Venloer Str.

Polizei! CIA! FBI! Ich hab ihn, da isser: Der angekündigte Taliban auf dem Weihnachtsmarkt! Schnell schnell! Ergreift ihn, bevor er seinen Koffer abstellt!

Ich habe ihn gleich erkannt, schließlich hat nicht jeder einen schwarzen Balken vor den Augen. Falls man mir die Ehrenbürgerwürde antragen möchte: Bitte. Ich steh im Telefonbuch.

Was?! Das ist gar nicht … sondern der ehrenwerte Herr Mokthar aus Hennef, der auf dem Weihnachtsmarkt am Stadtgarten einen Stand betreibt und dort Olivenholzartikel und Parfüm anbietet? Aber … aber … na gut. Nichts für ungut. Aber ich bleibe wachsam. Dahinten hat sich noch jemand merkwürdig verhalten: Der hatte eine rote Zipfelmütze auf dem Kopf!

Wallraf-Richartz-Museum

Neulich war wieder mal lange Museumsnacht. Das ist nett, wenn man nicht unbedingt da hingeht, wo alle hingehen, jedenfalls nicht zur selben Zeit. Spät erst waren wir im Wallraf-Richartz-Museum. Das war zwar immer noch voll, aber die Reihen lichteten sich. „Auf Leben und Tod“ heißt die interessante Ausstellung, in der Fotografien neben Gemälden hängen. Der Tod darf natürlich in der Werbung nicht vorkommen, sonst hieße es analog: „Lebe Ramazzotti und stirb.“ Aber wer würde das dann noch trinken?

Wir trinken lieber Bier und Kakao im Museumscafé, Platz genug ist inzwischen.

Der Umgang des Museums mit seinen Meisterwerken ist recht respektlos – in gutem Sinne, finde ich, denn warum soll man etwas anstaunen, nur weil Museumsautoritäten einem das sagen? Da braucht man noch Deko fürs Café? Da wird einfach ein Ausschnitt von einem Hodler-Bild abfotografiert, ins Monumentale aufgeblasen und an die Wand gehängt. Bitteschön! Wer das Original sehen will: Kein Problem, Eintritt zahlen, schon ist man drin. Und hinterher kann man sich noch eine Tasse mit dem selben Motiv kaufen.

Weihnachtsstimmung in der Innenstadt

Früh wird in der Stadt versucht, weihnachtliche Stimmung zu erzeugen. Geld muß in den Umlauf gebracht werden, damit die Wirtschaft brummt, die Unternehmen denken da in erster Linie natürlich an die Arbeitsplätze, das weiß man ja. Der zugige Roncalliplatz am Dom versucht es diesmal mit dem ganz dicken Kitschhammer.

Die Werbung der französischen Zigarettenfirma wirkt irgendwie deplatziert: Hundert Jahre Freiheit, die darin besteht, oben und unten qualmend auf einem Moped durch die Gegend zu knattern? In der Adventszeit? Bei dieser A…kälte?? Ohne mich, so blöd ist ja nichtmal ein Globaltrottel. Außerdem stell ich mir Freiheit anders vor …

… nämlich so: Diese Herren-Butike weiß, was freie Männer brauchen. Wer hier seinen Anzug samt Seidenschal kauft, ist der 1000-PS-Freiheit schon ein wesentliches Stück näher. Der Mann von Welt trägtfährt heute Maserati! (Ein Moped! – nicht zu fassen)

Wer mir unbedingt was zu Weihnachten schenken will: Ein gutes Buch kommt immer gut an. Aber bitte nicht aus diesem Regal. Sind das eigentlich noch die Nachwehen von Harry Potter, daß Fantasy-Literatur so hoch im Kurs steht? Aber jeder, wie er will, ich finde z.B. die Bücher der Brüder Strugatzki (unten rechts) wirklich gut.

Partyschiff am Rheinufer

An eine Karte für diese Veranstaltung auf dem Partyschiff war leider gar nicht zu denken, wenn man nicht dazu gehörte. Gut, der erste Teil des Abends, das kennt man: Erst spult die Gruppe „Sabbelschnüss & Schliemdresser“ ihr Programm ab, das „Goldene Rollo“ am Band wird vergeben für den höchsten Umsatz und neue Technologie in Form eines sprechenden Sonnenschutzes weist den Weg in eine erfolgreiche Zukunft – neben der Erledigung der üblichen Aufgaben wird man mit ihm die Auswirkungen der kantischen Urteilskraft diskutieren können. Dazu wird Kölsch-Bier und „Himmel un Ääd“ (Blutwurst) gereicht, oder „Halver Hahn“ (Gouda-Käse). Nach Mitternacht beginnt dann endlich, endlich die karibische Nacht. Zu exotischen Longdrinks und heißen Rhythmen zieht die nicht minder heiße dunkelhäutige Tänzerin Coco die Lamellen ihres Jalousiekleides einzeln vom Leib. Von diesem Ereignis wird der Rolladen- und Sonnenschutz-Fachverkäufer noch das ganze Jahr zehren, bis es wieder heißt: „Dagedeeve, Sackjeseechter, Kappesköppe: Willkommen!“

Anna-Schneider-Steig

Schnappschüsse am selben Ort: Arbeit und Vergnügen an einem Sonntagnachmittag. Aber was ist was? Während die einen sich an einer ritualisierten Form des Feierns abarbeiten müssen, spielt der andere mit dem Wasserschlauch und kriegt noch Geld dafür. Alles eine Frage der Perspektive.

Weißenburgstr./Dürener Str.

