Krank in Berlin

Letzten Samstag vor einer Woche fand ich auf der Straße einen 10-Euro-Schein – keine Mensch weit und breit, als wäre er für mich dort hingelegt worden. Ich glaube ja nicht daran, aber wenn, dann würde ich sagen: Das war ein kleiner Trost des Universums für das, was noch am selben Abend folgte: Ich bekam Halsschmerzen, wie ich sie noch nie vorher hatte, gefolgt von einer heftigen Erkältung, Schnupfen, Matschbirne, Husten, alles dabei. Alles halb so schlimm, da meldet man sich halt mal für eine Woche krank, könnte man meinen – allerdings hatte ich Urlaub, Montag sollte es nach Berlin gehen, Fahrt und Unterkunft (für meine Begleiterin) waren bereits bezahlt. Daß die Halsschmerzen Sonntagabend wieder weg waren, nahm ich ich als positives Zeichen, also sind wir gefahren.

Man kann es ja auch in Berlin ruhig angehen lassen und den Tomaten beim Wachsen zusehen.

Schönes Wetter, die Leute sind relaxt – wahrscheinlich alle im Schwimmbad. Oder am Wannsee.

Berlin ist ja berühmt für seiner Currywurst.

Lecker Essen beim Inder in der Oranienstr. ist aber viel gesünder.

Giraffen in Berlins Straßen sind ungefähr so selten wie folgende Geschichte: Wir schlenderten Richtung Bootsanlegestelle, denn wir wollten eine Touristenbootstour auf der Spree mitmachen. Zufällig fiel mein Blick auf einen EC-Automaten, der neben einer Bäckerei aufgestellt war, und was entdeckte ich: Im Ausgabeschlitz steckten 200 Euro! Hurra, einen Schatz gefunden! – war meine erste Reaktion. Aber das war natürlich Quatsch. Irgendein Dussel hatte seine EC-Karte ordentlich wieder in sein Portemonnaie gesteckt und war gegangen, ohne an das Geld zu denken. Was also tun? In der Bäckerei abgeben? Zu unsicher. Also auf zur nächsten Polizeidienststelle, wo man das Geld hoffentlich nicht dem reviereigenen Reptilienfond zuführt. Das Boot war dann natürlich schon weg.
Abends in der WG meines Freundes gab es die verschiedensten Ansichten: Einer sagte, er hätte das Geld in seiner jetzigen prekären Situation vermutlich als Gabe des Himmels angesehen, ein anderer, wenn ihm das passieren würde, also Geld am Automaten vergessen, würde er auf jeden Fall davon ausgehen, daß es weg sei, selbst Schuld also … Eine dritte Stimme meinte, daß man es schon aus Prinzip abgeben müsse, was richtig ist könne nicht deswegen falsch werden, nur weil die meisten anderen sich anders verhalten. Für mich stand nach einem ersten Augenblick der Ratlosigkeit fest, daß ich das Geld auf keinen Fall behalten kann, einfach, weil es mein Gewissen bis zum Ende meiner Tage belastet hätte, und das lohnt sich nun wirklich nicht.

Fortsetzung folgt.

0 Antworten zu “Krank in Berlin

  1. Geldsegen! Interessant!
    Schwierig zu sagen, was ich getan hätte. Engelchen und Teufelchen! Schild an den Automaten: „Dein Geld ist bei mir….e-mail-Adresse“-oh nicht auszudenken, wer dann alles bei dir auflaufen würde!

    Krank auf Reisen ist nie schön. Die Unterkunft sieht nett aus, ist das privat?

    Currywurst aus Marzipan! Vielleicht noch mit nem Schild dazu: „Jetzt Lübeck und Berlin in einem genießen!“
    Gab es auch noch Döner? Oder andere Köstlichkeiten?
    (Wäre das vielleicht noch was für Köln? Flönz aus Marzipan?)

