Kurzurlaub in Nürnberg (5): Skulpturen

Auffällig ist, daß es in Nürnberg viele Skulpturen gibt. Viele Häuser haben christlich motivierte Patrone (ob der zechende Postilion in der Mitte auch zum Schutz des Hauses angebracht wurde?).

Und wer ist das? Auch eine biblische Gestalt:

Hiob, der arme Tropf. So fühlt sich wohl jeder manchmal. Die Figur ist von Gerhard Marcks, den wir hier schon kennengelernt haben. Schlicht und einfach und dennoch ausdrucksstark, sehr schön.

Ganz anders dagegen der zentral gelegene Hans-Sachs-Brunnen, auch „Ehekarussell“ genannt. Er wurde Ende der 70er zur Kaschierung einer Ubahnlüftung in Auftrag gegeben. Der Bildhauer Jürgen Weber schuf eine wilde Figurengruppe nach einem Gedicht von Hans Sachs, des berühmten Nürnberger Dichters aus dem 16. Jahrhundert, mit dem Titel „Das bittersüße ehlich Leben“. Hier ein Auszug:

„Gott sei gelobet und geehrt
Der mir ein frumb Weib hat beschert
Mir der ich zwei und zweinzig Jahr
Gehaust hab, Gott gab länger gar

Wiewohl sich in mein ehlig Leben
Had Süß und Saures oft begeben
Gar wohl gemischt von Freud und Leid,
Erst auf, dann ab, ohn Unterscheid“

„Sie hat mir nit stets kochet Feigen
Will schwankweis Dir ein Teil anzeigen
Sie ist ein Himmel meiner Seel
Sie ist auch oft mein Pein und Hell,

Sie ist mein Engel auserkoren,
Ist oft mein Fegeteufel woren.
Sie ist mein Wünschelrut und Segen
Ist oft mein Schauer und Platzregen“

„Sie ist mein Mai und Rosenhag,
Ist oft mein Blitz und Donnerschlag,
Mein Frau ist oft mein Schimpf und Scherz,
Ist oft mein Jammer, Angst und Schmerz,

Sie ist mein Wonn und Augenweid,
Ist oft mein Traurn und Herzeleid
Sie ist mein Freiheit und mein Wahl,
Ist oft mein Gfängnis und Notstall,“

„Sie ist meine Hoffnung und mein Trost,
Ist oft mein Zweifel, Hitz und Frost.
Mein Frau ist meine Zier und Lust,
Ist oft mein Graun und Suppenwust,

Ist oft mein königlicher Saal,
Doch auch mein Krankheit und Spital.
Mein Frau, die hilft mir treulich nähren,
Thut mir auch oft das Mein verzehren,“

„Mein Frau, die ist mein Schild und Schutz,
Ist oft mein Frevel, Stolz und Trutz.
Sie ist mein Fried und Einigkeit,
Und oft mein täglich Hebensstreit

Sie ist mein Fürsprech und Erlediger,
Ist oft mein Ankläger und Prediger.
Mein Frau ist mein getreuer Freund,
Oft worden auch mein größter Feind,“

„Mein Frau ist mietsam oft und gütig,
Sie ist auch zornig oft und wütig.
Sie ist mein Tugend und mein Laster,
Sie ist mein Wund und auch mein Pflaster,

Sie ist meines Herzens Aufenthalt,
Und machet mich doch grau und alt.“

Klingt ein bißchen wie eine Büttenrede, oder? Hans Sachs war ein Schelm, der Bildhauer nicht weniger. Wie nicht anders zu erwarten, wurde der Brunnen in der Stadt sehr kontrovers aufgenommen. Inzwischen gehört er zu den meistfotografierten Bauwerken der Stadt.

Fortsetzung folgt.

