Gruppenblog "Das gute Buch"

Oh no! – nicht noch ein Gruppenblog, das ist doch eine Totgeburt, da macht doch keiner mit, das interessiert doch keine Sau … Stopp! MICH interessiert das aber, was ihr lest und für gut und interessant befindet. Und wenn mich das interessiert, dann ja vielleicht auch noch ein paar andere.

„Ich glaube, dass wir – auch und besonders wir, die wir geradezu leidenschaftlich gerne selbst schreiben – eine Mitverantwortung dafür tragen, dass die Fußspuren der großen Dichter sich nicht verwischen.“, habe ich neulich bei Blogfreundin cuentacuentos gelesen. Das leuchtet mir augenblicklich ein: Wenn keiner über die guten Bücher spricht, die ihm oder ihr gefallen haben, erfährt natürlich auch niemand etwas darüber. Und dieses Darüber-Sprechen brauchen wir nicht mehr den Profis in den traditionellen Medien zu überlassen – Literaturkritiker sind oft eine Art von Spezialisten, die dem Publikum zeigen möchten, wie dumm es doch sei, im Gegensatz zu ihnen natürlich.

Wir machen uns unseren eingenen Literaturkanon, in dem neben Faust und Hamlet Asterix und das Nesthäkchen einen Platz finden können. Ich hoffe, ihr macht mit.

„Das gut Buch“ ist der Titel des neuen Gruppenblogs, seine Adresse ist http://klassiker.blog.de/

Wieder mal im Dom

Wie jetzt – die Leute campieren jetzt im Dom? Rucksack, Campingstühle, alles dabei? „Wenn jetzt jemand mit Kölschstangen vorbeikäme …“, sagte meine durstige Begleiterin. Hätte ich auch begrüßt, vielleicht noch ein paar Brezel. Gestern gab’s Musik im Dom. Jedes Jahr im Sommer werden an 12 Dienstagen Orgelkonzerte gegeben. Organisten aus der ganzen Welt werden eingeladen, für jeweils eine Stunde mit eigenen und alten Werken die Domorgel zu bespielen. Der Eintritt ist frei, deshalb ist es ratsam, mindestens eine halbe Stunde vorher da zu sein.

Die Orgelempore. Der Organist spielte diesmal drei Eigenkompositionen, außerdem je ein Stück von Bach und Franck. Die modernen Stücke erinnerten teilweise an Begleitmusik für einen Film, in dem ganz ganz schreckliche Sachen passieren. Das Gute daran: Die Orgel wurde richtig ausgelastet und konnte in diesem monströsen und zugleich großartigen Gebäude zeigen, was in ihr steckt. Am Ende waren wir allerdings etwas erschöpft. Zwischendurch das Stück von Bach: Der entschädigt für alles.

Blücherpark

Viel zu warm, um irgendwas zu tun. Fenster auf, im angenehmen Luftzug sitzen und mal schauen, was so läuft auf der Straße.

Mensch dagegen treibt es in den Park: Der Blücherpark ist nicht so voll wie die Parks in der Innenstadt. Schade, daß wir schon woanders gegessen haben, die Quiche am Nebentisch sieht wirklich lecker aus.

Davorn rechts bauen Musiker gerade ihre Instrumente auf, schöne Überraschung. Die Musik ist unaufdringlich, ich glaube, man nennt das „chillig“, also beruhigend. Gut, kann ja nicht schaden.

(Immer weniger) Krank in Berlin

Selbst wäre ich nie darauf gekommen, in diesen Laden zu gehen, aber meine Begleiterin ließ keine Widerrede zu: „Wir probieren das jetzt.“

Was soll ich sagen: Überraschend lecker! Es ist ein Joghurteis, und die Toppings sieht man oben in der Theke. Der kleinste Becher ist völlig ausreichend und kostet mit einem Topping 2,50, jedes weitere 50 Cent zusätzlich. Doch, gar nicht übel.

Stadt der Gegensätze: Dies sind die Prinzessinnengärten am Moritzplatz. Über 60 Jahre war hier Brachland, bis sich im Jahr 2009 ein paar Leute zusammentaten, den Platz entrümpelten und einen mobilen Nutz- und Erholungsgarten einrichteten. Café und Küche sind in Wellblechhütten untergebracht, jeden Tag gibt es einen Mittagstisch mit Gemüse aus eigenem Anbau und eine Abendpizza.

Der Garten ist mobil, d.h., die Beete sind in alten Kisten untergebracht. Der Platz ist nicht illegal besetzt, sondern von der Stadt gemietet, aber man weiß ja nie, wie schnell plötzlich Begehrlichkeiten entstehen. Inzwischen gibt es sogenannte Ablegergärten. In ihrem Blog steht zu lesen: „2011 haben wir damit angefangen, Ablegergärten in Berlin zu initiieren und zu betreuen. In einer Reihe von Kooperationen mit Kitas, Schulen, Jugend- und Kultureinrichtungen sowie Universitäten sind inzwischen 16 solcher Gärten in Berlin entstanden. Hier werden vor Ort von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Gemüse und Kräuter angebaut.“

Ich bin begeistert. Und einen Fußballplatz findet man hier auch. Wen es interessiert, schaue einfach auf ihre Homepage, da gibt es auch einen informativen Film.

