Höninger Weg

Schön bunt …

… aber auch ein bißchen unheimlich, diese überlebensgroßen Figuren (4,20 Meter mal 2,50 Meter) …

… die an der Fassade der deutschen UNICEF-Zentrale hochklettern.

Auch wenn die „Flossi“ genannen Kunststofffiguren vom Verband der deutschen Kunststoffindustrie gestiftet wurden, handelt es sich hierbei keinesfalls um Werbedekoration, sondern um Kunst, allerdings nicht, wie man fälschlicherweise denken könnte, um Kunst der Pop Art-Zeit, nein, sie sind aus den 90er Jahren. Die Künstlerin nennt sich „rosalie“, die die Plastiken auch in klein anbietet (45×23 cm), aber nicht als Spielzeug. Jede Figur gibt es in vielen verschiedenen Farben, jeweils in einer Auflage von 333 Stück, ein Stück kostet 390,00 Euro. Kunst eben.

Heumarkt

Die „neue“ U-Bahnhaltestelle Heumarkt (sie ist seit Dezember 2013 in Betrieb) wird aus nachvollziehbaren Gründen gern mit einer Kathedrale verglichen. Sie ist die größte Haltestelle der Stadt, was wohl damit zusammenhängt, daß man sie eventuell noch ausbauen will: Die Zwischenhalle auf dem Foto ist von Ost nach West ausgerichtet, über ihr fahren zur Zeit noch mehrere Straßenbahnlinien, die von der Deutzer Brücke kommen oder hinauffahren. Wenn diese Linien irgendwann mal unterirdisch geleitet werden sollen (was hoffentlich niemals passiert), muß man hier nur noch verhältnismäßig wenig anpassen.

Vorerst jedoch wurde die Haltestelle für die neue Nord-Süd-U-Bahn gebaut, die vom Bahnhof unter der Altstadt und dem Severinsviertel in den Kölner Süden führt – besser gesagt: Führen sollte, denn die nächste Station nach Heumarkt wäre der Waidmarkt gewesen, der Ort, wo aufgrund der U-Bahnarbeiten im Jahr 2009 das Historische Archiv zusammenstürzte. Die schon seit Jahren fertigen Stationen südlich der Einsturzstelle sollen nun nächste Woche in Betrieb genommen werden.

Köln scheint in einer Art Wettbewerb mit mit Berlin und Hamburg zu stehen: In welcher Stadt baut man am längsten und am teuersten an einem öffentlichen Gebäude? Was die Dauer betrifft, sind wir weit vorn: Die Elbphilharmonie 2007 bis voraussichtlich 2017 (Kosten von usprünglich veranschlagten 77 Mio. auf 789 Mio. gestiegen), Berliner Flughafen 2006 auch bis 2017 (kann man das glauben? Das hat sicherlich noch Luft nach oben, ebenso wie die Kosten: Ursprünglich veranschlagt waren 500 Mio., jetzt spricht man bereit von 6 Milliarden), die Kölner U-Bahn 2004 bis vermutlich mindestens 2023! 20 Jahre – wir werden wahrscheinlich Erster! Nur mit den Kosten müssen wir uns noch mehr anstrengen – die veranschlagten 630 Mio. Euro haben sich ungefähr verdreifacht – nach jetziger Schätzung. Da geht sicherlich auch noch was.

Body Shop

„Liebe mich“ …

… „kauf mich“. Oder umgekehrt. Mal davon abgesehen, daß käufliche Liebe immer einen schlechten Beigeschmack hat, wird hier etwas propagiert, was unanständig klingt (und eigentlich auch ist) und einem den Gedanken eingibt, sowas müsse doch eigentlich verboten sein, schon aus Jugendschutzgründen: Warenfetischismus. Dagegen gibt es aber keine Gesetze, im Gegenteil, die positive Gefühlsbindung zu Dingen, die man kaufen kann und soll, ist hochwillkommen in einer Gesellschaft, die unter allen Umständen wirtschaftliches Wachstum hervorbringen muß, da sie sonst in sich zusammenfällt. Bei Kosmetika ist es allerdings meist relativ einfach, sich von seiner Zuneigung zu einem Produkt wieder zu lösen: Man muß sich nur darüber informieren, was für Gifte man sich da auf die Haut schmiert (hier könnt ihr das überprüfen, gebt zur Probe mal Nivea ein). Gut, natürlich gibt es Leute, die kümmert das nicht, so sehr sind sie dem Produkt schon verfallen – eigentlich ein Fall für den Drogenbeauftragten.

An St. Agatha

Nanu? Wie kommt bloß ein Poster eines Bildes vom Bauhaus-Künstler Oskar Schlemmer hierher? Untypisch für ein …

… indisches Restaurant: Wir befinden uns im „Taj Mahal“. Ich glaube, ich bin in meinem ganzen Leben noch nie so unmotiviert bedient worden wie in diesem Restaurant: Der Kellner sagte zweimal bitte und einmal danke und sonst nichts, ließ es zu keinem Blickkontakt kommen und glänzte überwiegend durch Abwesenheit. Wenn man mal von Außerhalb einen Tagestrip nach Köln macht, nicht viel Geld ausgeben will, aber was anderes essen möchte als Fritten oder ein Fischbrötchen, kann man hier gut einkehren, vor allem, weil sich das Restaurant in einer kleinen Nebenstraße der Fußgängerzone befindet und damit sehr zentral liegt. Die Portionen sind mittelgroß, mittelschmackhaft, aber dafür recht günstig – wer gut indisch essen gehen will, ist hier falsch, aber richtig schlecht schmeckt es auch nicht.

Und daß die Aussicht auch nicht gut ist, dafür kann ja der Laden nichts.

Wildpark Dünnwald

Im Wald- und Wildpark Dünnwald im Nordosten Köln kann man schön spazieren gehen, wenn man sowieso in der Nähe ist, ohne daß man Angst haben muß, won wilden Tieren angegriffen zu werden, denn sie sind eingezäunt. Damwild und Wildschweine sind darüber hinaus recht zutraulich, denn sie haben gelernt, daß die Besucher oft was zu essen mitbringen. Allerdings ist es streng verboten, Spaghetti zu füttern. In einer Vollversammlung hatte man das diskutiert: Die Schweine waren der Meinung, daß doch besonders getrüffelte Spaghetti sehr lecker seien, aber die Wisente fanden es nicht schön, daß eventuell die Nudelenden aus ihren imposanten Mäulern hingen (O-Ton: „Da macht man sich ja lächerlich!“), und wenn dann noch Bolognesesoße serviert würde, sei das sowieso nichts für Vegetarier – ein Argument, dem sich das Damwild anschloß.

Tatsächlich weiß ich nicht, was gegen Nudeln als Tierfutter spricht. Warum aber überhaupt jemand, der mit seinen Kindern zum Tierefüttern in den Park geht, gekochte Spaghetti dabei hat, ist mir ein absolutes Rätsel.

Wer ist der IS?

Nach der Ansicht des Journalisten Christoph Reuter besteht der IS aus ein paar skrupellosen Technokraten und einer großen Anzahl religiös fanatisierter und radikalisierter nützlicher Idioten. Ich halte das für plausibel. Aber seht selbst:

Attentate in Paris

230.000 Menschen sind bisher im Syrien-Krieg gestorben, davon 70.000 Zivilisten (Juni 2015, n-tv.de).
2.000 Menschen sind auf der Flucht vor Terror in diesem Jahr (bis August) im Mittelmeer ertrunken, im Jahr davor waren es 3.279 (August 2015, tagesschau.de).

Man kann diese Opfer und die vom letzten Wochenende in Paris nicht gegeneinander aufrechnen. Aber wenn wir bestürzt sind, dann sollten wir es nicht sein, weil Paris so nah liegt.

Deutschland hat in den Jahren 2014/15 für fast 10 Milliarden Euro Waffen exportiert, darunter auch in Länder des Nahen Ostens, die mehr oder weniger unverholen den IS unterstützen (Juni 2015, welt.de).

PS: Infos zum Zeichen oben gibt es hier.

Kyffhäuserstr.

„Sinvoll“ ist eine Mischung aus „sinnvoll“ und „sinfull“, also „sündhaft“ auf englisch. Das ist ja kein Widerspruch – jemand hat mit Kuli darunter geschrieben: „Sex heute“. Das paßt: Sex ist durch sich selbst sinnvoll und braucht keine weitere Begründung, und je nach Auge des (z.B. katholischen) Betrachters ist er zugleich sündhaft.