Kurzurlaub in Nürnberg (4): Die Kaiserburg

Auf dem Weg zur Burg kommt man durch Gassen mit liebevoll restaurierten Häusern. Ich vermute aber, die bunten Farben entsprechen eher dem heutigen Geschmack. Ein Haus ganz aus Stein zu bauen, das konnte sich nur leisten, wer steinreich war. Fachwerk war günstiger, allerdings gab es die städtische Auflage, mindestens das Erdgeschoß, in dem sich die Feuerstelle befand, aus Stein zu bauen, um der Feuergefahr vorzubeugen.

Das führte zu einem kleinen Problem: Wohin sollte man den Hausaltar stellen, wenn das ganze Erdgeschoß Küchen- und Eßbereich war? Er durfte nämlich über keinem Raum stehen, in dem so profane Dinge verrichtet wurden (wer, um Himmels Willen, denkt sich denn so dämliche Regeln aus?). Also baute man kleine Erker an die Hauswand, da hinein kam der Altar, der nun quasi über der Straße „schwebte“. In späteren Zeiten, als nicht mehr in jedem Haus ein Altar stehen mußte, behielt man diese Bauweise bei, denn es gibt kaum eine bessere Möglichkeit, schnell mal zu gucken, was auf der Straße los ist.

Die Burg liegt oben auf dem Berg – verständlich, wenn die Feinde kommen, sieht man sie besser und kann sie besser abwehren, indem man ihnen Dinge auf den Kopf fallen läßt. Tatsächlich ist die Burg nie eingenommen worden, auch nicht während des 30jährigen Krieges.

Der Sinwellturm läßt noch weiter blicken – da gehen wir jetzt hoch …

… über eine Holztreppe. Sinwell kommt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet „gewaltig rund“. Stimmt.

Über den Dächern von Nürnberg. Sehr schön.

Das Gelände ist recht weitläufig, und muß es auch sein, denn wenn die Könige und Kaiser des „Heiligen römischen Reiches“ hier einzogen, brachten sie ungefähr 1.000 Leute mit, ein Gefolge, was anständig untergebracht und verköstigt sein wollte. Wenn dann noch Reichs-, Hof- oder Gerichtstage abgehalten wurden, waren noch mehr Menschen in der Stadt.

Das „Heilige römische Reich Deutscher Nation“, wie es komplett heißt, war ein merkwürdiges Gebilde. Es bestand seit Mitte des 9. Jahrhunderts bis 1806 und hatte keine festen Grenzen. Das Gebiet erstreckte sich ungefähr von Italien bis zur Nord-/Ostsee, die heutigen Länder BeNeLux, Österreich, Schweiz, Deutschland, Teile Frankreichs, Tschechiens und Polens gehörten auch dazu. Immer mal wieder fielen einzelne Randbereich ab oder kamen dazu. Der König/Kaiser wurde von sieben Kurfürsten gewählt, hatte aber keinen eigenen Regierungssitz, sondern reiste durch die Gegend und hielt Hof. Nürnberg war eine von mehreren Reichsstädten, das heißt, sie unterstand direkt dem König/Kaiser und war mit entsprechenden Privilegien ausgestattet, sie war relativ frei und mußte sich keinem anderen Fürsten gegenüber verantworten. Es heißt, die Herrscher kamen gern hierher. Unregelmäßig fanden Treffen zwischen König/Kaiser und den Fürsten statt, die man „Reichstage“ nannte, einige davon auch in dieser Stadt.

Im Burgmuseum kann man alles sehr schön nachlesen, wenn man will. Informativ, aber auch anstrengend. Allein, durch die Räumlichkeiten zu schlendern ist schon lohnenwert.

