Weissenburgstr. 0

Das „Pico coffee“ ist ein typisch kölsches Büdchen, zentral gelegen im Agnesviertel. Und es ist noch mehr: Es gibt frische Kaffeevariationen (ein Hoch auf den Kaffeevollautomaten), die gut sein müssen, denn sie finden nach meiner Beobachtung guten Absatz, sehr leckere Crèpes (ich habe einen probiert) und warme Sandwiches, z.B. mit Schafskäse und Tomaten für 2,50. Der typisch kölsche Bürger und Inhaber des Büdchens Ismael Arslan ist jetzt nicht der Strahlemann, aber kompetent und korrekt – und stolz auf seine Besucher, an der Wand hängen Autogrammkarten von den Kölner „Tatort“-Kommissaren (das Büdchen war mal in einem Tatort zu sehen) und Anke Engelke, mit persönlichen Widmungen. In der Nähe soll mal Harald Schmidt gesichtet worden sein, weiß ich aus einer anderen Quelle. Tja, Köln – Stadt der Prominenz.

Frohngasse

Gestern am Zoo standen die Familien Schlange, um einen Luftballon zu kaufen. Schönes Wetter, es war ordentlich was los. Die Kinder wollen bespaßt werden, sonst machen sie in der heimischen Stube Rabatz. Wenn wir früher bespaßt werden wollten, hat das unsere Eltern nicht die Bohne interessiert, und wenn wir quengelten, beruhigte uns die Androhung einer Backpfeife. Schön zu sehen, daß auch mal was besser wird.

Wir waren nicht im Zoo, sind nur daran vorbei gegangen, aber auch von außen kann man ein paar Tiere bestaunen, z.B. einen faulen Nashornleguan …

… ein besonderes Zebra …

… eine mißbrauchte Maus …

… und ein Exemplar der Spezies „homo legens“, die immer seltener werden soll und hoffentlich nicht vom Aussterben bedroht ist.

Breite Str.

„Prozente, Prozente, noch mehr SALE-Artikel, noch mehr sparen!“
Schlußverkauf, das Wort ist offensichtlich aus dem deutschen Wortschatz gestrichen, das heißt jetzt SALE. Der Vorgang ist reine Zauberei: Wenn man SALE-Artikel kauft, spart man Geld. Je mehr man also gekauft hat, desto mehr hat man gespart. Toll. Am besten kauft man so viel, daß das Gesparte ausreicht, daß man sich ein Haus davon kaufen kann. Und da kann man das Gekaufte dann aufbewahren. Dann sind die Kaufhäuser wieder schön leer und können aktuelle Waren anbieten, an denen sie auch wieder Geld verdienen, das ist nur gerecht. Nach dem Ereignis wird die Ware ja wieder zu SALE-Artikel, der Sparfuchs sollte also bis dahin warten.

Interview: "Eine Stadt – viele Seiten"

Interviewer: Herr Videbitis, dies ist Ihr 1.000. Eintrag über Köln, herzlichen Glückwunsch!

Videbitis: Danke.

I.: Man weiß gar nicht, wie Sie aussehen, Ihre Leser würde das doch sicherlich interessieren.

V.: Kann sein, aber das ist doch uninteressant. Ich bin nicht sehr eitel.

I.: Ja, das habe ich sofort … gesehen. Betrachten Sie sich eigentlich als Künstler?

V.: Aber nein. Wie kommen Sie darauf?

I.: Na ja, die Fotos …

V.: Ach so, nein, ich bin nur Zeitzeuge, und die Fotos dokumentieren, wie es zur Zeit in der Stadt aussieht, was es so alles gibt. Manchmal stelle ich mir vor, in der fernen Zukunft geht die halbe Welt unter, und das einzige Zeugnis, was es von Köln noch gibt, sind DVDs mit meinen Fotos. Da heißt es gewissenhaft sein.

I.: Und deshalb machen Sie so langweilige Einträge wie den über „Dunkin‘ Donut“?

V.: Ähhh … ja, genau. Wie gesagt: Ich dokumentiere Zeitphänomene.

I.: Ich habe hier mal einen Eintrag gelesen über Geschehnisse um 1288. Was hat das mit heute zu tun?

V.: Viel. Sie erklären – wenigsten zum Teil – das ressentimentgeladene Verhältnis zwischen Düsseldorf und Köln und werfen ein interessantes Licht auf die Beziehung zwischen Erzbischof und Bürger. Aber nochmal zu den Fotos: Auch wenn ich mich nicht als Künstler verstehe, gebe ich mir Mühe, gute Fotos zu machen.