Ein lauer Sommerabend, da könnte man doch mal wieder in den „Club der Visionäre“ gehen, eine Kneipe an einem Seitenarm der Spree, die ich in guter Erinnerung habe: Relaxt sitzt man in guter Stimmung am Wasser und trinkt sein Bier aus Flaschen. Vorbei! Die Kneipe ist jetzt ein echter Club, für den man Eintritt zahlen soll, die Flaschen stehen nun am Einlaß und spielen Türsteher, und die Elektropopmusik ist laut und schlägt einen zusätzlich in die Flucht. Da hatte wohl einer die Vision von viel Geld: Ganz in der Nähe sind noch zwei Biergärten mit Türstehern, Eintritt und schlechter Musik. Schön blöd, so macht man das kaputt, weshalb die Leute gerade nach Berlin kommen.

Egal, gehen wir halt noch ein bißchen an der Spree spazieren und kehren dann in Kreuzberg in einer Szenekneipe ein. Das Angebot hier ist ja riesig.

Ende.

(Schon nicht mehr ganz so) Krank in Berlin

Im Gropius-Bau, einem großen Gebäude im Renaissance-Stil, habe ich schon einige gute Ausstellungen gesehen … moment mal, Gropius? War das nicht der „Bauhaus“-Begründer und spätere Architekt von Wohnwaben für die Massen? Was hat der mit Renaissance zu tun? Gar nichts, das war Walter Gropius, ein Großneffe von Martin Gropius, der das Museum 1881 fertigstellte. Und deshalb heißt es auch vollständig „Martin-Gropius-Bau“.

Heute gibt es keinen ständigen Museumsbestand mehr, sondern nur noch Wechselausstellungen, wie zum Beispiel diese sehr schöne Ausstellung mit 200 Fotografien der Ausnahmefotografin Diane Arbus. Die Arbus hat es in den 60er Jahren geschafft, einen ganz eigenen Stil zu entwickeln, das ist als Fotografin gar nicht einfach. Besonders ist sie durch ihre ungeschönten Bilder von Drag-Künstlern, Behinderten, Nudisten und anderen Minderheiten bekannt geworden. Fotografieren war in der Ausstellung strengstens verboten – lächerlich eigentlich, ich habe bestimmt drei iPhone-Heimlich-Fotografierer gesehen. Wen es interessiert: Das Internet ist natürlich voll von ihren Fotos, z.B. hier.

Wenn man aus der Ausstellung kommt, hat man eine Zeitlang einen Blick für Absurdes. Oder kommt es mir nur so vor?

Ein paar Schritte weiter gibt es in einem Hinterhof einen Laden für den Verkauf aus der Auflösung eines Theaterfundus.

Bilder, Puppen, Ornamente, Stoffe …

… Spiegel, Klamotten und Putti, alles, was das Herz begehrt. So ein reichverzierter Barockspiegel, zwei bis drei Meter hoch, warum nicht. Kostet aber 1000 Euro.

Zurück im Kiez mahnt uns die Sonne, daß wir uns gesund ernähren sollen. Da fällt mir ein: Ich habe gelesen, daß man „Kiez“ nicht mehr sagen darf, wenn man sich nicht als „total out“ outen will, weil das Wort inzwischen in jeder Werbebroschüre steht und gern auch von sich anbiedernden Politikern in den Mund genommen wird. Und was sagt man jetzt? Wieder Viertel? Oder Gebiet?

Fortsetzung folgt.

Krank in Berlin

Letzten Samstag vor einer Woche fand ich auf der Straße einen 10-Euro-Schein – keine Mensch weit und breit, als wäre er für mich dort hingelegt worden. Ich glaube ja nicht daran, aber wenn, dann würde ich sagen: Das war ein kleiner Trost des Universums für das, was noch am selben Abend folgte: Ich bekam Halsschmerzen, wie ich sie noch nie vorher hatte, gefolgt von einer heftigen Erkältung, Schnupfen, Matschbirne, Husten, alles dabei. Alles halb so schlimm, da meldet man sich halt mal für eine Woche krank, könnte man meinen – allerdings hatte ich Urlaub, Montag sollte es nach Berlin gehen, Fahrt und Unterkunft (für meine Begleiterin) waren bereits bezahlt. Daß die Halsschmerzen Sonntagabend wieder weg waren, nahm ich ich als positives Zeichen, also sind wir gefahren.

Man kann es ja auch in Berlin ruhig angehen lassen und den Tomaten beim Wachsen zusehen.

