Ausflug nach Berlin (3)

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Auch in Berlin wird fleißig gebaut, nicht nur in Hamburg, Köln und Stuttgart. Weil der Flughafen ja relativ weit draußen ist und der Besucher gar nichts mitkriegt von den regen Bautätigkeiten, hat man an strategisch wichtigen Punkten im Zentrum auch Baustellen errichtet. Gut, die Gebäude braucht man eigentlich nicht, aber das weiß der Gast ja nicht. Hier, auf dem Alexanderplatz zwischen Bahnhof und Fernsehturm, ist Platz, auf dem nichts steht, unerhört. Da in unmittelbarer Nähe schon ein paar tausend Geschäfte sind, kann man gut noch ein paar dazu bauen.

Im KaDeWe war man auch kreativ: Das Brandenburger Tor aus 50 kg feinstem Lübecker Marzipan. Mmh – da läuft einem das Wasser im Munde zusammen – und das ist ja auch der Zweck der Übung.

Mal eine Frage: Wofür genau soll jetzt das Anti-Aging-Mittel da sein? Für blendend weiße Knochen?

Da sage nochmal einer, die Jugend von heute hätte nur Blödsinn im Kopf, Ballerspiele und sowas. Das ist doch sehr poetisch, bravo!

Auch im Wald kann man mal Geld brauchen (in Wirklichkeit steht der Automat in einem Ubahntunnel, schön gesehen und fotografiert von meiner Begleiterin).

… wenn nämlich um die Ecke frische Quarkkeulchen angeboten werden. Fettig, aber sehr lecker.

Kneipenstimmung in Kreuzberg – es darf sogar geraucht werden. In NRW will man das Rauchverbot jetzt richtig streng durchsetzen. Hier stehen in vielen Kneipen die Aschenbecher immer noch auf den Tischen.

Fortsetzung folgt.

Ausflug nach Berlin (2)

Ein Bilderrätsel: Was ist das?
Kleiner Tipp: Über 1 Kilo Blattgold auf 35 Tonnen Bronze.

Viel Himmel zum Abheben, aber natürlich kann sie letztlich nur fallen, und das ist sie ja aus deutscher Sicht glücklicherweise auch: Viktoria, die Siegesgöttin.

Hier nun das ganze Denkmal: Die Siegessäule (oder „Goldelse“, wie der Volksmund sagt), 1873 zur Feier der deutschen Siege unter Bismarck und seiner Generäle Roon und Moltke, die am Rande auch noch als überdimensionierte „Helden“ herumstehen, errichtet, Siege in Kriegen gegen Dänemark, dann Österreich und schließlich Frankreich im Jahr 1871. Aus dieser Perspektive scheint die Siegesgöttin schon den Gruß zu entbieten, den man aus nationalsozialistischer Zeit kennt, tatsächlich hält sie aber einen Lorbeerkranz in der ausgestreckten Hand.

So, da gehen wir jetzt hoch.

Man muß nicht den vielbefahrenen sechsspurigen Ring überqueren, um zum Monument zu kommen, sondern geht durch einen Tunnel. Nachdem man 3 Euro Eintritt bezahlt hat, wird man durch eine Ausstellung mit Darstellungen von Nationaldenkmälern und -gebäuden geführt. Mir ist alles Nationale zuwider, dieses großkotzige Gehabe, deswegen reagiere ich eher mit Mißmut (das Nationalgefühl zeigt sich heutzutage, wenn Lena einen Gesangswettbewerb gewinnt, Joachim Löws Truppe Bälle im gegnerischen Tor versenkt oder „wir“ Papst werden, bzw. abdanken. Damals fand man es ehrenhaft, zu einer Nation zu gehören, die fremde Länder besetzt und ihre Bevölkerung dezimiert und ausrottet – es gibt keinen Grund, besonders stolz darauf zu sein, weder auf das eine, noch auf das andere).

Zu Anfang ist der Aufstieg noch recht gemütlich …

… das ändert sich aber sehr schnell, es ist so eng und steil, daß kaum zwei Leute aneinander vorbei kommen.

