Ehrenstr./Brüsseler Str.

Graffiti sind in der Großstadt immer noch ein großes Thema: Als Teil der Jugendkultur greifen Firmen diese Kunst auf, um ihre Sachen zu verkaufen. In Berlin veranstaltet Adidas Stadtführungen zu Streetart und installiert im Netz einen „Urban art guide“ – das Muster kennt man spätestens seit der Entwicklung der Pop-Musik und allem, was damit zusammenhängt: Subkulturelle Erscheinungen werden von der Wirtschaft aufgegriffen, um Geld damit zu verdienen.

Die Gefahr, daß Graffiti-Kunst komplett kommerzialisiert wird, ist allerdings relativ gering. Wenn sie nämlich ohne Erlaubnis angebracht wird, fühlen sich Hauseigentümer in ihrem Recht auf Privateigentum verletzt und reagieren sauer. Aber: Jedes Haus gehört irgendjemandem, die Stadtbewohner sind aber zumeist Mieter. Wem gehört die Stadt: Denen, die die Häuser besitzen, oder denen, die in ihr wohnen? Sind Mieter nur Gäste in ihrer Stadt? Ist Öffentlichkeit und Umwelt in Privatbesitz? Die Häuser, so die Argumentation vieler Streetartisten, mögen in privatem Besitz sein, die öffentliche Umwelt aber, die sie erzeugen, gehört uns genauso. Also gestalten wir sie mit.
Leider nicht immer mit glücklicher Hand, ich kann den Zorn, der sich in dem kleinen Plakat äußert, verstehen, denn es hängt hier:

Nur, weil einer einen Stift halten kann, macht ihn das noch nicht zum Künstler. „Kuck mal, ich kann einen Buchstaben schreiben!“ – oder was soll uns das sagen? Anders natürlich das Klebegraffito unten rechts: Die künstlerische Umsetzung eines Zeitphänomens.

Wer noch mehr küstlerische Graffiti sehen will, empfehle ich mein anderes Blog.

Venloer Str.

Polizei! CIA! FBI! Ich hab ihn, da isser: Der angekündigte Taliban auf dem Weihnachtsmarkt! Schnell schnell! Ergreift ihn, bevor er seinen Koffer abstellt!

Ich habe ihn gleich erkannt, schließlich hat nicht jeder einen schwarzen Balken vor den Augen. Falls man mir die Ehrenbürgerwürde antragen möchte: Bitte. Ich steh im Telefonbuch.

Was?! Das ist gar nicht … sondern der ehrenwerte Herr Mokthar aus Hennef, der auf dem Weihnachtsmarkt am Stadtgarten einen Stand betreibt und dort Olivenholzartikel und Parfüm anbietet? Aber … aber … na gut. Nichts für ungut. Aber ich bleibe wachsam. Dahinten hat sich noch jemand merkwürdig verhalten: Der hatte eine rote Zipfelmütze auf dem Kopf!

Wallraf-Richartz-Museum

Neulich war wieder mal lange Museumsnacht. Das ist nett, wenn man nicht unbedingt da hingeht, wo alle hingehen, jedenfalls nicht zur selben Zeit. Spät erst waren wir im Wallraf-Richartz-Museum. Das war zwar immer noch voll, aber die Reihen lichteten sich. „Auf Leben und Tod“ heißt die interessante Ausstellung, in der Fotografien neben Gemälden hängen. Der Tod darf natürlich in der Werbung nicht vorkommen, sonst hieße es analog: „Lebe Ramazzotti und stirb.“ Aber wer würde das dann noch trinken?

Wir trinken lieber Bier und Kakao im Museumscafé, Platz genug ist inzwischen.

Der Umgang des Museums mit seinen Meisterwerken ist recht respektlos – in gutem Sinne, finde ich, denn warum soll man etwas anstaunen, nur weil Museumsautoritäten einem das sagen? Da braucht man noch Deko fürs Café? Da wird einfach ein Ausschnitt von einem Hodler-Bild abfotografiert, ins Monumentale aufgeblasen und an die Wand gehängt. Bitteschön! Wer das Original sehen will: Kein Problem, Eintritt zahlen, schon ist man drin. Und hinterher kann man sich noch eine Tasse mit dem selben Motiv kaufen.

"Liebes Geld!"

Ich hatte mal eine Freundin, die wollte es das ganze Jahr über, aber das hat mich irgendwann genervt. Aber in der Adventszeit, finde ich, ist das eine schöne Sitte, wie Grünkohl nach dem ersten Frost oder Spargel als Boten des Frühlings: Das Vorlesen. Erst habe ich eine Geschichte bei Mimiotschka gehört, dann im Teppichhaus Trithemius, aus dessen Lagerhallen der ersten Filiale auch folgender Text stammt. Er geht zu Herzen und spart doch die Wirren des Alltags nicht aus: Es geht um eine aussichtslose, einseitige Liebe, die vermutlich nie in Erfüllung geht. Taschentücher bereithalten:

usflug nach Zürich

Letzte Woche war ich zwei Tage in Zürich, auf Dienstreise. Auf dem halben Weg zum Bahnhof bemerkte ich die Katastrophe: Kamera vergessen! Zu spät, um zurückzugehen! Also kaufte ich am Bahnhof zwei Einwegkameras. Und so sehen die Bilder nun auch aus.

