Fußball …

… allerorten. Wohin man auch geht, überall steht mindestens ein Flachbildschirm, im Park hängt jeweils einer in jedem Baum.

Ob man sich im Imbiß eine Portion Fritten holt oder am Kiosk eine Flasche Bier, niergendwo braucht man auf nur eine Sekunde des Spiels zu verzichten – ob man will oder nicht. Nur im Supermarkt ist es schön leer.

Zu Hause brauche ich den Fernsehapparat nicht anzustellen, wenn ich wissen will, ob ein Tor gefallen ist, ich muß nur das Fenster öffnen und höre es dann am allgemeinen Gejohle. Ob Deutschland gewonnen hat, merke ich dann daran, daß Autodeppen hupend und gröhlend durch die Stadt fahren.

Die FIFA hat ihr Emblem abgewandelt und zeigt den Zuschauern mit dem gestreckten Mittelfinger, was sie von ihnen hält. Oder stimmt das gar nicht? Ich habe das Foto in Berlin-Kreuzberg aufgenommen, da muß man es doch wissen.

Coologne

Traut man statistischen Erhebungen, sind ca. 30% der Kölner Singles, jeder zweite Haushalt ist ein Ein-Personen-Haushalt, ein Trend, den man in allen Großstädten Deutschlands beobachtet. Nun sagen aber Singledasein oder -haushalte nichts darüber aus, ob die Leute nicht vielleicht doch in Beziehungen leben. Und selbst, wenn nicht – heißt Alleinsein schon Einsamkeit? Einsam sein kann man natürlich auch in der Provinz, allerdings kann man es da darauf schieben, daß keiner da ist. Einsamkeit inmitten tausender anderer Menschen ist vielleicht schwerer zu ertragen, und in den Augen der Anderen ist sie einfach uncool, dabei verhindert es die Anonymität der Großstädte, automatisch Leute kennenzulernen. Andererseits: Angebote, sich irgendwo zu engagieren oder einfach nur zu treffen gibt es genug, es gehört nur ein wenig Mut dazu.

Ich bin jetzt eine Woche nicht da, mal schauen, wie es in Berlin im Sommer aussieht. Bis bald.

Wetter

Bei so einem Wetter ist es gut, wenn man von netten Freunden eingeladen wird, die am Stadtrand wohnen, einem den Platz auf der Hollywood-Schaukel überlassen und kühle Getränke und leckeren Salat servieren, ohne daß man selbst einen Finger krümmen muß.

Wieder zu Hause, klopfte jemand gestern Abend plötzlich an mein Fenster, was bemerkenswert ist, da ich im dritten Stock wohne. Als ich nachsehen wollte, riß heftiger Sturmwind mir fast die Fensterflügel aus den Händen.

Ich war froh, daß ich nicht unterwegs war, umgestürzte Bäume verursachten ein mittleres Chaos, Züge hatten Verspätung, Straßenbahnen blieben stehen und mußten die Fahrgäste auf offener Strecke herauslassen, wie mir eine Freundin erzählte.

Sommerzeit

18.000 Fans vom türkischen Ministerpräsidenten Erdogan feierten ihn in der rechtsrheinischen Lanxess-Arena, während ca. 45.000 Gegner seiner Politik linksrheinisch über die Ringstraßen demonstrierten und zu einer Kundgebung im inneren Grüngürtel liefen. Die Touristen in der Altstadt störte das nicht, schönes Wetter, keine besonderen Vorkommnisse.

Studenten grillten auf „ihrer“ Wiese (passiv und aktiv), das Bier vom Kiosk ist billiger, außerdem kann man zwischendurch mal Frisbee spielen.

Und wem das alles zu hektisch ist, der trifft sich am Büdchen. „Schwaade“ nennt der Kölner das Quasseln, also das Erzählen von relativ bedeutungslosen Inhalten um des Erzählens willen – kann manchmal ganz gemütlich sein.

Hohenstaufenring

Neulich wurde in der Zeitung von einer neuen Art der Fußpflege berichtet (es war nicht am 1. April): Man läßt seine Füße in einem Aquarium baumeln, in dem kleine rote Fische schwimmen. Die Saugbarben stürzen sich sofort darauf und knabbern die Hornhaut ab, das erspart einem den rauen Bimsstein und soll angeblich die Durchblutung fördern. Die Stadtverwaltung hat diese Dienstleistung nun verboten, aus Gründen des Tierschutzes. Nanu? Da werden täglich zig Tausende von Tieren geschlachtet, weil wir uns mit ihrem Fleisch ernähren wollen, aber wenn wir ihnen etwas bieten, was offensichtlich eine Delikatesse für sie ist, wird das auf dem Verwaltungsweg untersagt? Gut, ich habe schon Mauken gerochen, da kommt es einem hoch – aber hat man schon Fische kotzen sehen?
Schweren Herzens müssen wir uns nun also mit dem Honig begnügen. Ich hoffe, man muß ihn nicht mitbringen. Vor ein paar Tagen habe ich relativ blind ins Supermarktregal gegriffen, hauptsache es war echter Imkerhonig. Nicht schlecht gestaunt habe ich dann, als ich an der Kasse 8,99 dafür zahlen mußte. Den werde ich mir auf jeden Fall oral zuführen.

Frühling

Nicht nur die Narzissen sprießen …

… auch die Menschen blühen auf. Die Kioske und Biergärten freuen sich auf hohen Umsatz und die Pfandflaschensammler rüsten sich für die neue Saison. „Süße, wohlbekannte Düfte / Streifen ahnungsvoll das Land“ – die ersten Grillrauchschwaden schweben sanft über den Parkwiesen.