Die Kaiserkrone, unendlich wertvoll – das Original, das sich in Wien befindet. Diese hier ist nur eine Replik.
Um 1800 war es dann vorbei mit dem „Heiligen römischen Reich“, die Truppen Napoleons zogen die Grenzen neu, nicht ohne in die Städte einzuziehen und sie auszuplündern. 1795 ging Preußen das Geld zum Kriegführen aus, also stellte es den Partnern aus dem „Heiligen römischen Reich“ ein Ultimatum: Entweder sie zeigten sich bereit, Preußen finanziell zu unterstützen, oder man würde sich aus dem Krieg zurückziehen. So kam es zum Baseler Frieden: Preußen und Frankreich verabredeten, bei den Eroberungszügen das jeweilige Gebiet der anderen zu verschonen. Als man in Nürnberg davon hörte, heckte man einen tollen Plan aus: Man unterstellte sich einfach dem Kommando der Preußen, freie Reichsstadt hin oder her, und war damit die blöden Franzosen los. Die Preußen waren hocherfreut, marschierten ein – und zogen ganz schnell wieder ab, als sie feststellten, wie hochverschuldet die Stadt war. Es müssen gewaltige Summen gewesen sein. Zehn Jahre später unterstellte Napoleon Nürnberg Bayern, das die Schulden großzügig übernahm. Allerdings ist dieser Anschluß im Jahre 1806 der Grund dafür, daß man hier in der Gegend darauf beharrt, eigentlich keine Bayern zu sein, sondern Franken.

Und was ist das? Das ist der Merkel’sche Tafelaufsatz, kein Scherz. Genannt nach der Kaiserin von Deutschland aus der Uckermark, könnte man denken, stimmt aber nicht: 1806 wurde das Stück im Zuge der Schuldentilgung an einen Kaufman Merkel verkauft. Das fängt man ja heute auch wieder an, daß man Kunst aus öffentlichem Besitz zur Haushaltskonsolidierung verscherbelt.

Historische Waffen, Säbel, die so lang sind, daß man aufpassen muß, niemanden aus Versehen damit zu verletzen.

Auf einer Schautafel kann man lernen, wo man hinpieken muß, damit es dem anderen ordentlich weh tut. Da kann man nur hoffen, daß der sowas nicht hat.

Fortsetzung folgt.

Kurzurlaub in Nürnberg (3)

„Erhebet die Herzen!“ – und kein Glatteis kann uns etwas anhaben? Wenn das mal nicht wieder ein Fake ist, so wie die Mär vom Wunschring im lezten Eintrag.

Und wozu sollen wir unser Herz erheben? Um in einer dunklen Kirche von einschüchternder Größe, die uns klar machen soll, was wir für kleine Würstchen sind, zu sitzen. Gut, wenn man dann wenigstens ein paar Sonnenstrahlen abbekommt.

Dabei ist es so einfach, die Stimmung der Leute zu heben, wie hier vor der Kirche St. Laurenz.

Das ist der Namensgeber der Kirche, der Heilige Laurentius, Stadtpatron von Nürnberg und Schutzheiliger der Bibliothekare und Archivare, dessen Anrufung besonders bei Hexenschuß und Ischias hilfreich sein soll. Woran man erkennt, daß er es sein soll? In der christlichen Heiligendarstellung werden die Märtyrer oft mit ihren Marterinstrumenten oder Verletzungen, ihren sogenannten Attributen, dargestellt, damit man sie besser unterscheiden kann. Der Apostel Bartholomäus z.B. trägt gern seine Haut in der Hand, die man ihm bei lebendigem Leibe abgezogen hat. Laurentius wurde auf ein Rost gekettet und über ein Feuer gehängt. Nach kurzer Zeit, so die Legende, soll er den Henker gebeten haben, ihn zu wenden, auf der einen Seite sei er bereits gar – daß ein Mensch Humor hat, merkt man besonders, wenn er in einer Krise steckt.

Apropos Henker: Das ist der Henkersteg, der so heißt, weil gleich daneben der Henkerturm steht, wo der Vollstrecker der Todesurteile gewohnt hat. Das ist eher ungewöhnlich, daß der seine Wohnung innerhalb der Stadtmauern haben durfte, denn obwohl er ein Angestellter des Gerichts war, hielt man seinen Beruf gemeinhin für unehrenhaft und wollte ihn nicht unter sich haben. Die, die die Todesurteile verhängten, galten natürlich als höchst ehrenhafte Bürger.