Und das ändert sich auch nicht, wenn man oben ankommt: Die umlaufende Aussichtsplattform ist nicht nur sehr schmal, sondern auch noch leicht abschüssig, und der Gedanke, wie es wohl wäre, wenn man da kein Gitter angebracht hätte, verursacht augenblicklich weiche Knie.

Aber man hat einen schön weiten Blick *schluck*. Ich, äh … geh dann mal wieder runter.

Fortsetzung folgt.

Ausflug nach Berlin (1)

Auf dem (oder sagt man im?) Prenzlauer Berg haben wir keine Schwaben gesehen, auch Thierse nicht, überhaupt waren nur wenige Menschen unterwegs, aber war ja auch Sonntagnachmittag und kalt. Aber eine Kirche stand da herum, also nichts wie rein.

Innen ist die Zionskirche seltsam unrenoviert. Daß die DDR kein Interesse an Sakralbauten hatte, ist ja bekannt, aber nun sind schon 23 Jahre vergangen. Merkwürdig.

Im Internet steht’s: Kein Geld. Erst seit 2009 sind sie dabei, den Innenraum nach und nach zu renovieren. Ich würde es ja so lassen, wie es jetzt ist, der Raum hat durch seine Verfallsspuren Charakter, Geschichte wird sichtbar. Warum immer alles aufhübschen?

Ziellos schlenderten wir weiter durchs Viertel, man entdeckt in Berlin immer irgendwas Merkwürdiges …

… wie zum Beispiel dieses Stück Berliner Mauer an der Bernauer Str., die man samt Todesstreifen und Wachturm als Gedenkstätte stehen gelassen hat. Gruselig. Ich stand 1974 schon mal auf so einem Aussichtsturm im Westteil, der allerdings nicht ganz so hoch war, ich weiß noch genau, wie unwirklich mir das vorkam.

Dieses schwarze Gebäude im linken Bildteil ist eine Kapelle. Bis 1983 stand an der selben Stelle noch eine Kirche, deren Name ausgerechnet „Versöhnungskirche“ war, mitten im Todesstreifen, dann wurde sie abgerissen.

In einem der Gebäude der Gedenkstätte gibt es eine gut gemachte Dokumentation der Ereignisse 1961 rund um den Mauerbau, Fotos, Zitate, Ton- und Filmdokumente und eine Diaschau. Lohnt sich, der Eintritt ist frei.

Und es gibt sogar einen eigenen Buchladen …

… und in den Souvenirgeschäften kann man nicht nur passende Schneekugeln kaufen, sondern auch bunt bemalte Betonstückchen, die angeblich von der Originalmauer stammen.

Wer das glaubt, der erzählt seinen Lieben zu Hause auch, daß an diesen Mauerstücken (werden die eigentlich noch irgendwo hergestellt, für Touristen?) die originale Bemalung zu sehen ist.

Als klar war, das die sowjetische Armee aus Berlin abzieht, versuchten viele Soldaten, ihre Ausrüstung zu versilbern. Aber, liebe Straßenhändler, das war vor 23 Jahren! Gibt es wirklich Deppen, die glauben, sie würden eine historische Gasmaske oder eine original russische Pelzmütze bei euch kaufen? Was? Amerikaner? Gut, das glaube ich sofort.

Fortsetzung folgt.

(Immer weniger) Krank in Berlin

Selbst wäre ich nie darauf gekommen, in diesen Laden zu gehen, aber meine Begleiterin ließ keine Widerrede zu: „Wir probieren das jetzt.“

Was soll ich sagen: Überraschend lecker! Es ist ein Joghurteis, und die Toppings sieht man oben in der Theke. Der kleinste Becher ist völlig ausreichend und kostet mit einem Topping 2,50, jedes weitere 50 Cent zusätzlich. Doch, gar nicht übel.

Stadt der Gegensätze: Dies sind die Prinzessinnengärten am Moritzplatz. Über 60 Jahre war hier Brachland, bis sich im Jahr 2009 ein paar Leute zusammentaten, den Platz entrümpelten und einen mobilen Nutz- und Erholungsgarten einrichteten. Café und Küche sind in Wellblechhütten untergebracht, jeden Tag gibt es einen Mittagstisch mit Gemüse aus eigenem Anbau und eine Abendpizza.

