt, aber nun sind schon 23 Jahre vergangen. Merkwürdig.

Im Internet steht’s: Kein Geld. Erst seit 2009 sind sie dabei, den Innenraum nach und nach zu renovieren. Ich würde es ja so lassen, wie es jetzt ist, der Raum hat durch seine Verfallsspuren Charakter, Geschichte wird sichtbar. Warum immer alles aufhübschen?

Ziellos schlenderten wir weiter durchs Viertel, man entdeckt in Berlin immer irgendwas Merkwürdiges …

… wie zum Beispiel dieses Stück Berliner Mauer an der Bernauer Str., die man samt Todesstreifen und Wachturm als Gedenkstätte stehen gelassen hat. Gruselig. Ich stand 1974 schon mal auf so einem Aussichtsturm im Westteil, der allerdings nicht ganz so hoch war, ich weiß noch genau, wie unwirklich mir das vorkam.

Dieses schwarze Gebäude im linken Bildteil ist eine Kapelle. Bis 1983 stand an der selben Stelle noch eine Kirche, deren Name ausgerechnet „Versöhnungskirche“ war, mitten im Todesstreifen, dann wurde sie abgerissen.

In einem der Gebäude der Gedenkstätte gibt es eine gut gemachte Dokumentation der Ereignisse 1961 rund um den Mauerbau, Fotos, Zitate, Ton- und Filmdokumente und eine Diaschau. Lohnt sich, der Eintritt ist frei.

Und es gibt sogar einen eigenen Buchladen …

… und in den Souvenirgeschäften kann man nicht nur passende Schneekugeln kaufen, sondern auch bunt bemalte Betonstückchen, die angeblich von der Originalmauer stammen.

Wer das glaubt, der erzählt seinen Lieben zu Hause auch, daß an diesen Mauerstücken (werden die eigentlich noch irgendwo hergestellt, für Touristen?) die originale Bemalung zu sehen ist.

Als klar war, das die sowjetische Armee aus Berlin abzieht, versuchten viele Soldaten, ihre Ausrüstung zu versilbern. Aber, liebe Straßenhändler, das war vor 23 Jahren! Gibt es wirklich Deppen, die glauben, sie würden eine historische Gasmaske oder eine original russische Pelzmütze bei euch kaufen? Was? Amerikaner? Gut, das glaube ich sofort.

Fortsetzung folgt.