Karnevalkomasaufen

Ich glaube, da hat sich einer verschrieben. Oder? Muß es nicht heißen:
„Mehr Spach ohne Glach, Becher icht dach!“?
Da hat wohl jemand zu tief ins Kölschglas geguckt und seine unzerbrechlich wahre Liebe darin gefunden – kein gutes Vorbild, wenn jetzt die Mitarbeiter des Oberbürgermeisteramtes ihre Zuneigung zum Alkohol offenbaren.

Der Hintergrund: In drei Tagen geht das Grauen der Karneval wieder los, und das bedeutet: Am 11.11. und in der Zeit von Weiberfastnacht bis Karnevalsdienstag im nächsten Jahr ist in der Altstadt und im Studentenviertel hemmungsloses Saufen angesagt. Und weil dazu zu gehören scheint, daß man die leeren Flaschen und Gläser auf der Straße zerdeppert, herrscht in diesen Gegenden in der Zeit Glasverbot, die Getränke dürfen nur aus Plastikbehältnissen oder Dosen konsumiert werden. Man hat das schon einmal durchgeführt und gute Erfahrungen damit gemacht, die Schnittverletzungen sind stark zurückgegangen, die Schäden an Fahrzeugen sogar völlig. Die Kioskbesitzer, die ihren Hauptjahresumsatz in dieser Zeit machen, sind natürlich nicht begeistert, obwohl sie ausnahmsweise eine Schankerlaubnis erhalten, aber das macht eben mehr Arbeit. Im Moment hat jemand eine einstweilige Verfügung gegen das Verbot erwirkt, man weiß also noch nicht genau, was nun wird. Da habe ich einen guten Vorschlag an die Stadt: Verhindert das alljährlich sich wiederholende öffentliche Massenbesäufnis, dann hat man nicht nur kein Problem mit dem Glas, auch Lärm- und Urinierbelästingungen blieben uns erspart. Wäre das nicht noch becher?

Innerer Grüngürtel

„Videbitis spinnt! Dem fällt nix mehr ein. Jetzt zeigt er uns schon ein Stück Kölner Rasen!“, mag man vielleicht denken. Das ist aber ein ganz besonderes Stück: Ein Kunstwerk!

Das dieser BanauseJogger mit Füßen tritt. Gut, in diesem Fall ist es nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht: Was der Läufer für einen neuen Weg hält (man muß genau hinsehen, weil das „Werk“ schon wieder ein wenig bewachsen ist), ist in Wirklichkeit eine „Rasenmäherzeichnung“ des Künstlers Ralf Witthaus. Bis zur Grasnarbe mähte der in den vergangenen Wochen einen drei Meter breiten Streifen durch die ganze Länge des inneren Grüngürtels, der die Innenstadt von Köln umspannt.

Ausfallstraßen und den Aachener Weiher mußte er natürlich überspringen, was soll man da auch mähen. Aber auf der anderen Seite geht’s weiter, hinter der Plastik von Lajos Barta macht der Streifen einen Knick nach links.

Das Projekt heißt „Die Bundesrasenschau“ und soll zeigen, daß es einen Grüngürtel gibt … nee, Moment … Zitat: „… mache auf diese Weise den Grüngürtel als eine zusammenhängende Form, als einen Park sichtbar und erfahrbar.“ Aha. Gut, daß ich noch mal nachgelesen habe, schließlich will ich hier nichts Falsches behaupten.


(c) by Ralf Witthaus. Zum Vergrößern draufklicken.

Aachener Str. in Ringnähe

An lauen Sommerabenden geht das Publikum des Millowitsch-Theaters gern vor die Tür, um frische Luft zu schnappen und in der zum Theater gehörenden Kneipe ein Kölsch zu zischen. Die volkstümlichen Schwänke in kölschem Dialekt erfreuen sich auch nach Willy Millowitschs Tod 1999 großer Beliebtheit, Busladungen von Besuchern werden aus dem Umland hergebracht.

Gegenüber auf der anderen Straßenseite hat sich in den letzten Jahren dank einer Bürgersteigverbreiterung eine der attraktivsten Amüsiermeilen Kölns entwickelt, Kneipen und Restaurants reihen sich aneinander, eins ist mehr „in“ als das nächste, und entsprechend voll ist es hier immer. Ich schlendere hier gern mal durch, zum Sitzen ist mir aber zu viel Rummel.
Das „Theater im Bauturm“, ein freies Theater, das von einer Architektengruppe gleichen Namens gegründet wurde, nebst großem Kneipen-Café gibt es nun auch schon seit 27 Jahren. Gespielt wird Zeitgenössisches, aber zwischendurch z.B. auch mal Schiller oder Comedy. „Der Kontrabaß“ von Patrick Süßkind ist ürigens ein Dauerbrenner, das Ein-Personen-Stück wird schon seit über 20 Jahren gespielt – noch immer vom selben Schauspieler.

Innenstadt

Ein Auflauf – was machen diese Leute da? Ist was passiert, soll ich den Krankenwagen rufen? Nur, wenn er ein paar Psychologen an Bord hat: Die Leute tauschen Panini-Bildchen mit den Porträts von Fußballspielern … nein nein, das sind keine Kinder.

Kindlich bunt war es auch auf dem diesjährigen CSD, der in Köln drei Tage dauert und der größte Europas ist …

… und spielen konnte man hier auch.

Biergarten am Aachener Weiher

Der Biergarten mal aus einer anderen Perspektive. Als ich vorbei lief, wurde gerade eine Bühne aufgebaut, zum 1. Mai soll hier eine Live-Rock-Band spielen. Ob man das für ein Vergnügen hält, ist natürlich auch eine Frage der Perspektive. An normalen Tagen hat man sich zur Abschreckung etwas anderes ausgedacht: Keine Stelle, an der man nicht via Bildschirm mit Fußballberichterstattung gequält wird. Habe ich was verpaßt? Hat die WM schon angefangen?

Jülicher Str.

Inkasso-Unternehmen sind Geldeintreiber, die gegen Gebühren für Gläubiger arbeiten. Egal, ob die Forderung berechtigt ist oder nicht, das Unternehmen versucht, vom mutmaßlichen Schuldner das ausstehende Geld einzutreiben – oft mit recht drastischen Drohungen. Internetbetrüger bedienen sich gern solcher Firmen, die mit der Drohung explodierender Anwalts- und Gerichtskosten versuchen, die verunsicherten Verbraucher einzuschüchtern. Meistens ist nichts dran, man sollte gar nicht darauf reagieren.

Das „Incasso-Geschäft Lange & Cie.“ belästigt allerdings schon lange niemanden mehr. Bei der Restaurierung des Hauses hat man die Beschriftung freigelgt und nicht wieder übermalt. Nett.