Ausflug nach Berlin (3)

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Auch in Berlin wird fleißig gebaut, nicht nur in Hamburg, Köln und Stuttgart. Weil der Flughafen ja relativ weit draußen ist und der Besucher gar nichts mitkriegt von den regen Bautätigkeiten, hat man an strategisch wichtigen Punkten im Zentrum auch Baustellen errichtet. Gut, die Gebäude braucht man eigentlich nicht, aber das weiß der Gast ja nicht. Hier, auf dem Alexanderplatz zwischen Bahnhof und Fernsehturm, ist Platz, auf dem nichts steht, unerhört. Da in unmittelbarer Nähe schon ein paar tausend Geschäfte sind, kann man gut noch ein paar dazu bauen.

Im KaDeWe war man auch kreativ: Das Brandenburger Tor aus 50 kg feinstem Lübecker Marzipan. Mmh – da läuft einem das Wasser im Munde zusammen – und das ist ja auch der Zweck der Übung.

Mal eine Frage: Wofür genau soll jetzt das Anti-Aging-Mittel da sein? Für blendend weiße Knochen?

Da sage nochmal einer, die Jugend von heute hätte nur Blödsinn im Kopf, Ballerspiele und sowas. Das ist doch sehr poetisch, bravo!

Auch im Wald kann man mal Geld brauchen (in Wirklichkeit steht der Automat in einem Ubahntunnel, schön gesehen und fotografiert von meiner Begleiterin).

… wenn nämlich um die Ecke frische Quarkkeulchen angeboten werden. Fettig, aber sehr lecker.

Kneipenstimmung in Kreuzberg – es darf sogar geraucht werden. In NRW will man das Rauchverbot jetzt richtig streng durchsetzen. Hier stehen in vielen Kneipen die Aschenbecher immer noch auf den Tischen.

Fortsetzung folgt.

Ausflug nach Berlin (2)

Ein Bilderrätsel: Was ist das?
Kleiner Tipp: Über 1 Kilo Blattgold auf 35 Tonnen Bronze.

Viel Himmel zum Abheben, aber natürlich kann sie letztlich nur fallen, und das ist sie ja aus deutscher Sicht glücklicherweise auch: Viktoria, die Siegesgöttin.

Hier nun das ganze Denkmal: Die Siegessäule (oder „Goldelse“, wie der Volksmund sagt), 1873 zur Feier der deutschen Siege unter Bismarck und seiner Generäle Roon und Moltke, die am Rande auch noch als überdimensionierte „Helden“ herumstehen, errichtet, Siege in Kriegen gegen Dänemark, dann Österreich und schließlich Frankreich im Jahr 1871. Aus dieser Perspektive scheint die Siegesgöttin schon den Gruß zu entbieten, den man aus nationalsozialistischer Zeit kennt, tatsächlich hält sie aber einen Lorbeerkranz in der ausgestreckten Hand.

So, da gehen wir jetzt hoch.

Man muß nicht den vielbefahrenen sechsspurigen Ring überqueren, um zum Monument zu kommen, sondern geht durch einen Tunnel. Nachdem man 3 Euro Eintritt bezahlt hat, wird man durch eine Ausstellung mit Darstellungen von Nationaldenkmälern und -gebäuden geführt. Mir ist alles Nationale zuwider, dieses großkotzige Gehabe, deswegen reagiere ich eher mit Mißmut (das Nationalgefühl zeigt sich heutzutage, wenn Lena einen Gesangswettbewerb gewinnt, Joachim Löws Truppe Bälle im gegnerischen Tor versenkt oder „wir“ Papst werden, bzw. abdanken. Damals fand man es ehrenhaft, zu einer Nation zu gehören, die fremde Länder besetzt und ihre Bevölkerung dezimiert und ausrottet – es gibt keinen Grund, besonders stolz darauf zu sein, weder auf das eine, noch auf das andere).

Zu Anfang ist der Aufstieg noch recht gemütlich …

… das ändert sich aber sehr schnell, es ist so eng und steil, daß kaum zwei Leute aneinander vorbei kommen.

