Hochwasser

„Das Team der Hochwasserschutzzentrale wünscht Ihnen eine tolle Woche.“ ist auf ihrer Seite zu lesen. Das ist nett. Der Pegel des Rheins steigt stündlich ca. 3 cm, im Moment steht er bei 8,75 Meter, und voraussichtlich soll Dienstag mit 9 Metern der Höchststand erreicht sein. In ca. 24 Stunden à 3 cm, plus 8,75 m … euch auch tolle Tage, liebe Leute von der Hochwasserschutzzentrale. Wieviele Kölsch waren es denn gestern abend?
Die Promenade ist bereits abgesperrt, aber zu schlimmeren Überschwemmungen wird es wohl nicht kommen.

Die am Kai des Rheinauhafens liegenden Schiffe, von denen man sonst allenfalls die Takelage sieht, rücken den Anwohnern noch dichter auf die Pelle. Wer hier wohnt, hat tief in die Tasche gegriffen, um einen freien Blick auf den Rhein in exklusiver Lage zu genießen. Dummerweise ankern hier bereits seit 1898 Schiffe, und bis die angelegt und alles vetäut haben, produzieren sie jede Menge Lärm und Dieselabgase. Verständlicherweise paßt das den betuchten Anwohnern nicht – also setzt man sich zusammen und bespricht, wie das Problem zu lösen ist … so würden das jedenfalls vernünftige Menschen machen. Was passierte hier? Die Anwohner bewarfen die Schiffe nachts mit Tomaten, rohen Eiern und Gurken, und es soll auch schon mal ein Schuß aus einem Luftgewehr zu hören gewesen sein, Lösungswege der gehobenen Klasse. Danke für das Beispiel, wenn das nächste Mal ein Brummi an meinem Haus vorbeifährt, weiß ich, was ich zu tun habe.

Winter adé?

So, das war es jetzt. Kinder, wißt ihr noch, vor ein paar Tagen erst, alles zugedeckt von einer kalten weißen Schicht. Schön, aber Vergangenheit – wenden wir uns dem Sommer zu. Wo sind die Picknick-Gläser? Das Jahr soll bunt werden!

Balanceakt über dem Rhein

Die Balance zu finden und auch zu halten ist ja grundsätzlich erstmal positiv und eignet sich hervorragend als guter Vorsatz für das neue Jahr. Wer Hilfe dabei braucht, kann sich auch für einiges Geld entsprechende Ratgeber im Buchhandel kaufen, die heißen dann „30 Minuten für deine Work-Life-Balance“ oder „Metabolic Balance Gourmetküche“ – aber ob sie einem wirklich helfen? Es gibt ja auch Entspannungstechniken, die man z.B. jeden Tag zwischen 16.00 Uhr und 16.30 Uhr durchführen kann, sofern es der Terminkalender zuläßt. Unter einem entspannten Leben verstehe ich allerdings etwas anderes: Entspannung ist erst dann von größtem Nutzen, wenn sie bar jeder Nützlichkeitserwägung gewonnen wird.

Die perfekte Balance kann man auch dadurch erreichen, daß man seinen linken Fuß fest verschraubt, den Rest des Körpers austariert und in dieser Haltung erstarrt. Daß das nicht gesund ist, weiß jedes Kind. Seine Balance zu finden kann also nur bedeuten, in Bewegung zu sein. Das Leben pendelt: Zwischen angenehm und unangenehm, Trübheit und guter Laune, Niedergeschlagenheit und Glück. Schlägt das Pendel zur positiven Seite, braucht man sich keine Sorgen zu machen über die Balance: Die weniger gute Zeit kommt von ganz allein, und alles ist im schönsten Gleichgewicht. Schwieriger ist es, aus einem Tief wieder herauszukommen (das ist die Stunde der wohlfeilen Ratgeber), aber wenn man es als das ansieht, was es ist und nicht aufgibt, schlägt das Pendel irgendwann wieder in die andere Richtung.

Koblenz – Rüdesheim (3)

Rüdesheim ist eigentlich ein ganz schönes kleines Städtchen, allerdings hat der Wahnsinn hier Methode.


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Uff! – schnell einen Rüdesheimer Kaffee, der es in sich hat: Die Weinbrandbrennerei „Asbach“ hat hier ihren Sitz, und weil es versoffen aussieht, schon nachmittags mit dem Cognacschwenker im Biergarten zu sitzen, gießt man den Schnaps eben in den Kaffee.

