
Das erstmal als Warnung vorweg. Der Spruch steht nicht an einer Kirchentür, sondern an einer Wand der Ausstellung „Ausweitung der Kampfzone“ in der Neuen Nationalgalerie. Das Gebäude wird Ende 2014 für vier Jahre geschlossen und saniert, man hofft noch auf einen Erweiterungsbau, dessen Finanzierung aber ungewiß ist. Diese Ausstellung ist der dritte Teil einer Ausstellungstrilogie über die Kunst des 20. Jahrhunderts und umfaßt die Jahre 1968 bis 2000.

Ob das der Stein des vermuteten Anstoßes ist? „Penis and Vagina“ von Paul McCarthy – sieht gar nicht nach „Pfui!“ aus, eher harmlos. Gut, irgendwo wird noch ein Video abgespielt mit der unvermeidlichen nackten Marina Abramovic.
„Ausweitung der Kampfzone“, der Titel ist ein Zitat, so heißt auch ein Roman von Michel Houellebecq aus dem Jahr 1994. Gemeint waren dort die ‚Zonen‘ Wirschaft und Sexualität, erstere ausgeweitet durch den Neoliberalismus, die zweite durch die „sexuelle Revolution“.

Die Kampfzone Kunst möchte man verstanden wissen als einen Ort, in dem gekämpft wird: Viel Nach-68er-Kunst sei aus einem aufklärerischen Impuls entstanden, sie sei häufig ein Kampf um bessere Verhältnisse, so die Ausstellungsmacher.

Das mag im Einzelfall so sein, aber ich finde, das teilt sich durch die Kunst selbst nicht mit. Ich sehe in der Ausweitung der Kampfzone Kunst eher eine Befreiung der Kunst („anything goes“), und damit einhergehend einen Verlust an Traditionen und eine Veränderung von künstlerischen Werten. In der Kampfzone Kunst zu bestehen ist härter geworden, eben, weil jeder alles machen kann. Das schöne bunte Bild oben ist z.B. von Gerhard Richter, dem höchstgehandelten Künstler weltweit – nach meiner Meinung völlig überbewertet, aber so sind halt die Gesetze des Kunstmarktes, irrationaler als die Kunst selbst.

Bruce Naumans „Double Poke in the Eye II“ (war hier gestern schon irrtümlicherweise zu sehen) ist ein netter Kommentar dazu, wie Menschen oft miteinander umgehen: Piekst du mir ins Auge, piek ich dir ins Auge: Schmerzhaft – und ziemlich lächerlich. Woher kenne ich diese Szene? Ich glaube, in mehreren Filmen mit Laurel und Hardy habe ich sie schon gesehen. (Die Köpfe bewegen sich übrigens nur in der gif-Datei, so lange konnte ich die Kamera nicht still halten).

Auf ganz andere Weise lächerlich ist dieses Kunstwerk von Damien Hirst, den seine Kunst inzwischen zum Milliardär gemacht haben soll: „Pharmaceutic Wall Painting, Five Blacks“, erworben 2013. Mich würde interessieren, was man dafür bezahlt hat.

Das Interessanteste an dieser Bastelarbeit diesem Kunstwerk (von Jason Rhoades) ist sein Umfang und seine Rätselhaftigkeit – der Schleier lüftet sich etwas, wenn man den Titel liest: „Fucking Picabia Cars with Ejection Seat“. Alles klar? Ich habe ja auch gesagt: Etwas. Picabia war ein Dada-Künstler, der einen Hang zu schnellen Autos und Technik hatte. Das stilisierte Auto liegt tatsächlich irgendwie auf dem Rücken Dach und wird – aha – von einem Schleudersitz penetriert. Soso …

Die Tücke des Objekts: „Küchenkoller“ (Ausschnitt) von Bernhard und Anna Blume.

Das Flugzeug aus Blei (mit Bleibüchern auf den Flügeln) von Anselm Kiefer verblaßt etwas vor dem großartigen Revolutionspanorama des DDR-Künstlers Werner Tübke:

Gemalt im Stil des Manierismus-Malers Hieronymus Bosch – man kann sich kaum sattsehen.




Da sind zwei zu erkennen: Luther und Albrecht Dürer.

Das bekannte (wirklich gemalte) Bild des Hyperrealisten Franz Gertsch: „Barbara und Gaby“ – ich hatte keine Ahnung, daß es so groß ist.
Das sind nur ein paar Exponate, ungefähr 100 gibt es insgesamt zu sehen. Eine gute Auswahl, sehr amüsant und aufschlußreich, mir hat es jedenfalls gefallen.
Ende.