Und das ändert sich auch nicht, wenn man oben ankommt: Die umlaufende Aussichtsplattform ist nicht nur sehr schmal, sondern auch noch leicht abschüssig, und der Gedanke, wie es wohl wäre, wenn man da kein Gitter angebracht hätte, verursacht augenblicklich weiche Knie.

Aber man hat einen schön weiten Blick *schluck*. Ich, äh … geh dann mal wieder runter.

Fortsetzung folgt.

Ausflug nach Berlin (1)

Auf dem (oder sagt man im?) Prenzlauer Berg haben wir keine Schwaben gesehen, auch Thierse nicht, überhaupt waren nur wenige Menschen unterwegs, aber war ja auch Sonntagnachmittag und kalt. Aber eine Kirche stand da herum, also nichts wie rein.

Innen ist die Zionskirche seltsam unrenoviert. Daß die DDR kein Interesse an Sakralbauten hatte, ist ja bekannt, aber nun sind schon 23 Jahre vergangen. Merkwürdig.

Im Internet steht’s: Kein Geld. Erst seit 2009 sind sie dabei, den Innenraum nach und nach zu renovieren. Ich würde es ja so lassen, wie es jetzt ist, der Raum hat durch seine Verfallsspuren Charakter, Geschichte wird sichtbar. Warum immer alles aufhübschen?

Ziellos schlenderten wir weiter durchs Viertel, man entdeckt in Berlin immer irgendwas Merkwürdiges …

… wie zum Beispiel dieses Stück Berliner Mauer an der Bernauer Str., die man samt Todesstreifen und Wachturm als Gedenkstätte stehen gelassen hat. Gruselig. Ich stand 1974 schon mal auf so einem Aussichtsturm im Westteil, der allerdings nicht ganz so hoch war, ich weiß noch genau, wie unwirklich mir das vorkam.

Dieses schwarze Gebäude im linken Bildteil ist eine Kapelle. Bis 1983 stand an der selben Stelle noch eine Kirche, deren Name ausgerechnet „Versöhnungskirche“ war, mitten im Todesstreifen, dann wurde sie abgerissen.

In einem der Gebäude der Gedenkstätte gibt es eine gut gemachte Dokumentation der Ereignisse 1961 rund um den Mauerbau, Fotos, Zitate, Ton- und Filmdokumente und eine Diaschau. Lohnt sich, der Eintritt ist frei.

Und es gibt sogar einen eigenen Buchladen …

… und in den Souvenirgeschäften kann man nicht nur passende Schneekugeln kaufen, sondern auch bunt bemalte Betonstückchen, die angeblich von der Originalmauer stammen.

Wer das glaubt, der erzählt seinen Lieben zu Hause auch, daß an diesen Mauerstücken (werden die eigentlich noch irgendwo hergestellt, für Touristen?) die originale Bemalung zu sehen ist.

Als klar war, das die sowjetische Armee aus Berlin abzieht, versuchten viele Soldaten, ihre Ausrüstung zu versilbern. Aber, liebe Straßenhändler, das war vor 23 Jahren! Gibt es wirklich Deppen, die glauben, sie würden eine historische Gasmaske oder eine original russische Pelzmütze bei euch kaufen? Was? Amerikaner? Gut, das glaube ich sofort.

Fortsetzung folgt.

Ausflug nach Blankenberg

Was machen die Fische da in der Flasche? Wenn man genau hinsieht, kann man lesen: „Maggi aus dem Mittelalter, Sardellen in Jamaica Rum“ – hm, ich glaube, trinken möchte ich das nicht, aber zum Würzen ist es vielleicht gar nicht schlecht.

Wir sind in der kleinen mittelalterlichen „Stadt Blankenberg“ an der Sieg, ca. 30 Minuten S-Bahnfahrt von Köln entfernt. Sie ist eine sogenannte Titularstadt, d.h., als Stadtteil von Hennef hat sie gar keine Stadtrechte mehr, darf aber aus historischen Gründen noch „Stadt“ im Namen tragen. Gegründet wurde sie als Ansiedlung zur Burg, von der aber nur noch die Ruinen übrig sind, knapp 600 Einwohner halten sich wacker.