Wenn man genug davon intus hat, kann man ein sogenanntes Themenrestaurant besuchen. Ob es da stilecht nur Brot und Wasser gibt, wage ich zu bezweifeln, ohne Alkohol macht man sowas nicht, oder?

Aber, wie gesagt, eigentlich ganz schön, wenn man etwas abseits spazieren geht.

Abends geht es mit dem Zug zurück nach Köln. Ein schöner Ausflug, hat Spaß gemacht.

Koblenz – Rüdesheim (2)

Etwa sechs Stunden dauert die Fahrt von Koblenz nach Rüdesheim auf dem Rhein. Angenehm saßen wir bei milden Temperaturen auf dem Deck und ließen die Gegend an uns vorbeistreichen. Einziger Wermutstropfen: Die Musik von der Bordanlage. Permanente Berieselung mit deutschen Schlagern wie z.B. „Holde Maid, hast Du heut für mich Zeit“ ist eine Folter, mit der wir nicht gerechnet hatten.

Hey – den Biergarten kennen wir doch! Wären wir am Abend vorher daran vorbeigefahren, hätten wir uns dort sitzen sehen können. Ich hätte mir zugewunken!

An den Ufern jede Menge Schlösser …

… und Burgen, man könnte sich fast wie im Mittelalter fühlen – wenn Freddy nicht gerade „Junge, komm bald wieder“ singen würde. So einen Hut hätte ich mir übrigens auch besorgen sollen, die Bewölkung war so aufgelockert, daß ich am Abend einen Sonnenbrand im Gesicht hatte.

Je weiter man nach Süden kommt, desto zahlreicher werden die Weinhänge und geben, je nach Perspektive, interessante Muster.

Neulich habe ich zum ersten Mal in meinem Leben den Begriff ‚Fruktarier‘ gehört – als solcher darf man nichts zu sich nehmen, wofür ein Lebewesen sterben muß. Kartoffeln zum Beispiel sind nicht drin. Und Pommes? Auch nicht, Himmel! Aber Wein darf man trinken, wenn ich mich nicht irre, Früchte aller Art, wenn sie nicht, wie gesagt, zum Dahinscheiden der Pflanze führen. Da haben die Veganer noch ein größeres Angebot.

An Bord hatte man ernährungstechnisch gar keine Skrupel, die ausländischen Gäste am Nachbartisch verlangten schon um 10 Uhr traditionelle deutsche Speisen und Getränke.

Insgesamt eine sehr schöne Fahrt, ich kann sie nur empfehlen – rate aber zu Ohrstöpseln oder Kopfhörer mit überdeckendem Sound.

„Anlegen verboten“ stand auf dem Schild an dem Anleger, an dem wir gerade anlegten … hmm, vielleicht ist was anderes damit gemeint? „Auf jemanden anlegen verboten“ vielleicht? Mit anderen Worten: „Schießen Sie nicht auf den Kapitän!“ – oder wer sonst für das Gedudel verantwortlich ist.

Koblenz – Rüdesheim (1)

Wenn man an einem Fluß wohnt, sollte man auf ihm mindestens einmal in seinem Leben eine längere Schiffstour mitmachen, finde ich. Im letzten Sommer war es so weit. Besonders schön soll ja der Rheinabschnitt zwischen Koblenz und Rüdesheim sein. Da das Schiff dort morgens um 10 Uhr ablegt, reisten wir einen Tag vorher an und hatten Zeit genug, uns Koblenz anzusehen, das an der Stelle liegt, wo die Mosel in den Rhein mündet, bekannt auch als „Deutsches Eck“.

Hier steht das Reiterstandbild des Deutschen Kaisers Wilhelm I., kurz nach dessen Tod 1888 im Jahre 1897 errichtet. Es ist riesig: Mit Sockel 37 Meter hoch, sollte es weithin sichtbar Deutschlands Pracht und Herrlichkeit, personifiziert in der gottgewollten Machtfülle des Deutschen Kaisers, repräsentieren. Als Folge der zunehmenden Pervertierung dieses Selbstbildes wurde das Reiterstandbild 1945 durch amerikanischen Artilleriebeschuß zerstört und erst 1993 dank einer privaten Spende rekonstruiert.

Das Pferd macht von nahem betrachtet einen etwas irren Eindruck, aber das paßt ganz gut zur gesamten Anlage.

Die Innenstadt von Koblenz erscheint sehr gemütlich und wohnlich. Gut, die gleichen üblichen Geschäfte wie in allen Fußgängerzonen der Republik, aber die Plätze und Gassen geben eine gute Atmosphäre.