Ganz in der Nähe ist Kaspar Hauser zum ersten Mal aufgetaucht, auf dem Erinnerungsschild steht: „An dieser Stelle wurde am 26. Mai 1828 Kaspar Hauser erstmals gesehen und von dem am Unschlittplatz 10 wohnenden Georg Leonhard Weickmann angesprochen.“ Aha. Wissen wir das jetzt also auch.

Mit dem Ende des Fischmarktes begann der Lebkuchenmarkt. Der Weihnachtsmarkt ist nicht mehr weit, da kann man schon mal ein bißchen „vorglühen“. Obwohl, an Lebkuchen hat es natürlich in Nürnberg ganzjährig keinen Mangel. Wir waren in einem Lebkuchengeschäft, das den Eindruck einer Apotheke von früher vermittelte: Kaum Waren im vorderen Laden, stattdessen eine lange Theke, hinter der fünf mit irgendwelchen Trachten kostümierte Verkäuferinnen standen, bereit, die gewünschte Ware aus dem Hinterzimmer zu holen – keine Ahnung, was die da für Zutaten hineintun.

An dem Stand gibt es sogar Lebkuchen in Sushi-Form.

Genug geplaudert für heute – im nächsten Eintrag geht’s auf die Burg.

Fortsetzung folgt.

Kurzurlaub in Nürnberg (2)

Nach der Anzahl und Größe der Kirchen zu urteilen, ist man hier sehr gläubig – gewesen, denn die Kirchen sind schon alt. Früher, im Mittelalter, war der Glaube ein Angstglaube, die Leute fürchteten die schrecklichsten Strafen, wenn sie sich nicht an die Ge- und Verbote hielten, die die Pfaffen ihnen eintrichterten.

Das hielt sie natürlich nicht von Gräueltaten ab, wenn es ihnen selbst nutzte, zum Ausgleich bauten sie dann eben noch eine Kirche: Dies ist der Hauptmarkt der Stadt, auf dem in ein paar Wochen wieder der weltberühmte Christkindlsmarkt stattfindet. Der Platz war nicht immer einer, hier standen bis 1369 die Häuser der jüdischen Mitbürger. Die Pest grassierte gerade in deutschen Landen, so daß man einen günstigen Anlaß hatte, wegen angeblicher Brunnenvergiftung ein Pogrom durchzuführen, dem ein Drittel der jüdischen Bevölkerung zum Opfer fiel, der Rest flüchtete. Tatsächlich kam die Pest erst zwei Jahre später nach Nürnberg, dafür aber hatte man einen schön großen Marktplatz gewonnen, und Kaiser Karl IV., der die Morde duldete oder gar billigte, setzte eine große Kirche an den Rand des Platzes, dahin, wo vorher die Synagoge stand.

Wieviele Jahre Fegefeuer er glaubte, durch den Bau vermeiden zu können, weiß ich nicht, aber ich vermute, es waren viele.

An einer anderen Ecke des Platzes steht der sogenannte „Schöne Brunnen“, der aussieht wie eine Kirchturmspitze und Ende des 14. Jahrhunderts errichtet wurde. Was man heute sieht, ist allerdings eine Kopie von 1903.

