Die kleine Empore da, mit den Stühlen und den Tischen, ist das nun ein improvisierter Biergarten oder eine Kunstinstallation? Dieses kleine Stückchen Rasen gehört zu einem großen Hotel, deren Betreiber es erlaubt haben, ihn nach dem Volksschauspieler zu nennen, weil der Stadt gerade kein anderer Ort eingefallen ist. Der Platz, wie man ihn nun schönfärberisch nennt, ist von Verkehr umgeben, an drei Seiten jeweils vielbefahrene zweispurige Straßen, an der vierten ein Taxistand fürs Hotel. Man kann sich nicht vorstellen, daß sich hier jemand länger aufhält, als die Rotphase der Fußgängerampel dauert.
Der Stadtrat findet das inzwischen auch unwürdig für den 1999 Verstorbenen und hat deshalb kurz vor Weihnachten, vermutlich in einer Dringlichkeitssitzung, einen anderen Platz ausgesucht, der künftig Willys Namen tragen soll. Da gibt es eine stark frequentierte Pommesbude, einen Tiefgarageneingang und ein Café (Kölnkenner könnten schon erraten, wo das ist). Jetzt ist nur die Frage, wann der Beschluß umgesetzt wird – ich rechne damit, daß es 2030 erledigt sein wird, aber sicher ist das natürlich nicht.
Schlagwort: Neustadt Süd
Roonstr.
Was für ein unerwartet sonniger Tag war das gestern – alle Fenster auf, und was ist? Brüllende Motoren, quietschende Reifen … und Applaus!?
Des Rätsels Lösung: In meiner Straße wird wieder mal ein Film gedreht, „Alarm für Cobra 11“, eine Action-Fernsehserie, von der ich noch nicht eine Folge ganz gesehen habe. Alle Autos, die man oben sieht, gehören zum Drehteam. Die meiste Zeit stehen sie herum, dann gibt irgendjemand ein Signal, ein paar Sekunden Autojagd wird gedreht, dann ist erstmal wieder Pause, alles zurück auf Anfang. Das geht den ganzen Tag so weiter – und ist ziemlich schnell sehr langweilig, wie die Serie selbst auch. Paßt also.
Wir gehen lieber in den nahen Biergarten und genießen das gute Wetter.
Bonner Str.
Avantgarde-Musik liegt naturgemäß meistens außerhalb der Hörgewohnheiten, sonst wäre es ja keine Avantgarde. Auch ich würde mir vermutlich keine CD kaufen, aber sie live zu hören ist fast immer interessant. Das Foto oben zeigt eine Partitur:
Eisenbahn- und Straßengeräusche werden eingefangen und zu einer Röhre von fast 5 Meter Länge geleitet, die daraufhin in Schwingungen gerät und Töne von sich gibt, die wiederum elektronisch verstärkt durch riesige Lautsprechertürme an beiden Enden eines 300 Meter langen Abschnitts der neuen, unbenutzten U-Bahnröhren schallen. Oder brummen.
Während dieser Veranstaltung im Rahmen des „Acht-Brücken“-Festivals für neue Musik wurden kleine Gruppen durch die Röhren geführt. Die Führerin hielt ab und zu ein Schild hoch, alle mußten stehen bleiben und lauschen – ah ja! Es brummt sphärisch. Ja. Aha. – Hm … schade, daß oben gerade keiner hupt. Weiter geht’s, am Chlodwigplatz wird Straßenläm aus New York zugespielt, was man aber nicht erkennt – Wahnsinn! In der anderen Röhre, durch die es zum Ausgang zurück geht, sitzen die Künstler auf einem Podium mit verschmitzten Gesichtern vor großen Mischpulten und drehen ab und zu an Knöpfen, was aber weiter keinen Unterschied macht, während ein Gastinstrumentalist ab und zu mit einem elektronischen Baß zusätzlich einen Ton erzeugt, dem alle lange nachlauschen (müssen). Brummmmmm …
Am Ende bekommen alle Teilnehmer ein Glas frisch gezapftes Kölsch ausgegeben. Das ist doch wirklich nett, Prost!
Der neue U-Bahnabschnitt südlich der Unglücksstelle Stadtarchiv soll nun übrigens doch schon 2016 und nicht, wie ursprünglich beschlossen, erst 2019 oder noch später in Betrieb genommen werden. Das kam so:
SPD und die Grünen bilden im Stadtrat eine Koalition. Nun waren die Grünen schon immer gegen den Bau einer zusätzlichen U-Bahn, sind nun aber für die möglichst rasche Inbetriebnahme. Die SPD war dagegen immer für die U-Bahn, ist nun aber gegen den Teilbetrieb, um Geld zu sparen, so eine laufende U-Bahn kostet ja so einiges. Die zur Zeit oppositionelle CDU war immer für die U-Bahn, muß nun aber aus oppositionellen Gründen dagegen sein, also jetzt nicht gegen die neue U-Bahn, die sie ja selbst mitbeschlossen hat, aber gegen die Grünen und gegen die SPD, was in Bezug auf den Zeitpunkt der Inbetriebnahme ein Dilemma ist. Also hat die SPD der CDU einen Deal vorgeschlagen: Wenn ihr mit uns stimmt, also gegen den Betrieb vor frühestens 2019, dürft ihr mitbestimmen, was mit dem eingesparten Geld passiert.
