
Interviewer: Herr Videbitis, dies ist Ihr 1.000. Eintrag über Köln, herzlichen Glückwunsch!
Videbitis: Danke.
I.: Man weiß gar nicht, wie Sie aussehen, Ihre Leser würde das doch sicherlich interessieren.
V.: Kann sein, aber das ist doch uninteressant. Ich bin nicht sehr eitel.
I.: Ja, das habe ich sofort … gesehen. Betrachten Sie sich eigentlich als Künstler?
V.: Aber nein. Wie kommen Sie darauf?
I.: Na ja, die Fotos …
V.: Ach so, nein, ich bin nur Zeitzeuge, und die Fotos dokumentieren, wie es zur Zeit in der Stadt aussieht, was es so alles gibt. Manchmal stelle ich mir vor, in der fernen Zukunft geht die halbe Welt unter, und das einzige Zeugnis, was es von Köln noch gibt, sind DVDs mit meinen Fotos. Da heißt es gewissenhaft sein.

I.: Und deshalb machen Sie so langweilige Einträge wie den über „Dunkin‘ Donut“?
V.: Ähhh … ja, genau. Wie gesagt: Ich dokumentiere Zeitphänomene.
I.: Ich habe hier mal einen Eintrag gelesen über Geschehnisse um 1288. Was hat das mit heute zu tun?
V.: Viel. Sie erklären – wenigsten zum Teil – das ressentimentgeladene Verhältnis zwischen Düsseldorf und Köln und werfen ein interessantes Licht auf die Beziehung zwischen Erzbischof und Bürger. Aber nochmal zu den Fotos: Auch wenn ich mich nicht als Künstler verstehe, gebe ich mir Mühe, gute Fotos zu machen.

I.: Ihr Blog besteht seit 2007, und tatsächlich kann man Fortschritte erkennen …
V.: Danke, das freut mich.
I.: … in der Entwicklung der Kameratechnik.
V.: Ja. Hm … Gut, stimmt schon, aber auf den Auslöser drücke immer noch ich.
I.: Sag‘ ich ja, Sie knipsen, den Rest macht die Maschine. Was haben Sie übrigens gegen die katholische Kirche?
V.: Ich knipse nicht!

I.: Stichwort Kirche: Sind Sie sehr katholisch?
V.: Nicht im Geringsten. Gegen die Kirche habe ich alles, was man gegen die Kirche haben sollte. Meinetwegen könnte man sie abschaffen, die Leute können doch auch an was anderes glauben, wenn es Ihnen hilft. Die 11.000 Euro, die Kardinal Meisner jeden Monat vom Land Nordrhein-Westfalen bekommt, sind ja wohl zum Fenster hinausgeworfen. Ich bin auch im Öffentlichen Dienst, wenn ich so reden würde wie der, wäre ich schon längst …
I.: Aber wenn es keine Kirchen mehr gibt, wo wollen Sie dann in Zukunft knipsen gehen, worüber wollen Sie sich aufre … heh! Lassen Sie das …
V.: ICH – KNIPSE – NICHT!
I.: Hilfeee! Ich kriege keine … Luft …

Leider mußte das Interview wegen einer plötzlichen Unpäßlichkeit des Interviewers zu diesem Zeitpunkt abgebrochen werden.