Der Messingring im Brunnengitter ist ein zweifaches Wunderwerk: Er hat keine Naht, und auch die geschmiedete Umgebung, in der er sich befindet, weist keine Löt- oder Schweißstellen auf, man weiß bis heute nicht, wie der Lehrling es geschafft hat, ihn da hineinzubekommen. Um den Lehrling rankt sich folgende Geschichte: Er war scharf auf die Tochter des Meisters, der aber andere Pläne mit ihr hatte, als sie einem armen Angestellten zu überlassen. „Daraus wird ein für allem nichts! So wenig wird etwas daraus, wie du es fertig bringst, dass die Ringe am Brunnengitter sich drehen können!“, soll er ihm gesagt haben. Der Lehrling stellte heimlich das Wunderwerk her und verschwand aus der Stadt. Der Meister war nun untröstlich – „er bedauerte den Rauswurf, und hätte den geschickten Lehrbuben gerne wiedergehabt und ihm auch seine Tochter gegeben, aber es war zu spät und die Margret weinte sich die Augen aus“ (Zitat: Wikipedia).
Machmal nehmen solche Legenden einen merkwürdigen Verlauf, oder? Warum macht der Lehrling das, erst stellt er den tollen Ring her und haut dann ab? Das macht doch keinen Sinn, da stimmt doch was nicht …
Das zweite Wunder: Wenn man es schafft, den nahtlosen Ring genau drei mal um 360° zu drehen, geht ein Wunsch in Erfüllung. Der Ring ist wahrscheinlich der meistberührte Gegendstand der Stadt.
EDIT: Soeben hat mir jemand mitgeteilt, daß der Ring bereits fünf Mal ersetzt wurde. Nichts als Lug und Trug! Genaueres erfährt man hier.

Aber das ist natürlich Aberglaube. Wer es ernst meint mit z.B. seiner Liebe, der hängt hier ein Liebeschloß an die Brücke, das machen ja jetzt alle, wenn auch nicht so schön ordentlich wie hier – man kann die Schlösser auch als Abakus benutzen, dann sind sie nicht ganz sinnlos, sollte die Leidenschaft sich als Enttäuschung erweisen.

Fortsetzung folgt.

Kurzurlaub in … ? (1)

… na, was glaubt ihr? In Hamburg, Bremen oder Cuxhaven? Im Gegenteil – hätte ich beinahe geschrieben, denn das Gegenteil einer Stadt ist ja nicht eine andere Stadt, sondern gar keine. Wir waren vier Tage in Nürnberg, wo gerade ein mehrtägiger Rummel stattfand, den man Fischmarkt nannte, an jeder zweiten Bude gab es irgendwas Fischiges.

Die Altstadt von Nürnberg ist durch den Fluß Pegnitz geteilt: Im unteren Teil befindet sich eine Fußgängerzone mit einer Gesamtlänge von vier Kilometern, die in einem Ähnlichkeitswettbewerb mit anderen Fußgängerzonen der Republik einen vorderen Platz einnehmen würde. Im oberen Teil ist der Hauptmarkt, auf dem auch der berühmte Christkindlsmarkt stattfindet, das Schloß und andere Sehenwürdigkeiten. Die Karte oben zeigt übrigens die Zerstörung nach dem 2. Weltkrieg an: Alle gelben Gebäude wurden komplett zerstört, die roten schwer beschädigt – Nürnberg muß so gut wie platt gewesen sein, schlimmer noch als Köln.

Und so sieht die Stadt auch aus: Ein an den meisten Stellen nicht besonders gut gelungener Mischmasch von Architekturstilen, dazwischen immer wieder Straßenzüge, die man wieder im alten Stil aufgebaut hat.

Als wir im Dunkeln ankamen, orientierten wir uns an der mittelalterlichen (natürlich restaurierten) Stadtmauer, die die Altstadt umgibt – die Atmosphäre ist ein bißchen wie in einem Computerspiel, kaum Menschen auf der Straße, die Geräusche gedämpft.

Kurz vor unserem Ziel – was ist da los, wird da schon für Weihnachten geschmückt?

Weit gefehlt – wir befinden uns mitten im Rotlichtbezirk. Die Prostituierten sitzen in Unterwäsche in Schaufenstern und bieten den Blicken ihre körperlichen Eigenschaften feil. Wenn wir unser Hotel nach links verließen, kamen wir sogleich auf einen Platz mit zwei riesigen Kirchen, nach rechts waren wir nach 100 Metern in der Puffstraße …

… und geradeaus zur angeblich ältesten Rostwurstbraterei der Stadt war es auch nicht viel weiter.

Da muß man natürlich mal rein als Tourist. Urig, so soll es sein, und ist es auch.

