Ja, so will der Mann von heute sein: Abschreckend, angsteinflößend, respektgebietend, potent, wie einst der Häuptling der Neandertaler, eine stolze Einheit von Gefühl und Verstand (der entsprechend angepaßt ist, also kauen und schlucken). Hungrig-aggressiv sucht er nach dem nächsten Wildtier Weib … Hamburger, das Wild in seiner kultivierten Form.
Als ich in Berlin war, habe ich einen Soja-Burger gegessen, ganz ehrlich: Der schmeckte nicht im Geringsten anders als ein Rindfleischburger. Auf die blutunterlaufenen Augen muß man allerdings verzichten.
Schlagwort: Köln
Sonne, immerhin!
Die Frühlingskirmes läuft schon seit einer Woche, also muß doch schon Frühling sein! Also kann man die Liegestühle auch schon mal aufstellen.
Und tatsächlich, in der Sonne ließ es sich gestern schon gut aushalten, auch wenn man gut geraten war, die Pudelmütze noch dabei zu haben.
An Baden im Rhein in natürlich noch nicht zu denken, es sei denn, man möchte die Haie füttern.
Richmodstr.
Auf den ersten Blick habe ich das so verstanden, daß bereits zu 80 Prozent der Frühling da ist – weit gefehlt, über die Hälfte der Witterung erscheint mir doch noch sehr winterlich. Aber wie heißt es in dem Gedicht „Hoffnung“ von Emanuel Geibel:
„Und dräut der Winter noch so sehr
Mit trotzigen Gebärden,
Und streut er Eis und Schnee umher,
Es muß d o c h Frühling werden.“
Samstag würde mir passen. Spätestens Sonntag.
PS: Von Blogfeundin maranaz3 geklaut, das ganze Gedicht kann man hier im 1. Kommentar lesen.
Am Dom
Ein 50-köpfiger Chor irgendeiner christlichen Sekte singt fromme Lieder – nicht sehr schön, aber der Wille zählt. „Jesus ist auferstanden“, steht auf dem Aktenkoffer. Aha. Und – wo ist er? Hier jedenfalls nicht, vielleicht gerade unterwegs, auf Geschäftsreise oder Tournee, man weiß es nicht. „Jesus Christus, deine einzige Chance“, steht auf einem Banner, aber der Herr links will sich lieber nicht darauf verlassen und bittet um eine milde Gabe. An den richtet sich der missionarische Eifer der zumeist jungen Sängerinnen ja auch gar nicht, es geht nicht ums Materielle, Essen und so’n Quatsch, sondern um die gottlosen Seelen der Satten, die es zu retten gilt. Die, die Hunger schieben und frieren – tja, da kann man nichts machen. Und noch ’n Lied, zwo, drei, vier …
Ostern
Ostern, da gibt es Papst satt im Fernsehen. Die Medien sind ja sowieso schon ganz besoffen von diesem neuen Franziskus, weil er aussieht wie ein netter Opa, der der versammelten Gemeinde zum Mittag einen guten Appetit wünscht. Na bravo, sowas hatte man schon länger nicht mehr, da spende ich auch gern vier Heiligenscheine. Allerdings ist er nicht weniger erzkonservativ in Sachen Sex und Frauen als seine Vorgänger, aber was soll’s, hauptsache er lächelt gütig.
Die Hasen stehen derweil vor der Speisekarte und preisen ihre Keulen an, aber so richtig will das Geschäft mit der Außengastronomie nicht laufen. Ein paar unermüdliche Raucher lassen sich von den Temperaturen knapp über Null aber nicht abschrecken.
Feiertag
Gern würde ich ja mal wieder tanzen gehen. Allerdings sind „Ü-50-Parties“ (das Ü steht für „Über“, keine Ahnung, warum man das abkürzt), auf denen nicht Walzer oder Abba, sondern Pink Floyd, Genesis oder Zappa gespielt werden, sehr selten. Selbst wenn ich heute, an einem günstigerweise arbeitsfreien Tag, eine solche Party finden würde, wäre sie verboten: Mit bis zu 10.000 Euro Strafe muß ein Veranstalter rechnen, der das Stillegebot an einem Karfreitag mißachtet. Dazu gehört auch, daß z.B. der Film „Das Leben des Brian“ heute nicht öffentlich aufgeführt werden darf, es könnte ja sein, daß sich ein Christ zufällig in das Kino verirrt, unbewußt Eintritt bezahlt und dann gezwungen wird, sich einen Film anzusehen, der ihn zu Erkenntnissen führt, vor denen er schon sein ganzes Leben lang davongelaufen ist. So nicht!