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  2. du hast ein gutes herz und das geld abgegeben, das ist fein und spricht für dich.
    deine fotos sind wie immer einladend.
    hoffentlich hat dich dein infekt in berlin nicht allzu geschwächt.
    ich trinke bei solchen sachen immer salbeitee. 😉

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  3. 1. Was bist du doch für ein toller Arbeitnehmer. Die werden ja bekanntlich nur im Urlaub und am Wochenende krank 🙂
    2. Die Gewissensfrage hättest du dir sparen können, weil bekanntermaßen das Geld wieder eingezogen wird, wenn eine gewisse Zeit vergangen und es nicht aus dem Automaten gezogen wurde. Also schön entspannt stehenbleiben und dem Automaten die Entscheidung abnehmen…

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  4. …den Inder habe ich in sehr guter Erinnerung…

    sieht sehr gemütlich aus, das Fenster Eurer Unterkunft…

    und, ich glaube kaum, dass der Vergesser des Geldes sich an die Polizei wendet, er wird denken, es ist weg, das Geld…ich wäre wohl ein Weilchen neben dem Automaten stehen geblieben in der Hoffnung, dass er es merkt und zurückkehrt und wenn nicht, hätte ich mit dem Geld wohl jemandem eine Freude gemacht, der es gut brauchen kann…

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  5. Geldsegen, immer her damit! Ich wünschte nur, das Geld würde auf ethisch unbedenkliche Weise zu mir kommen. 😉

    Ja, privat, ein schöner Altbau in Kreuzberg. Ätzend, wenn man nur am Schniefen und Husten ist, aber von Tag zu Tag wurde es besser.

    Blootworsch, Kölsch un lecker Mädsche – alles aus Marzipan? Klasse Idee, dann würde sogar ich da reinbeißen.

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  6. Stimmt, ich bin ein guter Mensch *lach* … na gut, meistens jedenfalls.
    Salbeitee hatte ich auch, der ist gut. Außerdem viel Schlaf – ich habe meine langen Kreuzberger Nächte im Bett verbracht, ganz gegen meine sonstigen Gewohnheiten.

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  7. Held der Arbeit, jedenfalls in diesem Monat. 😉

    Echt? Das wußte ich gar nicht. Allerdings war an dem Automaten so viel los, die Scheine wären auf jeden Fall gezogen worden, wenn nicht von mir, dann von einem der Leute, die Geld abgehoben haben, während wir davor standen und darauf warteten, daß derjenige-welcher vielleicht aufgeregt zurück kommt.

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  8. Das Essen da ist richtig lecker und günstig, wenn ich in Berlin wohnen würde, wäre ich wahrscheinlich andauernd da.

    Ja, das haben wir auch gemacht, 10 Minuten haben wir bestimmt gewartet, das wäre die einfachste Lösung gewesen. Da das Geld ja direkt aus dem Automaten kam und ganz „frisch“ gewesen sein muß, wird man doch sicher anhand der Uhrzeit feststellen können, von welchem Konto es abgehoben wurde. Ich stelle mir vor: Eine Rentnerin, die ihr Nahrungs-Budget für die nächsten vier Wochen abheben wollte, oder ein junger Rucksacktourist aus Neuseeland, der ein Jahr lang hart gearbeitet hat, um eine längere Europareise zu finanzieren, oder ein Hartz-IV-Bezieher, der kaum weiß, wie er seinen Kindern die neuen Schulsachen finanzieren soll … uff, ich hätte nicht mehr ruhig schlafen können.

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  9. …daran dachte ich nicht, aber stimmt, wenn man will, kann man sicher herausbekommen, von welchem Konto das Geld stammt…aber ob da jemand daran interessiert ist…die Polizei?? …oder die Bank? Mein Vertrauen ist da eher geringer.