Hat ausgezeichnet geschmeckt – das Sauerkraut. Die Würstchen sind deshalb so klein, weil die Nürnberger den lieben Gott für ein sehr dummes Wesen halten: Zur Fastenzeit aßen sie sie in einem Brötchen versteckt. Die Schwaben hielten sich für ähnlich schlau, ihre „Herrgotts-Bescheißerle“ waren Maultaschen. Weil die Würstchen immer kleiner wurden (und die Metzger immer reicher), wurde irgendwann festgelegt, daß es mindestens 7 – 9 cm lang und 20 – 25 g schwer sein muß. Es gibt sie in Nürnberg an jeder Ecke, mir haben diese sechs aber völlig gereicht. Dazu wurde ungefragt und kommentarlos ein Korb mit Brot auf den Tisch gestellt – beim Abkassieren wird man gefragt, ob man sich daraus bedient habe, und falls ja, muß man extra zahlen. Was für eine unsympathische Unsitte!

Beim „Weckla“ ist zumindest das Geschäftsgebaren transparent.

Fortsetzung folgt.

Urlaub

Ich bin für eine Woche nicht da, Urlaub mit der Deutschen Bahn. Hinkommen scheint kein Problem zu sein, die Rückkehr ist allerdings ungewiß. Mal schauen, wieviele Nächte wir in Nürnberg auf dem Bahnhof verbringen müssen. Drückt mir die Daumen.

Bis bald!

Köln im (Un-)Glück

Was für ein herrliches Wochenende das war. Ob nun hier im Stadtpark …

… oder im August-Sander-Park (der erst seit kurzem so heißt), überall konnte man entspannt die angenehme Sonne genießen und in einem der nahen Cafés bei Kaffee und Kuchen in der Zeitung lesen, wie grauslig es in der Welt zugeht.

Neulich wurde von einem Glücksatlas berichtet, in Auftrag gegeben von der Deutschen Post: Von 13 deutschen Großstädten belegt Köln den 12. Platz! In fast allen anderen Städten also haben die Bewohner eine höhere Gesamtzufriedenheit als hier. Und woran liegt das? Vielleicht daran, daß miesepetrige Zugezogene sich ständig überlegen, wie sie sich in ihren Blogeinträgen über Verwaltungs(fehl)entsscheidungen und irrsinnige Geldverschwendung mokieren können – während sie in den schönen Parks der Stadt spazieren gehen? Kein Wunder, daß das die Stimmung trübt.

Oder es liegt daran, daß die Paketzusteller der Deutschen Post hier besonders oft gar nicht erst klingeln, wenn sie ein Paket ausliefern sollen, sondern gleich die Benachrichtigung an die Haustür kleben. Eigentlich ist es Quatsch, daß sie die Pakete überhaupt bei sich haben, und die Benachrichtigung könnte auch als Email abgesetzt werden: „Leider haben wir Sie heute nicht angetroffen. Bitte holen Sie das Paket morgen zwischen 13.50 und 15.40 Uhr bei der Paketzentrale am entgegengesetzten Stadtrand ab.“ Obwohl, das ist ungerecht. UPS und wie die alle heißen, sind teilweise noch schlimmer: Als ich einmal bei der Hotmail eines solchen Paketzustellers anrief, um zu erfahren, wo ich das Paket denn nun abholen könne, da nur und ausschließlich während meiner häuslichen Abwesenheit ausgeliefert wurde („Samstags? Arbeiten wir nicht!“ – im Tonfall schwang der Satz mit: „Das wäre ja wohl noch schöner!!“): Sie konnte es mir nicht sagen, sie wußte es einfach nicht.