Passend zum Ort findet alljährlich an einem Wochenende ein mittelalterlicher Weihnachtsmarkt statt. Es ist zwar auch voll, aber gar kein Vergleich zu den Märkten in der Großstadt, die Leute sind entspannt, die Preise zivil.

Mit offensichtlichem Vergnügen wird von gewandeten Mittelalterfans ein Tänzchen aufgeführt.

Die Ritter waren auch friedlich, später habe ich sie am Glühweinstand gesehen. Apropos Glühwein: Der war nicht besonders, zu heiß (für Alkohol, der sich daraufhin schnell verflüchtigt hat) und zu süß. Ob es eine Glühwein-Mafia gibt, die Killer losschickt, wenn man nicht ihr Zeug ausschenkt? Können die Ritter da nicht schützend eingreifen?

Wer sich zu wenig geküßt fühlt, kann hier vorsorgen. Eine Garantie gibt es allerdings nicht.

El Greco in Düsseldorf

Jedesmal, wenn ich in Düsseldorf bin, wundere ich mich darüber, was das für eine häßliche Stadt ist. Allerdings kenne ich mich nicht gut aus, gehe immer nur vom Hauptbahnhof Richtung Königsallee, die ich überhaupt noch nie ohne Baustellen gesehen habe, durch die völlig überfüllte Altstadt (wegen der vielen Kneipen spricht man hier von der „längsten Theke der Welt“ – bäh!) zu den Museen, die regelmäßig herausragende Ausstellungen zeigen, was man sich in Köln leider schon lange nicht mehr leisten kann. Mein Weg führt mich diesmal vorbei am „K20“, der Kunstsammlung NRW am Grabbeplatz, hin zum „Museum Kunstpalast“, um die Ausstellung „El Greco und die Moderne“ zu besuchen.

Der Maler El Greco hieß in Wirklichkeit Domínikos Theotokópoulos, aber das konnte sich außerhalb von Griechenland niemand merken, und so nannte man ihn in Spanien, wo er um 1600 lebte und arbeitete, nur El Greco = Der Grieche. Die Kunstepoche zwischen Renaissance und Barock (ca. 1520 – 1600), der der Maler zugeschrieben wird, nannte man später „Manierismus“. Sie zeichnet sich aus durch den Versuch, sich von der Renaissance abzukehren, bzw. sie weiterzuentwickeln: Nicht mehr das schöne, klassische Ebenmaß, die perfekte Perspektive galt es darzustellen, sondern eine Überhöhung der Natur durch Kunst. So kommt es, daß uns heute viele Werke des Manierismus mit ihren falschen Proportionen und übertriebenen Posen merkwürdig ungekonnt vorkommen. El Greco eckte schon zu Lebzeiten mit seinen Werken an. Seine Auftraggeber, hauptsächlich Kirchenleute und Adel, hatten einen anderen Begriff von Schönheit als der Maler, was dem aber egal war.

Kaum war er gestorben, schon geriet sein Werk in Vergessenheit, wahrscheinlich war man froh, ihn los zu sein. Im 19. Jahrhundert wurden seine Bilder wiederentdeckt und hatten großen Einfluß auf die Künstler der Moderne, also Cézanne, Picasso, Delaunay, die deutschen Expressionisten und andere.

Und es ist ja auch wirklich kaum zu glauben, das dieses Bild 1614 und nicht im 20. Jahrhundert gemalt wurde: Es heißt „Das fünfte Siegel der Apokalypse“. Es ist keine Landschaft zu sehen, der Himmel ist ein wüstes Abstraktum, die Figuren sind unharmonisch angeordnet, vollführen dramatische Gesten und sind so grell und expressiv gemalt, wie man es eigentlich sonst nur aus viel späterer Zeit kennt.
Die dramatische Aufgewühltheit des Bildes scheint aus heutiger Sicht angemessen, zeigt es doch eine Szene aus der Apokalypse des Johannes:

„Als das Lamm das fünfte Siegel öffnete, sah ich unter dem Altar die Seelen aller, die hingeschlachtet worden waren wegen des Wortes Gottes und wegen des Zeugnisses, das sie abgelegt hatten. Sie riefen mit lauter Stimme: Wie lange zögerst du noch, Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, Gericht zu halten und unser Blut an den Bewohnern der Erde zu rächen? Da wurde jedem von ihnen ein weißes Gewand gegeben; und ihnen wurde gesagt, sie sollten noch kurze Zeit warten, bis die volle Zahl erreicht sei durch den Tod ihrer Mitknechte und Brüder, die noch sterben müssten wie sie.“ (Quelle: Wikipedia)