Der Garten ist mobil, d.h., die Beete sind in alten Kisten untergebracht. Der Platz ist nicht illegal besetzt, sondern von der Stadt gemietet, aber man weiß ja nie, wie schnell plötzlich Begehrlichkeiten entstehen. Inzwischen gibt es sogenannte Ablegergärten. In ihrem Blog steht zu lesen: „2011 haben wir damit angefangen, Ablegergärten in Berlin zu initiieren und zu betreuen. In einer Reihe von Kooperationen mit Kitas, Schulen, Jugend- und Kultureinrichtungen sowie Universitäten sind inzwischen 16 solcher Gärten in Berlin entstanden. Hier werden vor Ort von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Gemüse und Kräuter angebaut.“

Ich bin begeistert. Und einen Fußballplatz findet man hier auch. Wen es interessiert, schaue einfach auf ihre Homepage, da gibt es auch einen informativen Film.

Ein lauer Sommerabend, da könnte man doch mal wieder in den „Club der Visionäre“ gehen, eine Kneipe an einem Seitenarm der Spree, die ich in guter Erinnerung habe: Relaxt sitzt man in guter Stimmung am Wasser und trinkt sein Bier aus Flaschen. Vorbei! Die Kneipe ist jetzt ein echter Club, für den man Eintritt zahlen soll, die Flaschen stehen nun am Einlaß und spielen Türsteher, und die Elektropopmusik ist laut und schlägt einen zusätzlich in die Flucht. Da hatte wohl einer die Vision von viel Geld: Ganz in der Nähe sind noch zwei Biergärten mit Türstehern, Eintritt und schlechter Musik. Schön blöd, so macht man das kaputt, weshalb die Leute gerade nach Berlin kommen.

Egal, gehen wir halt noch ein bißchen an der Spree spazieren und kehren dann in Kreuzberg in einer Szenekneipe ein. Das Angebot hier ist ja riesig.

Ende.

(Schon nicht mehr ganz so) Krank in Berlin

Im Gropius-Bau, einem großen Gebäude im Renaissance-Stil, habe ich schon einige gute Ausstellungen gesehen … moment mal, Gropius? War das nicht der „Bauhaus“-Begründer und spätere Architekt von Wohnwaben für die Massen? Was hat der mit Renaissance zu tun? Gar nichts, das war Walter Gropius, ein Großneffe von Martin Gropius, der das Museum 1881 fertigstellte. Und deshalb heißt es auch vollständig „Martin-Gropius-Bau“.

Heute gibt es keinen ständigen Museumsbestand mehr, sondern nur noch Wechselausstellungen, wie zum Beispiel diese sehr schöne Ausstellung mit 200 Fotografien der Ausnahmefotografin Diane Arbus. Die Arbus hat es in den 60er Jahren geschafft, einen ganz eigenen Stil zu entwickeln, das ist als Fotografin gar nicht einfach. Besonders ist sie durch ihre ungeschönten Bilder von Drag-Künstlern, Behinderten, Nudisten und anderen Minderheiten bekannt geworden. Fotografieren war in der Ausstellung strengstens verboten – lächerlich eigentlich, ich habe bestimmt drei iPhone-Heimlich-Fotografierer gesehen. Wen es interessiert: Das Internet ist natürlich voll von ihren Fotos, z.B. hier.

Wenn man aus der Ausstellung kommt, hat man eine Zeitlang einen Blick für Absurdes. Oder kommt es mir nur so vor?

Ein paar Schritte weiter gibt es in einem Hinterhof einen Laden für den Verkauf aus der Auflösung eines Theaterfundus.

Bilder, Puppen, Ornamente, Stoffe …

… Spiegel, Klamotten und Putti, alles, was das Herz begehrt. So ein reichverzierter Barockspiegel, zwei bis drei Meter hoch, warum nicht. Kostet aber 1000 Euro.