„Die Kölner verfügen über ein besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl, das jedoch für die Gesamtzufriedenheit der Einwohner eine eher nachrangige Rolle spielt“, heißt es in dem Glücksatlas. Mit Zusammengehörigkeitsgefühl kann ich leider auch nicht dienen, mir ist sowas grundsätzlich eher fremd, da bin ich froh, daß das das Gesamtergebnis nicht so sehr beeinflußt.
Rasend wie ein tollwütiges Eichhörnchen kann den Urkölner allerdings machen, daß eine Stadt in dem Glücksgefühlranking auf dem 2. Platz ist: Düsseldorf!! Das kann nicht sein, das sagen die doch nur, um Köln zu ärgern. Und schon ist die Stimmung gleich wieder um ein paar Grad gefallen, was sich negativ aufs nächste Ranking auswirken wird. Tja, da kommen wir jetzt nicht mehr heraus.

Ausflug zum Drachenfels (2)

Hier ist er, der Drache, der dem Ort seinen Namen gegeben hat. Es soll der sein, der in der Nibelungensage von Siegfried erlegt wurde. Genau erklärt wird das in diesem Kasten:
„… un dä kütt dä Drache …“ usw., viel habe ich nicht verstanden, die Kinder wollten mich nicht nach vorn lassen.

Die Burg Drachenfels wurde bereits 1634 während des 30jährigen Kriegs geschleift, die Wände der Ruine stehen also bereits seit 380 Jahren – das nenn ich Baukunst.

Anders dieses Gebäude, das im Volkmund auch „Neuschwanstein vom Rhein“ genannt wird: Schloß Drachenfels wurde erst 1882 auf halber Höhe des Berges gebaut und kann von Glück sagen, daß es noch steht. Der Bauherr war Baron Stephan von Sarter, ein reich gewordener Börsenspekulant, der seinen Adelstitel aufgrund seines Reichtums bekommen hatte. Wenn man in eine höhere Liga aufsteigt, möchte man natürlich auch die entsprechenden Insignien vorweisen können, warum also nicht ein Schloß, in dem er mit seiner Jugendliebe wohnen wollte. Die verstarb leider vor Fertigstellung, sodaß er nie einzog. Die späteren Besitzer richteten ein Museum und ein Restaurant ein, in den 30er Jahren bezog ein katholisches Jugendheim das Gebäude. Dann übernahmen die Nazis, um Führungsnachwuchs heranzuziehen, bis die Amerikaner es besetzten, um ein Oberkommando einzurichten – als sie wieder gingen, nahmen sie mit, was nicht niet- und nagelfest war.

Anschließend, bis 1960, wurde hier die „Pädagogische Reichsbahnzentralschule“ eingesetzt, dann ließ der Eigentümer das Schloß verkommen – ratet mal, wer das war: Das Land Nordrhein Westfalen. Im Jahr 1971 erbarmte sich ein Unternehmer und kaufte es für 500.000 DM – Auftritt Paul Spinat!

Wer denn kleinen Film gesehen hat, weiß nun auch, woher die goldenen Hirsche kommen. Paul Spinat gab gern Orgelkonzerte in seinem Schloß, selbst seine Frau hielt ihn für einen Meister des Instruments – bis man ihr zeigte, daß die Orgel eine Attrappe war und die Musik von einem versteckten Tonband kam. Ende der 80er Jahre war Paul Spinat finanziell so klamm, daß er das Schloß an das Land zurück verkaufte, für 8 Millionen DM! Offenbar hat es im NRW-Landtag schon immer gute Betriebswirtschaftler gegeben. Als Spinat 1989 starb, ließ das Land das Schloß erstmal wieder zwei Jahre lang vor sich hingammeln und entschloß sich dann 1991 für eine Sanierung, die 20 Jahre dauern sollte. Na bravo! – das ist nicht zuviel für ein Gebäude, das ursprünglich in drei Jahren errichtet wurde, wenn der Sanierer eine öffentliche Behörde ist.

Seit 2011 kann nun auch das gemeine Volk das Schloß besichtigen, allerdings soll man nochmal 6 Euro Eintritt zahlen – für etwas, das uns als Steuerzahler sowieso schon gehört. Ich bin nicht geizig, aber das ärgert mich so, daß ich noch nicht drin war.

Direkt vorm Eingang zum Schloßpark befindet sich die Zwischenstation der Zahnradbahn, aber wir laufen lieber zurück, etwas abseits der Touristenströme, durch den Wald über den Nachtigallenweg …

… direkt zum Bahnhof von Königswinter, der übrigens an Trostlosigkeit kaum zu überbieten ist. Ich war noch nie in der Stadt selbst, der Bahnhof ist wahrlich keine Einladung.

Ausflug zum Drachenfels (1)

Die „Petersberger Zahnradbahn“ gibt es gar nicht mehr, wer heute auf den Petersberg will, um das „Grand Hotel“ zu besuchen, hat ein Auto oder ist Wanderer.

Aber Deutschlands älteste Zahnradbahn, die ebenfalls vom Rheinstädtchen Königswinter auf den Drachenfels fährt, die gibt es noch. Natürlich kann man auch hochlaufen oder einen Esel mieten. Angeblich ist der Drachenfels der meistbestiegene Berg Deutschlands, ach, was sag ich – Europas! – oder der ganzen Welt? Gut, genaue Zahlen gibt es nicht, und man nimmt an, daß die Schätzung aufgrund der Personen zustandekommt, die von oben nach unten geguckt haben; wie sie die ca. 321 Meter allerdings hochgekommen sind, will man gar nicht so genau wissen.

Bereits um 1800 wurde das Rheintal durch englische Romantiker wie Lord Byron entdeckt und besungen, worauf sich eine stetig wachsende Tourismusindustrie entwickelte. In der Nachkriegszeit war es angeblich für jede Kölner Familie ein Muß, wenigstens einmal jährlich mit dem Ausflugsschiff nach Königswinter zu fahren, um auf dem Drachenfels mitgebrachten Kartoffelsalat und Bockwurst zu verzehren (so weit ist es gar nicht, man kann sogar den Dom sehen, wenn man genau hinsieht). Da muß viel los gewesen sein, selbst am Fuße des Berges gab es eine Vielzahl von Weinstuben und anderen Vergnügungsstätten.


Foto von Wolkenkratzer

In den 70ern ging die weinselige und lukrative Volksbelustigung zu Ende, die Leute hatten anderes zu tun. Da man das nicht wahrhaben wollte, spendierte das Land NRW ein neues Ausflugslokal in einem Architekturstil, den man sinnigerweise „Brutalismus“ nennt.


Foto von Claus Moser, CC-Lizenz

Wenn Einheimische in der Folge vom Monstrum vom Drachenfels redeten, meinten sie nicht den Drachen, sondern eben dieses Gebäude. Es verfiel nach und nach, wie viele Gebäude aus den 70ern und 80ern, die nicht richtig gewartet werden, weil man sparen will – bis es nicht mehr geht und man zwischen den Optionen Abriß oder aufwendiger Sanierung steht. Hier hat man beides gemacht (was kostet die Welt!), 2007 aufwendig und kostenreich saniert, 2011 dann abgerissen.

Und so sieht es heute aus: An das Gebäude aus den 30er Jahren wurde ein kleiner Glaskubus gesetzt, die Scheußlichkeit aus den 70ern wurde komplett beseitigt, stattdessen …

… gibt es nun Außengastronomie und schön viel freie Fläche.

Was sich leider im Vergleich zu früher nicht geändert hat, ist die (Minder-)Wertigkeit des Speisenangebots: Der Kuchen sieht sehr nach industrieller Fertigung aus, wer das nicht will, muß Pommes mit Currywurst oder Pommes mit Chicken Nuggets essen. Ein vegetarisches Gericht gibt es auch: Pommes ohne alles. Immerhin ist auch eine Linsensuppe mit Bockwurst im Angebot, die hausgemacht aussieht und schmeckt.

Die Kinder freut das natürlich – Pizza mit Spaghetti und Pommes belegt wäre wahrscheinlich der Renner.

Fortsetzung folgt.