Neumarkt

Auf dem Weihnachtsmarkt gibt es jede halbe Stunde frische Mandeln. Das nenn ich wirklich frisch. Aber was ist mit den alten? Werden die weggeworfen? Dann hätte ich gern davon eine Tüte. Oder (frei nach Horst Evers): Ich hätte gern eine Tüte von den Mandeln, die in einer halben Stunde entsorgt werden, und nehme sie gern jetzt schon mit.

An einem Stand gibt es rostige Schrauben und Muttern … damit Vatern Heiligabend was zu tun hat? Falls ihm langweilig wird, kann er auch hineinbeißen, denn sie sind aus Schokolade.

17 Euro für eine Tüte Pralinen, im „Angebot“! Soll das heißen, sie sind billiger als normal? Oder nur, daß man sie halt anbietet? Und was ist dann mit dem anderen Zeug? Das bieten sie nicht an, sondern behalten es für sich. Gemein.

Eine Eisprinzessin mit Lichtgeweih schwebt anmutig durch die Menge – keine schlechte Leistung, wenn man bedenkt, daß sie auf Stelzen stöckelt.

Kölnpfad, Etappe 7

Vom Kölnpfad habe ich hier schon mal erzählt – ca. 170 Kilometer rund um Köln in elf Etappen. Die siebte Etappe durchs rechtsrheinische Dünnwald bis Thielenbruch hat eine Länge von ca. 12 Kilometern und zeichnet sich dadurch eindrucksvoll aus, daß sie fast nur durch Wald führt, eindrucksvoll deswegen, da wir uns in einem sehr zersiedelten Gebiet befinden. Immer mal wieder treffen wir auf Jogger und Sonntagsspaziergänger, aber auf weiten Strecken ist außer uns niemand zu sehen.

Wald ist schön … aber, tja, eben nur Wald, er ähnelt sich doch sehr, trotz ganz unterschiedlicher Stellen. Das macht aber nichts, die Luft ist gut, die Bewegung wärmt, und bei guter Begleitung kann man wunderbar private und globale Katastrophen durchdiskutieren. Einmal führt uns der Weg an den Rand menschlicher Behausungen – Wahnsinn, ein Kreisverkehr! Viel mehr ist hier nicht los.

Die frühe Dämmerung schenkt uns eine doppelte Sonne – schon schön.

Wandern macht hungrig, außerdem – wer will das bestreiten – gehören Kaffee und Kuchen ganz unbedingt zu einem Sonntagnachmittag. Die Terrasse der „Diepeschrather Mühle“ ist halb offen, geschützt genug, um eine kleine Pause zu machen, ohne auszukühlen. Vor hundert Jahren gab es hier nur eine Limonadenbude, dann entstand ein Ausflugslokal mit wechselvoller Geschichte. Die letzte Grundrenovierung mit anschließender Neueröffnung war erst Anfang dieses Jahres. Ob es daran liegt, daß die drei KellnerInnen einen relativ kopflosen Eindruck machten? Am Nebentisch wurden die Bestellungen von zwei Familien mit einem Hightechgerät aufgenommen und an die Küche gefunkt – nach einer halben Stunde stellte man fest, daß das wohl nicht nicht funktioniert hat. Ein Hoch auf Stift und Block. Und dem Kellner, der mir den Kuchen ohne Besteck servierte, konnte man ansehen, daß die Wörter: „Eine Gabel bringe ich sofort“ seinen Mund verließen, ohne die geringste Erinnerungsspur in seien Kopf zu hinterlassen, ich wünschte manchmal, diese Fähigkeit hätte ich auch, etwas aussprechen und für alle Zeiten los zu sein.

Auf dem Weg zur Straßenbahn ein Gruß der fast schon ländlich wohnenden Einwohner an die Besucher aus der Stadt: Hier gibt es Phänomene, von denen albträumt ihr nicht mal. Schon verstanden, wir hatten eh nicht vor, hier zu bauen.

Brückenstr.

„Erstaunlich ist, wie jung er geblieben ist, erfrischend, von pikanter Süße mit leicht salzigen Noten: ein fast jugendlicher Senior, lebenslustig und springlebendig.“
Wer jetzt glaubt, hier sei von mir die Rede, dem/der danke ich herzlich. Tatsächlich ist ein 30jährigen Whisky gemeint.

„Hier müßte man mal 100 Euro übrig haben, zum Verprassen“, sagte meine Begleiterin. Weit würde man damit aber nicht kommen, der Whisky allein kostet bereits 159 Euro.
„Manufactum“ hat Ende der 80er Jahre als Versandhandel angefangen, inzwischen gibt es in einigen Großstädten ein paar Läden. Als Gegenentwurf zur Plastik- und Wegwerfgesellschaft wird hier auf traditionell hergestellte Waren aus Naturstoffen Wert gelegt, und neuerdings haben sie auch eine Lebensmittelabteilung …

… und einen kleinen Imbiß.

Teilweise findet man hier Sachen, die man das letzte Mal vor Urzeiten bei seinem Opa gesehen hat. Hier gibt es übrigens nichts, was es nicht gibt: Klamotten, Möbel, Küchenutensilien, Bürobedarf, ausgewählte Bücher, Gartengeräte usw.

