Graeffstr.

Das Herkuleshaus ist nicht etwa die 13. Arbeit eines starken Mannes, sondern heißt so, weil es in der Nähe der Herkulesstr. liegt. 1973 wurde es fertiggestellt, und das sieht man ihm auch an: Eine solche Farbgestaltung würde heute kein Architekt mehr durchsetzen können. Auf den 31 Stockwerken sind immer mal wieder Wohnungen frei, auf den schnellen Blick via Google aber hauptsächlich 1-Zimmerwohnungen von 34 m² für 450 Euro. Dafür gibt es einen 24-Stunden-Pförtner, einen Kiosk, Schwimmbad- und Sauna-Benutzung. In was für einem Zustand das alles ist, weiß ich allerdings nicht.

Hochwasser

„Das Team der Hochwasserschutzzentrale wünscht Ihnen eine tolle Woche.“ ist auf ihrer Seite zu lesen. Das ist nett. Der Pegel des Rheins steigt stündlich ca. 3 cm, im Moment steht er bei 8,75 Meter, und voraussichtlich soll Dienstag mit 9 Metern der Höchststand erreicht sein. In ca. 24 Stunden à 3 cm, plus 8,75 m … euch auch tolle Tage, liebe Leute von der Hochwasserschutzzentrale. Wieviele Kölsch waren es denn gestern abend?
Die Promenade ist bereits abgesperrt, aber zu schlimmeren Überschwemmungen wird es wohl nicht kommen.

Die am Kai des Rheinauhafens liegenden Schiffe, von denen man sonst allenfalls die Takelage sieht, rücken den Anwohnern noch dichter auf die Pelle. Wer hier wohnt, hat tief in die Tasche gegriffen, um einen freien Blick auf den Rhein in exklusiver Lage zu genießen. Dummerweise ankern hier bereits seit 1898 Schiffe, und bis die angelegt und alles vetäut haben, produzieren sie jede Menge Lärm und Dieselabgase. Verständlicherweise paßt das den betuchten Anwohnern nicht – also setzt man sich zusammen und bespricht, wie das Problem zu lösen ist … so würden das jedenfalls vernünftige Menschen machen. Was passierte hier? Die Anwohner bewarfen die Schiffe nachts mit Tomaten, rohen Eiern und Gurken, und es soll auch schon mal ein Schuß aus einem Luftgewehr zu hören gewesen sein, Lösungswege der gehobenen Klasse. Danke für das Beispiel, wenn das nächste Mal ein Brummi an meinem Haus vorbeifährt, weiß ich, was ich zu tun habe.

Winter adé?

So, das war es jetzt. Kinder, wißt ihr noch, vor ein paar Tagen erst, alles zugedeckt von einer kalten weißen Schicht. Schön, aber Vergangenheit – wenden wir uns dem Sommer zu. Wo sind die Picknick-Gläser? Das Jahr soll bunt werden!

Balanceakt über dem Rhein

Die Balance zu finden und auch zu halten ist ja grundsätzlich erstmal positiv und eignet sich hervorragend als guter Vorsatz für das neue Jahr. Wer Hilfe dabei braucht, kann sich auch für einiges Geld entsprechende Ratgeber im Buchhandel kaufen, die heißen dann „30 Minuten für deine Work-Life-Balance“ oder „Metabolic Balance Gourmetküche“ – aber ob sie einem wirklich helfen? Es gibt ja auch Entspannungstechniken, die man z.B. jeden Tag zwischen 16.00 Uhr und 16.30 Uhr durchführen kann, sofern es der Terminkalender zuläßt. Unter einem entspannten Leben verstehe ich allerdings etwas anderes: Entspannung ist erst dann von größtem Nutzen, wenn sie bar jeder Nützlichkeitserwägung gewonnen wird.

Die perfekte Balance kann man auch dadurch erreichen, daß man seinen linken Fuß fest verschraubt, den Rest des Körpers austariert und in dieser Haltung erstarrt. Daß das nicht gesund ist, weiß jedes Kind. Seine Balance zu finden kann also nur bedeuten, in Bewegung zu sein. Das Leben pendelt: Zwischen angenehm und unangenehm, Trübheit und guter Laune, Niedergeschlagenheit und Glück. Schlägt das Pendel zur positiven Seite, braucht man sich keine Sorgen zu machen über die Balance: Die weniger gute Zeit kommt von ganz allein, und alles ist im schönsten Gleichgewicht. Schwieriger ist es, aus einem Tief wieder herauszukommen (das ist die Stunde der wohlfeilen Ratgeber), aber wenn man es als das ansieht, was es ist und nicht aufgibt, schlägt das Pendel irgendwann wieder in die andere Richtung.

Aussichten

Wenn die Weihnachtszeit endlich erreicht ist, hat das nur Vorteile: Die kitschige Beleuchtung wird nun bald wieder ausgestellt.

Die vermaledeiten Heizpilze können eingemottet werden, weil die Leute ihren Glühwein wieder inhäusig trinken – wenn sie überhaupt noch welchen trinken, eigentlich kann man ja froh sein, das man den guten Roten endlich wieder so zu sich nehmen kann, wie es sich gehört: Ungezuckert und leicht gekühlt.

