Köln im (Un-)Glück

Was für ein herrliches Wochenende das war. Ob nun hier im Stadtpark …

… oder im August-Sander-Park (der erst seit kurzem so heißt), überall konnte man entspannt die angenehme Sonne genießen und in einem der nahen Cafés bei Kaffee und Kuchen in der Zeitung lesen, wie grauslig es in der Welt zugeht.

Neulich wurde von einem Glücksatlas berichtet, in Auftrag gegeben von der Deutschen Post: Von 13 deutschen Großstädten belegt Köln den 12. Platz! In fast allen anderen Städten also haben die Bewohner eine höhere Gesamtzufriedenheit als hier. Und woran liegt das? Vielleicht daran, daß miesepetrige Zugezogene sich ständig überlegen, wie sie sich in ihren Blogeinträgen über Verwaltungs(fehl)entsscheidungen und irrsinnige Geldverschwendung mokieren können – während sie in den schönen Parks der Stadt spazieren gehen? Kein Wunder, daß das die Stimmung trübt.

Oder es liegt daran, daß die Paketzusteller der Deutschen Post hier besonders oft gar nicht erst klingeln, wenn sie ein Paket ausliefern sollen, sondern gleich die Benachrichtigung an die Haustür kleben. Eigentlich ist es Quatsch, daß sie die Pakete überhaupt bei sich haben, und die Benachrichtigung könnte auch als Email abgesetzt werden: „Leider haben wir Sie heute nicht angetroffen. Bitte holen Sie das Paket morgen zwischen 13.50 und 15.40 Uhr bei der Paketzentrale am entgegengesetzten Stadtrand ab.“ Obwohl, das ist ungerecht. UPS und wie die alle heißen, sind teilweise noch schlimmer: Als ich einmal bei der Hotmail eines solchen Paketzustellers anrief, um zu erfahren, wo ich das Paket denn nun abholen könne, da nur und ausschließlich während meiner häuslichen Abwesenheit ausgeliefert wurde („Samstags? Arbeiten wir nicht!“ – im Tonfall schwang der Satz mit: „Das wäre ja wohl noch schöner!!“): Sie konnte es mir nicht sagen, sie wußte es einfach nicht.

„Die Kölner verfügen über ein besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl, das jedoch für die Gesamtzufriedenheit der Einwohner eine eher nachrangige Rolle spielt“, heißt es in dem Glücksatlas. Mit Zusammengehörigkeitsgefühl kann ich leider auch nicht dienen, mir ist sowas grundsätzlich eher fremd, da bin ich froh, daß das das Gesamtergebnis nicht so sehr beeinflußt.
Rasend wie ein tollwütiges Eichhörnchen kann den Urkölner allerdings machen, daß eine Stadt in dem Glücksgefühlranking auf dem 2. Platz ist: Düsseldorf!! Das kann nicht sein, das sagen die doch nur, um Köln zu ärgern. Und schon ist die Stimmung gleich wieder um ein paar Grad gefallen, was sich negativ aufs nächste Ranking auswirken wird. Tja, da kommen wir jetzt nicht mehr heraus.

Holzmarkt

Der Philosoph Sokrates wurde (unter anderem) wegen seines angeblich verderblichen Einflusses auf die Jugend zum Tode verurteilt, obwohl er doch in Wirklichkeit Vernunft lehrte. Die Verderber der Jugend von heute mißbrauchen sie, indem sie ihre Unvernunft schüren und sie der Lächerlichkeit preisgeben, aus reiner Profitgier. Und statt des Schierlingsbechers bekommen sie auch noch Anerkennung dafür – gerecht ist das nicht. Gerechtigkeit ist nach Sokrates eine Voraussetzung des Seelenheils, das wiederum nur dann erreicht wird, wenn man mit sich im Reinen ist. Wer wegen fortgesetzt ungerechter Handlungen nicht mit sich im Reinen ist, wird – gemäß der sokratischen Lehre – nach seinem Tod wiedergeboren, weil er noch viel zu lernen hat, bevor er zu den Göttern kommen kann, je nach Schwere der Verfehlungen auch als Tier. Welches Tier die Macher solcher Sendungen einmal in einem späteren Leben sein werden, kann man nur mutmaßen, mir fällt kaum ein Tier ein, daß ohne Not so raffgierig ist. Vielleicht ein Virus?

Goldene Kammer

Das sind, man glaubt es kaum, Knochen, menschliche Knochen, die fein in Mosaiken an alle vier Wände genagelt wurden. Die „Goldene Kammer“, wie man diesen kleinen Raum nennt, befindet sich in St. Ursula, eine der 12 großen romanischen Kirchen Kölns, nicht weit vom Bahnhof entfernt.