Eine weitere Antwort, die auf dem Aufkleber steht: „Noch nie, ich bin Politiker“. Hier paßt die doppelte Bedeutung nicht so gut, denn daß ein Politiker sündenlos ist, erscheint mir als Widerspruch in sich – die Sünde der Anmaßung kann man zur Zeit sehr gut bei unserem Innenminister beobachten, der in der Asylpolitik selbstherrlich weitreichende und unbarmherzige Entscheidungen trifft.

Bankenkrise

„Witzischkeit kennt keine Grenzen, Witzischkeit kennt kein Pardon“ – in Köln gilt das natürlich nicht nur für den 11.11. Wenn in der Kölner Tageszeitung von einer „Bankenkrise“ die Rede ist, bedeutet das nicht etwa, daß ein Geldinstitut in Zahlungsnot gerät, sondern es handelt sich um einen Streit um Bänke, Straßenbänke, genau gesagt.

Seit über fünf Jahren gibt es in der Innenstadt an einigen markanten Stellen keine Bänke mehr, was besonders in der Schildergasse auffällt, eine der höchstfrequentierten Einkaufsstraßen Deutschlands. Man hatte sie für den Rosenmontagszug abgeschraubt und sollte sie eigentlich wieder anschrauben, aber weil andauernd Rosenmontag ist, war man es leid, immer diese lästige Schrauberei, wieviel Arbeit das macht, also warf man sie kurzerhand weg.

Nach einem Jahr fiel das jemandem aus der Bezirksverwaltung Innenstadt auf, und man beschloß, neue Bänke aufzustellen. Zwei weitere Jahre dauerte es, vier Probebänke nebeneinander aufzustellen, damit die damit befaßten Damen und Herren Sitzvergleiche machen konnten. Man einigte sich halbherzig, und der Verwaltungsmensch sagte eine schnelle Umsetzung zu – und wechselte seinen Arbeitsplatz. Wenn in der Stadtverwaltung Aufgaben verwaisen, kommen sie erstmal in ein Aufgabenwaisenhaus, wo schon ganz viele andere sind. Der neue Mitarbeiter wird natürlich eingestellt mit der Erwartung, sich engagiert neuen Aufgaben zu stellen – mit der Betonung auf „neuen“.

Irgendwann fragt dann doch mal jemand nach. Es zeigt sich, daß dem Baudezernenten das ausgewählte Modell nicht mehr gefällt, er hat ein anderes im Blick, von dem flugs zwei Exemplare zur Probe aufgestellt werden (s.o.). Der Gestaltungsbeirat (der nichts zu sagen hat und nur Empfehlungen aussprechen darf) stimmt dem Dezernenten zu. Die Bezirksvertretung fühlt sich düpiert und ist empört: Ist das etwa Demokratie? Jetzt erst recht! „Wir bleiben bei unserer Wahl, auch um uns als politisches Gremium zu legitimieren,“ heißt es aus Bezirksvertretungskreisen – mit anderen Worten: Selbst wenn andere Modelle besser sind, hier geht’s jetzt ums Prinzip!

Inzwischen sind über fünf Jahre vergangen. Nun stellt die Stadtverwaltung fest, daß das von der Bezirksvertretung favorisierte Modell „Urbanis“, im Gegensatz zum vom Dezernenten bevorzugten Modell „Landi“, einbetoniert werden muß. Das heißt: Man kann die Bänke auf der Schildergasse zu Rosenmontag nicht abmontieren, und dann kommen die Karnevalswagen nicht mehr durch. Macht nichts, sagt man in der Bezirksvertretung, dann stellen wir sie eben in den Nebenstraßen auf!

Ich fasse zusammen: Die Bänke, die man in der Schildergasse so nötig braucht, damit die Passanten auch mal ausruhen können, ohne dafür gleich einen Kaffee bestellen zu müssen, werden nach einer Planungsphase von über fünf Jahren endlich installiert – allerdings nicht in der Schildergasse, sondern versteckt in Nebenstraßen.

Diese Stadt erstaunt mich immer wieder.

(„Dummheit kennt keine Grenzen *summ summ* Dummheit kennt kein Pardon“)