Zurück im Kiez mahnt uns die Sonne, daß wir uns gesund ernähren sollen. Da fällt mir ein: Ich habe gelesen, daß man „Kiez“ nicht mehr sagen darf, wenn man sich nicht als „total out“ outen will, weil das Wort inzwischen in jeder Werbebroschüre steht und gern auch von sich anbiedernden Politikern in den Mund genommen wird. Und was sagt man jetzt? Wieder Viertel? Oder Gebiet?

Fortsetzung folgt.

Krank in Berlin

Letzten Samstag vor einer Woche fand ich auf der Straße einen 10-Euro-Schein – keine Mensch weit und breit, als wäre er für mich dort hingelegt worden. Ich glaube ja nicht daran, aber wenn, dann würde ich sagen: Das war ein kleiner Trost des Universums für das, was noch am selben Abend folgte: Ich bekam Halsschmerzen, wie ich sie noch nie vorher hatte, gefolgt von einer heftigen Erkältung, Schnupfen, Matschbirne, Husten, alles dabei. Alles halb so schlimm, da meldet man sich halt mal für eine Woche krank, könnte man meinen – allerdings hatte ich Urlaub, Montag sollte es nach Berlin gehen, Fahrt und Unterkunft (für meine Begleiterin) waren bereits bezahlt. Daß die Halsschmerzen Sonntagabend wieder weg waren, nahm ich ich als positives Zeichen, also sind wir gefahren.

Man kann es ja auch in Berlin ruhig angehen lassen und den Tomaten beim Wachsen zusehen.

Schönes Wetter, die Leute sind relaxt – wahrscheinlich alle im Schwimmbad. Oder am Wannsee.

Berlin ist ja berühmt für seiner Currywurst.

Lecker Essen beim Inder in der Oranienstr. ist aber viel gesünder.

Giraffen in Berlins Straßen sind ungefähr so selten wie folgende Geschichte: Wir schlenderten Richtung Bootsanlegestelle, denn wir wollten eine Touristenbootstour auf der Spree mitmachen. Zufällig fiel mein Blick auf einen EC-Automaten, der neben einer Bäckerei aufgestellt war, und was entdeckte ich: Im Ausgabeschlitz steckten 200 Euro! Hurra, einen Schatz gefunden! – war meine erste Reaktion. Aber das war natürlich Quatsch. Irgendein Dussel hatte seine EC-Karte ordentlich wieder in sein Portemonnaie gesteckt und war gegangen, ohne an das Geld zu denken. Was also tun? In der Bäckerei abgeben? Zu unsicher. Also auf zur nächsten Polizeidienststelle, wo man das Geld hoffentlich nicht dem reviereigenen Reptilienfond zuführt. Das Boot war dann natürlich schon weg.
Abends in der WG meines Freundes gab es die verschiedensten Ansichten: Einer sagte, er hätte das Geld in seiner jetzigen prekären Situation vermutlich als Gabe des Himmels angesehen, ein anderer, wenn ihm das passieren würde, also Geld am Automaten vergessen, würde er auf jeden Fall davon ausgehen, daß es weg sei, selbst Schuld also … Eine dritte Stimme meinte, daß man es schon aus Prinzip abgeben müsse, was richtig ist könne nicht deswegen falsch werden, nur weil die meisten anderen sich anders verhalten. Für mich stand nach einem ersten Augenblick der Ratlosigkeit fest, daß ich das Geld auf keinen Fall behalten kann, einfach, weil es mein Gewissen bis zum Ende meiner Tage belastet hätte, und das lohnt sich nun wirklich nicht.

Fortsetzung folgt.

Berliner Eindrücke (4)

Wer Berlin von oben betrachten möchte, fährt entweder auf den Fernsehturm – oder er besteigt einen Berg, z.B. den Teufelsberg, der nicht deswegen so heißt, weil der Teufel ihn erbaut hat, auch wenn man sagen kann, daß zu seiner Entstehung höllisch anmutende Zustände Voraussetzung war: Der Teufelsberg ist ein Trümmerberg, der Schutt von 15.000 zerbombten Gebäuden wurde hier nach dem 2. Weltkrieg abgeladen.