    Das ist sehr ehrenhaft von Dir, dass Du so denkst. ich hätte wohl gedacht, dass es keine Zufälle gibt und dass das Geld sicherlich jemandem gehört, der sehr viel davon hat…

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  10. Genau, irgendein reicher Sack, der sich die Zigarren mit 20-Euro-Scheinen ansteckt, während er in Champagner badet, bei dem hätte ich auch nicht die geringsten Skrupel. Ich bin sowieso für viel mehr Umverteilung, auch ruhig zu meinen Gunsten. Aber der Polizist hätte schön blöd gekuckt, wenn ich gesagt hätte: „Wir haben Geld gefunden, aber nur, wenn der Besitzer nicht reicher ist als wir.“ 😉

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  11. oh, ich hoffe inzwischen ist der Infekt verschwunden und Du hast Freude an der Erinnerung dieser doch etwas anderen Art, Berlin zu erleben …

    und neeee die s Marzipan bekäme ich so nicht runter

    außerdem bin ich natürlich auf die Fortsetzung der Geldgeschichte gespannt …

    liebe Grüsse
    Karen

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  12. Ja, ich bin auch gespannt. Man hat uns auf dem Revier eine Bearbeitungsnummer gegeben, wir werden demnächst mal anrufen und uns erkundigen.

    Dir/Euch auch liebe Grüße in die Ferne,
    Videbitis

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  13. Da wir die genaue Uhrzeit hatte, war der Polizist der Meinung, daß man den Besitzer auf jeden Fall ausfindig machen kann. Wäre mal interessant zu erfahren, wie das genau abgeht: Ob die Polizei der Bank das gefundene Geld einfach so rüberschiebt, damit die sich darum kümmert? Vertraue nie einer Bank … 😉

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  14. Also, ich weiß nicht, ob Du Dich richtig verhalten hast. Ich meine, vollkommen klar ist, dass Du Dich sehr edel verhalten ist – moralisch einwandfrei. Geld, das auf der Straße liegt und sich nicht z.B. in einem Portemonnaie, das identifiziert werden könnte, darf man behalten. Bei einem Geldautomaten, der doch wohl videoüberwacht wird, besteht die Hoffnung, dass die 200 Euro nicht einfach in den Topf der Bank zurückfließen oder in der Kaffeekasse des Polizeireviers landen, sondern dem rechtmäßigen Eigentümer übergeben werden können. Sicher bin ich allerdings nicht. Ich bin auch nicht sicher, ob ich, wäre mir das Malheur passiert, den Verlust melden würde. Vermutlich dächte ich auch, das Geld ist futsch. Und – was viel schlimmer ist – ich bin nicht sicher, ob ich so edelmütig gehandelt hätte, und wenn, dann vielleicht nur mit dem Gedanken an die „verdammte“ Videoüberwachung. 200 Euro sind auch für mich kein Pappenstiel, und das kann man so oder so sehen, denn da ist noch etwas. Die Liebe zum Geld, heißt es, ist eine, die immer auf Gegenseitigkeit beruht. Das heißt, das Geld kommt zu dem, der es liebt. Na, wenigstens hast Du den Zehner behalten (und hoffentlich nicht in die nächste Sammelbüchse gesteckt. Das mit den 200 Euro möge Dir mit Gutem vergolten werden – spätestens im Himmel.

    Ach, ich möchte auch mal als Tourist nach Berlin kommen und neugierig auf all diese Seltsamkeiten sein. Fast alle, die zu Besuch herkommen, sind begeistert. Und ich? Ich stöhne über diese total versiffte, unerträglich laute, exzessiv umtriebige, völlig durchgeknallte sogenannte Metropole, in der ich ständig auf der Suche nach dem Eckchen bin, in dem es sich aushalten lässt.

    Prost (mit einem Bierglas voller biergelber Gummibärchen)!

    cuenta…….

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  15. Ich bin doch überrascht, daß so viele das Geld wohl eher behalten hätten, allerdings muß ich zugeben, daß ich es nicht gebraucht hätte, z.Z. habe ich genug Geld. Ich hätte es also verjubelt – das Geld, was nun evt. einer alleinerziehenden Hartz-IV-Mutter fehlt, um ihren drei kleinen Kindern etwas anderes zu servieren als Tütensuppen … heul, Drama, ein ganzer Film läuft da vor meinem inneren Auge ab, die armen Kinder, die in zerlumpten Kleidern und mit ungewaschenen Gesichtern hungrig am Tisch sitzen … usw. Da – es klingelt, die Sonne scheint durchs Fenster, Videbitis tritt auf, ein strahlender Held, der das längst verloren geglaubte Geld in der Hand hält, alle sind glücklich, Tusch, Fanfaren, Abspann *lach*. Eigentlich habe ich das Geld doch für mich ausgegeben: Ich habe mir ein gutes Gewissen damit gekauft.

