Schon x-mal bin ich an ihm vorbei gelaufen, und immer wieder ertappe ich mich dabei, daß ich kurz zögere. Dabei weiß ich inzwischen ganz genau: Der geht da nicht weg. Der wartet auch nicht darauf, jemandem in dem Hotel, in dessen Entree er sitzt, die letzte Ölung zu geben, oder Brautleuten Instruktionen zum Ablauf ihrer Trauung. Der sitzt da vermutlich aus historischen Gründen: Seit Ende des 19. Jahrhundert war hier ein Kloster der Barmherzigen Brüder zu Montabaur, und die Mönche machten ihrem Namen alle Ehre: Mittellose Kranke wurden unentgeltlich gepflegt, bis sie wieder gesund waren, und wer Hunger hatte, aber kein Geld, bekam dort immer eine warme Mahlzeit. In den 70er Jahren wurde das Gebäude verkauft, und das Hotel Hopper, das nun hier eins ihrer drei Häuser betreibt, hat offenbar einen etwas schrägen Humor: „Jetzt werden hier wieder Menschen beherbergt und verpflegt. Jedoch freuen sich die heutigen Brüder über entsprechende Enschädigung“, steht auf der Homepage – ein Einzelzimmer kostet pro Übernachtung zwischen 80 und 95 Euro. Und der Beistand ist auch nicht mehr derselbe: Viel sprechen tut er nicht, der Deko-Geistliche. Aber dafür macht er auch sonst keinen Unsinn.
Kaiser-Wilhelm-Ring / Brabanter Str.
Letzte Woche war die 22. Internationale Möbel-Messe in Köln. Ich bin die zahlreichen Möbelhäuser an den Ringen abgelaufen in der Erwartung, ich würde noch mehr lustig-absurd gestaltete Schaufenster – wie neulich das Apfelbett – entdecken, aber bis auf die mäßig originellen Teppichmonster vom Designer Jan Kath war nichts Besonderes zu sehen. Okay, macht nichts, gebe ich also in Zukunft meine Millionen bei Franta im belgischen Viertel aus, meine Villa hat noch ein Zimmer frei, und so ein überlebensgroßer Oscar fehlt mir noch in meiner Sammlung überflüssiger Dinge.
Hohenzollernring
Das WDR-Radio hat kürzlich eine Umfrage veranstaltet, „50 Dinge, die ein Nordrhein-Westfale in seinem Leben getan haben muss“. Blutwurst essen ist gottseidank nicht dabei. Fast alles, was auf der Liste steht, könnte ich bedenkenlos machen, nur eins nicht: Einmal Schützenkönig sein. Auf Platz 9 steht: „Eine gemischte Tüte am Büdchen kaufen.“ Kein Problem, wird sofort erledigt.
Ruhender Verkehr
… heißt diese Plastik des Künstlers Wolf Vostell aus dem Jahre 1969: Ein ursprünglich fahrtüchtiger, einbetonierter Opel Kapitän, der auf dem Mittelstreifen des vierspurigen Hohenzollernrings steht. Wie man sehen kann, darf man auch darauf herumturnen.
Hier ist ein kleiner Film über die Entstehung des Kunstwerks zu sehen. Vostell sagte später in einem Interview zu seiner Zeit in Köln: „Es sind Dinge passiert in einer Zeit, als ein außergewöhnlicher Freiheitsbegriff für die Künstler politisch wirksam war. Es gab eine große Bereitschaft und Neugier bei den Medien, und sie unterstützten uns auch. Es war Aufbruchsstimmung: die Vorzeit der Studentenrebellion, die ich für eine der besten Sachen im Nachkriegsdeutschland halte. Das ist der Humus, auf dem in den sechziger Jahren alles wachsen und später gedeihen konnte.“(Kunstforum 117,1992)
Historisch betrachtet steht die Aktionskunst (auch Fluxus und Happening) in der Tradition der DADA-Künstler um 1920: Zum Teil völlig sinnfrei, zum Teil mit politischem und gesellschaftskritischem Hintergrund versuchten Künstler wie z.B. Vostell, Beuys und Paik, den traditionellen Kunstbegriff infrage zu stellen. Spaß an der Provokation war natürlich immer dabei, aber man täuscht sich, wenn man glaubt, die Kunst würde sich darin erschöpfen.
Teil der Plastik ist eigentlich, daß sie einen Parkplatz besetzt, ursprünglich geplant vor dem damaligen Wallraf-Richartz-Museum. Das ging der Stadtverwaltung nun aber doch zu weit: Kunst schön und gut, aber nur, wenn sie nicht wehtut. Also steht der „Ruhende Verkehr“ seit 1989 an einer Stelle, wo man ihn getrost vergessen kann. Und genau aus diesem Grund, um das Kunstwerk zumindest zeitweise wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken, haben letztes Jahr drei Architekten (im Rahmen von ‚plan 10‚) einen sogenannten „Verstärker“ installiert: Eine Garage, wie sinnig.
Was jetzt allerdings diesen älteren Herren dazu veranlaßt, Kunststückchen auf dem Verstärkerkunstwerk aufzuführen, entzieht sich meiner Kenntnis. Wahrscheinlich völlig gagadada.
Hahnenstr.
Nochmal ein Schaufenster: Zur Sicherheit hängt in diesem Lampengeschäft ein Zettel, daß dies Werke des Künstlers Stephan Gentsch sind. Denn Kunst kann schön sein, muß ja aber nicht. Wer also zu Hause merkt, daß das nicht so recht zum Ikea-Mobiliar oder Gelsenkirchener Barock paßt, kann sich wenigstens dem Gedanken hingeben, er sei im Besitz eines Kunstwerks, auch wenn es in der Rumpelkammer steht.
Am Neumarkt / Hohenstaufenring
Wenn man Äpfel über den Winter bringen will, sollte man sie möglichst so lagern, daß sie sich nicht berühren. Aber ob das Bett der richtige Ort dafür ist? Oder was gibt es sonst für eine Verbindung Bett/Äpfel? Ich hab’s: Ohne Äpfel gäbe es uns nicht. Hätten Adam und Eva nicht vom Apfel der Erkenntnis gegessen, säßen sie immer noch allein im Paradies, hätten keine Ahnung, was sie mit ihrer jeweiligen körperlichen Ausstattung anfangen sollten und würden sich langweilen. Kurz gesagt: Ohne Äpfel kein Sex. Das Bett wäre allenfalls ein Ort zum Schlafen. Äpfel im Bett sind also eine mehr oder weniger subtile Aufforderung zum … äh, ja.
Mich in ein Gesicht zu setzen, und sei es auch von hinten, würde mir allerdings im Traume nicht einfallen.
PS: Vom 18.01 – 23.01. findet in Köln die Möbelmesse „imm cologne“ statt. Die Möbelhäuser buhlen entsprechend um Aufmerksamkeit.
Graeffstr.
Das Herkuleshaus ist nicht etwa die 13. Arbeit eines starken Mannes, sondern heißt so, weil es in der Nähe der Herkulesstr. liegt. 1973 wurde es fertiggestellt, und das sieht man ihm auch an: Eine solche Farbgestaltung würde heute kein Architekt mehr durchsetzen können. Auf den 31 Stockwerken sind immer mal wieder Wohnungen frei, auf den schnellen Blick via Google aber hauptsächlich 1-Zimmerwohnungen von 34 m² für 450 Euro. Dafür gibt es einen 24-Stunden-Pförtner, einen Kiosk, Schwimmbad- und Sauna-Benutzung. In was für einem Zustand das alles ist, weiß ich allerdings nicht.
Hochwasser
„Das Team der Hochwasserschutzzentrale wünscht Ihnen eine tolle Woche.“ ist auf ihrer Seite zu lesen. Das ist nett. Der Pegel des Rheins steigt stündlich ca. 3 cm, im Moment steht er bei 8,75 Meter, und voraussichtlich soll Dienstag mit 9 Metern der Höchststand erreicht sein. In ca. 24 Stunden à 3 cm, plus 8,75 m … euch auch tolle Tage, liebe Leute von der Hochwasserschutzzentrale. Wieviele Kölsch waren es denn gestern abend?
Die Promenade ist bereits abgesperrt, aber zu schlimmeren Überschwemmungen wird es wohl nicht kommen.
Die am Kai des Rheinauhafens liegenden Schiffe, von denen man sonst allenfalls die Takelage sieht, rücken den Anwohnern noch dichter auf die Pelle. Wer hier wohnt, hat tief in die Tasche gegriffen, um einen freien Blick auf den Rhein in exklusiver Lage zu genießen. Dummerweise ankern hier bereits seit 1898 Schiffe, und bis die angelegt und alles vetäut haben, produzieren sie jede Menge Lärm und Dieselabgase. Verständlicherweise paßt das den betuchten Anwohnern nicht – also setzt man sich zusammen und bespricht, wie das Problem zu lösen ist … so würden das jedenfalls vernünftige Menschen machen. Was passierte hier? Die Anwohner bewarfen die Schiffe nachts mit Tomaten, rohen Eiern und Gurken, und es soll auch schon mal ein Schuß aus einem Luftgewehr zu hören gewesen sein, Lösungswege der gehobenen Klasse. Danke für das Beispiel, wenn das nächste Mal ein Brummi an meinem Haus vorbeifährt, weiß ich, was ich zu tun habe.