Zeitweise gab es eine Rodelbahn, sogar eine Skipiste wurde eingerichtet, aber noch interessanter war die Erhöhung für das amerikanische und britische Militär: Das richtete hier Gebäude zur Flugüberwachung und Anlagen zum Abhören dessen ein, was man im kalten Krieg für die Hölle hielt: Den Ostblock. Oben sieht man die Kantine, die in einem der wenigen Gebäude mit Fenstern untergebracht war. Klar, Spione müssen auch essen, schön, wenn man dabei rausgucken kann.

Das Gelände ist inzwischen total verwahrlost, die Gebäude sind baufällig und verrotten so langsam. Eigentlich darf man das Areal nicht betreten, aber an jedem Sonntag werden Führungen durchgeführt: Am S-Bahnhof Grunewald wird man um 12.30 Uhr abgeholt und auf den Berg geführt, wo man 15 Euro zahlen und eine Erklärung unterschreiben muß, daß man bei einem Unfall auf alle Ansprüche verzichtet.

Nach der Wiedervereinigung wußten die Briten und Amerikaner nicht mehr, was sie nun noch abhören sollten und zogen ab. Bis 1999 wurden die Anlagen teilweise noch zur zivilen Luftüberwachung genutzt, seitdem überläßt man sie der Natur und den Vandalen.

So, da gehen wir jetzt hoch. Im Treppenhaus ist es stockdunkel (Beweisfoto liefere ich gern nach), überall liegt Schutt, einige Leute leuchten mit ihren Handy-Displays, so daß man wenigstens etwas sehen kann – endlich mal sinnvoll, diese Dinger.

Das 4,7 Hektar große Gelände wurde für ein „Butterbrot“ an eine Kölner Investorengemeinschaft verkauft (5,2 Mio. DM), die mit ihren Bebauungsplänen aber auf massiven Widerstand aus der Bevölkerung stieß, außerdem stiegen die Baukosten, so daß man schließlich Insolvenz anmeldete.

Windig, kalt und alles andere als sicher. Manchmal sind die Drähte durchgeschnitten – daß hier noch nichts passiert ist …

Man kann Gebäudeteile auch privat mieten, jemand hat hier mal eine Geburtstagsparty veranstaltet, wurde erzählt. Auch ein Graffitifestival fand mal statt, und um mehr Fläche für die Kunstwerke zu haben, hat man in den weitläufigen Hallen einfach ein paar Wände halb hochgezogen.

Diese Stoffetzen, die überall von den Türmen hängen, war eine Bespannung aus einem halbdurchlässigen Material für Funksignale: Man konnte alles empfangen, aber es drang nichts nach außen – ist ja klar, was hat man davon, wenn die anderen abhören, was man gerade abgehört hat.

Oben in der Kuppel gibt es eine irre Akustik – die Luke ist auch ungesichert, deswegen bleiben wir in gebührendem Abstand. Durch ein winzig kleines Loch, durch das das Objektiv gerade durchpaßt, mache ich dieses Zufallsbild:

Das Berliner Wappentier taucht selbst an Stellen auf, wo man es nicht vermutet.

Im Jahr 2008 wollten die fliegenden Spinner von der „Transzendentalen Meditation“ hier eine sogenannte Friedensuniversität errichten, mit einem 12-stöckigen „Turm der Unbesiegbarkeit“. Kein Geringerer als der Künstler, Regisseur und Maharishi-Anhänger David Lynch legte hier den Grundstein (was man übrigens sehr schön in der lustigen Dokumentation „David wants to fly“ sehen kann), allerdings landete der yogische Höhenflug auf dem Boden der Tatsachen: Wer soll das alles bezahlen?

Daß langsam alles verrottet, ist natürlich auch keine Lösung: Das hier sind Zeugnisse eines wichtigen Geschichtsabschnittes der jüngeren Vergangenheit – entsprechend sollte man damit umgehen.

Wer noch nicht genug hat und noch mehr Fotos vom Teufelsberg sehen möchte, kann sie sich einfach auf meiner Fotogalerie unter „exhibition: Teufelsberg, Berlin“ ansehen.

Berliner Eindrücke (3)

Hurra, heute geht’s ins Museum, besser gesagt: In die Galerie, nämlich die Nationalgalerie, die auf sechs Häuser in Berlin verteilt ist, unter anderem im Schloß Charlottenburg, das man sieht, wenn man durch das Fenster blickt.