    Ja, Berlin ist stressig, diese Größe, diese vielen Leute, unglaublich, dagegen ist Köln eine Kleinstadt. Für eine Woche ist es ganz wunderbar, besonders bei schönem Wetter.

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  16. Ich übertreibe auch ein bisschen, wenn ich sage, mich hätte nur die Überwachungskamera daran gehindert, das Geld zu behalten. Da ich in 99,5 % der Fälle nur an den Geldautomaten bei meiner Hausbank gehe, würde ich im Ausgabefach gefundenes Geld gegen Quittung dort abgeben. Der rechtmäßige Eigentümer müsste ja einwandfrei zu ermitteln sein, nämlich derjenige, der unmittelbar vor mir Geld abgehoben hat. Und der bekäme es auch in dem Fall, dass er sich (mangels Hoffnung) gar nicht meldet. – Ich hoffe doch, auf dem Polizeirevier hat man sich außer dem fraglichen Geldautomaten auch Deine Kontonummer geben lassen, denn wenn nicht… Also, für die Kaffeekasse, das fände ich schon ärgerlich.

    LG cuenta…….

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  17. Was ist denn eigentlich aus dieser Geldgeschichte geworden? Hat sich das jemals aufgeklärt?
    Mich würde mal interessieren, was dazu Fachleute raten, Polizei, Banken, Finanzberater. Wie wäre das korrekte Verhalten in dem Falle.
    Mich erstaunt daran am meisten, daß fast alle weder den Banken noch den Bullen trauen, nach dem Motto, die sacken sich das Geld doch alle selber ein, wenn man es abgibt, ich glaube eher, daß ein ehrlicher Finder auch andere Leute zur Ehrlichkeit anreizt und ich glaube, daß sich doch die meisten Menschen eher so verhalten hätten wie du. Kommt natürlich auch auf die Ecke an, wo das gerade war. Am Geldautomat in Neukölln sehe ich da eher etwas schwarz. Vielleicht aber auch ein Vorurteil.

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  18. Warschauer Straße. Wir haben nie wieder was davon gehört. Meine Begleiterin hatte zwar die Bearbeitungsnummer, aber dann wohl doch keine Lust mehr, der Angelegenheit von Köln aus nachzuforschen.
    Offizielle würden wahrscheinlich alle Fachleute sagen: Abgeben, alles andere ist illegal. Interessant wäre allerdings, wie sie die Angelegenheit tatsächlich einschätzen, wenn der Verlierer sich nicht meldet. Ich bin zu dem Schluß gekommen, daß ich mich immer wieder so verhalten würde, das ist einfach besser für mein Seelenheil. Wenn mir ein Hunni auf der Straße entgegenwehen würde, wäre das was ganz anderes.

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  19. Wenn das nicht gerade ein Tippelbruder im Vollrausch war (aber hat der ein Konto?), würde ich sagen, daß Menschen, die es wirklich sehr sehr dünne haben, ganz genau darauf achten, niemals Geld NICHT aus dem Automaten mitzunehmen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, daß einem das passiert, wenn man genau auf den Cent achten muß.
    Meine Vorstellung ist die klassische etwas kopflose Studentin, die abhebt und dann von der gegenüber liegenden Straße gerufen wird und gleich hinrennt, jung, impulsiv, schusselig, aber natürlich hat die’s auch nicht dicke. Also, wie man es auch dreht, ich denke, du hast richtig gehandelt. Und ich finde, das Universum hat sich doch auch schon erkenntlich gezeigt, oder? 😉

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  20. *lach* so kann man das sehen. Ist es sehr unverschämt, wenn ich der Meinung bin, daß das noch nicht ganz reicht für einen angenehmen Lebensabend? Das kann doch das Universum nicht wollen, daß ich bis 67 arbeiten muß.

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