Im „hillijen“ Köln nicht anders als im ganzen katholischen Rheinland ist es beliebt, sein Haus unter das Patronat eines oder einer Heiligen zu stellen. Besonders gern wird diese Frau mit Kind genommen, das Gründungspersonal eines ‚Global Players‘, wie man heute sagt, die zu dem Zeitpunkt vor gut 2000 Jahren noch nicht wußten, wozu man ihren Namen mißbrauchen würde. Der vermeintliche Schutz eines Hauses ist ja aber eine eher harmlose Nutzung.

Es geht auch anders: Wer sagt, daß es immer Heilige sein müssen?

Im Hauptbahnhof

Nach der bahnbrechenden Bezeichnung „WC Center“ im Deutzer Bahnhof kann man im Hauptbahnhof natürlich nicht nachstehen: „McClean“ heißt das stille Örtchen hier, und für 7 Euro kann man sogar duschen. Pinkeln kostet aufgrund der besseren Lage 1 Euro – das kennt man, ein Hamburger bei der anderen Mc-Firma kostet genau so viel. Böse Zungen behaupten, in beiden Geschäften gehe um das selbe Erzeugnis … das ist aber sehr unappetitlich, und außerdem auch ungerecht: In Dung stecken sehr viele wertvolle Mineralien.

Kyffhäuser Str.

Wieder mal ein Beispiel aus der Reihe „Lustige Schaufenster“. Wofür wird hier geworben? Pistolen? Deutschland rüstet auf, der Krieg, der bisher so hübsch weit weg stattfindet, schwappt ins eigene Land, der Innenminister und seine Kollegen aus den Bundesländern nennen das „Terror“. Das macht man so, die Amerikaner haben das vorgemacht: Erst marschiert man bis an die Zähne bewaffnet in Länder ein, weil dort angeblich Terroristen sind, und wenn sich herausstellt, die sind da gar nicht, na ja, dann sind eben all die anderen in dem Land Terroristen, schließlich schießen die auf einen. Und nun muß sich jeder Bürger bewaffnen, wie damals im Wilden Westen?

Nein, eigentlich kaum vorstellbar.

Die, die da im Schaufenster aufeinander schießen, sind ja unsichtbar, wahrscheinlich ist das nur ein Bild für die unsichtbare Gefahr im Verborgenen: Aus dem Internet! Dem Telefon!!

„Weißt Du, ich schicke Bombe zu deutsche Bundeskanzlerin.“ „Ach – super! Wann denn?“ „Ich glaube, morgen, ich muß noch Packpapier besorgen, weißt Du, Geschäft hat geschlossen heute.“

Ein solches Terroristengespräch am Telefon würden unsere Geheimdienste natürlich gern mithören, das ist doch nachvollziehbar, deshalb müssen alle Telefongespräche aufgezeichnet und alle Emails gespeichert werden, damit man wenigstens hinterher, nach der Explosion, weiß, wer es wahrscheinlich gewesen ist – vorausgesetzt natürlich, die haben das Gespräch in Deutschland geführt, bevor sie in den Jemen reisen, um den Plan da in die Tat umzusetzen.
Was ist eigentlich, wenn jemand einen Brief schreibt, so wie früher auf Papier: „Lieber Ali, ich hoffe, es geh Dir gut. Hier ist schönes Wetter. Kannst Du mir vielleicht einen Zünder besorgen? Den Sprengstoff habe ich schon von Hassan. Dir ganz liebe Grüße, und der Oma auch, und ein schönes Wochenende, Dein Mustafa.“ Also, sowas wüßte man doch auch gerne vorher. Da reißt man am besten in der Post alle Briefe auf und scannt sie ein, bevor sie an den Empfänger gehen.
Obwohl, das macht natürlich verdammt viel Arbeit, und dann ist da ja noch das lästige Briefgeheimnis – besser ist, dem Empfänger eine Email zu senden, daß da ein Brief für ihn angekommen ist, und der muß ihn dann persönlich vor den Augen eines Postbeamten öffnen und laut vorlesen. Das wird dann aufgenommen und mindestens ein halbes Jahr gespeichert. Ja – so geht’s, mit solchen Maßnahmen ist der Krieg so gut wie gewonnen.

PS: Angeblich werden in dem Laden Goldschmiedearbeiten hergestellt und Brillendesign entworfen … hallo??! Da stimmt doch was nicht. Herr de Maizière, übernehmen Sie!

MaxCologne, Deutz

Ah – viele neue Wohnungen entstehen hier in zentraler Lage, der Wohnungsmarkt wird entlastet, die Mieten werden billiger, ein würdevolles Wohnen in der Stadt wird für alle möglich …

… träum weiter, Videbitis! Was hier schon von Anfang an war und in aufgemotzter Form wieder wird: Büroräume. Mitten in der Stadt, am Fluß gelegen, deshalb lohnt sich die Kernsanierung. Große Firmen, sogenannte „Global Player“, die nichts herstellen außer Geld und ihre Zirkulation, protzen wenigsten mit ihrer Niederlassung und einem Blick auf den Dom, wenn sie außer Zahlen sonst schon nichts vorzuweisen haben (das habe ich mir nicht ausgedacht, das sagte neulich so ähnlich der Leiter eines solchen Dienstleistungsbetriebes, allerdings benutzte er nicht das Wort „protzen“).

Im Hochhaus auf 22 Etagen, im niedrigeren auf 11, kann der Interessent bis zu insgesamt 45.000 m² mieten, 1.900 m² pro Etage. 2012 soll es fertig sein.

So sah das alte Lufthansagebäude früher aus. 1969 direkt gegenüber der Kölner Altstadt gebaut, war es in meinen Augen schon immer ein Schandfleck, ein Negativbeispiel par excellence für verfehlte Stadtarchitektur. Ich befürchte, das wird sich auch in Zukunft nicht ändern:


Bild: Hochtief/Worring, ksta