Breite Str. / Brüsseler Str.

„Die US-Zeitschrift „Fortune“ erklärte die Post-it zu einer der wichtigsten Erfindungen des 20. Jahrhunderts – zusammen mit dem Kühlschrank, der Boeing 707 und der Compact Disc.“, steht bei Wikipedia. Schön, daß es verantwortungsbewußte Menschen in Wirtschaft und Handel gibt, die das zu würdigen wissen.

Der Klebezettel ist übrigens eine Serendipity-Erfindung, ähnlich wie Amerika oder der Teebeutel.

Riehler Str., Skulpturenpark

Zu seltenen Gelegenheiten wird der Skulpturengarten nachts geöffnet und man kann die Plastiken in farbiger Beleuchtung bestaunen.

„Traut euren Augen, dort kommen sie“, hat der Künstler diese Skulptur genannt, einen großen amorphen Sandstein. Ob er uns meint? Keine Sorge, wir beißen nicht, wir kucken bloß.

Der Baum, der so schön angestrahlt wird, ist tagsüber auch Kunstwerk von Beruf, was sich dadurch zeigt, daß er bedeutungsschwer mitten im Weg steht. Die Künstlerin nennt dieses Kunstwerk „Der Park“ – also, mal sehen, ob ich das verstanden habe: Der „Park“ stellt sich dem Parkbesucher in den Weg und reklamiert den Park für sich. Das erinnert mich an einen größenwahnsinnigen König, der gesagt hat: „L’état, ce moi.“ (Der Staat bin ich.) Vielleicht sollte die Künstlerin nochmal darüber nachdenken, denn wenn der Park nur für den Park da wäre, dann gäbe es ihn gar nicht. Aber egal.

Wir nehmen das heute nicht so genau, sieht doch alles sehr schön aus. In einem kleinen Café stärken wir uns mit einem Kölsch …

… bevor wir uns wieder dem Ausgang nähern: So ein Spaziergang im Dunkeln macht wirklich Spaß, allerdings gehen wir das nächste Mal im Sommer, im November ist es schon empfindlich kalt.

Brüsseler Platz / Breite Str.

Ich liebe diese sonnigen Herbsttage, wenn auch der Wind manchmal unerwartet kühl ist und man ständig Klamotten für alle klimatischen Eventualitäten mit sich herumschleppen muß.

Hier hat man das Vertrauen auf Kundschaft längst verloren, die Saison ist abgeschlossen.

Dabei sind die Kölner hart im Nehmen: Kapuze auf, schon haben die Ohren es wieder schön warm und man kann sich fühlen wie im Hochsommer.

Ich – äh – bin ja nicht von hier und suche mir lieber einen Innenraumplatz im Paradies: Café Fromme in der Breite Str. Wieso war ich noch nie hier? Der Kuchen …

… ist von einer solchen Qualität – das verdirbt einen geradezu für alle anderen Cafés. Auch wenn ich mal wieder woanders bin, bestelle ich wahrscheinlich einen Milchkaffee und ein Stück Apfelkuchen von Fromme, ist egal, wie sie ihn beschaffen. Und wenn sie mir nicht behilflich sein wollen, geh ich eben wieder, das haben sie dann davon.

Zurück in Köln

Ist ja toll – kaum zurück aus dem Urlaub, bietet sich einem ein solches Bild.

Inwischen hat es sich wieder gebessert, an diesem Wochenende konnte man sogar wieder draußen feiern. In der Innenstadt wurde ein Teil der Ringe abgesperrt, um zur Begleitung der weltgrößten Messe für Computerspiele („gamescom“) Festivitäten anzubieten. Die Party erschien mir allerdings ziemlich mau: 1 Crèpe-Stand habe ich gesehen, 1 für Reibekuchen und ein paar Colawagen. Auf zwei Bühnen spielten Bands. „Tut was für unser Ego, wie heißen wir?“ schrie der Sänger das Publikum dreimal an, und das war auch notwendig, wegen der Musik hätte man sich den Namen nicht gemerkt. Die Bühne stand übrigens kurz hinter dem riesigen Bildschirm, weshalb man sie nicht sehen konnte, machte aber nichts, auf der Bühne und dem Bildschirm waren eh die selben Musikerdarsteller.