Zur Heiligen Ursula habe ich schon mal etwas geschrieben, deshalb zitiere ich mich der Einfachheit halber selbst:
„Die Heilige Ursula von Köln, eine von drei Patronen der Stadt, war der Legende nach eine bretonische Königstochter, die, bevor sie den englischen Königssohn heiraten wollte, eine Pilgerfahrt nach Rom unternahm, erst mit dem Schiff nach Basel, dann weiter mit der Kutsche. Bei der Rückfahrt begleitete sie der Papst, nett, denn dann konnte man unterwegs den Bräutigam treffen, heiraten und schön feiern. Dazu kam es nicht, denn kurz vor Köln wurde die Reisegruppe von den Hunnen festgenommen und ermordet – angeblich wollte der Hunnenführer Ursula heiraten (kann man das glauben?), aber die sträubte sich, also wurde sie mit einem Pfeil erschossen, ebenso wie die 11 Jungfrauen in ihrer Begleitung.“

„Als man bei Köln im 12. Jahrhundert ein Gräberfeld entdeckte mit Knochen von einer unüberschaubaren Menge, wurden aus den 11 Jungfrauen irgendwie 11.000 – in einem Dokument war von „XI.M.V“ die Rede, was man mit „11 martyres virgines“ (=11 jungfräuliche Märtyrerinnen) oder auch mit „11 milia virgines“ (=11 Tausend Jungfrauen) übersetzen kann. Wie man inzwischen weiß, stammen die Knochen aus der Zeit der römischen Colonia, aber für das Geschäft mit den Reliquien war es natürlich viel besser, die Knochen alle als heilig zu deklarieren.“ (Zitat Ende)

Nachdem der Papst den schwunghaften Handel mit den Reliquien verboten hatte, dachte man sich in Köln etwas anderes aus: Man verkaufte nun nicht mehr die Knochen, sondern für viel Geld die Reliquiare, also Aufbewahrungsbüsten für Reliquien, und als Zugabe gab es ein paar Knochen „geschenkt“. Irgendwann ging das Geschäft wohl zurück, es blieben jedenfalls genug Gebeine übrig, um 1643 als Stiftung eines Politikers die „Goldene Kammer“ zu füllen.

Die Kammer ist nicht ständig geöffnet, aber wenn man Glück hat, erwischt man auch außerhalb der Öffnungszeiten jemanden, der einen kurz hineinläßt. Der Eintritt beträgt ein paar Euro, ob einem allerdings dafür auch Sünden erlassen werden, kann ich nicht garantieren.

Wetterbericht

Der Samstag so warm und sonnig wie im Sommer …

… selbst die Löwen schnurren selig im Blücherpark.

Am nächsten Tag: Voller Herbst. Kühl, regnerisch, diesig, wie hier am Stadtrand in Köln-Mengenich.

Auf der Domplatte führt man derweil seine Haustiere spazieren (wieso fällt mir das jetzt ein: Ist Herbstzeit nicht auch Schlachtzeit?).

Einheit

Der „Tag der Deutschen Einheit“ müßte eigentlich heißen: Tag des „Beitritts der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland“, denn das sind die Worte der Präsidentin der Volkskammer der DDR wenige Wochen vorm 3.10.1990.

Von dem Zeitpunkt an hatten alle ehemaligen DDR-Bürger die gleichen Pflichten wie die „Brüder und Schwestern“ aus der BRD, die gleichen Rechte lassen zum Teil heute noch auf sich warten. Als die Mauer weg war, hatte man nicht nur Reisefreiheit (sofern man sie sich leisten konnte), nein, auch in die andere Richtung konnten nun alle Gauner Geschäftsleute in den Osten Deutschlands reisen und den Bewohnern zeigen, mit welchen Tricks man seine Mitmenschen ausnehmen kann.

Aber das ist ja allgemein bekannt und regt selbst die Betroffenen nicht mehr auf. Möchte noch jemand ein Stück Jubiläumskuchen? Guten Appetit – und viel Spaß beim Kauen.

"Vergnügungs"-Steuer

1 Apfel plus 1 Apfel = 2 mal Apfel’s. Oder wie? Gut, man soll ja Äpfel nicht mit irgendwas anderem vergleichen. Und außerdem wollte ich was ganz anderes fragen:

Gedeiht in einer Stadt, die sich selbst „heilig“ nennt, die Sünde besonders gut?

Im Jahr 2003 ehob die Stadt Köln als erste deutsche Kommune eine sogenannte Sexsteuer, inzwischen sind viele andere Städte nachgezogen: Jede Prostituierte, die in einem geschlossenen Raum arbeitete, mußte pauschal 6 Euro pro Tag bezahlen. Dabei kamen jährlich im Durchschnitt 800.000 Euro zusammen, von denen man einige Flaschen Sekt für Einweihungsparties oder Spritgeld für den Dienstwagen des Oberbürgermeisters bezahlen konnte, eine echte Entlastung also für den gemeinen Kölner Steuerzahler. Zum Jahr 2013 änderte man das Vorgehen: Die Steuer wurde nun nach der Quadratmeteranzahl der tatsächlich genutzten Räume berechnet – wie durch ein Wunder sank die Sündenanfälligkeit der Kölner Bürger und der Gäste rapide, sodaß nur noch Einnahmen von 560.000 Euro zu verzeichnen waren. Da das nicht einmal die katholische Kirche glaubt, hat man nachgedacht in der Verwaltung – das macht man dort wirklich ungern, daher: Alle Hochachtung! – und ist darauf gekommen, daß der Rückgang der Einnahmen vielleicht daran liegen könnte, daß die Angaben über den Gebrauch der Sexzimmer von den Bordellbetreibern selbst kommen. Nun weiß man ja, daß Bordellbetreiber zu den ehrenwertesten Menschen überhaupt gehören, gleichzustellen mit Bischöfen, Pfaffen, Politikern etc., also viel vertrauenswürdiger sind als z.B. ein Gemüsehändler auf einem Wochenmarkt, dessen Quadratmeterbelegung selbstverständlich ausnahmlos kontrolliert wird – aber offensichtlich haben sie größere Rechenschwierigkeiten. Deshalb erleichtert ihnen die Verwaltung nun das Verfahren: Zukünftig soll ein pauschaler Betrag auf fast die gesamte Fläche des Etablissements erhoben werden. Man hat schon mal durchgerechnet: Es werden vermutlich wieder 800.000 Euro zusammenkommen.