Wie gesagt, die modernen Künstler zu Anfang des 20. Jahrhundert waren begeistert von der Ausdruckskraft El Grecos, die grellen Farben, die gelängten Gliedmaße fanden Eingang in eigene Werke (wie hier bei Max Beckmann: Kreuzabnahme, 1917). In dieser großartigen Ausstellungen werden sie nun zusammen gezeigt, ca. 40 Originale von El Greco und einhundert Werke der Künstler der klassischen Moderne. Wer kann, sollte unbedingt hingehen, die Ausstellung macht viel Spaß und ist außerdem unanstrengend lehrreich.

Hier erfährt man alles über Öffnungszeiten usw.
Und wen es interessiert: Hier habe ich schon mal ein Werk des Manierismus besprochen.

Ausflug zur Bundesgartenschau, Teil 2

Es ist heiß, 30 Grad mindestens, ein Besuch dieser Telefonzelle wird da keine Abkühlung verschaffen, im Gegenteil. Dafür kann man auch nicht telefonieren – innen dudelt nur der Rundfunk von SWR1, kein Verlust also.

Gut, wenn man einen Platz unter einem Sonnenschirm findet und den Rock ein wenig lüpfen kann …

… ob das aber das richtige Getränk ist bei dieser Affenhitze?

Ein Saft aus diesen Früchten, gemischt mit dem von Orangen, wäre wahrscheinlich viel gesünder: Paprikaschoten …

… die hier ein Grab schmücken. Also jetzt kein richtiges Grab, das ganze ist nur ein Designvorschlag. Finde ich gut, warum nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden.

Nach einem kurzen Blick auf Heidi Klum …

… und anderen Maskottchen fahren wir zurück zum Deutschen Eck.

Viel gibt es da nicht zu sehen, was wir nicht schon letztes Jahr gesehen hätten, aber da wir in diesem Jahr dafür bezahlt haben, gehen wir da auch hin. So!

„Alchemy“ heißt diese Skulptur, die in einem kleinen Park neben einer Kirche steht. Auf dem Körper stehen Namen von Schriftstellern, und aus dem Inneren soll eigentlich eine Pflanze durch die Löcher nach außen ranken – tut sie aber nicht, vielleicht hat sie gerade Mittagspause.

Kaum sind auch wir hungrig eingekehrt, fegt ein Sturm über Koblenz, ca. drei Minuten dauert der Spuk, der Wind ist so heftig, daß er Bäume umknickt. Später hörte ich in den Nachrichten, daß in einem Biergarten eine Frau von einem Ast erschlagen worden war – da vergeht einem der Spaß.

Das BuGa-Gelände wird sogleich abgesperrt, zu groß sind die Verwüstungen, aber wir haben eh genug. Und nach Köln dauert die Zugfahrt glücklicherweise nur gut eine Stunde.

Ausflug zur Bundesgartenschau, Teil 1

Wenn mir jemand in den 70ern gesagt hätte, ich würde einmal freiwillig die Bundesgartenschau besuchen, den hätte ich für bekloppt gehalten. Blumenrabatte an angelegten Wegen, „Rasen-betreten-verboten“-Schilder, und dafür auch noch Eintritt zahlen – der Inbegriff der Spießigkeit.

Aber so schlimm ist es gar nicht. Vorausgesetzt, man hat die richtige Ausflugsbegleitung und gute Laune, macht es sogar Spaß, die „BuGa“ in Koblenz zu besuchen. Geld braucht man natürlich auch, der Eintritt kostet 20 Euro (ermäßigt 18 Euro – diese Ermäßigung ist ein Hohn für alle, die sie in Anspruch nehmen müssen). Kaffee und Kuchen im Schloßcafé sind auch nicht billig, aber lecker.

Moderne Kunst im Schloßpark, aufgespießte oder zu Sträußen gebundene Plastikflaschen, sehr gesellschaftskritisch.

