Hansaring

Wer in der Stadt wohnt und keinen Garten hat, muß dennoch auf eine gewisse Gemütlichkeit nicht verzichten.

0 Antworten zu “Hansaring

  1. Das soll ein Garten sein?
    Also bitte, das ist doch kein Garten, auch kein Hinterhof, das ist ein hochphilosophisches Environment!
    Sieh doch, die drei leeren Stühle, sie symbolisieren die drei Aspekte unseres kindlichen Ichs: Reinheit, Unschuld, Abhängigkeit, was durch das Weiß der Mauern noch verstärkt und reflektiert wird! Wie sie dort verloren zueinander stehen, keinerlei Bezug haben, keine Einheit bilden, es schmerzt das zu sehen!

    Die Topfpflanze auf dem Tisch ist unsere Seele, verlassen und mutterlos, obwohl die Dreiecksform des Hofes und die Runde des Tisches eine gewisse Mütterlichkeit andeutet und obwohl wir frisches Grün sehen, ist doch die moosgrüne Bodenfarbe eher ein Hinweis auf schmerzhafte Strukturen der Psyche: Moder, Verfall, Besetzung durch Fremdeinflüsse! Wie sollen wir hier wachsen und gedeihen?

    Und dann der Zwerg! Wird hier auf das Spielerische, Leichte hingewiesne, das Schalkhafte oder gar das Koboldhafte? Ist da eine Allegorie zu den Heinzelmännchen zu finden? Oder bleibt es am Ende doch nur Symbol der Kleinbürgerlichkeit?
    Wo ist Halt? Wo ist Schutz? Gibt es ein Entkommen aus diesem tristen Dasein im Moloch der Metropole (deren Name ja auch von Mutter kommt, altgriech. Metropolis=Mutterstadt!)?

    Viele Fragen bleiben offen….einstweilen sage ich: Thanks for sharing!

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  2. *lach* ja, jetzt, wo Du es sagst, seh ich es auch.

    Und man darf natürlich den politischen Aspekt nicht vergessen: Was wir da sehen, ist die „Außenzelle“ des in den Strukturen eines unmenschlichen Ausbeutersystems gefangenen Proletariers, eine Zelle, die er sich zudem selbst (!) eingerichtet hat mit den spärlichen Insignien einer hegemonial-kapitalistischen Kultur, bildhaft verstärkt durch die mickrige Toppflanze, die die Verkümmerung seiner natürlichen Anlagen symbolisiert. Der Gartenzwerg, an sich schon eine Verhöhnung der ästhetischen Bedürfnisse des „kleinen“ Mannes durch das Großkapital (mehr Schmuck wird ihm nicht zugestanden), ist elektrifiziert: Die Funzel, die in seiner Hand leuchtet, ist eine zynische Allegorie auf die Zukunft, die der Proletarier noch vor sich hat: Nicht viel! Ein winziger Hoffnungsschimmer bleibt: Wird der Unterdrückte seinen Blick heben und die sanft revolutionäre Respektlosigkeit des mauernüberwindenden Astes entdecken?
    Ein ganz stark sozialkritisches Werk, für das dem Künstler ein vorderer Platz beim „World-Blogphoto-Award“ sicher sein dürfte!

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  3. Vergiß nicht, wie der ökologische Aspekt der Stadtbegrünung hier adabsurdum geführt wird. Statt lebendiger Dachgartenbiotope vermooste Hinterhofparzelle, statt Terrakotta Gartenkübeln mit ausladenen Palmen, eine dahin vegetierende Topfpflanze, statt FSC-geschützten Wohngartenensembles ein Gestühl wie aus einer Eisdielen der späten 50er Jahre.
    Und der Zwerg! Der endgültige Todesstoß aus dem gärtnerischen Paradies direkt in die urbane Hölle.
    Eine größere Verlorenheit kann es gar nicht geben! Dennoch großartig, ich bescheinige dem Fotografen eine leuchtende Zukunft als kritischer Stadtchroniker!

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  4. Genau.
    Apropos urban: Der Verweis auf Fritz Langs Meisterwerk „Metropolis“ ist absolut evident, also jetzt besonders in filmästhetischer Hinsicht, die Darstellung der Unterdrückung alles Lebendigen durch die Epiphanie des Technischen, Du verstehst: Der elektrische Zwerg.

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  5. Absolut, das ist es ja, was mir so Angst macht, you know, wie sich die Kreise schließen. Ist dir nicht auch sofort aufgefallen, wie sehr der Hof doch an an „Dinner party“ von Judy Chicago erinnert?! Natürlich der blanke Hohn, das ist ein offener Angriff auf den Feminismus, der Künstler wird noch von mir hören!

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  6. Also, da muß ich jetzt aber mal ausdrücklich widersprechen. Nach der Lehre des Diskordianismus sind ausdrücklich auch Frauen als Päpste zugelassen, wie ich gerade gelernt habe, ob nun mit Beleuchtung oder ohne!

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