I.: Ihr Blog besteht seit 2007, und tatsächlich kann man Fortschritte erkennen …

V.: Danke, das freut mich.

I.: … in der Entwicklung der Kameratechnik.

V.: Ja. Hm … Gut, stimmt schon, aber auf den Auslöser drücke immer noch ich.

I.: Sag‘ ich ja, Sie knipsen, den Rest macht die Maschine. Was haben Sie übrigens gegen die katholische Kirche?

V.: Ich knipse nicht!

I.: Stichwort Kirche: Sind Sie sehr katholisch?

V.: Nicht im Geringsten. Gegen die Kirche habe ich alles, was man gegen die Kirche haben sollte. Meinetwegen könnte man sie abschaffen, die Leute können doch auch an was anderes glauben, wenn es Ihnen hilft. Die 11.000 Euro, die Kardinal Meisner jeden Monat vom Land Nordrhein-Westfalen bekommt, sind ja wohl zum Fenster hinausgeworfen. Ich bin auch im Öffentlichen Dienst, wenn ich so reden würde wie der, wäre ich schon längst …

I.: Aber wenn es keine Kirchen mehr gibt, wo wollen Sie dann in Zukunft knipsen gehen, worüber wollen Sie sich aufre … heh! Lassen Sie das …

V.: ICH – KNIPSE – NICHT!

I.: Hilfeee! Ich kriege keine … Luft …

Leider mußte das Interview wegen einer plötzlichen Unpäßlichkeit des Interviewers zu diesem Zeitpunkt abgebrochen werden.

Hohe Str.

Seit dem Jahr 2000 gibt es diese Kette in Deutschland, inzwischen 39 Filialen, allein drei davon in Köln. Ein Donut ist ein rundes, in Fett gebackenes Hefegebäck, ähnlich einem Berliner, allerdings mit dem typischen Loch in der Mitte und einer süßen Glasur. Wie vieles, was der Mensch nicht braucht, kommt auch dieser Artikel aus Amerika. Ich bin noch nie auf die Idee gekommen, mir einen zu kaufen – vielleicht schließe ich diese Bildungslücke demnächst, am Valentinstag, dessen Bedeutung die Werbeindustrie gern auch aus Amerika importieren möchte. Ein Donut schmeckt bestimmt besser als Schnittblumen.

Berrenrather Str.

Hier wurde letzte Woche eine 5-Zentner-Bombe gezündet, entschärfen ging nicht, das war zu gefährlich. „Das arme Gebäude, schaut nur wie es nun aussieht!“, könnte man jetzt denken, aber das hat tatsächlich nichts abgekriegt, sondern sah schon immer so aus (es ist eine Kirche, hier habe ich mal davon erzählt). Der Bereich wurde in einem Radius von 500 Metern abgesperrt, die Anwohner evakuiert.

Das war gar nicht so einfach, denn dieses Gebäude steht in umittelbarer Nachbarschaft zum Fundort: Das dreiflügelige Uni-Center (von dem ich hier schon mal erzählt habe). Jeder Balkon ist eine Wohnung, hier allein wohnen 2.000 Menschen. 5.000 Anwohner insgesamt mußten ihre Wohnungen verlassen. Eigentlich war bereits gegen 23 Uhr alles bereit zur Sprengung, wenn nicht immer wieder irgendwelche Hohlköpfe die Absperrungen ignoriert hätten, um eine bessere Sicht zu bekommen. So verzögerte sich die Sprengung bis nach 1 Uhr, die Sperrung wurde gegen 1.30 Uhr wieder aufgehoben. Abgesehen davon ist alles glimpflich verlaufen.

Kalscheurer Weiher

Wenn man von der Innenstadt aus immer Richtung Süden läuft, ist man in ca. einer Stunde im südlichen Teils des (äußerst löchrigen) äußeren Grüngürtels. Köln ist eben doch ein größeres Dorf.