Ein paar Meter den Rhein abwärts ist das „Deutsche Eck“, wo Rhein und Mosel zusammenfließen. Normalerweise ist das hier einfaches Stadtgebiet, im letzten Jahr sind wir hier ungehindert überall herumgelaufen. Jetzt ist alles weiträumig mit hohen Zäunen abgesperrt. Merkwürdig.
Hier geht es in der Seilbahn zur anderen Rheinseite auf das BuGa-Gelände um die Festung Ehrenbreitstein.

Oben kann man noch höher steigen, über zwei Etagen wird man durch eine Art Holzgestell geführt, damit man über die Bäume hinweg sehen kann.

Zwischendurch darf man sich vom Wald beschuldigen lassen: „Ihr erwartet viel von mir! Ihr kommt zum Picknicken, ich soll euch das Wasser filtern, ihr wollt durch mich wandern, ich soll euch die Luft säubern, Weihnachtsbäume sind auch von mir, ihr benutzt mich als Toilettenpapier …“ – ja gut, zugegeben, das klingt jetzt wirklich nicht nett. Ungerecht irgendwie. Aber was sollen wir stattdessen benutzen? Stroh?

Von oben hat man einen schönen Blick aufs Deutsche Eck …

… und auf das BuGa-Gelände. Auf den ersten Blick könnte man auch meinen, das hier ist die Bundes-Rasenschau, …

… aber Blömcher (wie der Kölner sagt) gibt’s hier auch jede Menge.

Fortsetzung folgt!

Kunst in Bonn

In den Ausstellungsräumen der „Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland“ herrscht strengstes Fotografieverbot, das von wirklich vielen Aufpassern überwacht wird, keine Chance. Aber durch die Dreieckluke ins Foyer fotografieren, das durfte man immerhin.

Im Foyer ist neben Kinderbespaßung, Kassen, Garderobe und Buchladen auch das Cafè – sehr wuselig und laut, jedenfalls am Wochende. Zufällig war gestern das Museumsmeilenfest, alle Austellungen hatten freien Eintritt – Glück gehabt, wir hatten vorher keine Ahnung. Aber so war es vermutlich noch voller als sonst.

Das Beispiel habe ich aus dem Netz geliehen – mit Bildern des deutschen Impressionisten Max Liebermann hat man eine sehr schöne Ausstellung zusammengestellt, die genau die richtige Größe hat.

Die zweite Ausstellung galt dem ZERO-Künstler Heinz Mack, wer Lust hat, schaut hier.

Die Museumsmeile ist gewaltig – gegenüber der Halle steht das Kunstmuseum Bonn, dazwischen erstreckt sich der Museumsplatz, auf dem im Sommer Veranstaltungen stattfinden.

Man war nach dem 2. Weltkrieg der Meinung, daß auch die Bundesrepublik ein repräsentatives Gebäude braucht, um die Errungenschaften der deutschen Kultur entsprechend darzustellen. In den 80er Jahren war es endlich so weit, und gerade noch rechtzeitig vor der Wende wurde der Grundstein in der damaligen Hauptstadt gelegt. Natürlich kann man sich fragen, ob die monumentalen Ausmaße angemessen sind, aber Helmut Kohl liebte es groß, wie man ja auch am Bundeskanzleramt sehen kann. Die 16 Säulen im Hintergrund stehen übrigens symbolisch für die Bundesländer.

Wer bei schönem Wetter in Bonn ist, sollte es nicht versäumen, den Biergarten am Alten Zoll zu besuchen, vom Museum eine halbe Stunde Fußmarsch entfernt. Direkt am Rhein sitzt man unter einer riesigen Platane im Schatten – ah, so soll Sommer sein. Die Salate sind allerdings bescheiden, aber die Pizza sah ganz gut aus.

Ausflug nach Hamburg: Kunsthalle

Hereinspaziert! Wer mal in Hamburg ist und sich auch nur ein wenig für Kunst interessiert, sollte unbedingt die Hamburger Kunsthalle, gleich neben dem Bahnhof gelegen, besuchen.