Um auf die Frage am Anfang zurückzukommen: An zweiter Stelle der Einnahmen durch Sexsteuer steht die völlig unheilige Stadt Dortmund mit 530.000 Euro. Da Dortmund nur halb so viele Einwohner hat wie Köln, überflügelt die Stadt, gemessen an einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch an käuflichem Sex, Köln bei weitem.

Nun drängt sich allerdings noch eine Frage auf: Machen sich die Stadtverwaltungen, die ja Steuern auf Prostitution erheben, nicht zu Zuhältern? Das kann man ausdrücklich mit nein beantworten: Ein Zuhälter im besten Sinne (sofern man das überhaupt sagen kann) sorgt auch für Schutz für die Prostituierten, sollte ein Freier mal gewaltätig werden oder nicht zahlen wollen. Das macht die Stadt nicht, die kassiert nur.

Bonner Str.

Gibt’s hier was umsonst, oder wieso versperren die Schlangestehenden den Bürgersteig, so das man Mühe hat, daran vorbei zu kommen? Weit gefehlt – hier muß man sogar bezahlen, und zwar gar nicht wenig: Hier, in dem Imbiß „Fette Kuh“, gibt es angeblich den besten Hamburger der Stadt. Neulich habe ich in einer Kochsendung einen kleinen Testbericht über den Laden gesehen, das Resultat war vielversprechend: Das Fleisch kommt aus der Region, das Brot wird von einem Bäcker nach Absprache exklusiv hergestellt, die Salate sind frisch und die Soßen sind bis auf Senf und Ketchup alle hausgemacht. Und – alle Burger gibt es auch als Veggie-Version, interessant. Gern würde ich alles mal durchprobieren, allein, es fehlt die Zeit: Immer, wenn ich hier mal vorbeikomme, ist es so voll, das ist mir auch der er beste Hamburger nicht wert, daß ich eine halbe Stunde oder länger dafür anstehe.

Tageszeitung, Lokalteil, 1. Seite


Zeitungsausriß KStA vom 22.09.14

Tri tra trullala, Tri tra trullala – der Kasper der ist wieder da!
„Guten Tag meine Damen, guten Tag meine Herren!
Mögt ihr alle den Kasper gern?“ „JAAAAAAAAA!!“

Ich tanze lustig hin und her, jetzt ruf ich Euch den Seppel her: SEPPEL, SEPPEL!!
Wir schlagen uns und wir vertragen uns. Wir machen manch lustigen Streich.

Da ruf ich mir das Gretelein – wir wollen beide lustig sein! GRETEL!!!
Komm Gretelein, wir wollen uns des Lebens freun. Wir tanzen lustig trallera, jetzt sind wir beide wieder da.“

Spaß beiseite: Am letzten Wochenende wurde Kölns neuer Erzbischof Woelki in sein Amt eingeführt. In der 3-stündigen Veranstaltung im Dom waren anwesend: 4 Kardinäle, 30 Bischöfe, 20 Fahnenabordnungen, jede Menge Meßdiener und Meßdienerinnen (Berlin-Import, in Köln gibt’s solche Sauereien nicht), 4 Chöre, 1 Orchester, 1 NRW-Ministerpräsidentin, 1 NRW-Ministerpräsidentinvertreterin und noch ein paar Tausend andere Besucher. Elefanten und andere Zirkustiere wurden nicht gesichtet. Nach der Veranstaltung gab es auf dem Kirchvorplatz Freibier und Berliner umsonst – der neue Bischof ist gebürtiger Kölner, übrigens der erste in diesem Amt, und weiß, wie man sich beliebt macht. Vor der Veranstaltung allerdings frühstückte er zusammen mit Obdachlosen – da wußte er wohl noch nicht, daß allein die Kölner Diözese durch ihre teilweise dubios in Steuerparadiesen verschleierten Geschäfte einen jährlichen Kapitalzuwachs aus Zins- und Pachterträgen von ca. 46 Millionen hat (ohne Kirchensteuer) – und er persönlich ein Gehalt vom Land NRW in Höhe von ca. 11.000 Euro monatlich bekommt.

PS: Mit dieser Dokumentation kann man sich genau informieren: