Ausflug nach Berlin (1)

Auf dem (oder sagt man im?) Prenzlauer Berg haben wir keine Schwaben gesehen, auch Thierse nicht, überhaupt waren nur wenige Menschen unterwegs, aber war ja auch Sonntagnachmittag und kalt. Aber eine Kirche stand da herum, also nichts wie rein.

Innen ist die Zionskirche seltsam unrenoviert. Daß die DDR kein Interesse an Sakralbauten hatte, ist ja bekannt, aber nun sind schon 23 Jahre vergangen. Merkwürdig.

Im Internet steht’s: Kein Geld. Erst seit 2009 sind sie dabei, den Innenraum nach und nach zu renovieren. Ich würde es ja so lassen, wie es jetzt ist, der Raum hat durch seine Verfallsspuren Charakter, Geschichte wird sichtbar. Warum immer alles aufhübschen?

Ziellos schlenderten wir weiter durchs Viertel, man entdeckt in Berlin immer irgendwas Merkwürdiges …

… wie zum Beispiel dieses Stück Berliner Mauer an der Bernauer Str., die man samt Todesstreifen und Wachturm als Gedenkstätte stehen gelassen hat. Gruselig. Ich stand 1974 schon mal auf so einem Aussichtsturm im Westteil, der allerdings nicht ganz so hoch war, ich weiß noch genau, wie unwirklich mir das vorkam.

Dieses schwarze Gebäude im linken Bildteil ist eine Kapelle. Bis 1983 stand an der selben Stelle noch eine Kirche, deren Name ausgerechnet „Versöhnungskirche“ war, mitten im Todesstreifen, dann wurde sie abgerissen.

In einem der Gebäude der Gedenkstätte gibt es eine gut gemachte Dokumentation der Ereignisse 1961 rund um den Mauerbau, Fotos, Zitate, Ton- und Filmdokumente und eine Diaschau. Lohnt sich, der Eintritt ist frei.

Und es gibt sogar einen eigenen Buchladen …

… und in den Souvenirgeschäften kann man nicht nur passende Schneekugeln kaufen, sondern auch bunt bemalte Betonstückchen, die angeblich von der Originalmauer stammen.

Wer das glaubt, der erzählt seinen Lieben zu Hause auch, daß an diesen Mauerstücken (werden die eigentlich noch irgendwo hergestellt, für Touristen?) die originale Bemalung zu sehen ist.

Als klar war, das die sowjetische Armee aus Berlin abzieht, versuchten viele Soldaten, ihre Ausrüstung zu versilbern. Aber, liebe Straßenhändler, das war vor 23 Jahren! Gibt es wirklich Deppen, die glauben, sie würden eine historische Gasmaske oder eine original russische Pelzmütze bei euch kaufen? Was? Amerikaner? Gut, das glaube ich sofort.

Fortsetzung folgt.

0 Antworten zu “Ausflug nach Berlin (1)

  1. Das seltsame Teil in grün ist ein sogenanntes Café Achteck, ein Pissoir. Von denen gibt es auch nicht mehr viele in Berlin. (Es empfiehlt sich glaube ich nicht, da hinein zu gehen…)

    Immer wieder finde ich deinen Blick auf meine Stadt amüsant, weil er so total touristisch ist. Hast du nicht manchmal Lust, dich abseits dieser Dinge zu bewegen?
    Gerade im Prenzlberg gibt es so viele interessant und kunstvolle Ecken, die nicht unbedingt in jedem Reiseführer erwähnt werden.

    Die Gedenkstätte fand ich auch sehr gut gemacht, viele interessante Dinge gab es zu sehen. Ich hab damals ein Lesezeichen mit Ampelmännchen drauf erstanden. „Hier aufgehört“ (rot) „Hier weiterlesen“ (grün).
    Herrlicher Nonsense!

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  2. Total abseits, haben wir gemacht, irgendwo da ausgestiegen, rumgelaufen, und was passiert: Kein normaler Mensch auf der Straße, stattdessen lauter Touristenattraktionen: Friedhöfe, abgewrackte Kirchen, Pissoirs und Mauerreste! Aber witzig, während ich fotografierte, dachte ich: Na, da wird LaWendeltreppe wieder schön mit mir zu schimpfen haben, was ich hier so zusammenknipse. 😉 Aber unsere Gastgeber, die nun auch schon über 20 Jahre in Berlin wohnen, sind immer ganz angetan von unseren Entdeckungen, denn die waren da noch nie, oder haben es nicht bewußt wahrgenommen.

