Am zweiten Tag erscheint unerwünscht ein weiterer Wanderbegleiter: Der Muskelkater. Nützt nichts, wir müssen weiter, als erstes diese steile Treppe hinab. Himmel, ist das ein Test? „Wer diese Leitertreppe nicht schafft, sollte sowieso nicht weitergehen“, lautet der Subtext, denn später geht es wieder in die Wutachschlucht.
Erstmal geht es aber einfach weiter, nicht nach Fützen, sondern durch Achdorf …
… zur Scheffellinde, einer Gaststätte, die zwar noch geschlossen hat …
… aber auf Nachfrage erhalten wir trotzdem Kaffee, wirklich sehr freundlich. Benannt ist der Gasthof übrigens nach dem im 19. Jahrhundert vielgelesenen Schriftsteller Joseph Victor von Scheffel, der hier einige seiner Werke schrieb.
Der Verfasser dieses Prosagedichts, das an einem Pfahl am Wegesrand steht, ist dagegen unbekannt.
Am Eingang der Wutachschlucht wird nochmal gewarnt: Die Natur ist gefährlich und und willkürlich, sie läßt einen abstürzen oder wirft mit Steinen und Ästen. Besser, man reizt sie nicht mit Hunden, Fahrrädern, Feuer oder floristischen Ambitionen. Keine Sorge, haben wir nicht vor.
Außerdem wird uns Beistand versprochen. Den Satz habe ich allerdings schon so oft gehört – vermutlich wird man eher erleben, von erbosten abgepflückten Blumen mit Steinen beworfen zu werden.
Bitteschön: Alles halb so wild. Gut, nachher geht es noch ein bißchen bergauf und -ab, aber estmal …
… lassen wir andere Leute vor und gucken, was passiert.
Die Hitze produziert Dali-Brote.
Ausgerechnet, als wir uns im Dickicht befinden, ein Wolkenbruch, der den Weg in einen reißenden Fluß verwandelt. Gut, ich übertreibe ein bißchen.
Andererseits eine willkommene Abkühlung. Der im Sonnenschein so hilfreiche Schirm zeigt sich im Regen als mittelschwerer Versager, allerdings ist es immer noch so warm, daß ich ihm nicht böse sein kann (das Foto ist von meiner Begleiterin).
Nebel im Sonnenschein – zau-ber-haft!
Der Landgasthof Schattenmühle ist das Ende dieser Etappe, aber noch längst nicht das Ende unserer heutigen Wanderung – das Hotel liegt ein paar Kilometer abseits des Weges. Dummerweise ist der Hauptweg zur Zeit gesperrt, aber es gibt einen Alternativweg. Die Bedienung trägt übrigens jene für diese Gegend typische Tracht, die hier alle Frauen tragen … jedenfalls alle traditionsbewußten, die von Generationen von Urschwarzwäldern abstammen. Als sie uns anspricht, hören wir einen polnischen Akzent.
Wie versprochen, taucht er doch noch auf, allerdings im üblichen desolaten Zustand. „Friede mit Gott“, steht auf dem kleinen Heftchen – so sieht der also aus, der Friede, blutend am Kreuz hängend und an seinen eigenen Körperflüssigkeiten ersaufend?
„Man glaubt, der Wanderer sei ein Sünder, weil er nie so oft zur Kirche geht. Aber ein stiller Blick zum Himmel ist besser als ein falsch Gebet“, steht auf der Tafel. Das kann ich voll und ganz unterschreiben.
Himmel! – wer hat diesen Weg empfohlen? 2 km durch dichtes nasses Gestrüpp, das ist kein Vergnügen.
Kurz vor 8 erreichen wir erschöpft unser Hotel – seit 10 Stunden sind wir unterwegs.
Fortsetzung folgt.