… und, wie gesagt, vieles, was man heute kaum noch kennt. Das ist zum Beispiel eine Wärmflasche (95,00 Euro) …

… und das eine kupferne Badewanne (3.200,00 Euro). Geiz ist hier natürlich nicht geil, man muß kein Hartz-IV-Empfänger sein, um sich die meisten Dinge nicht leisten zu können. Das Schöne ist: Das Meiste braucht man auch nicht. Ich habe in diesem Laden jedenfalls noch nie etwas gekauft, aber ich schlendere gern durch die Räume und bestaune die handgemachten Waren wie in einem Museum.

Wer weiß, vielleicht kaufe ich mir mal so einen Gänsekiel (5,80 Euro), den kann ich zwar auch nicht gebrauchen, aber er ist einigermaßen erschwinglich und sieht schön aus. Für das dazugehörige Tintenfäßchen muß man aber gleich wieder 38 Euro berappen, dafür ist es mundgeblasen.

Ach übrigens, kleine Ironie des Schicksals: Seit 2008 gehört die Firma „Manufactum“ dem Otto-Versand.

November

Was spricht dagegen, im November im Park zu grillen? Solange die Sonne scheint und der Wind nicht zu kühl bläst, außerdem gewärmt durch eine gute Felljacke: Gar nichts.

Der Laternenpfahl dagegen wurde von wohlmeinenden Menschen bereits gegen eine Erkältung geschützt, und warum nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden: Für Hunde, die nicht lesen können, ein Piktogramm, was sie da machen sollen.

Das Phänomen nennt man übrigens „Guerilla Knitting„, oder auch gestricktes Graffiti. Es wurde 2005 in den USA erfunden, das hier ist das erste Werk dieser Art, das ich in Köln gefunden habe.

Wenn man den Colonius so einsam in der kalten Abenddämmerung stehen sieht, wünscht man ihm auch etwas mehr Zuwendung: Das wäre doch mal eine Idee, den ganzen Turm zu umstricken. Und als nächstes dann den Dom.

Breite Str. / Brüsseler Str.

„Die US-Zeitschrift „Fortune“ erklärte die Post-it zu einer der wichtigsten Erfindungen des 20. Jahrhunderts – zusammen mit dem Kühlschrank, der Boeing 707 und der Compact Disc.“, steht bei Wikipedia. Schön, daß es verantwortungsbewußte Menschen in Wirtschaft und Handel gibt, die das zu würdigen wissen.

Der Klebezettel ist übrigens eine Serendipity-Erfindung, ähnlich wie Amerika oder der Teebeutel.

Zeughausstr.

Ein Ford Taunus 17m, auch gern „Badewanne“ genannt, nicht etwa, weil es hineinregnete, sondern wegen seiner schlichten Form: Kein Chromschnickschnack, keine Heckflossen, stattdessen eine „Linie der Vernunft“, wie es in der Werbung hieß. Knapp 700.000 Stück würden davon Anfang der 60er Jahre verkauft. Als Jugendlicher bin ich mal in einem mitgefahren, soweit ich mich erinnere, war es ein gemütliches Auto, hinten hatte man viel Platz auf weichen Polstern, und weich war auch die Federung der Karosserie, fehlte eigentlich nur das Tuten von Dampfschiffen, und die Illusion einer Seefahrt wäre perfekt gewesen.
Und wieso steht ein Exemplar davon im Kölnischen Stadtmuseum? Na, ist doch klar: Er fährt nicht nur mit Benzin, sondern auch mit Kölsch. Schließlich wurde er in den Kölner Fordwerken erfunden und hergestellt.

Riehler Str., Skulpturenpark

Zu seltenen Gelegenheiten wird der Skulpturengarten nachts geöffnet und man kann die Plastiken in farbiger Beleuchtung bestaunen.

„Traut euren Augen, dort kommen sie“, hat der Künstler diese Skulptur genannt, einen großen amorphen Sandstein. Ob er uns meint? Keine Sorge, wir beißen nicht, wir kucken bloß.

Der Baum, der so schön angestrahlt wird, ist tagsüber auch Kunstwerk von Beruf, was sich dadurch zeigt, daß er bedeutungsschwer mitten im Weg steht. Die Künstlerin nennt dieses Kunstwerk „Der Park“ – also, mal sehen, ob ich das verstanden habe: Der „Park“ stellt sich dem Parkbesucher in den Weg und reklamiert den Park für sich. Das erinnert mich an einen größenwahnsinnigen König, der gesagt hat: „L’état, ce moi.“ (Der Staat bin ich.) Vielleicht sollte die Künstlerin nochmal darüber nachdenken, denn wenn der Park nur für den Park da wäre, dann gäbe es ihn gar nicht. Aber egal.

Wir nehmen das heute nicht so genau, sieht doch alles sehr schön aus. In einem kleinen Café stärken wir uns mit einem Kölsch …

… bevor wir uns wieder dem Ausgang nähern: So ein Spaziergang im Dunkeln macht wirklich Spaß, allerdings gehen wir das nächste Mal im Sommer, im November ist es schon empfindlich kalt.

Mediapark

Solang es noch geht, genießen die Leute die Sonne, die Kinder sollen sich im Freien auspowern, dann machen sie abends nicht so viel Krach.

Auf dem kleineren Teil des Mediaturms gibt es eine Aussichtsplattform im 30. Stock, die zum Restaurant „Osman30“ gehört, von der man nicht fotografieren darf. Ich konnte es erst nicht glauben, aber nein – streng verboten. Nachher spricht sich das noch herum und Krethi und Plethi kommt und trinkt nur Kaffee, nee nee nee, soweit kommt’s noch! Hier werden ausschließlich 3-Gänge-Menüs für 44 Euro serviert.