Große Freude bei der CDU: Au ja, wir stopfen damit die durch den harten Winter entstanden Schlaglöcher (und sichern uns damit die Sympathien der Autofahrer, hehe). Okay, sagte die SPD – jedenfalls am Morgen, im Laufe des Tages dann „na jaaa …“, schließlich „och nö, doch nicht“. Die CDU fühlte sich düpiert – das kann man doch mit uns nicht machen!! – und stimmte nun trotzig gegen die SPD, also mit den Grünen – für einen Betrieb des U-Bahnabschnitts ab 2016 (das heißt natürlich gar nichts, bis dahin kann man ja noch jede Menge Ratssitzungen abhalten).
Alles verstanden? Nein? Also nochmal: Die Grünen … und zum Schluß kommt, wie durch Zufall, der unter den gegebenen Umständen vernünftigste Beschluß heraus. Verrückte Welt.
Lindenstr.
Im Notfall geht’s nach links …
… und dann geradeaus, direkt unter Buddhas freundlichem Blick.
Wir sind im „Buddha’s Eye“, einem nepalesisch-tibetischen Restaurant gleich bei mir um die Ecke. Ich gehe gern asiatisch essen, aber das hier war nicht besonders, der Linsensuppe fehlte es an Würze, und die Ente war … wie soll ich sagen: Schlank. Aber die Bedienung ist nett, und der bunte Krimskrams ist lustig.
Karneval
Auch in diesem Jahr gibt es wieder eine Sperrzone für Glas um bestimmte Feierherde in der Stadt. Sehr vernünftig. Damit die vernunftbegabten Karnevalisten das auch verstehen, bedient der Oberbürgermeister sich einer für die Jugendlichen verständlichen Sprache. „Scherben! Krass Blut, aua aua!“, möchte ich vielleicht noch vorschlagen. Als Botschafter dieser ‚Message‘ hat sich offensichtlich die Rockband „Brings“ bereit erklärt, ich hoffe, sie haben eine ordentliche Gage ausgehandelt. Brings war einst angetreten als „ehrliche“, bodenständige Rockband, die nicht so einen Kommerzscheiß machen wollte wie Bläck Föös, die Höhner und andere Schunkelliedproduzenten. Inzwischen haben sie sich schon längst an den Sitzungskarneval verkauft (Sitzungskarnval, das sind diese drögen Veranstaltungen, von denen man zwei bis drei im TV ansehen kann; in Köln und Umgebung gibt es davon jährlich Hunderte) – das ist richtig viel Geld, was man da verdienen kann. Tja.
Kurz vor Zwölf, die Jungs sehen meine Kamera und stellen sich in Positur. Noch sind sie gut drauf. Bevor sie auf die Zülpicher Str. können, müssen sie noch ein paar Flaschen Bier trinken, denn auch da dürfen die Kioske kein Glas mehr herausgeben, und gezapftes Bier in Plastikbechern ist teurer. Vorglühen nennt man das.
In einem TV-Bericht habe ich gehört, daß trotz Vorglühen z.B. in der Traditionsgaststätte „Haus Unkelbach“ zu Weiberfastnacht 20.000 Gläser Bier ausgeschenkt werden (ich dachte, ich hätte mich verhört und habe es in der WDR-Mediathek nochmal überprüft: Zwanzigtausend, an nur einem Tag, in nur einer Kneipe! Ein Glas kostet übrigens 1,50). Und entsprechend sah das dann auch aus, als ich um 18 Uhr nochmal auf die Straße ging: Mehr lärmende Betrunkene sieht man nie in Köln, und jede Menge Alkohlleichen, die in Hauseingängen vor sich hin brüten. Alaaf!
Zu Karneval ist es hier Brauch, Berliner zu essen, keine Ahnung, warum. Bitteschön, bedient euch. Ich bin jetzt jedenfalls erstmal ein paar Tage weg, nämlich da, wo man vermutlich schräg angekuckt wird, wenn man beim Bäcker einen Berliner bestellt: In Berlin.
