Ausflug zum Drachenfels (1)

Die „Petersberger Zahnradbahn“ gibt es gar nicht mehr, wer heute auf den Petersberg will, um das „Grand Hotel“ zu besuchen, hat ein Auto oder ist Wanderer.

Aber Deutschlands älteste Zahnradbahn, die ebenfalls vom Rheinstädtchen Königswinter auf den Drachenfels fährt, die gibt es noch. Natürlich kann man auch hochlaufen oder einen Esel mieten. Angeblich ist der Drachenfels der meistbestiegene Berg Deutschlands, ach, was sag ich – Europas! – oder der ganzen Welt? Gut, genaue Zahlen gibt es nicht, und man nimmt an, daß die Schätzung aufgrund der Personen zustandekommt, die von oben nach unten geguckt haben; wie sie die ca. 321 Meter allerdings hochgekommen sind, will man gar nicht so genau wissen.

Bereits um 1800 wurde das Rheintal durch englische Romantiker wie Lord Byron entdeckt und besungen, worauf sich eine stetig wachsende Tourismusindustrie entwickelte. In der Nachkriegszeit war es angeblich für jede Kölner Familie ein Muß, wenigstens einmal jährlich mit dem Ausflugsschiff nach Königswinter zu fahren, um auf dem Drachenfels mitgebrachten Kartoffelsalat und Bockwurst zu verzehren (so weit ist es gar nicht, man kann sogar den Dom sehen, wenn man genau hinsieht). Da muß viel los gewesen sein, selbst am Fuße des Berges gab es eine Vielzahl von Weinstuben und anderen Vergnügungsstätten.


Foto von Wolkenkratzer

In den 70ern ging die weinselige und lukrative Volksbelustigung zu Ende, die Leute hatten anderes zu tun. Da man das nicht wahrhaben wollte, spendierte das Land NRW ein neues Ausflugslokal in einem Architekturstil, den man sinnigerweise „Brutalismus“ nennt.


Foto von Claus Moser, CC-Lizenz

Wenn Einheimische in der Folge vom Monstrum vom Drachenfels redeten, meinten sie nicht den Drachen, sondern eben dieses Gebäude. Es verfiel nach und nach, wie viele Gebäude aus den 70ern und 80ern, die nicht richtig gewartet werden, weil man sparen will – bis es nicht mehr geht und man zwischen den Optionen Abriß oder aufwendiger Sanierung steht. Hier hat man beides gemacht (was kostet die Welt!), 2007 aufwendig und kostenreich saniert, 2011 dann abgerissen.

Und so sieht es heute aus: An das Gebäude aus den 30er Jahren wurde ein kleiner Glaskubus gesetzt, die Scheußlichkeit aus den 70ern wurde komplett beseitigt, stattdessen …

… gibt es nun Außengastronomie und schön viel freie Fläche.

Was sich leider im Vergleich zu früher nicht geändert hat, ist die (Minder-)Wertigkeit des Speisenangebots: Der Kuchen sieht sehr nach industrieller Fertigung aus, wer das nicht will, muß Pommes mit Currywurst oder Pommes mit Chicken Nuggets essen. Ein vegetarisches Gericht gibt es auch: Pommes ohne alles. Immerhin ist auch eine Linsensuppe mit Bockwurst im Angebot, die hausgemacht aussieht und schmeckt.

Die Kinder freut das natürlich – Pizza mit Spaghetti und Pommes belegt wäre wahrscheinlich der Renner.

Fortsetzung folgt.

0 Antworten zu “Ausflug zum Drachenfels (1)

  1. Vielen Dank für diese informative Fotoreportage. Im letzten Jahr war ich in Bad Godesberg zur Kur und hatte von meinem Balkon aus einen schönen Blick auf das Siebengebirge. Auf dem Petersberg war immer gut zu erkennen das ehemalige Gästehaus der Bundesregierung. Der Mann meiner Tochter erzählte mir, er habe schon mal für den WDR darin gefilmt. Die Fenster hätten Panzerglas, und damit die Personenschützer der Staatsgäste im Notfall herausschießen könnten, hätten die Panzerglasfenster eigens ein Schießloch, entsprechend der Schießschachten in historischen Gemäuern.

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  2. Oh Gott, da kommen Erinnerungen hoch,schöne Erinnerungen an meine Kindheit. :yes:

    Wie cool war es, auf so einem Esel da hinauf zu reiten! (Für uns Kinder, für die Esel wohl eher nicht.)
    Oben gab es entweder Kuchen, Eis oder auch mal Bockwurst mit Pommes. Und kleine Esel aus Blech, mit einem grauen Fell aus Filz (?), die tanzten, wenn man sie aufzog.
    Hach, irgendwann schaffe ich es wieder einmal nach Köln. Und dass ich dann mit dem Dampfer auf dem Rhein zum Drachenfels fahren werde, das ist so sicher wie der Besuch im „Hänneschen-Theter“! 😀

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  3. Das würde ich mir gern mal ansehen.
    Davor hatte man wohl große Angst, daß einer der dort untergebrachten Diktatoren oder Könige einem Attentat zum Opfer fallen könnte. Auf unseren Wanderungen durch das Siebengebirge waren wir hier natürlich auch schon, das ganze Gelände ist weiträumig mit einem Zaun umgeben, der zusätzlich mit Flutlichtanlagen und Kameras gesichert ist, und ein Hubschrauberlandeplatz bietet die Möglichkeit, den Gästen eine schnelle Flucht zu ermöglichen, sollten die Terroristen mal zuschlagen. Da fragt man sich doch, welche Sicherheitsvorkehrungen die Hotels haben, in denen die Herrschaften sonst nächtigen.

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  4. Als ich neulich da war, habe ich keine Esel gesehen, aber ich habe gelesen, daß noch ein Anbieter mit ein paar Eseln im Geschäft sein soll.
    Ja, das solltest Du machen, seitdem sie das Gebäude abgerissen und Platz zum Atmen geschaffen haben, ist ist wieder viel netter da oben.

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