Wir befinden uns im Eckhaus gegenüber, in der Sammlung Scherf-Gerstenberg: „Surreale Welten“, einer Dauerleihgabe. Allein das Haus ist schon schön: Auf mehreren Etagen gruppieren die Ausstellungsräume sich um ein zentrales rundes Treppenhaus …

… mit schöner Kuppel.

Hier hängt alles, was in der surrealistischen Künstlerschaft Rang und Namen hat: Max Ernst, Dali, Magritte, Odilon Redon und etliche mehr, allerdings mit kleineren Werken, viele Zeichnungen. Das rote Bild oben ist von Paul Klee und heißt „neues Spiel beginnt“.

Das Foto einer der Puppen von Hans Bellmer – eindrucksvoll und ein wenig unheimlich. Aber das Geheimnisvolle, Untergründige, Unergründliche ist ja meistens Thema des Surrealismus.

Die Maske des Künstlers Julio Gonzáles erinnert an Edvard Munchs weltberühmtes Gemälde „Der Schrei“. Die Surrealistische Bewegung gibt es ja erst seit Anfang der 20er Jahre, da war Munch bereits über 60 und hatte vermutlich wenig Neigung, sich den jungen Revoluzzern in Paris anzuschließen, aber die hatten gar kein Problem damit, alle möglichen Künstler in ihre Bewegung „einzugemeinden“.

Wie zum Beispiel auch Giovanni Battista Piranesi, der im 18. Jahrhundert gelebt hat und berühmt wurde durch seine „Carceri“, 16 düstere Abbildungen von monumentalen Kellergewölben, die kein reales Vorbild haben. Noch heute beeinflussen sie Filmemacher (Metropolis, Blade Runner).

Hier hängen die Drucke auch, in einem extra Raum, den man durch eine gewölbte Ausstellungshalle erreicht. Beeindruckend!

Klein, aber fein: Ein sehr schönes Haus, eine besuchenswerte Ausstellung – und Kaffee und Kuchen gibt es auch!

Gegenüber, auf der anderen Seite der Allee, öffnet im Sommer das „Museum Berggrün“ seine Türen, das bekannt ist für seine Sammlung „Picasso und seine Zeit“. Der Eintritt gilt dann für beide Häuser.

Berliner Eindrücke (2)

Wenn man am Potsdamer Platz aus dem Untergrund auftaucht, in Erwartung all der architektonisch-omnipotenten Scheußlichkeiten, die aussehen wollen wie New York und gerade dadurch trotz ihrer Größe armselig wirken, wenn man da also die Rolltreppe hochfährt, rechnet man nicht mit dieser großen und dennoch filigranen Skulptur …

… die sich einem langsam enthüllt. Was ist das? Füße, Hände, steht da jemand auf dem Kopf? Ich könnte es verstehen angesichts des Platzes, soviel Unverstand, da wird man im wahrsten Sinne des Wortes ver-rückt.

Ein Blick auf die Standplatte verrät: Es ist das Denkmal für Giordano Bruno, einem italienischen Geistlichen, der im Jahre 1600 von der katholischen Inquisition als Ketzer verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Bruno war ein kluger Mann, er konnte sich nicht mit den Unsinnigkeiten seiner Kirche abfinden, wetterte dagegen und schrieb mehrere Bücher, in denen er sich mal ernst, mal spöttisch mit den verbohrten Geistlichen der verschiedenen Glaubensgemeinschaften auseinandersetzte. Er war überall dabei, und überall wurde er wieder exkommuniziert: Bei den Katholen ebenso wie bei den Calvinisten und den Lutheranern. Manchmal fand er Gönner, die ihn für einen Magier hielten, aber wenn sie merkten, was für ein „Querulant“ er war, ließen sie ihn schnell wieder fallen. Der letzte lieferte ihn an den Vatikan aus, wo er sieben Jahre lang eingekerkert und „befragt“ wurde, bevor man ihn öffentlich ermordete. Genau 400 Jahre später gab der Vatikan bekannt, daß es ihm Leid tue. Ich befürchte allerdings, die päpstliche Erkenntnisgeschwindigkeit hat sich seitdem nicht erhöht.