Schönes Wetter, die Leute sind relaxt – wahrscheinlich alle im Schwimmbad. Oder am Wannsee.

Berlin ist ja berühmt für seiner Currywurst.

Lecker Essen beim Inder in der Oranienstr. ist aber viel gesünder.

Giraffen in Berlins Straßen sind ungefähr so selten wie folgende Geschichte: Wir schlenderten Richtung Bootsanlegestelle, denn wir wollten eine Touristenbootstour auf der Spree mitmachen. Zufällig fiel mein Blick auf einen EC-Automaten, der neben einer Bäckerei aufgestellt war, und was entdeckte ich: Im Ausgabeschlitz steckten 200 Euro! Hurra, einen Schatz gefunden! – war meine erste Reaktion. Aber das war natürlich Quatsch. Irgendein Dussel hatte seine EC-Karte ordentlich wieder in sein Portemonnaie gesteckt und war gegangen, ohne an das Geld zu denken. Was also tun? In der Bäckerei abgeben? Zu unsicher. Also auf zur nächsten Polizeidienststelle, wo man das Geld hoffentlich nicht dem reviereigenen Reptilienfond zuführt. Das Boot war dann natürlich schon weg.
Abends in der WG meines Freundes gab es die verschiedensten Ansichten: Einer sagte, er hätte das Geld in seiner jetzigen prekären Situation vermutlich als Gabe des Himmels angesehen, ein anderer, wenn ihm das passieren würde, also Geld am Automaten vergessen, würde er auf jeden Fall davon ausgehen, daß es weg sei, selbst Schuld also … Eine dritte Stimme meinte, daß man es schon aus Prinzip abgeben müsse, was richtig ist könne nicht deswegen falsch werden, nur weil die meisten anderen sich anders verhalten. Für mich stand nach einem ersten Augenblick der Ratlosigkeit fest, daß ich das Geld auf keinen Fall behalten kann, einfach, weil es mein Gewissen bis zum Ende meiner Tage belastet hätte, und das lohnt sich nun wirklich nicht.

Fortsetzung folgt.

Butzweilerstr.

So devot, wie diese beiden Herren die Kundschaft am Eingang eines Möbelgeschäfts empfangen, möchte ich gar nicht behandelt werden, freundlich und sachkundig reicht mir völlig. Und nach meinen Erfahrungen sind die meisten VerkäuferInnen auch so. Wenn Erscheinungen der sprichwörtlichen Servicewüste auftreten, dann meistens nicht, weil die Mitarbeiter in den Geschäften sich bewußt dazu entschieden haben, sondern weil sie wegen Unterbesetzung überarbeitet oder wegen schlechter Einarbeitung sachunkundig und deshalb vorsorgend defensiv sind. Nervig sind ja eher die superfreundlichen Verkaufskanonen, die auch keine Ahnung haben, aber einem mit Laberei irgendwas andrehen wollen.

Turmstr.

Schön, wenn ich auf meinen Streifzügen etwas Gutes entdecke, was ich bisher noch nicht kannte. „Och, das gibt’s schon länger“, sagt meine Begleiterin, und mein Kollege erzählt, daß er schon oft daran vorbeigelaufen ist. So – und wieso sagt mir das keiner? Macht nichts – sehr nett da, schöne Atmosphäre, und das Essen ist gut und günstig. Das „Rosenrot“ liegt zwar nicht in meinem Viertel, aber Nippes überhaupt ist ein freundlicher Stadtteil, durch den ich gern spaziere, deshalb war ich bestimmt nicht zum letzten Mal da.

Dom-Shop

Kein Scherz, das gibt es wirklich: Ein Bischofs-Quartett!

Hm – wie man das wohl spielt? Beim Autoquartett ist das ja klar, man verteilt die Karten, und wer auf seiner oben liegenden ein Auto mit 12 Zylindern oder einer Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h hat, gewinnt meistens. Und die Bischöfe? Anzahl der Soutanen oder Predigten? Wer hat die schärfsten Strafen nach Beichten vergeben?

„Heiliger Sankt Florian / Verschon‘ mein Haus / Zünd‘ andre an!“ – das nennt man das St.-Florians-Prinzip. Und damit das auch passiert, verschenkt man unter Katholen Kerzen an ‚liebe‘ Mitmenschen, auf denen St. Florian abgebildet ist? Selbst wenn der Beschenkte vorsichtig ist, weiß er, was der andere ihm an den Hals wünscht. Subtil.

Geistiger Beistand, das ist es natürlich, was viele Leute von der Kirche erwarten. Falls das nicht klappt, hält der „Dom-Shop“ eine Alternative bereit: Geistiges aus Obst. Zuviel davon führt zu Kopfschmerzen und Überdruß, aber das ist bei der Kirche ja auch nicht anders. Allerdings schmeckt der Obstler besser.