Einen sehr schönen Kommentar zur „gamescom“ hat der Künstler Rakaposhii auf einem überlebensgroßen Klebegraffito gemalt: Kinder wollen spielen, aber in den Spielen von heute geht es nur noch um Kampf und darum, mit Gewalt die Nr. 1 zu sein und immer ein Gewinner.

Melchiorstr.

Sommerzeit – Flohmarktzeit. Dieser auf dem Gelände des selbstverwalteten Bürgerzentrums „Alte Feuerwache“ im Agnesviertel ist besonders schön, da professionelle Händler nicht erwünscht sind. Ein Flohmarkt, wie man ihn von früher kennt: Kinder bieten ihre Spielsachen und Comic-Hefte an, Familien verkaufen Klamotten, aus denen die Kinder herausgewachsen sind, junge Leute sind ihrer Bücher und CDs überdrüssig und mit wenig Geld zufrieden. Was die Bananenkartons kosten sollen, habe ich allerdings nicht gefragt.

Wenn man erschöpft ist, kann man im Biergarten bei einem Saft ofter Milchkaffee das Treiben beobachten. Der Salat ist übrigens auch lecker. Der Flohmarkt findet einmal im Monat statt.

Maastrichter Str.

Neulich war ich bei der Präsentation einer neuen Software, da zückte die Referentin plötzlich ein EiPäd und ein EiFon aus der Tasche, um zu zeigen, daß das Programm auch dort funktioniert. Ich bin mir sicher, daß die nicht bei Äppel angestellt ist. Vielleicht muß man solche Geräte jetzt haben, wie z.B. Schuhe an den Füßen, oder einen Mantel bei kaltem Wetter. Jedenfalls habe ich inzwischen herausgefunden, wo die ganzen Geräte herkommen: Sie wachsen auf Bäumen. Warum die Firma so heißt, weiß ich jetzt auch.

Im Stadtgarten

Bei diesem Wetter hält es niemanden mehr in seiner Wohnung, jeder, der kann, sucht sich einen Platz an der Sonne.

Die Halsbandsittiche im Stadtgarten bauen aufgeregt an ihren Nestern, damit es der zu erwartende Nachwuchs bequem hat …

… während der, der schon da ist, am Boden zu ersten Erkundungen aufbricht.

Im Biergarten ist noch Platz, Zeit für Kaffee und Kuchen, die frische Luft macht Hunger.
Ah, da kommt auch schon der Kellner – dachte ich. Der nickt beschwichtigend, geht vorbei und kümmert sich einen Scheiß um mich um andere Gäste. Ein größere Gruppe müßte man sein, die fällt sofort auf, wenn sie sich irgendwo niederläßt, und zieht die Kellner an wie das Licht die Motten. Ich bin leider keine Gruppe und muß dabei zusehen, wie Tabletts mit Hamburgern, Flammkuchen und Kölschstangen an mir vorbei getragen werden. Am übernächsten Tisch wird umständlich abkassiert, jeder zahlt einzeln. Da – eine Kollegin wird aufmerksam … aber nicht auf mich, Himmel, sie will vorbeilaufen. Ich halte sie auf.
Das Stück Florentiner Kirschkuchen ist von der Größe einer vollen Mahlzeit. „Das letzte Stück!“, verkündet die Kellnerin freudestrahlend. Lecker, schmeckt wirklich gut, bis – autsch! – ein Kirschkern erinnert mich schmerzhaft daran, daß man von fremder Hand zubereitete Speisen mit Vorsicht genießen sollte. Na gut, denke ich, 1 Kern bringt Glück. Daß gerade ich den erwischt habe von einem ganzen Blech … als ich fertig bin, überlege ich, ob ich den Biergartenbetreiber wegen Hinterhältigkeit verklagen sollte – viereinhalb Kerne auf ein Stück, das riecht doch verdächtig nach Attentat. Oder … vielleicht ist das auch nur die späte Rache für die drei Tassen, die ich hier mal vor Jahren geklaut habe. Ich hoffe bloß, wir sind nun quitt.
Der erste Kellner kommt gelangweilt angeschlendert und fragt, ob ich noch was möchte. „Ach nee! Plötzlich!“, empöre ich mich – natürlich nicht, sondern schüttel nur freundlich meinen Kopf. Die Sonne scheint.