In einem sehr schönen Gebäude werden Kunstwerke aus allen Jahrhunderten gezeigt – von manchen Epochen nicht viele, aber auf das, was man hat, kann man stolz sein, wie auf dieses weltberühmte Bild von Caspar David Friedrich.

Van Gogh gibt schon mal einen Ausblick auf den Spätsommer.

Große Säle, in denen riesige ‚Schinken‘ Platz finden …

… wechseln sich ab mit kleineren Räumen und intimeren Themen.

Skulpturen gibt es hier und da auch zu sehen, wie dieser Messingkopf von Rudolf Belling, von dem ich besonders angetan bin.

Schon immer war ich fasziniert von dem Bild „John der Frauenmörder“ von George Grosz: 1918 gemalt, zeigt es genial umgesetzt die Verrohung des Menschen durch den Krieg.
Rechts das Portrait von Egon Erwin Kisch, gemalt von Christian Schad.

Auf der Suche nach dem Café und einem Schwenk durch die zeitgenössische Kunst (die Ausstellung zeigt unscharfe Kunstwerke, es liegt also nicht an meiner Kamera) …

… kommt man durch geheimnisvolle Orte.

Das Café schließlich ist das Tüpfelchen auf dem i – perfekt!

Ausflug nach Hamburg: Hafen-City

Die Innenstadt von Hamburg ist häßlich, was vermutlich zu einem guten Teil daran liegt, daß die Stadt im 2. WK weitgehend zerstört wurde: Eine uneinheitliche Bebauung, viele Autostraßen, und selbst wenn man mal eine schöne Ecke hat wie am Rathaus, verheißen die Gebäude am Rande oder am Ende der Blickachsen nichts Gutes.

Zur Elbe hin hat man immerhin die Speicherstadt aus dem Jahre 1883 stehen lassen, zwei Gebäuderiegel von einer Länge von 1,5 km, zwischen denen Wasser fließt, und die früher als Lagerhäuser genutzt wurden. Seit 1991 stehen sie unter Denkmalschutz und werden sanft renoviert und vielfach als Museumsräume, aber natürlich auch als Büros und Lagerhallen genutzt.

Auf der anderen Seite jedoch geht es wenig sensibel weiter: Hier entsteht die neue Hafen-City. „Eine Stadt zerstört sich selbst“, dachte ich spontan, als ich hier durchging. Die Gebäude die hier schon zigfach stehen (es sollen bis 2020 noch jede Menge andere hinzukommen), haben nur eins gemeinsam: Sie sind häßlich und abstoßend, unorganisch, getrennt voneinander durch windige Häuserschluchten und leblose große Plätze. Ein Gesamtplan, was die ästhetisch-städtebauliche Erscheinungsweise betrifft, ist nicht erkennbar.

Wohnungen für 12.000 und Arbeitsplätze für 40.000 Menschen sollen hier entstehen, Büros, die man dringend braucht, wenn auch keiner weiß, wofür. Im Haus oben ist noch was frei, 2-4-Zimmer-Wohnungen in einer Größe von 43 bis ca. 200 m². Ich vermute mal, Hartz-IV-Familien werden hier nicht einziehen, aber das ist für die auch besser so – ich möchte nicht wissen, was ein solches Wohnumfeld auf Dauer mit den Menschen macht, die hier hausen.

Sie an, da ist sogar jemand. Wenn er Kinder hat, kann er sie …

… auf diesem Spielplatz im Innenhof beschäftigen, der reinste Abenteuerspielplatz. Hier lernt der Nachwuchs früh, sich in der „Schönen neuen Welt“ zurechtzufinden.

Das Verrückte ist: Die Planer und Investoren wissen natürlich ganz genau, wie urbanes Leben menschenwürdig aussehen könnte und machen mit großen Plakaten dafür Werbung – mitten in dieser Steinwüste, wo die Menschen in Käfighaltung untergebracht werden.

Auf dem Gelände liegt übrigens auch die neue Elbphilharmonie, die ursprünglich 77 Millionen Euro kosten sollte. Inzwischen ist man bei mindestens 351,3 Millionen Euro – aber keine Sorge, das sind nur Steuergelder.

Der architektonische Größenwahn beschränkt sich allerdings nicht auf die Hafen-City, überall am Fluß entstehen surreal anmutende Gegenden …