Die Plastik ist die genaue Kopie eines Bronzeabgusses, erschaffen von dem Bildhauer Alexander Polzin. Ich finde sie ganz wunderbar, die organische Form berührt mich, und ich kann mir kaum einen besseren Ort als diesen dafür vorstellen. Die Figur soll nicht nur an Bruno erinnern, sondern stellvertretend auch an Religionsfreiheit gemahnen (was natürlich auch für das Fliegende Spaghettimonster gilt).

Lesen wir nun, was der Fachmann und Philosoph Dr. Michael Schmidt-Salomon dazu sagt: „In seiner kompromisslosen Absage an künstlerische Moden stellt [Polzin] sich in die Tradition der künstlerischen Moderne und belebt so einen unzeitgemäß erscheinenden, weil vom Geist der Aufklärung getragenen Kunstbegriff – etwa im Sinne Hegels, der betonte, dass wir es in der Kunst „mit keinem bloß angenehmen oder nützlichen Spielwerk, sondern mit einer Entfaltung der Wahrheit“ zu tun haben. Polzin geht es nie um ein zweckfreies Spiel der Formen, sondern um ein ernsthaftes Ringen um Sinn, […]“.

Das Ringen um Sinn wird oft versucht, oft scheitert man haarscharf, wie das Zitat selbst zeigt. Kann es sein, daß unseliges Geschwafel besonders bei Kunstdingen sehr häufig vorkommt? Ob es da einen Automaten gibt? Man wirft 2 Euro hinein, und heraus kommt ein kleines Kärtchen mit solchen Sätzen, und wo der Name stehen soll, befinden sich drei Punkte und man kann einsetzen, wen man will. Applaus garantiert.

Berliner Eindrücke (1)

Hat Schildermaler Kevin etwa ein Praktikum in Berlin absolviert? Angesichts der Tatsache, daß das hier auch ein Handyladen ist, bleiben wir lieber draußen …

… und besuchen die Bonbonmacherei in den Heckmann Höfen an der Oranienburger Str. Hier werden alle Bonbons nach traditionellen Rezepten und mit alten Maschinen selbst hergestellt. Besonders beliebt sind die Berliner Waldmeisterblätter. Doch, schmeckt intensiv, aber ich hab’s nicht so mit großen Stücken Zucker im Mund. Aber meine Begleiterin war hocherfreut.

Gegenüber von der immer noch verhüllten Gedächtniskirche entsteht ein neues Geschäfts- und Büroareal, „Bikini Berlin“. Keine Ahnung, wer sich den Namen ausgedacht hat – an was sollen wir dabei denken, an junge Damen in sexy Zweiteilern, oder an das Atoll, daß zu Atomtestzwecken vollständig zerstört wurde? Ich befürchte, letzteres, moderne Geschäfts- und Büroarchitektur, das sieht man überall, hat Unwirtlichkeit zum Programm.

Bücherflohmarkt vor der Humboldt-Universität – hier macht Stöbern Spaß.

Im Café des Historischen Museums gibt es ausgezeichneten Apfelstrudel mit Vanilleeis – ein echter Tipp! Aber wahrscheinlich eher was für Touristen.

Einheimische … Vögel kriegen hier was zu futtern. Nett, da setzt sich ein Kiezaktivist für die Natur in Kreuzberg ein, hier ist sein Blog.

Aus Kreuzberg kommt auch „die tageszeitung“, kurz taz genannt. Ob das drohende Gebäude im Hintergrund schon zur Springerpresse gehört, die ganz in der Nähe residiert? Möglich wär’s.

Man wacht morgens auf – und plötzlich ist die Welt weiß. Hat nur einen Tag gehalten, aber die Kinder auf dem Spielplatz freut’s …

… und die Erwachsenen auch.

Der Goerlitzer Bahnhof ist ein U-Bahnhof, obwohl er überirdisch liegt. Hier fährt die Linie 1, glücklicherweise unabhängig vom anderen Straßenverkehr und irgendwann auch mal unter der Erde. Daher paßt das schon.