Sonnenweg

In einer Straße, die so heißt, möchte man natürlich erst recht nicht, daß da Tiere und Kinder überfahren werden. Und Vatis natürlich auch nicht.


Quelle: Google-Maps

Ganz anders verhält es sich im „Fegefeuer“ in Lübeck, vermutlich ist der Straßenname der Grund dafür, daß hier einige Ärzte ansässig sind, die versprechen sich ein gutes Geschäft. Wenn man in die Einbahnstraße (ganz klar, da muß man durch, ein Zurück gibt es nicht) einbiegt, passiert man erst eine Kosmetikschule (sagen ja schon die Pfaffen, daß das des Teufels ist), die nächste Straße rechts heißt „Hölle“ (kein Scherz) und ist – na? – richtig, eine Sackgasse. Wahrscheinlich enden die roten Buslinien direkt hier. Kurz bevor man das Ende des Fegefeuers erreicht hat, liegt links das Gebäude der katholischen Caritas – eine vielsagende Adresse, ich habe es immer schon geahnt. Wenn man dann am Ende angekommen ist, sieht man schräg gegenüber den „Lichtladen“ – ist das dann der Himmel, oder was? Ich weiß nur eins: So schnell sieht man mich nicht in Lübeck. Lieber laß ich mich im Sonnenweg nicht überfahren.

Wetter

Bei so einem Wetter ist es gut, wenn man von netten Freunden eingeladen wird, die am Stadtrand wohnen, einem den Platz auf der Hollywood-Schaukel überlassen und kühle Getränke und leckeren Salat servieren, ohne daß man selbst einen Finger krümmen muß.

Wieder zu Hause, klopfte jemand gestern Abend plötzlich an mein Fenster, was bemerkenswert ist, da ich im dritten Stock wohne. Als ich nachsehen wollte, riß heftiger Sturmwind mir fast die Fensterflügel aus den Händen.

Ich war froh, daß ich nicht unterwegs war, umgestürzte Bäume verursachten ein mittleres Chaos, Züge hatten Verspätung, Straßenbahnen blieben stehen und mußten die Fahrgäste auf offener Strecke herauslassen, wie mir eine Freundin erzählte.

Höninger Weg

Auf den ersten Blick immer wieder erstaunlich, in welch unwirtlichen Ecken solch große Werbetafeln hängen – hier scheint die Vergangenheit doch in aller Zukunft festgeschrieben zu sein. Auf den zweiten dann doch nicht: Alle 10 Minuten rattert hier eine Straßenbahn entlang, die Werbung soll die müden Heimkehrer noch in die Blockbuster-Kinos locken.

Dagegen bleibt dieses kleine politische Graffito ganz in der Nähe wahrscheinlich von den meisten unbemerkt.

Na logo!


Foto Stadt Köln

München hat ein neues Marketing-Logo: Der blaue Strich ist die Isar … nein, reingefallen, das stimmt gar nicht, das ist nämlich das neue Logo – na? Der Leipziger Messe? Nein, auch nicht: Es ist das neue Logo von Köln, der blaue Strich ist der Rhein, der mitten durch den Dom fließt – jedenfalls bei Hochwasser, und wenn die Schutzwände nicht halten. Spötter behaupten auch, das sei gar nicht der Rhein, sondern die neue U-Bahn, sobald der Dom abgesackt ist, kann man direkt vorm Altar eine Haltestelle einrichten. Die Welle „… erinnere an die Darstellung der Herzschlagfrequenz“, soll Stadt-Sprecher Gregor Timmer gesagt haben, das aber nicht spöttisch, sondern ganz erst gemeint. Keine Ahnung, was der studiert hat, aber Medizin ganz sicher nicht. Oder sieht er Köln vielleicht kurz vor dem Infarkt?
Das Werk aus zwei Linien hat 40.000 Euro gekostet, pro Einwohner der Stadt also nur 4 Cent, das ist nicht viel, das wirft man ja mal schnell aus dem Fenster. In Düsseldorf hat man auch ein neues Logo erstellen lassen, genial ausgedacht: „😀„. Genial jedenfalls für den Gestalter, denn der bekommt 150.000 Euro dafür.

St. Agnes

Gar nicht einfach zu fotografieren, dieses Kunstwerk: Es sind Papierstreifen von herausgerissenen Seiten aus Gebetbüchern, die der Künstler Jo Pellenz über den Altar der Kirche St. Agnes gehängt hat.

Trotz seiner Höhe von vier Metern wiegt das Kunstwerk keine 100 Gramm. Der erste Eindruck, wenn man es in der zweitgrößten Kirche Kölns sieht, ist der der Fragilität, als würde ein Windhauch reichen, um alles durcheinanderzuwirbeln. Parallel dazu hängen in den Seitenschiffen große Fotos von unscharfen, weil sich schnell bewegenden Menschen – davon habe ich leider kein Foto, denn sie sind mir gar nicht aufgefallen.

Der Künstler selbst zu seiner Arbeit (Zitat Kölner Stadtanzeiger 15.05.14):

„Ihm sei es darum gegangen, etwas Unfassbares zu visualisieren. Er wollte bewusst keine Präsenz erzeugen, „bei der sich das Hirn erstmal ausruhen kann“. Die sofort erkennbare Zerbrechlichkeit einerseits und das Unbegreifbare andererseits habe er darstellen wollen. Da sich die Installation an dieser zentralen Stelle über dem Altar ständig leicht bewegt, hofft er, dass seine Arbeit die Leute fesselt, aber dabei „nicht ablenkt“. Außerdem werden in den Seitenschiffen der Kirche riesige Fotos von sehr unscharf fotografierten Menschen zu sehen sein, die augenscheinlich sehr schnell unterwegs sind. „Das ist genau der Kontrapunkt.““

Aha. Ich bin zusätzlich der Meinung, daß Gebetbücher, zerrissen an einer Decke hängend, besser dort aufgehoben sind als in den Händen der Kirchenbesucher.

Riehler Str.

Frisöre gibt es in Köln wie Sand am Meer, viele Ein-Mann/Frau-Betriebe, selten allerdings mit einer solch „einladenden“ Schaufensterdekoration.

Gonzo läßt hier auch frisieren, aber ist das unbedingt eine Empfehlung?

Innen sieht es aber ganz okay aus, also nicht abschrecken lassen.

Als Resultat eines Psychotests in einer Zeitschrift wurde mir jüngst bescheinigt, ich sei ein gefühlskalter egoistischer Romantiker – nicht sehr freundlich, aber ehrlich. Tatsächlich läßt mich diese Behauptung ziemlich kalt, denn ich wurde z.B. gefragt, ob ich immer den selben Friseur besuche oder auch mal wechsel: Ganz egoistisch versuche ich, immer zum selben zu gehen, aber das ist gar nicht so einfach. Hat mir beim letzten Mal noch die leicht sächselnde Mandy die Haare sehr gut geschnitten, ist sie dieses Mal schon nicht mehr da, stattdessen macht der wortkarge Pavel aus Warschau seine Arbeit auch ganz gut, oder ich falle in die Hände von René, der den Tunten-Soziolekt so perfekt beherrscht, daß es eine Freude ist, ihm zuzuhören, jedenfalls für die Dauer eines Haarschnitts.

Maybachstr.

Dieser Café-/Biergarten ist meiner Meinung nach einer der schönsten in der Kölner Innenstadt. Leider sind die Speisen, die man hier im dazugehörigen Restaurant „maybach“ bekommt, allenfalls ganz okay, wenn überhaupt, dafür sind die Preise etwas höher als anderswo. Der Milchkaffee war bei meinem letzten Besuch lauwarm, die Krönung aber war …

… dieser schwäbische Apfelkuchen für stolze 3,90 Euro: Ein Stück stichfester Vanillepuddingteig mit einer Apfelverzierung, die wohl als Beweis für den sprichwörtlichen Geiz der Schwaben dienen soll. Eine Unverschämtheit. Wie ein schwäbischer Apfelkuchen sein sollte, sieht man …

… hier: Reichlich Äpfel in einem Bett von lockerer Vanillecreme, gekauft beim besten Konditor der Stadt, Café Braun, für 2,30 Euro. Im „maybach“ werde ich nur noch Getränke aus der Flasche bestellen, da kann man ja eigentlich nichts falsch machen.

Sommerzeit

18.000 Fans vom türkischen Ministerpräsidenten Erdogan feierten ihn in der rechtsrheinischen Lanxess-Arena, während ca. 45.000 Gegner seiner Politik linksrheinisch über die Ringstraßen demonstrierten und zu einer Kundgebung im inneren Grüngürtel liefen. Die Touristen in der Altstadt störte das nicht, schönes Wetter, keine besonderen Vorkommnisse.

Studenten grillten auf „ihrer“ Wiese (passiv und aktiv), das Bier vom Kiosk ist billiger, außerdem kann man zwischendurch mal Frisbee spielen.

Und wem das alles zu hektisch ist, der trifft sich am Büdchen. „Schwaade“ nennt der Kölner das Quasseln, also das Erzählen von relativ bedeutungslosen Inhalten um des Erzählens willen – kann manchmal ganz gemütlich sein.

Frankenwerft

Gut, an der Signalfarbe konnte man nichts ändern, aber trotzdem atmen die Kollegen und Kolleginnen bei den Abfallwirtschaftsbetrieben auf: Endlich gibt es luftigere Kleidung für den Einsatz bei heißem Wetter. Nur über das Schuhwerk streitet man noch.

Breslauer Platz

Von diesem heimeligen Platz hinterm Hauptbahnhof, den der Oberbürgermeister für einen ganz außerordentlich gelungenen hält, habe ich ja bereits erzählt. Nun geht es um den kleinen Kreisverkehr in der Mitte: Eine große überregionale Bank hat der Stadt ein Kunstwerk dafür gestiftet. Man lobte einen Wettbewerb aus und zusammen mit dem Kunstbeirat der Stadt wurde von sieben Einsendungen ein Siegerentwurf gekürt:


Foto Stadt Köln

Ein Obelisk, neun Meter hoch, aus karbonfasergestärktem Kunststoff mit glänzender Oberfläche, Kosten: 100.000 Euro plus ca. 30.000 Euro Aufstellungskosten, die zur Hälfte von der Stadt übernommen werden sollen. Nun ist die Bezirksvertretung Innenstadt strikt gegen das Kunstwerk, ebenso ein Teil der Ratsmitglieder im Rathaus, von doch auch ganz „schönen Blumenbeeten“ ist hier die Rede. Bei der Bank ist man irritiert und eingeschnappt: Wie kann man so kleinlich ein so großzügiges Geschenk bemängeln!?
Die letzte Entscheidung steht noch aus.

Der „Obelisk of Tutankhamun“, wie das Werk genau heißt, ist von der Künstlerin Rita McBride. Nach ihrer Aussage handelt es sich hier um ein ironisches Kunstwerk: „Er [der Obelisk] wird eine Achse implizieren, wo niemals eine solche existiert hat, und den Blick auf ein Chaos urbaner Elemente vorgeben.“ Aaah ja. Das muß man natürlich wissen. Mal im Ernst: Ein ironisches Kunstwerk, dem man die Ironie nicht ansieht, sollte die Künstlerin tatsächlich besser zu Hause im Garten aufstellen, da versteht es wenigstens eine.

Photo by Roman Mensing/EMSCHERKUNST

Außerdem: Wenn ein Obelisk „den Blick auf ein Chaos urbaner Elemente“ vorgibt, was macht dann dieser schwarze Obelisk von Frau McBride im Emscher Park bei Essen? Hier sind nur Bäume und Büsche. Tja, so ein Obelisk ist eben ein echter Tausendsassa. Wenn die Künstlerin einen auf den Mond stellt, versinnbildlicht er wahrscheinlich die kosmische Ordnung in einer Nichtachse des Unendlichen, quasi als ironischer (!) Phallus Gottes! Ist doch naheliegend, oder?