Nach der Enge der Straßen ist es mal sehr wohltuend, durch einen weiten Raum zu spazieren, tief luftzuholen – allerdings sind wir nicht die Einzigen, die diese Idee hatten, besonders für Hundehalter scheint das hier eine angesagte Adresse zu sein. Nicht ein Hund, der einen Maulkorb trug, aber, das weiß man ja, „der tut nix, der will nur spielen“ …

Das ganze Gebiet um den Weiher hat ein Bürgerverein gepachtet. Im letzten Jahr haben seine Mitglieder durch Spenden finanziert und mit viel Eigenarbeit den kleinen Holzkiosk inklusive Toiletten gebaut, sehr lobenswert. Es gibt frisch gebrühten Kaffe, Kuchen, eine heiße Bockwurst und natürlich auch alle möglichen Kaltgetränke, im Sommer kann man sich ein Bötchen mieten, und das alles zu recht moderaten Preisen. Klasse!

Landschaftspark Belvedere

Eigentlich eine tolle Sache: Bürgerschaftlichem Engagement seit über zehn Jahren ist es zu verdanken, daß der 300 Hektar große Streifen zwischen Müngersdorf und Bocklemünd im Zuge des Strukturprogramms „Regionale 2010“ zum „Landschaftspark Belvedere“ erklärt wurde. Das heißt: Keine weitere Bebauung, stattdessen Pflege der Natur und Ausbau von Rad- und Wanderwegen. In der Mitte stehen ein paar Häuser des Max-Planck-Instituts, am nördlichen Rand produziert der WDR die „Lindenstraße“, und ein paar Felder werden noch wirtschaftlich genutzt, wobei der Landwirt auf einen kleinen Teil verzichtet und ihn der Natur überläßt. Brav. Hoffentlich können die Tiere lesen und bleiben innerhalb der Grenzen.

Und was ist das? Ein Ausguck, oder „Ausblick“, wie es auf der Infotafel heißt. Drei Meter hoch – und man hat einen viel besseren Ausblick nach … also, äh, in die Gegend:

Ausblick1

Dahinten steht noch ein Turm, 8,60 Meter hoch, wegen des Doms heißt er „Domblick“, er könnte aber auch „A-1-Blick“ heißen, denn die Autobahn kann man von hier wirklich nah beobachten. Wozu man das machen sollte? Jetzt seid doch keine Spielverderber.

Ausblick2a

Bitte schön: Der Dom, mit Fernsehturm Colonius. Gut, das habe ich jetzt vom Boden aus aufgenommen, der Turm ist ja noch gesperrt, aber von oben sieht man wahrscheinlich noch viel mehr von ihm.
Es soll noch zwei weitere Ausgucke geben, die habe ich allerdings nicht gefunden, einer von der Höhe von 5,80 Meter, der andere ist sagenhafte 80 Zentimeter hoch.

Alle vier Ausgucke kosten 218.000 Euro. Ein Leserbriefschreiber stellt im Stadtanzeiger die berechtigte Frage, ob hierhin jetzt die Mütter mit ihren Kindern geschickt werden, die keinen Kindergartenplatz bekommen haben, weil der Stadt das Geld fehlt. Die Verwaltung wiegelt ab: Ist doch alles gar nicht so schlimm, schließlich haben wir nur 20% von den Türmen bezahlt, der Rest kommt von EU, Bund und Land. Steuergelder, natürlich. Sehr schön: Ihr alle habt mit dafür bezahlt, daß ich einen 80 Zentimeter höheren Ausblick auf einen Acker habe und von einer Höhe von 8,50 Meter die vorbeibrausenden Autos auf der A1 beobachten kann. Vielen Dank!

Im nahen Pulheim gibt es übrigens einen Ausguck, der ist 77 Zentimeter hoch, hat also ungefähr die Sitzhöhe der beiden Bänke, die daneben stehen. Kosten: 8.500 Euro. Respekt!

Körnerstr.

Wer sagt, daß geben immer seliger sei denn nehmen? Hier darf auch gern einfach was genommen werden: In diesen kleinen Verschlag kann man Dinge stellen, die man nicht mehr braucht, die aber noch völlig in Ordnung und sauber sind und zum Wegwerfen zu schade. Nicht zu viele Bücher sollten es sein (dafür gibt es ja andere Tauschstationen), und wenn es nach zwei Wochen keiner mitgenommen hat, so wird man gebeten, es wieder abzuholen, die Station ist ja kein Müllplatz. Wer ein sperriges Teil zu verschenken hat, etwa Möbel oder ein TV-Gerät, sollte das natürlich auch nicht in den Verschlag quetschen, sondern ein Foto davon ausdrucken und mit Angabe der Telefonnummer an diesem Ort aushängen. Und, wie gesagt, einfach etwas mitnehmen darf man auch.