Ein Gruß an alle Dadaisten aus der Spiegelgasse 1. Das Haus war gerade besetzt, aber nur an einem Tag, am nächsten schien alles normal zu sein. Ich habe nicht herausgefunden, was da los war. Vermutlich nur Dada.

Die Altstadt von Zürich ist toll: Ganz viele kleine Gassen und Geschäfte, Kneipen, Cafés, Restaurants …

… und Buchläden und Antiquariate.

Die Temperatur war um 0 Grad, das hinderte die Züricher aber nicht daran, draußen Käsefondue zu essen … wirklich wahr, ich flunkere nicht, da saß eine Gruppe von ungefähr zehn Leuten, dick in Decken eingepackt, ein Kellner brachte Getränke nach draußen. Ich hätte ein Foto gemacht, wenn … ja, wenn. Es war ein komisches Gefühl, so ohne meine gewohnte Kamera allein durch eine fremde Stadt zu spazieren, ich kam mir zeitweise etwas verloren vor und spürte einen Hauch von Einsamkeit. Mit Kamera wäre mir das garantiert nicht passiert, ich wäre beschäftigt gewesen, hätte eine „Aufgabe“ gehabt. So sehr ich mich zu Anfang auch geärgert habe, daß ich den Apparat vergessen hatte, so war es doch auch ganz interessant zu spüren, das es eine Wirklichkeit jenseits von Linien, Farben und Fluchten gibt, die nicht in Zeiteinheiten von Foto zu Foto gegliedert ist. Es macht Mühe, einfach nur da zu sein.

Das Höllentor von Rodin – toll! Das habe ich so noch nicht gesehen. Es steht vor der Kunsthalle, die ständige Ausstellung kann sich sehen lassen, die zahlreichen Kunstwerke sind eine Reise durch die ganze Kunstgeschichte.

Der Zürichsee mit einem kleinen Theaterschiff – auch innen sehr schön, aber leider …

Zürich ist eine Reise wert, hier komme ich bestimmt nochmal her.

Weihnachtsstimmung in der Innenstadt

Früh wird in der Stadt versucht, weihnachtliche Stimmung zu erzeugen. Geld muß in den Umlauf gebracht werden, damit die Wirtschaft brummt, die Unternehmen denken da in erster Linie natürlich an die Arbeitsplätze, das weiß man ja. Der zugige Roncalliplatz am Dom versucht es diesmal mit dem ganz dicken Kitschhammer.

Die Werbung der französischen Zigarettenfirma wirkt irgendwie deplatziert: Hundert Jahre Freiheit, die darin besteht, oben und unten qualmend auf einem Moped durch die Gegend zu knattern? In der Adventszeit? Bei dieser A…kälte?? Ohne mich, so blöd ist ja nichtmal ein Globaltrottel. Außerdem stell ich mir Freiheit anders vor …

… nämlich so: Diese Herren-Butike weiß, was freie Männer brauchen. Wer hier seinen Anzug samt Seidenschal kauft, ist der 1000-PS-Freiheit schon ein wesentliches Stück näher. Der Mann von Welt trägtfährt heute Maserati! (Ein Moped! – nicht zu fassen)

Wer mir unbedingt was zu Weihnachten schenken will: Ein gutes Buch kommt immer gut an. Aber bitte nicht aus diesem Regal. Sind das eigentlich noch die Nachwehen von Harry Potter, daß Fantasy-Literatur so hoch im Kurs steht? Aber jeder, wie er will, ich finde z.B. die Bücher der Brüder Strugatzki (unten rechts) wirklich gut.

Partyschiff am Rheinufer

An eine Karte für diese Veranstaltung auf dem Partyschiff war leider gar nicht zu denken, wenn man nicht dazu gehörte. Gut, der erste Teil des Abends, das kennt man: Erst spult die Gruppe „Sabbelschnüss & Schliemdresser“ ihr Programm ab, das „Goldene Rollo“ am Band wird vergeben für den höchsten Umsatz und neue Technologie in Form eines sprechenden Sonnenschutzes weist den Weg in eine erfolgreiche Zukunft – neben der Erledigung der üblichen Aufgaben wird man mit ihm die Auswirkungen der kantischen Urteilskraft diskutieren können. Dazu wird Kölsch-Bier und „Himmel un Ääd“ (Blutwurst) gereicht, oder „Halver Hahn“ (Gouda-Käse). Nach Mitternacht beginnt dann endlich, endlich die karibische Nacht. Zu exotischen Longdrinks und heißen Rhythmen zieht die nicht minder heiße dunkelhäutige Tänzerin Coco die Lamellen ihres Jalousiekleides einzeln vom Leib. Von diesem Ereignis wird der Rolladen- und Sonnenschutz-Fachverkäufer noch das ganze Jahr zehren, bis es wieder heißt: „Dagedeeve, Sackjeseechter, Kappesköppe: Willkommen!“

Anna-Schneider-Steig

Schnappschüsse am selben Ort: Arbeit und Vergnügen an einem Sonntagnachmittag. Aber was ist was? Während die einen sich an einer ritualisierten Form des Feierns abarbeiten müssen, spielt der andere mit dem Wasserschlauch und kriegt noch Geld dafür. Alles eine Frage der Perspektive.