Karolingerring
Kleiner Beitrag zur Sexismusdebatte: Nicht nur Rainer Brüderle, das „Gesicht der FDP“, scheint der Meinung zu sein, daß weibliche Körper in erster Linie dem Manne zum Wohlgefallen geschaffen worden sind, nein, auch in der ARD ist man offensichtlich der Ansicht, daß Frauen dafür da sind, Männer mit ihren Reizen zu beeindrucken, und zwar schon seit der Steinzeit.
„Nun sei doch nicht so, ist doch nur lustig gemeint, du kannst wohl keinen Spaß verstehen!“ Das sind nicht nur Beispiele einer frauenfeindlichen Sexualisierung des Alltags, sondern sie beleidigen in ihrer Jämmerlichkeit auch den Humor eines jeden Betrachters – es sei denn, er gehört zur FDP oder arbeitet bei der größten Fernsehanstalt Deutschlands.
Zülpicher Str. / Ecke Engelbertstr.
Wer mal einen richtig leckeren Döner essen möchte – der sollte diesen neuen Laden meiden. Es gibt zig Restaurants, Imbisse und Kneipen in diesem Viertel, viele gut und günstig, dafür sorgt allein schon die große Konkurrenz. Den besten Döner gibt es keine 10 Meter weiter auf der anderen Straßenseite. Umso merkwürdiger ist es, daß hier immer viel los ist, aber das ist vielleicht nur der Reiz des Neuen – und der Umstand, daß zur Einführung alle Preise um ein Drittel reduziert sind.
Das Ottoman’s ist wie ein McDonalds auf türkisch: Es gibt ganz normale Hamburgerkreationen, aber eben auch Döner-Gerichte. Ich habe eine Döner-Tasche probiert: Das Brot ist trocken und außen hart; das Fleisch, eine undefinierbare Mischung aus Fett, Rindfleisch- und vermutlich Lammhack, das von einem großen Grillspieß abgehobelt wird, ist so gut wie ungewürzt, ebenso wie der Salat und der Schafskäse, von dem ich annehme, daß er nicht aus Schafsmilch gewonnen wurde. Für Kunden, die eigentlich kein Döner mögen, ist das genau das richtige. 3,99 soll das zukünftig kosten, immerhin, ich habe mir nicht den Magen verdorben. Aber man kann auch ein trockenes Brötchen essen, wenn man nur den Hunger stillen will, das ist viel billiger. Wer sich richtig satt essen will: Wie gesagt, schräg gegenüber, richtig lecker, in einem frisch gebackenem Teigfladen.
Grüngürtel in der Nacht
Der Grüngürtel war jetzt eine ganze Weile weiß, aber das stört die unzähligen Wildkaninchen nicht, das Gras ist auch unter Schnee schmackhaft. Besonders scheu sind sie nicht, Gewohnheit stumpft ab, dabei sollten sie sich hüten vor den domestizierten Tieren, deren Wildheit plötzlich wieder zum Vorschein kommen kann: Nichtangeleinte Hunde.
Möbelgeschäfte
Gestern ging die „imm cologne“, die internationale Möbelmesse, zu Ende. Ich hatte die Hoffnung, die Möbelgeschäfte am Ring würden anläßlich dieses Termins irgendwas Besonderes ausstellen, aber Fehlanzeige. Patchwork, also das flickenhafte Durcheinander, soll ja tooootal in sein, habe ich neulich gehört. Tja, wenn einem nichts Neues einfällt, greift man halt zum Alten, vielleicht läßt es sich ja nochmal aufwärmen. Ebenso fad ist auch die Provokation in der Deko: „Blasphemische“ Abendmahlsdarstellungen gibt es inzwischen wie Sand am Meer, da regt sich selbst im katholischen Köln keiner mehr auf.
Ich habe gelesen, daß jeder Deutsche im Schnitt 400 Euro im Jahr für Möbel ausgibt. Von diesen Stühlen kann man sich also zwei Stück kaufen. Glücklicherweise kann man die nächstes Jahr auch wieder rausschmeißen, denn dann stehen ja neue 400 Euro zur Verfügung.
Dieser Sessel ist zwar um 360 Euro heruntergesetzt, muß aber immer noch mit knapp 1000 Euro zweieinhalb Jahre halten, vorausgesetzt, man kauft sich nichts anderes dazu, einen Tisch oder eine Kommode.
Gut, immer noch besser, als dieses Interieur, für das man weit über drei Jahre absitzen muß. Ich glaube, dieses Jahr verzichte ich lieber auf Möbel und geh stattdessen gut Essen. Jemand anderes darf gerne meine Durchschnitts-400-Euro auf sich verbuchen und kann sich dann schneller oder teuerere neue Möbel kaufen.
Wer mehr über die Möbelmesse erfahren möchte, dem empfehle ich die sehenswerten Einträge meiner Blogreundin Karin Henjes.