Kölner Straßenverkehr

Sonntag stand ich am Fenster meiner Wohnung und bekam zufällig diese Szene mit:

Na, ist ja nochmal gut gegangen. Aber da traut man sich kaum noch vor die Tür. Als das gute Wetter mich doch hinaustrieb, kam ich gerade bis zur nächsten Ecke, dann passierte das:

Das ist hier schlimmer als in der Serie „Alarm für Cobra 11“. Immerhin, meinen Kuchen habe ich heil nach Hause gekriegt.

Innerhalb kürzester Zeit waren Feuerwehr und Ambulanz anwesend, wie man hört, ist niemand zu Schaden gekommen – von den Fahrzeugen mal abgesehen.

Wieso überall diese Geräte herumstanden – keine Ahnung. Was kann das sein? Wetterstationen?

Habsburgerring

Letzten Samstag am Rudolfplatz – wir waren gerade in der Nähe einkaufen – plötzlich ein großes Polizeiaufgebot, ein Mannschaftswagen nach dem anderen rauschte mit lautem Getöse an uns vorbei. Es war etwas passiert, was es so hier noch nicht gegeben hat: Zwischen 150 und 200 junge Männer sind auf der vierspurigen Straße vor dem Rudolfplatz übereinander hergefallen, um sich gegenseitig zu verprügeln. Die Polizei war sehr schnell zur Stelle – man hatte wohl schon von dem Plan gehört, wußte nur nicht, wo – die ganze Prügelei hat wohl keine Minute gedauert, dennoch blieb ein Schwerverletzter zurück, der blutend und ohnmächtig auf der Straße lag. Von den Flüchtenden wurden in den umliegenden Straßen über 50 festgenommen.

Wie sich herausstellte, sind die jungen Männer Anhänger gegnerischer Fußballclubs, die verabredet hatten, sich vor einem Freundschaftsspiel vom 1. FC Köln und Schalke 04 zu dieser Schlägerei zu treffen. In der Zeitung steht, daß solche Treffen wohl schon öfter stattgefunden haben, aber immer irgendwo auf einem Acker, unbeobachtet von unbeteiligten Personen.

Männlichkeitsrituale in ihrer primitivsten Form, weit unterhalb auch jeder Ritualentwicklung im Tierreich, in dem Rituale immer einen bestimmten übergeordneten Zweck haben. Die lebensgefährlichen Prügeleien der jungen Männer dienen nur einer tumben Aggressionsabfuhr im Gruppenverband – der Versuch einer Männlichkeitsselbstinzenierung, deren Umsetzung ein solch hohes Maß an Dummheit zeigt, daß es kaum zu fassen ist. Deshalb wird auch gutes Zureden oder Appelle an die Vernunft nichts nützen. Was soll’s, könnte man meinen, wenn blöde junge Männer sich im gegenseitigen Einvernehmen krankenhausreif schlagen und bereit sind, die Folgekosten zu übernehmen – bitte sehr. Aber dann bitte wieder auf dem Acker. Was ein solches Phänomen über die Zivilisiertheit und Kultur einer Gesellschaft aussagt, steht auf einem anderen Blatt.

Barbarossaplatz

Als ich vor knapp 30 Jahren nach Köln gezogen war, war ich überrascht, daß alle Gaststätten pünktlich um 1.00 Uhr die Rollläden herunterließen. Die Straßen waren leer, nur vereinzelt torkelten ein paar Zecher über die Bürgersteige. Selbst in der Stadt, aus der ich kam, gab es zum Wochenende längere Öffnungszeiten. Wie ich inzwischen weiß, gab es durchaus Spelunken, wo hinter dem Rolladen kräftig weiter gebechert wurde, und wenn man zu den Eingeweihten gehörte, konnte man sich mit einem Klopfzeichen Einlaß verschaffen. Aber die meisten Kneipen, Szenelokale und auch die Touristenfallen in der Altstadt waren sorgsam darauf bedacht, um 1 Uhr alles geschlossen zu haben, da half kein Betteln und kein Flehen. Damals fand ich das total provinziell – heute sehne ich mich manchmal danach zurück. Heutzutage wird die ganze Nacht gefeiert, die Kneipen und Discos schließen erst in den frühen Morgenstunden, auch viele Imbisse haben sich angepaßt. Daß ein Geschäft aber überhaupt nicht mehr schließt am Wochenende, ist neu. Wann gibt es endlich den ersten 24-Stunden-Supermarkt? Nur für den Fall, daß ich mal morgens um 5 Hunger bekomme auf einen Joghurt.

Sachsenring

Immer wieder sieht man seit kurzer Zeit dieses „wilde“ Plakat – wild deshalb, weil kein Verantwortlicher angegeben ist und bei der Stadt wohl auch nicht um Erlaubnis gefragt wurde. Außerdem kleben sie überall, nur nicht an Plakatwänden und Litfaßsäulen. Die Gestaltung folgt einem großen Vorbild, das ich zufällig und aus aktuellem Anlaß neulich im TV gesehen habe:

Meistens wird der als Nestbeschmutzer beschimpft, der auf den Schmutz hinweist, nicht der, der ihn verursacht hat. Edward Snowden hätte jedes Asyl verdient für seine Aufklärung, daß es in Deutschland aber so weit kommt, darf bezweifelt werden, unsere Politiker sind viel zu feige, gegen die Amerikaner selbstverständliche demokratische Grundsätze durchzusetzen, wenn es denen ungelegen kommt. Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.