Das Stillegebot gilt natürlich nicht für das Läuten von Glocken von morgens bis abends in all den Tausenden Kirchen überall auf der Welt, und auch nicht für das Singen geistlicher Lieder. So heißt es in einem Lied eines gewissen Martin Luther:
„Hier ist das rechte Osterlamm, [gemeint ist Jesus]
Davon Gott hat geboten,
Das ist hoch an des Kreuzes Stamm
In heißer Lieb gebraten,
[…]
So feiren wir das hohe Fest
Mit Herzensfreud und Wonne, […]“
Gebraten? Mit Knoblauch in Rotwein-Gemüsesoße? Da reibt der Christ sich die Hände und freut sich schon auf den leckeren Sonntagsschmaus.
Die übrigen 32 Millionen nicht-christlichen Bundesbürger (ca. 40 % der Gesamtbevölkerung) dürfen natürlich auch ihren Hintern rhytmisch hin und her bewegen, aber nur zu Hause hinter heruntergelassenen Jalousien und mit Kopfhörern. Oder hier bei mir:
PS: Die Fotos unten habe ich in der Ausstellung „Ralf König: Das Ursula-Projekt“ gemacht.
Heureka!
Seit ein paar Tagen bin ich wieder mal krank, nichts Ernstes, eine Erkältung, vermutlich denken meine Atemwege, es wäre schon wieder Winter und deshalb mal wieder soweit. Ich liege also mit gedämpftem Denken auf dem Sofa, passend dazu läuft das TV, da entsteht ganz wie von selbst eine tolle Geschäftsidee:
Ich gründe eine Bank! Jeder, der will, kann bei mir ein Konto mieten (im Moment habe ich nur welche in Schwarz, aber ich kann auch andere Farben besorgen, sogar geringelt). Gut, Zinsen gibt es keine, aber dafür kann man sicher sein, daß sich keine EU-Kommission oder Bundesregierung daran bedient. Die Mietkosten bitte ich in Kuchen-Währung zu begleichen.
Neumarkt
Ich versuche ja immer sehr zurückhaltend zu fotografieren, auf dem Trödel „Lifestyle-Markt“ hat mich nun doch jemand zurechtgewiesen: „Normalerweise fragt man, wenn man fotografiert!“ Was nicht stimmt, normalerweise frage ich nie. „Aber wir sind hier in der Öffentlichkeit“, antwortete ich. Sie: „Das ist aber MEIN Eigentum!“ „Wenn Sie IHR Eigentum in die Öffentlichkeit stellen, müssen Sie damit rechnen, daß man es sieht und fotografiert“, widersprach ich – nicht, sondern schwieg einfach, denn ich wollte auf keinen Fall eine Eskalation. Außerdem meinte sie ja eigentlich folgendes: „Ich bin heute mitten in der Nacht aufgestanden, habe in aller Früh den Stand aufgebaut und für teuer Geld gemietet, hocke hier schon seit Stunden bei ein paar Grad über Null und friere mir den Arsch ab, kaum Besucher, kein Schwein kauft was, und da kommst du kleiner Wichser und verwandelst meine sorgsam polierten Waren mit deinem Apparat in Fotomotive?! Und was habe ich davon?!“ Und vielleicht hätte ich geantwortet: „Der Warenwert entfremdet den Menschen sowieso von den Produkten seiner Arbeit und seiner Kreativität, er hat Fetischcharakter …“ – dann hätte sie das Bild (unten) nach mir geworfen und mir hinterhergeschrien, solche Sauereien bräuchte sie sich nicht auch noch unterstellen zu lassen usw. Gut, daß ich rechtzeitig meinen Mund gehalten habe.
Tatsächlich hatte ich es genau auf dieses Bild abgesehen, eine Dame vor einem Spiegel.
Retro-Stil ist total in. Ich blättere auch gern in Abbildungen alter Stiche von Kölner Vorkriegansichten, oder Postkarten aus den Anfangszeiten der Fotografie.
Da sieht man mich sitzen, wie ich ganz vertieft bin … okay, geschwindelt, daß ist ein Händler, der wahrscheinlich prüft, ob was von Wert dabei ist.
Und wertvoll kann alles sein: Wer geschickt ist, bastelt da wieder Körper dran, und schon hat man zwei echte neu-alte Puppen. Was man dann damit macht? Keine Ahnung. Sammeln?
Lindenstr.
Im Notfall geht’s nach links …
… und dann geradeaus, direkt unter Buddhas freundlichem Blick.
Wir sind im „Buddha’s Eye“, einem nepalesisch-tibetischen Restaurant gleich bei mir um die Ecke. Ich gehe gern asiatisch essen, aber das hier war nicht besonders, der Linsensuppe fehlte es an Würze, und die Ente war … wie soll ich sagen: Schlank. Aber die Bedienung ist nett, und der bunte Krimskrams ist lustig.