StudentInnen können wieder einen würdevolleren Job annehmen.

Und die Musik, die in aller Öffentlichkeit Passanten belästigt, wird endlich endlich abneh … bald vom Karneval beherrscht. Oh Graus!

Stadt im Schnee

Mist – wo ist man Fahrrad? Egal, es ist eh zu gefährlich zum Fahren.

Mein Fahrzeug scheint nicht das einzige zu sein, daß Schwierigkeiten mit dem Vorwärtskommen hat. Im Hauptbahnhof fährt kaum ein Zug pünktlich.

Und auch das Laufen ist mehr ein Rutschen, anstrengend. Aber was soll’s, wenn man nur langsam vorankommt, hat man um so mehr Zeit, sich über die Stromverschwendung zu wundern.

In der Fußgängerzone sitzt tatsächlich jemand bei ca. null Grad am Klavier und spielt Musik von Richard Clayderman. Verrückt!

Nicht so voll wie sonst am Wochenende, der Weihnachtsmarkt. In den letzten Jahren waren jeweils 10 Millionen Menschen in Köln, um die Märkte zu besuchen, sogar aus England sind sie angereist. Ich nehme an, in diesem Jahr werden es weniger.

Eine Betriebsweihnachtsfeier

… kann manchmal sehr öde sein: Der Chef kommt nur, wenn er eine Weihnachtsgeschichte vorlesen darf, was man ihm natürlich nicht verwehren kann. Bevor man also zugreifen darf zum Glühwein aus dem Tetrapack von Aldi und den Keksen von einem anderen Supermarkt, muß man sich eine rührselige Geschichte anhören, mit der Heinz Rühmann und andere vor gefühlten einhundert Jahren ebenfalls schon genervt haben. Immerhin hatten die eine Sprecherausbildung. Danach darf der Sohn irgendeiner Sekretären auf der Hammond-Orgel Odufröhliche spielen. Wenn man keine Kollegen dabei hat, die auch Spaß am Lästern haben, ist sowas grauenhaft.

Aber es geht auch anders: KollegInnen einer Abteilung treffen sich, jeder hat was Leckeres mitgebracht. Man sitzt an einem Tisch, Prosecco sorgt für angeregte lustige Gespräche und man probiert sich durch alle Speisen, die alle – keiner wollte sich lumpen lassen – ausgezeichnet sind. So war es bei mir am letzten Samstag.

Zwei Tage später waren von neun Leuten sieben krank, alle Magen-Darm. Die Attentäter konnten noch nicht ermittelt werden. In den Fokus der argwöhnischen Aufmerksamkeit gerieten natürlich sofort die beiden Nicht-Erkrankten, aber als alter Krimi-Fan kann ich versichern: Die Verdächtigsten sind garantiert unschuldig. Der Fall bleibt ungelöst. Ob allerdings im nächsten Jahr wieder so eine Feier stattfindet? Man wird sehen. Abwarten, was zwischendurch passiert.

Passend zu dieser schönen Geschichte aus der Reihe „Besinnliches zur Adventszeit“ ein Winterfoto von meinem Hinterhof.

Ehrenstr./Brüsseler Str.

Graffiti sind in der Großstadt immer noch ein großes Thema: Als Teil der Jugendkultur greifen Firmen diese Kunst auf, um ihre Sachen zu verkaufen. In Berlin veranstaltet Adidas Stadtführungen zu Streetart und installiert im Netz einen „Urban art guide“ – das Muster kennt man spätestens seit der Entwicklung der Pop-Musik und allem, was damit zusammenhängt: Subkulturelle Erscheinungen werden von der Wirtschaft aufgegriffen, um Geld damit zu verdienen.

Die Gefahr, daß Graffiti-Kunst komplett kommerzialisiert wird, ist allerdings relativ gering. Wenn sie nämlich ohne Erlaubnis angebracht wird, fühlen sich Hauseigentümer in ihrem Recht auf Privateigentum verletzt und reagieren sauer. Aber: Jedes Haus gehört irgendjemandem, die Stadtbewohner sind aber zumeist Mieter. Wem gehört die Stadt: Denen, die die Häuser besitzen, oder denen, die in ihr wohnen? Sind Mieter nur Gäste in ihrer Stadt? Ist Öffentlichkeit und Umwelt in Privatbesitz? Die Häuser, so die Argumentation vieler Streetartisten, mögen in privatem Besitz sein, die öffentliche Umwelt aber, die sie erzeugen, gehört uns genauso. Also gestalten wir sie mit.
Leider nicht immer mit glücklicher Hand, ich kann den Zorn, der sich in dem kleinen Plakat äußert, verstehen, denn es hängt hier:

Nur, weil einer einen Stift halten kann, macht ihn das noch nicht zum Künstler. „Kuck mal, ich kann einen Buchstaben schreiben!“ – oder was soll uns das sagen? Anders natürlich das Klebegraffito unten rechts: Die künstlerische Umsetzung eines Zeitphänomens.

Wer noch mehr küstlerische Graffiti sehen will, empfehle ich mein anderes Blog.