Das Eis muß ganz ausgezeichnet sein – uns stand allerdings der Sinn gerade nach was Herzhaftem, daher haben wir es nicht probiert. Nächstes Mal.

Natürlich gibt es auch häßliche Ecken, aber man bemüht sich – wie hier mit diesem witzigen Arche-Noah-Brunnen.

Im nächsten Jahr richtet Koblenz die Bundesgartenschau aus, deshalb wird an jeder zweiten Ecke gewerkelt und aufgehübscht. Diese Rheinseilbahn wurde eigens dafür gebaut, sie führt zur anderen Rheinseite auf die hochgelegene Festung Ehrenbreitstein, wo ein Schwerpunkt der BuGa liegt. Da die Gegend auf der Liste des UNESCO-Welterbes steht, darf hier eigentlich nicht gebaut werden, weshalb die Seilbahn Ende 2013 wieder abgerissen wird. Verrückt! Der Spaß kostet rund 12 Millionen Euro.

Abends lädt ein Biergarten am Rhein ein – entspannt sitzt man hier, trinkt heimisches „Zischke“ und freut sich auf den nächsten Tag.

Nordsee

Im Winter mit der Bahn zu fahren ist ein Glücksspiel, die Regierung sollte Steuern darauf erheben. Trotz Pannen und einer zweistündigen Verspätung gehöre ich zu den Gewinnern: Ein paar Tage habe ich in meiner alten Heimat Norddeutschland verbracht. Schneestrand, soweit das Auge reicht – im Umkleidehaus hätte man leicht eine Kabine bekommen, aber irgendwo stand ein Schild: Baden auf eigene Gefahr. Der Bademeister trinkt sich wohl gerade selbst mit Glühwein eine rote Nase, anstatt sich um andere zu sorgen.

Ob Ebbe oder Flut ist, weiß man sowieso nicht so genau, alles zugefroren. Wilhelmshaven scheint zum Greifen nah, aber das Wattenmeer ist tückisch, also vorsicht.

Was stimmt nicht an diesem Bild? Kaffee- und Kuchentante im Schnitzelparadies? Das „Heute!“, das ein Heute aus der Vergangenheit sein muß, denn tatsächlich ist geschlossen? Fischbrötchen und -gerichte gibt es natürlich auch nicht, und von Biergarten kann schon mal gar keine Rede sein. Am meisten ‚gelogen‘ ist aber die Bezeichnung „am Leuchtturm“ – es gibt zwar einen, aber der steht ein paar Kilometer weiter mitten im Jadebusen.

Der Wind bläst eisig, aber das kann einen echten Seemann nicht erschüttern. Und um so besser schmeckt der heiße Tee, wenn man wieder in der warmen Stube sitzt.

Aussichten

Wenn die Weihnachtszeit endlich erreicht ist, hat das nur Vorteile: Die kitschige Beleuchtung wird nun bald wieder ausgestellt.

Die vermaledeiten Heizpilze können eingemottet werden, weil die Leute ihren Glühwein wieder inhäusig trinken – wenn sie überhaupt noch welchen trinken, eigentlich kann man ja froh sein, das man den guten Roten endlich wieder so zu sich nehmen kann, wie es sich gehört: Ungezuckert und leicht gekühlt.

StudentInnen können wieder einen würdevolleren Job annehmen.

Und die Musik, die in aller Öffentlichkeit Passanten belästigt, wird endlich endlich abneh … bald vom Karneval beherrscht. Oh Graus!

Stadt im Schnee

Mist – wo ist man Fahrrad? Egal, es ist eh zu gefährlich zum Fahren.

Mein Fahrzeug scheint nicht das einzige zu sein, daß Schwierigkeiten mit dem Vorwärtskommen hat. Im Hauptbahnhof fährt kaum ein Zug pünktlich.

Und auch das Laufen ist mehr ein Rutschen, anstrengend. Aber was soll’s, wenn man nur langsam vorankommt, hat man um so mehr Zeit, sich über die Stromverschwendung zu wundern.

In der Fußgängerzone sitzt tatsächlich jemand bei ca. null Grad am Klavier und spielt Musik von Richard Clayderman. Verrückt!

Nicht so voll wie sonst am Wochenende, der Weihnachtsmarkt. In den letzten Jahren waren jeweils 10 Millionen Menschen in Köln, um die Märkte zu besuchen, sogar aus England sind sie angereist. Ich nehme an, in diesem Jahr werden es weniger.