    Ampelmännchen, es gibt überall Geschäfte, die nichts anderes anbieten als Produkte mit diesen Figuren, verrückt.

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  3. Wie immer wunderbares Bildmaterial 🙂 Wie lange wart ihr in Berlin?

    Die Gedenkstätte samt Wachturm sieht in der Tat gruslig aus. Ich wusste gar nicht, dass es das in der Form gibt… Muss ich mir auch ansehen, wenn ich mal wieder nach Berlin komme.

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  4. Also deine Gastgeber scheinen aber nicht mit offenen Augen durch die Stadt zu gehen.
    Ich muß auch mal wieder nach B glaube ich…

    Ja, die Ampelmännchen waren vielleicht eines der wenigen Dinge in der DDR, die hübscher waren als das Westpendant. (und das Sandmännchen)

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  5. Wenn man da wohnt, bildet sich wahrscheinlich ganz leicht so eine Kiezbindung, und gerade in Berlin kann ich das gut nachvollziehen. Diese Entfernungen, die Zeit, die dabei drauf geht, allein um von einem Viertel ins nächste zu kommen, unglaublich.

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  6. …das Pissoir gefällt mir am besten…wie es eigentlich immer die alten Sachen sind, die Atmosphäre verbreiten und Besuche interessant machen…da wart ich vielleicht noch ein Weilchen, bis ich Berlin mal wieder besuche…

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  7. … keinen Schwaben ? das glaub ich nicht … jedoch als Nichtberliner oder eben Berlinseltenbesucher siehst Du die nicht auf den ersten Blick …
    inzwischen sind ja kaum noch Berliner da, die dorten schon länger als 10 Jahre leben …

    liebe Grüsse
    Karen
    PS(auch nur noch Gastberlinerin, denn als Echtberlinerin ists dorten unerträglich geworden)

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  8. In den Straßen von Kreuzberg hört man sehr viel Englisch, das stimmt, aber solange man noch Platz findet in den Kneipen und Cafés, finde ich das nicht besonders schlimm, im Gegenteil, so ein internationales Flair belebt eine Stadt doch auch. Schlimm ist natürlich, daß die Mieten so steigen, daß Alteingesessene es sich bald nicht mehr leisten können, da zu wohnen.

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  9. … der Platz in den Kneipen und Cafés, der wird wohl immer vorhanden sein und es wird auch immer welche geben, in die man/frau sogar auch rein mag … :):):)

    und ja, so von Weitem und zu Besuch finde ich es auch ganz fein, nur eben zum Leben, das ist jetzt eher son schwäbisches Gemüt, was sich dorten wohlfühlt …

    daher paßt es auch schon, dass die Alteingessenen weiter ziehen (oder es eben müssen)
    das Leben heißt Bewegung und es zieht eben dahin, wo es pulsiert, nach Berlin ziehen jetzt die, die sonst überall in Dt auch gut leben können …

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  10. Da sind die Berliner völlig gaga, als gäbe es ein Gesetz, daß man andere Stadtteile nicht betreten darf.
    So was von unflexibel. Aber mir ist das sowieso mal aufgefallen, die meisten Menschen bleiben lieber an ihrem angestammten Platz.
    Bei mir ist das erst seit 1 Jahr so, daß ich denke: Ja, ich will nicht weg hier, das paßt hier schon. Ansonsten war ich von klein auf eine Wanderin, Umzieherin und nachdem ich im Bus gelebt habe, wollte ich nie wieder ein festes Zuhause, nie für lange. Ohne mein Kind hätte ich das wohl auch nicht.

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  11. Hab grad auf dem Ticket nachgeschaut. Japp, war Saal 9. Hmmm, gibt’s dort eventuell ne Parkett/Logen-Unterteilung? Ich fand’s toll, wie man sich in den Sessel „reinlehnen“ konnte und er dann die letzte Position beibehalten hat xD.

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